Katharina I.                                    Titular-Kaiserin von Byzanz
---------------                                   Dame de Courtenay
um 1275-3.1.1307                         Gräfin von Valois
 

Einzige Tochter und Erbin des Titular-Kaisers Philipp I. von Courtenay und der Beatrix von Anjou, Tochter von König Karl I. von Neapel-Sizilien
 

Thiele, Andreas: Tafel 208
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

KATHARINA I. DE COURTENAY
----------------------------------------------
    + 1308

1283 Titular-Kaiserin von Byzanz

 1302
  oo Karl I. von Valois, Titular-Kaiser von Byzanz, Regent von Frankreich
              + 1325

Ihre Ansprüche fallen an die Tochter KATHARINA II. (Frankreich III/Anjou Ia/2)



Katharina I. von Courtenay wurde 1283 Titular-Kaiserin von Byzanz und Erbin der Seigneurie von Courtenay.

Norwich John Julius: Seite 315
*****************
"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches"

Dann eroberten Philipp von Tarent (Sohn Karls II. von Anjou) und die katholischen Albaner gemeinsam Durazzo, und schließlich griff noch ein weiterer westeuropäischer Fürst in den Kampf ein: Karl von Valois, der Bruder des französischen Königs Philipp des Schönen. Er hatte sich 1301 mit Katharina von Courtenay, der Enkelin Kaiser Balduins, verheiratet. Nun machte er sich die Wiederherstellung des Lateinischen Reichs zur Aufgabe. Im selben Jahr 1308 starb jedoch Katharina, und da nun die Erbfolge an ihre Tochter Katharina von Valois überging, stand Karl plötzlich ganz ohne Anspruch da, dies besonders, nachdem Philipp von Tarent sich nach der Scheidung von seiner ersten Frau Thamar 1313 mit Katharina von Valois verheiratet hatte.

Martin Jean-Joseph: Seite 35
****************
"Die Valois"

Um jedoch der Einsamkeit zu entgehen, in der ihn der Tod Margaretes von Sizilien (Dezember 1299) zurückgelassen hatte, begab er sich vermutlich nach Saint-Cloud, um sich dort mit der flämischen Prinzessin Katharina von Courtenay zu vermählen (Januar 1301). Der Ort, an dem Karl von Valois seine zweite Vermählung vollzog, ist nicht genau bekannt. Nach der Meinung des Präsidenten Henault fand sie in Italien während eines Feldzuges statt. Uns erscheint Saint-Cloud glaubhafter. Andere verweisen auf die ihm bei seiner ersten Heirat zugesprochenen Erbgüter der ANJOU. Eines scheint sicher: von neuer Kriegslust erfüllt, zog Karl von Valois kurz nach seiner Hochzeit mit seiner Gemahlin und fünfhundert Reitern nach Italien.

Ehlers Joachim: Seite 228
*************
"Die Kapetinger"

Durch seine Heirat mit Katharina von Courtenay, der Tochter des letzten lateinischen Kaisers von Konstantinopel, erwarb er 1301 Anspruch auf das östliche Kaisertum, 1307 kandidierte er für die Nachfolge des ermordeten römisch-deutschen Königs ALBRECHT I. VON HABSBURG.

Kiesewetter, Andreas: Seite 265,275,284,293,350,352,356-358
******************
"Die Anfänge der Regierung König Karls II. von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts"

Zusätzlich dürfte der König die französische Gesandtschaft, welche im Mai 1294 in Neapel anwesend war, um Katharina von Courtenay nach Frankreich zu geleiten, instruiert haben.
Der Infant Friederich sollte mit Sardinien oder dem Lateinischen Kaiserreich entschädigt werden und daher Bianca von Anjou beziehungsweise Katharina von Courtenay heiraten.
In den Gesprächen mit den sizilischen Gesandten griff der Papst dann auf die Instruktion der aragonesischen Gesdandtschaft vom März 1295 zurück und schlug die Heirat Friedrichs mit Katharina von Courtenay und seine Entschädigung mit dem Lateinischen Kaiserereich vor. Der Infant sollte Katharina bis 1. September 1295 zur Frau nehmen, die als Mitgift das Lateinische Kaiserreich in die Ehe einbrachte.
Überraschend ergaben sich aber bald von ganz anderer Seite große Schwierigkeiten. Wiederholt hatte Bonifaz VIII. Katharina von Courtenay, die sich seit 1294 in Frankreich aufhielt, aufgefordert, nach Italien zurückzukehren, um entsprechend den Vereinbarungen Friedrich von Aragon zu ehelichen [Auch an Philipp den Schönen hatte der Papst in dieser Angelegenheit am 13. Juli 1295 geschrieben und den König gebeten, Katharina zu überzeugen, sich einer Heirat mit Friedrich nicht zu widersetzen.]. Vor allem unter dem Einfluß Philipps des Schönen, der mit der Erbin auf die Rechtstitel des Lateinischen Kaiserreichs andere Pläne hatte, weigerte sich Katharina aber, in diese Eheverbindung einzuwilligen, da weder Friedrich noch sie über den entsprechenden Landbesitz und die Machtmittel verfügten, einen erfolgversprechenden Kriegszug gegen Byzanz durchzuführen.
Kurz vor seiner Abreise nach Frankreich und an die römische Kurie erteilte Karl II. deshalb seinem Sohn Karl Martell Anweisung, die von Robert von Artois und Nikolaus IV. eingeleiteten Verhandlungen zwecks einer Heirat zwischen dem byzantinischen Thronerben Michael IX. und Katharina von Courtenay fortzuführen.
Sowohl Karl II. als auch Katharina von Courtenay war der Vertragsentwurf, den Pierre de Sury mit dem byzantinischen Hof ausgearbeitet hatte, nicht günstig genug. Wohl in diesem Zusammenhang verlangte der ANGIOVINE die Abtretung des Königreichs Thessalonike, die Pierre de Sury vermutlich Ende 1293 bei Andronikos vorbrachte. Nach Zurückweisung dieses Ansinnens waren im Grunde die Heiratverhandlungen Byzanz-ANJOU gescheitert. Die Abreise der Katharina von Courtenay, die von Philipp IV. aufgefordert worden war, für ihre Lehen in Frankreich dem KAPETINGER das Homagium zu leisten, aus dem Regno an den französischen Hof im Mai 1294 machte die letzte Möglichkeit einer angiovinisch-byzantinischen Heiratsallianz endgültig zunichte. Obwohl die Erbin der Ansprüche auf das Lateinische Kaiserreich dem ANJOU kurz vor ihrer Abreise einen Eid leisten mußte, sich ohne seine Zustimmung nicht zu vermählen und binnen eines Jahres nach Unteritalien zurückzukehren, geriet Katharina in der Folgezeit unter den Einfluß des französischen Hofes, der vor allem bestrebt war, sie mit einem kapetingischen Prinzen zu verheiraten.
Karl II. antwortete ausweichend, da der neugewählte Papst Bonifaz VIII. mit Katharina von Courtenay schon Anfang 1295 andere Pläne hatte [Bonifaz VIII. hatte Katharina von Courtenay unmittelbar nach seiner Wahl aufgefordert, an der römischen Kurie zu erscheinen.].
Der Plan Bonifaz' VIII., durch die Verheiratung der Katharina von Courtenay mit Friedrich III. von Sizilien den sizilischen Konflikt zu lösen, gab dem byzantinisch-angiovinischen Eheprojekt somit endgültig den Todesstoß.
 
 
 
 

6.2.1301
  oo 2. Karl I. Graf von Valois
         12.3.1270-15.12.1325
 
 
 
 

Kinder:

  Katharina II.
  Ende 1303- Anfang 10.1346

 30.7.1313
    oo Philipp von Anjou Fürst von Tarent
         1278-26.12.1332

  Johanna
  1304-9.7.1363

  Sie starb als Nonne zu Fontenelles

 1318
  oo Robert III. von Artois Graf von Beaumont zu Conches
       1287-16.8.1342

  Johann Graf von Chartres
  1302-   1308

  Isabella Äbtissin von Fontevrault
        -11.11.1349
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 228 - Kiesewetter, Andreas: Die Anfänge der Regierung König Karls II. von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts, Matthiesen Verlag 1999 Seite 265,275,279,284,293,350,352,356-358 - Martin Jean-Joseph: Die Valois. Edition Rencontre Lausanne 1969 Seite 35 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Seite 315 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 208 -