Amalrich II. von Lusignan                  König von Jerusalem (1197-1205)
--------------------------------    als A. I. König von Zypern (1194-1205)
um 1155-1.4.1205
              Akkon
 

Sohn des Grafen Hugo VIII. der Braune von Lusignan und der Bourgogne von Rancon, Tochter von Sire Geoffroy III. de Taillebourg
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 241
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Aimerich von Lusignan, König von Zypern ab 1196
----------------------------  König von Jerusalem ab 1197
     + 1. April 1205

Sohn von Hugo VIII. von Lusignan

Rebellierte 1168 gegen König Heinrich II. und wanderte vor 1174 nach dem Osten aus. Man sagt, dass er aus der Gefangenschaft in Damaskus von König Amalrich freigekauft wurde, dass er der Liebhaber der Königin-Mutter, Agnes von Courtenay, war, und die Ehe zwischen seinem Bruder Guido von Lusignan und ihrer Tochter Sibylla in die Wege geleitet habe. Er war Connetable von Jerusalem nach 1179/81, wurde in Hattin gefangen (Juli 1187) und 1188 wieder freigelassen. Nach einem Streit mit Heinrich von Champagne zog er sich 1193 nach Zypern zurück, wo sein Bruder herrschte. Nach dem Tode Guidos 1194 zu dessen Nachfolger gewählt, wurde er 1196 der 1. König Zyperns. 1197 heiratete er Königin Isabella von Jerusalem und wurde damit auch Herrscher von Jerusalem. Nach seinem Tod ging Zypern an seinen Sohn aus der Ehe mit seiner 1. Frau, Eschiva von Ibelin, Jerusalem fiel an Isabellas Tochter aus einer früheren Ehe. Trotz seines Streits mit dem berühmten Baron-Jurist Ralph von Tiberias, den er 1198 eines Attentatsversuchs beschuldigte, wurde er von späteren Generationen als Rechtsexperte geehrt.



Thiele, Andreas: Tafel 172
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

AMALRICH II. DE LUSIGNAN
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    + 1205 ermordet

Bruder von König Guido I.

Amalrich II. von Lusignan förderte 1186/87 entscheidend das Königtum seines Bruders Guido, machte 1187 die Schlacht bei Hittin mit und war bis 1188 gefangen. Er wurde Fürst von Paphos und 1194/95 König von Zypern und 1197 König von Jerusalem zu Akkon. Er schloß Frieden mit Ägypten, bekam weitere Küstenplätze zugestanden und eroberte zeitweise Nazareth. Amalrich war ab 1181 Connetable von Jerusalem, stritt als König ständig mit den Vasallen und Ritterorden und anerkannte als König von Zypern die Hoheit Kaiser HEINRICHS VI.



Als Konstabler des Reiches verhalf er seinem Bruder Guido zur Jerusalemer Krone. Amalrich folgte seinem Bruder 1194 in der Regierung Zyperns. Um sich gegen die Ansprüche des byzantinischen Kaisers zu decken, trug er sein Land Kaiser HEINRICH VI. als Lehen an. Durch Heirat wurde er König von Jerusalem. Mit Hilfe der Kreuzfahrer eroberte er im Jahre 1204 Jaffa zurück. Er starb an übermäßigem Fischgenuß. Seine Geliebte war die Ex-Königin Agnes de Courtenay.

Runciman, Steven: Seite 879
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Amalrich II. war kein großer König; aber gleich seinem Vorgänger Heinrich erwarb er durch Erfahrung eine politische Klugheit und Einsicht, die für das arme und gefährdete Königreich von großem Wert waren; und seine sauberer Rechtsverstand schuf nicht nur eine Verfassung für Zypern, sondern trug auch viel dazu bei, die Monarchie auf dem Festland zu erhalten. Als Mann und Mensch genoß er Achtung, aber man mochte ihn nicht besonders gern. Er war in seiner Jugend verantwortungslos und streitsüchtig gewesen und er nahm es stets übel, wenn man sich ihm widersetzte. Dennoch muß es ihm hoch angerechnet werden, dass er, wiewohl er es offenkundig vorgezogen hätte, nur König von Zypern zu bleiben, die Aufgabe, welche seine zweite Krone ihm aufbürdete, übernahm und pflichtschuldig durchführte. Bei seinem Tode wurden beide Königreiche getrennt.

Pernoud Regine: Seite 147-148
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"Frauen zur Zeit der Kreuzzüge"

Nach dem Tode Heinrichs von der Champagne wurde die Witwe Isabella von vielen Anwärtern umschwärmt. Einer der Bewerber, Amalrich von Lusignan, ein Bruder Guidos, wurde von den Rittern des Templer- und des Johanniterordens favorisiert. Er hatte 1194 die Nachfolge seines Bruders über das Königreich Zypern angetreten, das dieser als Entschädigung seinerseits von Richard Löwenherzerhalten hatte. Er hielt es für klug, sich unter den Schutz Kaiser HEINRICHS VI. zu begeben: Zu jenem Zeitpunkt, als das byzantinische Kaiserreich kurz vor dem Zusammenbruch stand, schien nur das Heilige Römische Reich die Autorität zu besitzen, ein Königreich zu stützen und zu bestätigen, sei es auch noch so weit entfernt wie die Insel Zypern. Der erbetene Schutz sollte allerdings in der Folgezeit eine Reihe von Komplikationen nach sich ziehen.
Im Anschluß an ihre Vermählung wurden Amalrich und Isabella gekrönt - für die junge Frau war es die 4. Krönung. Amalrich von Lusignan erwies sich als umsichtiger und fähiger Herrscher. Im Oktober 1197, kurz nach seiner Krönung, kam er der bedrohten Stadt Beirut zu Hilfe und konnte sie zurückerobern, im übrigen ohne einen Tropfen Blut zu vergießen und dank der Mithilfe christlicher Sklaven, die in der Zitadelle beschäftigt waren. Ein bedeutender Sieg, der den Franken die Herrschaft über die ganze Küste, von Tripolis bis Akkon, sicherte. Die Stadt wurde als Lehen Johann von Ibelin übergeben, dem Sohn Balians II. und der Ex-Königin Maria Komnena, der in den Chroniken häufig der "Alte Herr von Beirut" genannt wird.
Amalrich hatte Verstärkung von jenen deutschen Kreuzfahrern erhalten, mit denen Königin Margarethe von Ungarn ins Land gekommen war. Doch als kurz danach die Nachricht vom Tod Kaiser HEINRICHS VI. bekannt wurde, löste sich dieses deutsche Kreuzfahrerheer auf, wie es sieben Jahre zuvor nach dem Tod FRIEDRICH BARBAROSSAS geschehen war. Die Teilnehmer des Kreuzzuges kehrten schleunigst in den Okzident zurück, "als hätten sie beim Tod ihres Herrschers den Kopf und den Mut verloren", heißt es in der Fortsetzung der Kreuzzugsgeschichte Wilhelms von Tyrus. Amalrich bedauerte das nicht sonderlich, denn es war zwischen den ansässigen Lateinern und den deutschen Kreuzfahrern häufig zu Zusammenstößen gekommen. Kurz nach ihrer Abreise, am 1. Juli 1198, wurde mit den muslimischen Mächtigen Frieden geschlossen.

Mayer, Hans Eberhard: Seite 117,118,137,146,147,149,162,211-213,218-222,276
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Die Brüder Guido und Amalrich von Lusignan, unruhige und ehrgeizige Poitevins, die dort von Richard Löwenherz seit kurzem vertrieben worden waren, stießen neben Rainald von Chatillon um 1180 zur "Hofpartei". Agnes von Courtenay sorgte dafür, dass Amalrich nach dem Tode Humfrieds II. von Toron Konstabler des Königsreiches wurde, und wieder munkelte man von einer Liebesaffäre der Königin-Mutter. Im Jahre 1197 landeten deutsche Kreuzfahrer in Zypern und der Kanzler krönte Amalrich zum König von Zypern und begründete die Oberhoheit des Reiches über die Insel. Der Konstabler des Reiches Amalrich mußte nach einem Bruch mit König Heinrich das Land verlassen und begab sich nach Zypern, wo er 1194 seinem Bruder Guido nachfolgte. Heinrich hielt es jetzt für geraten, sich mit Amalrich zu arrangieren. Bei einem Besuch in Zypern wurde eine Heirat von Heinrichs Töchtern mit Amalrichs Söhnen verabredet, wofür Amalrich endlich die Restschuld aus seines Bruders Kauf von Zypern zahlte und die Pisaner wieder auf dem Kontinent zugelassen wurden. Heinrichs Projekt war vernünftig und hätte, wenn es durchgeführt worden wäre, eine starke neue Dynastie begründet, doch kam schließlich nur eine Ehe zustande, und das war nicht genug, um die Ansprüche anderer Prätendenten abzuwehren. Zu Heinrichs Nachfolger (+ 10. September 1197) wählten die Barone Amalrich von Lusignan, der seit kurzem König von Zypern war. Die Wahl war keineswegs eine frei und vom Erbrecht unbeschwerte, denn die Barone wählten im Grunde nicht den König, sondern nur einen neuen Gemahl für Heinrichs Witwe Isabella, die die Krone weitertrug. Hierbei unterschieden sie sich unter deutschem Druck für den reichen Amalrich von Zypern gegen den Rechtsgelehrten, aber armen einheimischen Baron Radulf von Tiberias. So kam eine Personalunion zwischen Jerusalem und Zypern zustande, wobei allerdings Jerusalem kein deutsches Lehen war wie Zypern, wenngleich Amalrichs Wahl eine Periode staufischen Einflusses in der Levante begründete. Die Regierung Amalrichs, dessen Krönung endlich auch seiner Gemahlin Isabella I. zur Erstkrönung verhalf, war nur anfangs dem Heiligen Land gewidmet; er scheint seit 1199 nur noch sporadisch auf dem Festland gewesen zu sein. Im Verein mit den deutschen Kreuzfahrern konnte Beirut und die Landverbindung nach Tripolis wieder erobert werden. Amalrichs Regierung war vor allem durch den Versuch gekennzeichnet, das alte Gewohnheitsrecht wiederherzustellen. Zwar entzog sich Radulf von Tiberias der ihm angetragenen Aufgabe, aber Amalrich ließ später mit dem Livre au roi die erste Rechtskodifizierung für Jerusalem vornehmen, die noch einen Schimmer der starken Monarchie des 12. Jahrhunderts zeigt und damit Amalrichs Ziel einer Restauration enthüllt. Doch war der Widerstand der Barone schon zu stark geworden, und als Amalrich seinen Seneschalk Radulf von Tiberias, vielleicht in der zusätzlichen Absicht, seine Lehen einzuziehen, ohne Gerichtsverfahren absetzen wollte, weil er in ihm den Hintermann eines deutschen Attentats auf sich sah, stieß er auf offene Opposition, die nur mühsam durch einen Kompromiß beigelegt werden konnte, der beiden Parteien erlaubte, das Gesicht zu wahren. Die Vasallen hatten, von Radulf dazu aufgerufen, erstmals die Assise sur la ligece angewandt und dem König die kollektive Dienstverweigerung angedroht, ohne dies aber nachhaltig in die Tat umsetzen zu müssen, da Radulf freiwillig ins Exil ging. Der 4. Kreuzzug brachte dem Heiligen Land keine Hilfe, da er in Konstantinopel steckenblieb, doch konnte der Waffenstillstand mit den AIYUBIDEN immer wieder erneuert werden. Im Jahre 1204 wurde Jaffa zurückgewonnen. Im großen und ganzen war das Reich von Jerusalem dank der konzilanten Haltung des Sultans al-Adil und später wegen der aiyubidischen Bruderkämpfe vor einem entschlossenen Angriff der Muslime bis kurz vor die Jahrhundertmitte geschützt. Die späteren AIYUBIDEN fanden sich mit der Existenz der Kreuzfahrerstaaten ab.
Da sein Bruder Guido die Kassen Zyperns geleert hatte, sah es daher Amalrich als seine vornehmste Aufgabe an, den königlichen Schatz wieder aufzufüllen. Mit einem  Wechselspiel von Gewalt und Überredung bewog er seine Vasallen, einen Teil ihrer Einkünfte wieder abzugeben. Als er starb, betrugen seine jährlichen Einnahmen mindestens 200.000 Byzantiner. Als Amalrich 1197 auch die Krone von Jerusalem übernahm, traf er eine bedeutsame Entscheidung: er vereinigte Jerusalem und Zypern nicht unter einer Krone, wie es der Papst gern gesehen hätte, sondern begründete lediglich eine Personalunion, die bei völlig getrennter Verwaltung Zypern davor bewahrte, zum einseitigen Nutzen Jerusalems finanziell auszubluten. Bei dieser Regelung ist es auch in nach-staufischer Zeit geblieben, als die Krone von Jerusalem wieder an die LUSIGNAN fiel. Das heißt nicht, dass die zypriotischen Herrscher und Ritter den Bedürfnissen des Heiligen Landes gegenüber teilnahmlos gewesen wären. In Amalrichs Regierung fällt auch die Errichtung der lateinischen Kirchenorganisation in Zypern (1196).
Amalrich starb am übermäßigem Genuß von Goldbrassen. Isabella I., die zunächst allein weiterregierte, folgte ihm bald in den Tod; und schon vor ihr war beider Sohn verschieden. In Zypern folgte sein Sohn aus 1. Ehe, während Jerusalem an die montferratische Linie zurückfiel.
 
 
 
 

    1179
  1. oo Eschiva von Ibelin, Tochter des Balduin von Ramla und der Richilde von Bessan
           um 1165-   1196/97

    1198
  2. oo 4. Isabella I. von Jerusalem, Tochter des Königs Amalrich I.
              1171- nach 1.4.1205
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Hugo I. König von Zypern
  1195-10.1.1218

  Bourgogne von Lusignan
  um 1185/90- nach 1205

 1204
  oo Walter Graf von Montfaucon-Mömpelgard
              -   1212 gefallen

  Guido
        -

  Helois von Lusignan
           - um 1219

  1. oo Eudes von Dampierre-sur-Salon Seigneur de Chargey
                 -

  oo Raimund Ruben Fürst von Antiochia
      1199-   1221/22

  Johannes
        -

  Alice
        -

2. Ehe

  Sibylle von Lusignan
  um 1200- nach 1225

  oo Leo I. König von Armenien
             - 5.1219

  Melisende von Lusignan
  1197/99- nach 1249

 1218
  oo Bohemund IV. Fürst von Antiochia
              - März 1233

  Isabella
        -

  Amalrich
         -   1204
 
 
 
 

Literatur:
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Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 88 - Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993 Seite 198,200,201,202 - Csendes Peter: Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die Macht. Primus Verlag 2003 Seite 132 - Kugler Bernd: Geschichte der Kreuzzüge. Reprint-Verlag-Leipzig 1880 - Lehmann Johannes: Die Kreuzfahrer. Abenteurer Gottes. Gondrom Verlag Bindlach 1991 Seite 309,311,319 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 117,118,137,146,147,149,162,211-213,218-222,276 - Pernoud Regine: Frauen zur Zeit der Kreuzzüge Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 Seite 147-148 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978 Seite 724-725,739,747,759,792,858-860,865,868-871,873,877-880,905,909,956 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 172,176 - Zöllner Walter: Geschichte der Kreuzzüge. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1977 Seite 129, 141,220 -