Maria von Ungarn                               Königin von Neapel
-----------------------                             Königin von Jerusalem
um 1255-25.3.1323
 

Begraben: S. Maria Domna Regina
 

Tochter des Königs Stephan V. von Ungarn und der Elisabeth, Tochter vom Kumanen-Khan Kuthen
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 278
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Maria von Ungarn, Königin von Sizilien (Neapel)
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     + 25. März 1323

Begraben: S. Maria Domna Regina

Tochter Stefans V., König von Ungarn

  oo 1269 Karl II. von Anjou, den späteren König von Sizilien

Nach dem Tode ihres - mit Marias Schwägerin Isabella von Anjou vermählten - Bruders Ladislaus IV. „des Kumanen“ (10. Juli 1290) machte Maria von Ungarn, unterstützt von der Kurie, ihre Rechte auf die ungarische Krone gegen Andreas III. geltend. Anfang 1292 trat sie alle ihre Rechte an ihren Erstgeborenen (von 13 Kindern) Karl Martell ab, nahm jedoch weiterhin an der Ungarnpolitik Anteil. Nach dem Tod ihres Gatten (3. Mai 1309) widmete sich Maria von Ungarn, die eine Witwenapanage von jährlich 3.000 Unzen Gold erhielt, frommen Werken; sie betrieb bei Johannes XXII. die Kanonisierung des Thomas von Aquin und gründete in Neapel den von ihrer Schwester Elisabeth geleiteten Dominikanerinnenkonvent S. Pietro a Castello sowie den Klarissenkonvent S. Maria Donna Regina, wo sie bestattet wurde.



Thiele, Andreas: Tafel 358
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

MARIE VON UNGARN
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    + 1323

Hauptkraft für die ANJOU-Nachfolge, vom Papst gefördert.

 1270
  oo Karl II. d'Anjou, König von Neapel-Sizilien
              + 1309



Maria von Ungarn wurde zur Stammutter aller ANJOU-Linien.

Kiesewetter, Andreas: Seite 33,155,189,195,,371,374,404,413,451,489
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"Die Anfänge der Regierung König Karls II. von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts"

Zugleich sollten die Emissäre die Modalitäten einer Eheverbindung zwischen Karl II. und Maria, einer Tochter König Stefans, einerseits und Ladislaus, dem ungarischen Kronprinzen, und Isabella, der drittgeborenen Tochter Karls I., andererseits regeln.
In der Zwischenzeit wurden die ersten Vorkehrungen für den Empfang der ungarischen Braut im Regno getroffen. Über das genaue Ankunftsdatum der ARPADIN und die Hochzeitsfeierlichkeiten schweigen die Quellen, doch fand die Vermählung am 6. August 1270 statt [Der 6. August als Datum der Hochzeit wird ausdrücklich in einer Urkunde Karls II. vom 9. Juni 1302 genannt. Noch am 14. Juni 1270 hat Karl I. die Kardinäle, wegen liberorum nostrorum nuptias in proximo celebrandas ihm 4.000 Goldunzen Lehnszins bis 1. November 1290 zu stunden. Auch Saba Malaspina berichtet von der Hochzeit, legt sie aber nach die Ritterweihe Karls II. Die Hoffnungen, die Karl I. in das Bündnis mit den ARPADEN gesetzt hatte, sollten sich freilich nicht erfüllen, da Stefans V. Nachfolger Ladislaus IV. (1272-1290) eine eher antiangiovinische Politik verfolgte und seine Gemahlin Isabella von Anjou in einem Kloster auf der Margaretheninsel in Budapest gefangensetzte.].
Einer der gefangenen Franzosen wurde in einer bewaffneten Barke an Land gesetzt und teilte der Gemahlin Karls die Bedingungen Laurias mit. Maria von Ungarn stimmte selbstverständlich zu und lieferte die Prinzessin Beatrix von Hohenstaufen nach 18 Jahren Kerkerhaft aus.
Eduard sah nun das Werk seiner Vermittlertätigkeit gefährdet und erklärte sich zu Modifikationen bereit, um den Vertrag zu retten. Er stellte in Aussicht, Maria von Ungarn, die Gemahlin Karls II., sowie einige nahe Verwandte und englische Barone als Geiseln zu stellen. Bei seiner Eheschließung mit Maria, der Tochter König Stefans V. von Ungarn, am 6. August 1270 dürfte Karl II. kaum geahnt haben, daß dieser Heirat für das angiovinische Haus eine ähnliche Bedeutung zukommen würde, wie einst der Eheverbindung HEINRICHS VI. mit Konstanze von Hauteville für die staufische Dynastie. Nachdem aber Marias völig unfähiger Bruder Ladislaus IV. am 10. Juli 1290 einer Palastrevolution zum Opfer gefallen war, trat tatsächlich der "Ernstfall" ein, da Ladislaus keine Kinder hinterlassen hatte und das Geschlecht der ARPADEN somit im direkten Mannesstamm erloschen war. Das Fehlen einer festen Regelung der Thronfolge in Ungarn sollte sich nun bitter rächen, da sich gleich vier Kandidaten bzw. Mächte meldeten, die Ansprüche auf die Stephanskrone erhoben. An erster Stelle ist Maria von Ungarn, die Gemahlin Karls II. und einzige Schwester Ladislaus' IV., zu nennen. Doch beanspruchte auch der letzte verbliebene ARPADE Andreas, ein Sohn des Stefan Postumus (ein Sohn König Andreas' II.) aus der Ehe mit Tomasina Morosini, den Thron Ungarns für sich.
Der ANJOU forderte daher am 21: April 1291 die ungarische Bevölkerung auf, dem Usurpator Widerstand zu leisten und seiner Gemahlin Maria als rechtmäßiger Herrscherin die Treue zu wahren. Die Kroaten und Dalmatiner leisteten dem Aufruf Karls II. tatsächlich Folge, und ab Mitte 1291 konnte der König in Kroatien auf eine feste Anhängerschaft zählen. Istvan Köszegi erhielt am 5. Januar 1292 durch Karl II. die ausdrückliche Erlaubnis, die Kampfhandlungen gegen Andreas III. zu eröffnen, und wurde durch Karls Gemahlin mit den Komitaten Ödenburg (Sopron) und Vas belehnt.
Maria von Ungarn trat deshalb auf Betreiben ihres Gemahls in einem feierlichen Akt am 6. Januar 1292 in Aix-en-Provence ihre Herrschaftsrechte über Ungarn an ihren erstgeborenen Sohn Karl Martell ab.
Überraschenderweise korrigierte Bonifaz schon einen knappen Monat später seine Entscheidung und ersetzte Landulf Brancaccio und den Fürsten von Tarent am 30. August 1295 durch Königin Maria als Vikarin.
Dem König selbst blieben die Einkünfte aus den Salinen der Abruzzen, des Prinzipats und der Terra di Lavoro sowie der Münze von Neapel und aller anderen Regalien ausdrücklich gewahrt, während der Königin Maria und Karl Martell die Einkünfte aus der Sekretie der Terra di Lavoro, des Prinzipats und der Abruzzen sowie aus dem Portulanat der Abruzzen bestätigt wurden.
Allein die häufige Anwesenheit des Königs (oder in diesem Fall korrekt Grafen) in den Jahren 1289-1294, der stets persönlich oder im Falle seiner Anwesenheit durch seine Gemahlin Maria die Regierungsgeschäfte führte, mußte nachhaltige Auswirkungen auf die Verwaltung der Provence nach sich ziehen.
Die Königin Maria von Ungarn kam gelichfalls in den Genuß einer jährlichen Pension von 2.800 Unzen, die zunächst aus den Stapel- und Zollgebührenm Neapels beglichen wurde.
 
 
 
 

 1270
  oo Karl II. der Lahme König von Neapel
      1254-5.5.1309
 
 
 
 

14 Kinder:

  Karl I. Martell König von Ungarn
   9.1271-12.8.1295

  Margarete Erbin von Anjou-Maine
  1273-31.12.1299

16.8.1290
   oo Karl I. Graf von Valois
       12.3.1270-16.12.1325

  Ludwig Bischof von Toulouse (1296-1298)
  9.2.1275-19.8.1298

  Robert König von Neapel
  1277-26.1.1343

  Philipp I. Fürst von Tarent
  um 1278-26.12.1332

  Blanka
         -14.10.1310

1.11.1295
   oo Jakob II. König von Aragon
        um 1262-8.11.1327

  Raimund Berengar
         -   1307

  Johann Geistlicher
         - nach 16.8.1308

  Tristan
  1283/88- jung

  Eleonore
   8.1289-9.8.1341

 1302
  oo Friedrich II. König von Sizilien
      1271-25.6.1336

  Marie
         - nach 1346

    1304
  1. oo Sancho König von Mallorca
            um 1276-4.11.1324

   um 1328
  2. oo Jakob II. von Aragon Baron de Ejerica
           um 1298-   1335

  Peter der Ungestüme Graf von Gravina
  um 1292-29.8.1315 gefallen

  Johann Graf von Gravina (1315-1335)
  um 1294-5.4.1335

  Beatrix
  um 1295- vor 1321

  1. oo Azzo VIII. d' Este
                 -31.1.1308

    1309
  2. oo Bertrand I. von Baux Graf von Montescaglioso
                  -   1351

  3. oo Robert Graf von Vienne
                  -
 
 
 
 

Literatur:
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Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 198 - Kiesewetter, Andreas: Die Anfänge der Regierung König Karls II. von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts, Matthiesen Verlag 1999 Seite 33,38 A.,51 A.,155,186,189,195,220 A.,318 A.,369 A.,371,374,404,413,451,489, 553 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 358 -