Bourbon
 

Lexikon des Mittelalter: Band II Spalte 501
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BOURBON
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I. HAUS BOURBON

Das Fürstenhaus BOURBON (benannt nach seinem Familiensitz Bourbon-l’Archambault stammte höchstwahrscheinlich von Aimard (bezeugt unter anderem 915), dem familiaris Wilhelm des Frommen, Herzogs von Aquitanien, ab. Aimards Sohn Aimon (Aimo) hatte die Burg Bourbon-l’Archambault inne; seine Nachkommen trugen den Titel „sire de Bourbon“. Diese Familie, nach ihrem „Leitnamen“ als ARCHAMBAULT (Archembaud, Erchembald) bezeichnet, herrschte im Mannesstamm bis 1096. Zu diesem Zeitpunkt wurde der junge Archambault VI. von seinem Onkel, Aimon II. „Vaire Vache“, ausgeschaltet; Aimon II. behauptete sich trotz seiner Niederlage gegen König Ludwig VI. (1108 oder 1109). 1171 verstarb Archambault VII., der Sohn von Aimon II., ohne männliche Erben zu hinterlassen. Seine Tochter Mathilde heiratete in 2. Ehe Guy de Dampierre, einen Herrn aus der Champagne. Damit wurde die Familie BOURBON-DAMPIERRE, die enge Verbindungen zum Königtum unterhielt, begründet. Der Enkel von Guy, Archambault IX., starb 1249 auf dem Kreuzzug; seine Töchter, zunächst Mathilde, dann Agnes, traten seine Erbfolge an. Aus 1. Ehe hatte Agnes eine Tochter, Beatrix, die Robert de Clermont, den Sohn König Ludwigs des Heiligen und Bruder König Philipps des Kühnen, heiratete (1272). So war die Familie BOURBON in Heiratsverbindung mit der königlichen Familie eingetreten. Louis (Ludwig) I., Sohn der Agnes, der eine aktive Rolle in der Politik des Königreiches unter König Philipp V. und König Karl IV. spielte, wurde von diesem zum Herzog erhoben (1327). Der älteste Sohn von Louis I., Pierre (Peter) I., fiel 1356 in der Schlacht von Poitiers. Der zweite Sohn, Jacques (Jakob), Graf von der Marche, war Ahnherr der französischen Könige aus der Dynastie der BOURBONEN. Herzog Louis II. (1356-1410), Enkel von Louis I., begründete ein umfangreiches Lehnsfürstentum. Doch willigte er 1400 in die Umwandlung des Herzogtums Bourbon, das bis dahin ein erbliches Lehen gewesen war, in eine Apanage ein, die - bei Ausbleiben eines männlichen Erben - der königlichen Domäne einverleibt werden konnte. Dieses Zugeständnis machte der Fürst als Gegenleistung für die Aussicht auf eine Rückführung der Auvergne in bourbonischen Hausbesitz, welche nach dem Tod von Louis II. (1418) durchgeführt wurde. Sein Sohn Jean (Johann) I., dem 1410 die Herrschaft übertragen worden war, geriet 1415 bei Azincourt in englische Gefangenschaft, in welcher er bis zu seinem Tode (1434) verblieb. Sein Enkel Charles (Karl) I. spielte daegen - mit wechselndem Erfolg - eine wichtige politische und militärische Rolle. 1440 beteiligte er sich am Aufstand der Praguerie gegen Karl VII. Nach Charles' I. Tod fiel das Herzogtum nacheinander an seine Söhne Jean (Johann) II., der einer der Teilnehmer am Aufstand der Ligue du Bien Public gegen Ludwig XI. war, und an Charles (Karl) II., den "Kardinal von Bourbon". Letzterer wurde 1488 von seinem Bruder Peter (Pierre) von Beaujeu (oo Anna von Beaujeu, Tochter von König Ludwig XI.) aus der Herzogswürde verdrängt. Peter und Anna von Beaujeu, die nach dem Tode Ludwigs XI. zu den beiden politisch beherrschenden Persönlichkeiten im Königreich Frankreich aufstiegen, hatten als einzige überlebende Nachkommen nur eine Tochter, Suzanne. Sie mußten daher fürchten, daß das Herzogtum Bourbon und ihre anderen Besitzungen nach ihrem Tod an die Krone fallen würden. Nach dem Ableben ihres Gatten verheiratete Anna von Beaujeu deshalb ihre Tochter Suzanne mit ihrem Vetter Charles de Bourbon-Montpensier, der von einem jüngeren Sohn Jeans I. abstammte und daher als männlicher Erbe der Herzogswürde gelten konnte. Dennoch forderten nach dem Tod der Suzanne (1521) die Königin-Mutter und der König das Erbe des Charles für sich. Daraus entwickelte sich ein Konflikt, dem das Herzogtum Bourbon zum Opfer fiel.

II. HERRSCHAFT/HERZOGTUM

[1] Die Anfänge

Das castrum Bourbon l'Archambault im südlichen Berry (Mittel-Frankreich) scheint in der MEROWINGER-Zeit eine Münzstätte beherbergt zu haben. 761 wurde es von Pippin dem Kurzen im Zuge seiner Kriege gegen Aquitanien eingenommen und war in der KAROLINGER-Zeit Sitz eines vicarius des Grafen von Bourges (in dieser Funktion erstmals belegt 880, letztmals 1032).
Die Burg Bourbon ist 954 erneut bezeugt; sie war zu diesem Zeitpunkt im Besitz der Familie der ARCHAMBAULT, deren Güter sich im Grenzbereich zwischen Berry und Auvergne erstreckten. Der erste bekannte Vertreter dieses Geschlechts, Aimard, hatte Besitz in Souvigny (Dep. Allier), den er 913 an die Abtei Cluna tradierte zur Gründung eines Priorates, dessen Vogtei von Aimard und seinen Nachkommen ausgeübt wurde. Bourbon war damit die Wiege eine Kastellanenfamilie, der ARCHAMBAULT, denen es gelang, sich der Oberhiheit der Grafen von Bourges zu lösen und die im Laufe des 11. Jh. ein eigenes Lehnsfürstentum, das an die Grafschaften Bourges, Clermont, Nevers und Autun angrenzte, begründeten.

[2] Territorialverwaltung im Hoch- und Spätmittelalter

Der wichtigste Ausgangspunkt der Ausdehnung des Fürstentums der ARCHAMBAULT in das Autunois und Nivernais war Moulins (erstmals 990/91 erwähnt). Unter Archanbault III. (1034-1078) war die Territorialpolitik der BOURBONEN vor allem auf das Berry gerichtet; diese Expansion kam jedoch mit der Erwerbung der Vizegrafschaft Bourges durch den französischen König (1101) zum Stillstand. Im Westen und Osten blieben die Herrschaften Huriel und Jaligny außerhalb des bourbonischen Machtbereichs. Im Süden sicherten sich die sires de Bourbon Enklaven in der Auvergne; ihere Ausdehnung wurde aber durch die Besitzungen der Abteien Ebreuil und St-Pourcain blockiert. Nach der Austragung eines Konfliktes zwischen König Ludwig VI. und dem sire de Bourbon, Aimon II. "Vaire Vache", der sich dem König unterwerfen mußte (1108/09), wurden die BOURBONEN wichtige Parteigänger des Königtums, dessen Vordringen in die Auvergne vorwiegend mit Hilfe der BOURBONEN erfolgte. Mit der Einheirat Guys de Dampierre in das Haus BOURBON verstärkte sich das Zusammengehen mit dem Königtum noch; es gipfelte in der Heirat zwischen den Mitglied der königlichen Familie Robert de Clermont und Beatrix de Bourbon (1276). Im 14. und 15. Jh. erreichte die Herrschaft der BOURBONEN die Ausdehnung, die sie bis zum Ende des Ancien Regime behalten sollte. Bourbon, am 14. Dezember 1327 zur duche-pairie (Herzogtum mit Pairswürde) erhoben, wurde zum namengebenden Territorium für ein weiträumiges fürstliches Herrschaftsgebiet, das unter anderem die Grafschaft Forez (ab 1372), die Herrschaft Beaujeu (ab 1400) sowie das Herzogtum und Dauphine d'Auvergne (endgültig ab 1418-1422) umfaßte.