Heinrich I.                                 König von Zypern (1218-1253)
-------------                                 Herr des Königreiches Jerusalem
3.5.1217-18.1.1253
               Nikosia

Begraben: Templerkirche Nikosia

Einziger Sohn des Königs Hugo I. von Zypern aus dem Hause LUSIGNAN und der Alice von Jerusalem, Tochter von König Heinrich von der Champagne
 

Thiele, Andreas: Tafel 172
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

HEINRICH I. (II.) DE LUSIGNAN
---------------------------------------------
    + 1253

Heinrich I. von Lusignan folgte unter der Vormundschaft seiner Mutter und stand ganz unter dem Einfluß der Familie IBELIN, die alle wichtigen Positionen innehatte (Baillif, Connetable, Seneschall). Es war eine Zeit verheerender Bürgerkriege und stärkster Feudalisierung in Zypern. Heinrich I. erneuerte die Lehensabhängigkeit zu Kaiser FRIEDRICH II., geriet schroff gegen die kaiserliche Partei, die vom Connetable Johann von Ibelin auf Tyros beschränkt wurde. Er stand auch gegen die Templer, wurde später päpstlicher Vasall und erhielt 1247 den Titel "König von Jerusalem" zugestanden. Er war ganz von Genua und Venedig abhängig und hatte viel Streit mit diesen Städten.

  1) oo Alix di Montferrat, Tochter des Markgrafen Wilhelm VIII.
                  + um 1233

  2) oo Stefanie von Armenien, Tochter des Königs Konstantin
                 + 1249

  3) oo Plaisance von Antiochien, Tochter der Fürsten Boemund V.
                 + 1261



Mayer, Hans Eberhard: Seite 213,214,229,226,233,248,277
*******************
"Geschichte der Kreuzzüge"

Heinrich I. war beim Tode seines Vaters erst 8 Monate alt. Die Vormundschaft und Regentschaft wurde für Heinrich I. durch seine Mutter Alice, die Tochter Heinrichs von Champagne, ausgeübt, aber die Barone setzten als Verwaltungsbaillis Verwandte aus der berühmten palästinensischen Familie der IBELINS ein, erst Alices Onkel Philipp (1218-1227), dann Johann von Ibelin, den "alten Herrn von Beirut" (1227-1228). Als sich Kaiser FRIEDRICH II. 1228 auf der Insel aufhielt, zwang er Johann, ihm den jungen König und die vier starken Königsburgen im Norden (Kyrenia, Kantara, Buffavento und St. Hilarion, von den Franken Dieudamour genannt) auszuliefern. FRIEDRICH beanspruchte die Bailliage (Regentschaft) für sich und verpachtetet sie 1229 an seine Parteigänger auf Zypern. Da er dies ohne Mitwirkung der Haute Cour tat, die in Nikosia genauso wichtig war wie auf dem Festland, verstieß er gegen die lehnsrechtlichen Vorstellungen seiner Zeit. Kaum hatte FRIEDRICH II. der Insel den Rücken gekehrt, da brach der Aufstand gegen das Regiment seiner Baillis los, und Zypern wurde nun in den langen Longobardenkrieg verwickelt, der sich größtenteils auf dem Festland abspielte. Er endete für Zypern mit der Kapitulation der kaiserlichen Festung Kyrenia (1233) zehn Jahre früher als in Palästina. Der staufische Zugriff auf Zypern war damit endgültig abgewendet, und 1247 befreite Papst Innocenz IV. König Heinrich I. von allen Treueiden, die er dem Kaiser möglicherweise geschworen habe, und nahm Zypern in den Schutz des apostolischen Stuhls.
Im Jahre 1246 folgte Heinrich I. von Zypern seiner Mutter als Regent des Königreiches mit dem Titel eines Seigneur du Royaume de Jerusalem. Damit war in Abwesenheit des rechtmäßigen Königs die Verantwortung für die Regierung des Festlandreiches wieder in die Hände des Königs von Zypern gelangte. Doch war er in Wahrheit nur ein Spielball in der Hand der IBELINS, die bald nach Alices Wahl mit der Belagerung von Tyrus begonnen hatten. Lothar Filangieri hatte kapitulieren müssen, um das Leben seines in Gefangenschaft geratenen Bruders Richard zu retten. Damit war der staufische Zugriff endgültig abgewehrt worden und die nahezu absolute Vorherrschaft der Barone bis zum Untergang des Reiches gesichert.

Runciman, Steven: Seite 926,956-960,969,972-980,1008-1010,1035,1055-1056,1107
***************
"Geschichte der Kreuzzüge"

1217
Inzwischen ritt König Andreas zusammen mit König Hugo hinweg nach Tripolis, wo Bohemund IV., der vormalige Fürst von Antiochia, der kürzlich seine erste Gemahlin, Plaisance von Dschebeli, verloren hatte, seine Hochzeit mit Hugos Halbschwester Melisende feierte. Dort  starb Hugo plötzlich am 10. Januar 1218 und hinterließ den Thron von Zypern einem acht Monate alten Knaben namens Heinrich unter der Regentschaft seiner Witwe Alice von Jerusalem.
1228
In Zypern war die bestellte Regentin namens des Kind-Königs Heinrich I. seine Mutter, Alice von Jerusalem. Sie hatte die Regierung ihrem Onkel Philipp von Ibelin, dem zweiten Sohn der Königin Maria Komnene, anvertraut.
Im Jahr 1225, als Gewißheit herrschte, daß der Kaiser ernstlich beabsichtigte, nach Osten zu kommen, befahl Philipp die Krönung des achtjährigen Königs Heinrich, so daß die Regentschaft, sobald Heinrich mit fünfzehn Jahren großjährig wurde, zumindest nicht mit der Begründung verlängert werden konnte, daß er noch nicht gekrönt sei. Alice betrachtete sich wiewohl in freiwillgem Exil, nach wie vor als Regentin
1229
FRIEDRICH verweilte etwa 10 Tage in Zypern, wo er Almerich Barlais und seine vier Freunde, Gavin von Chenichy, Amalrich von Beisan, Hugo von Dschebail und Wilhelm von Rivet, als Baillis bestätigte. Ihnen vertraute er die Person des Königs an. Gleichzeitig vereinbarte er die Eheschließung zwischen dem jungen König und Alice vonMontferrat, deren Vater einer seiner getreuen Anhänger in Italien war.
1233
Zypern war jetzt zur Gänze der Herrschaft Heinrichs und seiner IBELIN-Vettern zurückgegeben. Des Königs treu ergebene Lehnsleute wurden belohnt und die Gelder, die er geliehen hatte, zurückgezahlt.
1247
Zusätzliche Hilfe wurde aus Akkon und Zypern herbeigerufen. König Heinrich von Zypern schickte sofort ein Geschwader von acht Galeeren mit einhundert Rittern unter seinem Seneschall Balduin von Ibelin nach Akkon, wo die Kommune mit Hilfe der italiensichen Niederlassung weitere sieben Galeeren und fünfzig leichtere Fahrzeuge ausgerrüstet hatte. Die christliche Flotte war in der Lage, unbelästigt nach Askalon weiterzufahren, dort die Ritter an Land zu setzen und die Besatzung neu mit Lebensmitteln zu versorgen.
Königin Alice starb im Jahre 1246; und die Regentschaft ging nach einem vergeblichen Einspruch ihrer Halbschwester, der Fürstin-Mutter Melisende von Antiochia, auf den Nächstebrechtigten über, nämlich ihren Sohn, König Heinrich von Zypern. König Heinrich, der sich vornehmlich durch seine gewaltige Körperfülle auszeichnete, war nicht der rechte Mann, um seinen Machtbefugnissen Geltung zu verschaffen. Er ernannte Balian von Ibelin zu seinem Bailli und bestätigte Philipp von Montfort im Besitz von Toros.
Die Eheschließung zwischen Hethums Schwester Stephanie und Heinrich von Zypern im Jahr 1237 ebnete allmählich einer allgemeinen Aussöhnung den Weg.
Das königliche Geschwader traf am 17. September 1248 in Limassol ein und König Heinrich von Zypern bereitete ihnen allen einen herzlichen und gastlichen Empfang.
Bohemund V. starb im Januar 1252 und hinterließ zwei Kinder: eine Tochter namens Plaisance, die einige Monate zuvor die dritte Gattin des kinderlosen Königs Heinrich von Zypern geworden war, und einen Sohn Bohemund.
König Heinrich von Zypern starb am 18. Januar 1253. Da sein Sohn Hugo II. erst wenige Monate alt war, erhob Königin Plaisance Anspruch auf die Regentschaft von Zypern und die Titular-Regentschaft von Jerusalem.
 
 
 
 

    1233
  1. oo Alice von Montferrat, Tochter des Markgrafen Wilhelm VIII.
     x    um 1205/10-   1233

    1237
  2. oo Stephanie von Armenien, Tochter des Regenten Konstantin
      x         -   1249

    1251
  3. oo Plaisance von Antiochia, Tochter des Fürsten Bohemund V.
           1236-27.9.1261
 
 
 
 

Kinder:
3.Ehe

  Hugo II.
  1252- Dezember 1267
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Abulafia, David: Herrscher zwischen den Kulturen Friedrich II. von Hohenstaufen, Wolf Jobst Siedler Verlag Berlin 1991 Seite 182,200 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 163 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 213,214,229,226,233,248,277 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 926,956-960,969,972-980,985,991,1008-1010,1035, 1052,1055-1056,1107 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 172 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 1. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 247 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 2. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 86,141,383,385,387,394,396,397,490 -