Ludwig IX. der Heilige                      König von Frankreich (1226-1270)
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25.4.1215-25.8.1270
Schloß Poissy Karthago

Begraben: St-Denis
 

Ältester Sohn des Königs Ludwig VIII. der Löwe von Frankreich und der Blanka von Kastilien, Tochter von König Alfons VIII.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 2184
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Ludwig IX. der Heilige, König von Frankreich
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* 25. April 1214, + 25. August 1270
Poissy                   Karthago

Begraben: St-Denis

Sohn von Ludwig VIII. (+ 8. November 1226) und Blanca von Kastilien (+ 1252), gekrönt am 29. November 1226 in Reims.

  oo 27. Mai 1234 Margarete von Provence

11 Kinder: unter ihnen
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Ludwig (+ 1260)
Philipp III.

Seine Mutter führte bis 1223 die Regentschaft, während derer sie vor allem die Adelsoppoistion (Grafen von der Marche, Bretagne, Champagne u.a.) erfolgreich bekämpfte. Nach Erreichen der Volljährigkeit setzte Ludwig IX. der Heilige seine Brüder Robert von Artois und Alfons von Poitiers in ihre Apanagen ein; gegen die Installierung Alfons' erhob sich ein erneuter Aufstand des Grafen von der Marche, Hugo von Lusignan, unterstützt von König Heinrich III. von England. Ludwig IX. ließ Hugos Burgen im Poitou schleifen und schlug die Verbündeten bei Taillebourg und Saintes (20. und 22. Juli 1242). Graf Raimund VII. von Toulouse, der sich gleichfalls erhoben hatte, mußte sich im Januar 1243 unterwefen.  Nach der Zerschlagung letzter Widerstandszentren (Montsegur, Queribus) sicherte der König die Befriedung des Languedoc durch die Gründung der Hafenstadt Aigues-Mortes (1246) und die Befestigung von Carcassonne ab. Auch der Herzog von Burgund und der Graf von Champagne mußten Gehorsam versprechen. Der König behandelte die Barone, die sich ihm unterworfen hatten, großmütig.
Ludwig IX. der Heilige führte die traditionell guten Beziehungen der KAPETINGER gegenüber den STAUFERN weiter, ohne sich jedoch der antipäpstlichen Politik FRIEDRICHS II. anzuschließen, der die Großen Frankreichs auf seine Seite zu ziehen suchte. Zwar war Ludwig IX. nicht zu einem Empfang Papst Innozenz' IV. in Frankreich bereit, doch sicherte er dem Konzil von Lyon (1245) bei einem eventuellen Anschlag der Kaiserlichen seinen Schutz zu und war bestrebt, eine Versöhnung zwischen Papst und Kaiser zu erreichen. 1244 nahm er das Kreuz, bereitete seinen Kreuzzug mit großer Sorgfalt vor und brach 1248 von Aigues-Mortes in den Osten auf. Nach Überwinterung auf Zypern landete er in Ägypten und nahm Damietta am 5. Juni 1249 ein Auf seinem Marsch gegen Kairo bei Mansura aufgehalten und mit den Resten seines Heeres gefangengenommen, kam er gegen Lösegeld frei. Er blieb bis 1254 im Heiligen Land, um dessen Verteidigung zu konsolidieren und richtete hier eine ständige Garnision ein. 1267 nahm Ludwig IX. der Heilige erneut das Kreuz und landete 1270 in der Nähe von Tunis, starb aber bald an einer Epidemie.
Schon seit 1248 hatte der König Kontakte mit dem Hof der Mongolen angeknüpft (Gesandtschaftsreise des Andreas von Longjumeau) und damit die Mongolen zum Gedanken einer Allainz gegen das Ägypten der Mamluken angeregt; die Perspektive dieses bereits 1262 von dem Ilchan Hülägü vorgeschlagenen Bündnisses bestimmte den Kreuzzug von 1270 mit.
Die Vorbereitung des ersten von Ludwig IX. durchgeführten Kreuzzuges war Anlaß für eine weitgespannte Untersuchung (inquisito, enquete) der Mißbräuche, die im Namen des Königs und seiner Vorgänger stattfanden. Nach seiner Rückkehr (1254) erließ Ludwig IX. der Heilige eine große Ordonnanz, der weitere folgen sollten. Er reformieret die Justiz, das Pariser Zunftwesen, ließ das Parlement regelmäßig zusammentreten, verbot den gerichtlichen Zweikampf und die private Fehde, um den Preis eines Konflikts mit den Baronen (Affäre des Sire de Coucy) Der König schuf eine neue Münze  (silberner gros tournois d'argent, agnel d'or), bekämpfte den Wucher und befahl gar die Vertreibung der jüdischen und lombardischen Wucherer. Er respektierte die Rechte der Kirche, unterband aber eine Ausweitung der kirchlichen Jurisdiktion und war mit Nachdruck bemüht, die Besteuerung des Klerus (Zehnten) wiederherzustellen. Häufig wurde Ludwig IX. der Heilige als Schiedsrichter aufgerufen, so im Erbfolgestreit der Grafschaften Flandern und Hennegau (1256) sowie in den Konflikten um Namur, Ligny, Lyon und die Freigrafschaft Burgund. Sein Vermittlungsversuch im Streit zwischen König Heinrich III. und den englischen Baronen (sogenannte Mise d'Amines, 1264) scheiterte jedoch. Zu diesem Zeitpunkt hatte Ludwig IX. der Heilige ein friedliches Verhältnis zum England Heinrichs III. hergestellt, indem er für die an die KAPETINGER verlorengegangenen Gebiete der PLANTAGENETS finanzielle Kompensationen geleistet und den Lehnseid König Heinrichs III. für die Guyenne empfangen hatte (1259). Auch mit Aragon, dem er die französische Suzeränität (Lehnshoheit) über Katalonien abtrat (1258), erreichte er einen Ausgleich. Nicht ohne Zögern erteilte er seinem Bruder Karl von Anjou die Zustimmung zur Erberung Siziliens (1265).
Fromm erzogen, erfüllte Ludwig IX. der Heilige mit äußerster Gewissenhaftigkeit seine Christenpflicht. Dem Reliquienkult und Ablaßwesen tief verbunden, ließ Ludwig IX. die Sainte-Chapelle zu Paris als Aufbewahrungsort der Passionsreliquien erbauen. Er gründete nd beschenkte zahlreiche Klöster, unter anderem Royaumont, förderte die Bettelorden und erweiterte die karitativen Werke in großem Maße, wobeier sich in demutsvoller Haltung persönlich der Armenpflege widmete. Im Bestreben, Juden und Muslime zum Christentum zu bekehren, zeigte er sich aufgeschlossen für die Mongolenmission Wilhelms von Rubruk. Er ließ den Talmud verbrennen (1242), erhielt aber im allgemeinen die Toleranz seiner Vorgänger aufrecht, wenn er auch die Katharerverfolgung der Kirche unerstützte. Nach seiner Kreuzfahrt wurde er zum strengen Büßer. Die seiner Lebensführung zuerkannte Heiligkeit führte rasch zur Eröffnung eines Kanonisationsprozesses, der mit der Heiligsprechung durch Bonifatius VIII. (1297) seinen Abschluß fand.


Ludwig IX. der Heilige folgte seinem Vater unter der Vormundschaft seiner Mutter, die für ihn 10 Jahre lang die Regentschaft führte und mit Geschick und Umsicht die innen- und außenpolitischen Angelegenheiten erledigte. Sobald er volljährig war, stellte er seine diplomatische Begabung unter Beweis. Ludwig muß zu den größten französischen Monarchen des Mittelalters gerechnet werden. Als kluger und tatkräftiger Mann konnte er sowohl die englischen Intrigen wie die Unabhängigkeitsbestrebungen des Feudaladels vereiteln. Durch den Ausbau der königlichen Gerichtsbarkeit (Entwicklung des zum zentralen Gericht für ganz Frankreich werdenden Parlaments in Paris) und der Verwaltung mit Hilfe von Rechtsgelehrten aus dem Bürgertum (Legisten) gelang es ihm, die staatliche Zentralisation zu fördern und das Ansehen des Königtums weiter zu steigern. Im Ergebnis des Albigenserkreuzzuges (1229) mußte Raimund VII. von Toulouse einen Teil der Grafschaft an den König abtreten und seine Erbtochter mit dem Bruder des Königs, Alfons von Poitiers, vermählen. Damit faßte das Königtum an der Mittelmeerküste Fuß und schuf sich eine Basis in S-Frankreich. Als Führer des 7. Kreuzzuges eroberte er 1249 Damiette, wurde jedoch 1250 bei Mansurah geschlagen, gefangengenommen und gegen hohes Lösegeld freigelassen. Als erster französischer König ließ er seit 1257 Goldmünzen prägen. Im Vertrag von Corbeil (11. Mai 1258) verzichtete Ludwig IX. auf die praktisch wertlose Lehnshoheit über die Grafschaft Roussillon und Barcelona und erreichte, dass Jakob I. von Aragon seine Erbansprüche auf die Grafschaften Toulouse und Provence aufgab. Im Vertrag von Paris (28. Mai 1258) erkannte Ludwig IX. den englischen Besitzstand in Aquitanien (Herzogtum Guyenne) an, dafür verzichtete Heinrich III. von England auf die Normandie, Anjou und Poitou und leistete für Aquitanien den Lehnseid. Auf dem 8. im Interesse Karls von Anjou nach Tunis unternommenen Kreuzzug erlag Ludwig mit einem Teil des Heeres der Pest.
Während das Herz des Königs auf Verlangen des Heeres in N-Afrika blieb, um seither verloren zu sein, und seine Eingeweide in der Kathedrale von Monreale bei Palermo beigesetzt wurden, gelangten die Gebeine nach einem langen und beschwerlichen Weg am 21.5.1271 nach Paris, um nach einer Messe in Notre-Dame sodann in der Königsabtei von St-Denis bestattet zu werden. Am 11.8.1297 wurde er von Papst Bonifaz VIII. heiliggesprochen.

Pernoud Regine: Seite 11-29
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"Die Kapetinger" in: Die großen Dynastien

Schon am 29. November dieses tragischen Jahres 1226 fand die Krönung Ludwigs IX. statt. "Alles weinte", schreibt ein Augenzeuge der Zeremonie, in der sich "Freude und Trauer" durchdrangen. Der für die Feierlichkeit ausgewählte Gesang erstaunte manchen Widerstrebenden. Sein Komponist, ein unbekannter Geistlicher, hatte ihn Gaude felix Francia überschrieben, freue dich glückliches Frankreich. Doch im Lauf der Zeit sollte sich dieser Titel als Prophezeiung erweisen.
Tatsächlich erreichte die Dynastie der KAPETINGER unter Ludwig IX. (1226-1270) ihren Zenit. Guillaume des Nangis, ein Mönch, der das sogenannte "historiographische Atelier" der Abtei Saint-Denis ins Leben gerufen hatte, erging sich um das Jahr 1300 in enthusiastischen Betrachtungen über das Königreich der Lilien: "Die französischen Könige pflegten auf ihre Waffen und Bannern eine aufgemalte dreiblättrige Lilie zu tragen, gleichermaßen um aller Welt kundzutun, dass von dem Glauben, dem Wissen und der Ehre des Rittertums durch Gottes Vorsehung in unserem Königreich mehr zu finden sei als in allen anderen."
Diesen Glanz, zu dem auch Friede und Wohlstand sich gesellten, verdankte das Land jenem Herrscher, den der Volksmund bereits zu seinen Lebzeiten "den heiligen König" nannte - aber ebenso seiner Mutter Blanka. Sie regierte im Namen ihres Sohnes so lange, bis er mündig geworden war; später trug sie durch tatkräftige Unterstützung und zunehmend auch durch ihren Rat zum guten Gelingen der Angelegenheiten des Königreiches bei. Sie übernahm die Leitung der Regierung vollends, als Ludwig IX. dem Beispiel seiner Vorfahren folgend, sich mit seiner Gattin im Aigues-Mortes einschiffte, einem Hafen, den er eigens für seinen Aufbruch ins Heilige Land hatte bauen lassen. Blanka starb 1252, ohne ihren Sohn noch einmal gesehen zu haben, doch hinterließ sie ihm ein intaktes und wohlgeordnetes Königreich.
Ein intaktes Reich. Dem Geist jener Zeit entsprechend, hatte man nicht versucht, die Grenzen auszudehnen, sondern vielmehr die durch den Lehnseid geknüpften Bande zu festigen. So anerkannte die Bretagne nach mehreren Jahren Widerstand im Jahre 1234 die Oberhoheit des französischen Königs. Diese Oberhoheit wurde über mehr als 100 Jahre, bis zu den Kriegen zwischen Frankreich und England, nicht wieder in Frage gestellt. Desgleichen versuchte Blanka unmittelbar nach der Thronerhebung ihres Sohnes, in dem von so vielen blutigen Schrecken heimgesuchten Süden den Frieden wiederherzustellen. Schon 1229 kam es in Paris zum Abschluß eines Vertrages, mit dem auch Raimund von Toulouse formell die Oberhoheit des französischen Königs anerkannte und seine einzige Tochter einem Bruder des Königs, Alfons, damals bereits Graf von Poitou und Auvergne, zur Gattin versprach. Blanka hatte sich in diesem Zusammenhang daran erinnert, dass Raimund VII. ihr Vetter 1. Grades war. Später sollte sich dieser, nachdem er den Friedensschwur gebrochen und sich mit dem König von England gegen seinen Lehnsherrn verbündet hatte, nicht scheuen, sich, um Vergebung zu erlangen, auf diese Verwandtschaft zu berufen.
Blanka war es auch, die für ihren Sohn eine Heirat außerhalb seines Reiches in die Wege leitete, denn auch sie hegte, wie ihre Großmutter, eine Vorliebe für "europäische Perspektiven". So heiratete Ludwig Margarete, die älteste Tochter des Grafen der Provence, Raimund-Berengar VII. Die Verbindung mit Margarete eröffnete dem Königreich neue Aussichten auf das Rhonetal, auf jene Gebiete des Kaiserreichs, die im Unterschied zu anderen Ländern der Languedoc niemals zu Frankreich gehört hatten. Auch führte diese Heirat der Dynastie wiederum eine eindrucksvolle Frauengestalt zu. Die junge Margarete (1234, im Jahr ihrer Heirat mit dem 20-jährigen Ludwig, war sie erst 13 Jahre alt), zunächst noch von einer Schwiegermutter, die ihren Fähigkeiten mißtraute, von den Regierungsgeschäften ferngehalten, sollte diese Fähigkeit später voll zur Entfaltung bringen.
Margaretes Beteiligung an der glücklichen Beendigung der Feindseligkeiten gegen England steht außer Zweifel. Diese Feindseligkeiten hatten beständig zwischen den beiden Königreichen weitergeschwelt. König Heinrich III., der unter dramatischen Umständen auf den Thron des Hauses PLANTAGENET gelangt war, gedachte natürlich nicht, auf die von seinem Vater von König Philipp abgenommenen Provinzen (Poitou, Maine, Anjou und das Herzogtum der Normandie) zu verzichten. Er verweigerte dem französischen König daher den Lehnseid für Guyenne, das er als Ausgangsbasis für künftige Rückeroberungen zu benutzen gedachte. Er machte sich die Unzufriedenheit der südfranzösischen Herren zunutze, insbesondere die Raymond Trencavels, welcher Anspruch auf Carcassonne erhob (dem Frieden  von 1229 hatte er sich nicht angeschlssen) und landete 1242 in Rouen, mußte jedoch seine hochfliegenden Eroberungspläne begraben, als er bei Taillebourg und Saintes von Ludwig IX. vernichtend geschlagen wurde (21./22. Juli 1242). Es war dies übrigens das einzige Mal, dass der französische König zu militärischen Operationen auf seinem eigenen Gebiet gezwungen wurde, wenn man von dem Verlust einiger dem jeweiligen Seneschall anvertrauter Burgen im Süden absieht, wie zum Beispiel Montsegur 1244 und Queribus 1255. 40  Jahre oder mehr herrschte in seinem Reich ununterbrochen Frieden, nachdem einige Erhebungen niedergeschlagen worden waren, welche die ehrgeizigen Barone in der Hoffnung, sich der einer Frau und einem Kinde zugefallenen Krone bemächtigen zu können, in der Bretagne angezettelt hatten. Auch mit England wurde durch den Pariser Vertrag von 1258 endlich Frieden geschlssen. Im darauffolgenden Jahr wurde der Vertrag durch den englischen König feierlich ratifiziert. Zustande gekommen war er auf einer gemeinsamen Basis. Ludwig trat König Heinrich alle seine Besitzungen in den Bistümern Limoges, Cahors und Perigeux ab und räumte ihm Rechte über einen Teil der Gebiete Saintonge, Agennais und Quercy ein, das Johanna von Toulouse gehörte. Als Gegenleistung erhielt er die Anerkennung seiner Oberhoheit über das gesamte englische Guyenne. Es geschah, was man seit Beginn des Jahrhunderts nicht mehr erlebt hatte: Der englische König leistete seinem Lehnsherrn, dem König von Frankreich, für seinen Kontinentalbesitz den Lehnseid. Dieser Vorgang bedeutete nicht weniger als das Ende der englisch-französischen Besitzansprüche auf die von Johann ohne Land verlorenen Provinzen.
Margarete hatte ihren Teil zu den Verhandlungen beigetragen, die das gute Einvernehmen zwischen Frankreich und England begründeten. Sie stand ihrer Schwester Eleonore sehr nahe und besaß das uneingeschränkte Vertrauen Heinrichs III. Wenig später, als er sich von seinen aufsässigen Baronen bedroht fühlte (unter anderem von Simon de Montfort, der auf Drängen des Papstes die Führung des des Kreuzzuges gegen die Albigenser übernommen hatte), vertraute er seinen Privatschatz ihrer Obhut an, und sie verwahrte ihn in Paris, hinter den festen Mauern des Temple.
In die weiten Ländereien Frankreichs war mit dem Frieden der Wohlstand eingezogen. Für die erweiterte Krondomäne bedurfte es einer gleichmäßigeren Kontrolle. Daher vermehrte man die Zahl jener Bailli oder Seneschall genannten königlichen Beamten, die es bereits unter früheren Regierungen gegeben hatte. Es waren dies nicht mehr, wie ehedem die Vögte oder Kastellane, Männer, denen die Verwaltung einer Domäne oblag, von der sie ihre Einkünfte erhoben, sondern vielmehr bezahlte, absetzbare Beamte auf Zeit, deren Aufgabe es war, den König in allen Dingen zu vertreten. Sie mußten Recht sprechen, lokale Steurn erheben, Bauwesen und Beschaffung überwachen usw. In dieser Anfangszeit der Verwaltung führte Ludwig IX. eine Reform durch, die es in keiner Verwaltung nach ihm gegeben hat: Er entsandte in das gesamte Reich Untersuchungsbeamte mit dem Auftrag, nicht etwa Ballis und Seneschalle zu kontrollieren, sondern herauszufinden, was das niedrige Volk bewegte, seine Klagen zusammenzutragen, seine Reaktionen auf etwaige Überbelastungen zu registrieren. Mit einem Wort, sie sollten auch dem Geringsten im Volke die Gegenwart des Königs fühlbar machen und jene anhören, auf die sonst niemand hörte. Dieser den kleinen Leuten so verbundene König war es auch, der die Goldwährung wiedereinführte. Seit fünf Jahrhunderten waren keine Goldmünzen mehr geprägt worden. Im Jahre 1254, nach der Rückkehr des Königs aus dem Heiligen Land, wurde diese Maßnahme in Angriff genommen. Der Goldtaler mit der Lilie wurde zur stabilsten Währung in Europa; er setzte sich nicht nur in Frankreich, sondern im ganzen Abendland als Zahlungsmittel durch.
Die Wissenschaft, von der Guillaume de Nangis berichtet, war würdig vertreten an der Universität von Paris, einem "Born des Wissens", wo die größten Geister Europas lehrten, von Albert dem Großen aus Sachsen über seinen Schüler, den Italiener Thomas von Aquino, bis hin zu dem Engländer Roger Bacon. Eine internationale Welt, zu der die Studenten von überallher heranströmten und sich nach ihrer Herkunft in "Nationen" zusammenschlossen. Nach dem Frieden von 1229 öffnete in Toulouse eine zweite Universität für das Mittelmeergebiet ihre Pforten.
Und schließlich war dies auch die Zeit,in der die großen Kathedralen des Kronlandes errichtet wurden. Reims, aber auch Sens, Amiens, Rouen, Chartres und in ihrem Umkreis zahllose Pfarrkirchen (zwölf allein auf der Ile de la Cite in Paris) legen Zeugnis ab von der architektonischen Kühnheit, die so großartige Neuerungen hervorgebracht hat wie den gekreuzten Spitzbogen und den Strebepfeiler. Diese ermöglichten die durchbrochenen Wände, wie wir sie noch heute an der Sainte-Chapelle bewundern, die der König für seinen Palast auf der Ile de la Cite bauen ließ.
Um das Bild abzurunden, muß auch die Inquisition erwähnt werden. Es sei jedoch hinzugefügt, dass es gänzlich verfehlt wäre, sie als eine Schöpfung der KAPETINGER zu bezeichnen, denn es handelte sich um eine Institution des Heiligen Stuhles und nicht der Krone. Ihr Wirken begann in Frankreich im Jahre 1233, und wenn der König den Inquisitoren auch Unterstützung bot, so ließ er es doch nie zu Exzessen kommen wie Raimund VII., Graf von Toulouse, der 1249 in Berlaigues bei Agen 24 Ketzer ohne ein Urteil der Inquistion auf den Scheiterhaufen schickte.
Trotz aller Erfolge starb der König unzufrieden, denn er hatte Jerusalem nicht zurückerobert. Ihm bedeutete das Heilige Land mehr als seine eigene Heimat. Sechs Jahre seines Lebens, von 1248 bis 1254, widmete er dem Wiederaufbau der Burgen Palästinas und der Wiederherstellung der Ordnung unter den im Vorderen Orient ansässig gewordenen Baronen, nachdem sein Kreuzzug gegen Ägypten gescheitert war. Auf seinem zweiten Kreuzzug, der ihn, wohl auf Veranlassung seines Bruders Karl von Anjou, über Tunis führte, starb er, nicht an der Pest, wie immer wieder in den Schulbüchern zu lesen ist, sondern durch eine Ruhrepedemie, die seine Armee grausam dezimierte. Seine sterblichen Überreste wurden nach der von ihm gegründeten Abtei Royaumont überführt und später, als er dem Wunsch des Volkes entsprechend heiligegsprochen wurde (6. August 1297) nach Saint-Denis überführt.
 
 
 
 

27.5.1234
   oo Margarete von Provence, Tochter des Grafen Raimund Berengar V.
       1221-20.12.1295
 
 
 
 

10 Kinder:

  Blanka
  4.12.1240-29.4.1243

  Isabella
  2.3.1242-27.4.1271

 1255
  oo Theobald III. König von Navarra
       1237-4.12.1270

  Ludwig Erb-Prinz
  1244-   1260

  Philipp III. der Kühne
  3.4.1245-5.10.1285

  Johann
         -10.3.1247

  Johann Tristan Graf von Nevers
  8.4.1250-3.8.1270

  Peter I. Graf von Alencon, Blois und Chartres
  1251-6.4.1283

  Blanka
  1253-17.6.1320
  Jaffa Paris

  Sie gründete das Kloster Cordeliers/Paris.

 13.11.1269
     oo Ferdinand Herzog de la Cerda
          4.1.1256-25.7.1275

  Robert Graf von Clermont
  1256-7.2.1317

 1272
  oo Beatrix von Bourbon, Erbtochter des Seigneur Johann
      1257-1.10.1310

  Agnes
  1260-   1327

1279
 oo Robert II. Herzog von Burgund
     um 1248-9.10.1305

  Margarete
  1254-   1271

1270
  oo Johann I. Herzog von Brabant
       1252/53-3.5.1294
 
 
 
 

Literatur:
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Deutscher Taschenbuch Verlag München 1995 Seite 26,28,33,49,113,424 - Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 123,131-133, 151 - Westmitteleuropa - Ostmitteleuropa. Vergleiche und Beziehungen. Festschrift für Ferdinand Seibt zum 65. Geburtstag, hg. von Winfried Eberhard, Hans Lemberg, Heinz-Dieter Heimann und Robert Luft, R. Oldenbourg Verlag München 1992, Seite 64,97,108,111-112,114 - Wies, Ernst W.: Friedrich II. von Hohenstaufen. Messias oder Antichrist, Bechtle Esslingen 1998, Seite 173,181,223, 247,254,263,276,291 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 2. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 45,125,182,225,241,292,366,385,489 - Wolfram, Herwig: Konrad II. 990-1039. Kaiser dreier Reiche. C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München 2000 Seite 12 -


Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Seite 176-193
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"Die französischen Könige des Mittelalters"

Ludwig Vones

LUDWIG IX., König von Frankreich 1226-1270
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* 25.4.1214, + 25.8.1270
Poissy           Karthago

Begraben: am 21.5.1271 in St-Denis
Heiliggesprochen am 11.8.1297

Vater:
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Ludwig VIII., König von Frankreich

Mutter:
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Blanche (Blanca) von Kastilien, Tochter König Alfons VIII. von Kastilien und der Eleonotre von England

Salbung und Krönung in Reims am 29.11.1226
 

Geschwister: unter anderem
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Robert, Graf von Artois (* 4.9.1216, + 9.2.1250)
Alfons, Graf von Poitiers und Toulouse (* 11.11.1220, + 21.8.1271)
Karl, Graf von Anjou und der Provence (* Ende 3.1226, + 7.1.1285)
Isabellla (sel:) lebte seit 1263 bei den Klarissen von Longchamp (* 1224, + 22.2.1269)
 
 

  oo 27.5.1234
      MARGARETE VON PROVENCE
       * 122, + 20.12.1295

Tochter von Raimund Berengar V., Graf von der Provence und der Beatrix von Savoyen
 

11 Kinder: darunter
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Ludwig, Erbprinz (* 1244, + 1260)
Philipp III. der Kühne, König von Frankreich (* 3.4.1245, + 5.10.1285)
Johann-Tristan, Graf von Nevers (* 8.4.1250, + 3.8.1270)
Peter, Graf von Alencon (* 1251, + 6.4.1283)
Robert, Graf von Clermont (* 1256, + 7.2.1317)
Isabella (* 2.3.1242, + 27.4.1271), Gemahlin Theobalds V. von der Champagne
Blanche (* 1253, + 17.6.1320), Gemahlin Ferdinands de la Cerda
Margarete (* 1254, + 1271), Gemahlin des Herzogs Johann von Brabant
Agnes (* 1260, + 1327), Gemahlin des Herzogs Robert II. von Burgund
 

Welche Herrschertugenden mußte ein mittelalterlicher König aller Welt vor Augen führen, um nur wenige Jahrzehnte nach seinem Tod heiliggesprochen zu werden, obwohl doch zu seinen Pflichten auch der Schutz seiner Untertanen und die Bestandsicherung seines Reiches bis hin zum blutigen Kampf gehörten? Wie mußte er sein Leben, seine Politk und sein Verhältnis zur Kirche gestalten, um noch vor seinem Tod in den Geruch der Heiligkeit zu geraten und schon bald danach jene Verehrung zu erharen, jene Wunder zu bewirken, die die Aufnahme eines offiziellen Kanonisierungsverfahren rechtfertigen? Kurzum: Wie wurde man im Mittelalter ein 'Heiliger König'? Solche und ähnliche Fragen könnten zur Regierungszeit des französischen Königs Ludwig IX. gestellt werden, um den wirklichen Kern jener Epoche zu erfassen, die von vielen Historikern als das 'Zeitalter Ludwigs des Heiligen' - Le siecle de Saint Louis - bezeichnet wird. Als Papst Bonifaz VIII., der als Kardinal selbst am Heiligsprechungsverfahren beteiligt gewesen war, 1297 den König endgültig zur Ehre der Altäre erhob, ließ er nicht nur die Kanonisierungsbulle 'Gloria laus' veröffentlichen, sondern widmete ihm auch zwei Sermones, die er im alten Papstpalast sowie in der Franziskanerkirche von Orviete hielt. Die zweite dieser Predigten stellte er unter das Thema Rex pacificus magnificatus est, und sah so Ludwig in der Nachfolge des alttestamentarischen König Salomon, als der der KAPETINGER schon in den gemeinsam mit seiner Mutter der Kathedrale von Chartres gestifteten Kirchenfenster abgebildet war. Hier, in den gleichzeitig oder kurze Zeit danach verfaßten Lebensbeschreibungen und in den bald entstandenen Offizien erscheint Ludwig IX., manchmal auch wie ein neur Josias, als rex pacificus, als friedliebender und friedensbrigender König; als rex iustus, als gerechter und die Rechte wahrendern Herrscher, für den die Herstellung der Gerechtigkeit, der iustitia, den Weg zum Frieden bereitet; als rex pius, als frommer und barmherziger Verteidiger der Kirche; als rex magnus, als mächtiger König, der in die Ferne wirkt, seine Herrschaft zur Geltung bringt, ausdehnt und selbst Erhöhung erfährt, aber immer geleitet wird von christlicher Barmherzigkeit, Demut und der rechten Absicht; als rex christianissimus, als allerchristlichster König, dessen ganzes Streben auf Gott gerichtet ist und der seine höchste Erfüllung in der Liebe zu Gott, im amour de Dieu, findet, ja den man als amicus Dei mit menschlichen Maßstäben nicht mehr messen kann, der nicht nur das Leben eines Menschen geführt hat, sed super hominem - jenseits menschlichen Fassungsvermögen, eben das Leben eines rex sanctus, der allen anderen Königen die Norm für die Heiligkeit gesetzt hat: norma sanctitatis regibus.
Schon dem jungen Ludwig sollte sich reichlich Gelegenheit bieten, sich als rex pacificus zu erweisen, der seinem Volk die ersehnten Zeiten von Frieden und Gerechtigkeit brachte. Als sein Vater unerwartet früh am 8. November 1226 in Montpellier starb, war die Thronfolge durch die vorsorglich niedergelegten Verfügungen eines ersten Testaments zwar grundsätzlich gesichert, so dass der 12-jährige nur drei Wochen später die Krone, totum regnum Francie et tota Normandie als Ausstattung empfangen konnte, doch sollte er trotz gleichzeitiger Schwertleite die Regierungsgeschäfte noch nicht übernehmen. An seiner Statt führte seine Mutter Blanche von Kastilien, die nach dem Zeugnis des Jean de Joinville in seiner Histoire de saint Louis in Frankreich weder Verwandte noch Freunde hatte, die Regentschaft an der Spitze eines Beraterkreises, der die monarchische Kontinuität sicherstellte. Der dahinscheidende König sollte noch auf dem Totenbett seiner Gattin in Form eines letzten mündlichen Willens die Vormundschaft (totela) über den Thronerben und seine Geschwister sowie die balla, die Schutzaufsicht, über das Königreich übertragen haben. Durch diese Zeugnis wurde ein früherer Akt modifiziert, mit dem der todkranke Ludwig VIII. die Krönung seines ältesten Sohnes oder, falls dieser sterben sollte, seines jüngeren Bruders Robert in die Hand der anwesenden Vertreter des Hofes und des Hochadels gelegt hatte. Es scheint vor allem die Furcht vor Philipp Hurepel, dem Grafen von Boulogne und legitimierten Halbbruder Ludwigs VIII., genauer vor seinen Ansprüchen als nächster männlicher Verwandter des Thronerben gewesen zu sein, die die Entscheidung der traditionellen Machtträger zugunsten der Königin-Mutter beeinflußt hatte. Dem unberechenbaren Halbbruder Ludwigs VIII. traute man die Duldung adliger Umtriebe zu und meinte damit den befürchteten Machtgewinn jener Kräfte, die, gestützt auf ein regionales Sonderbewußtsein und die daraus resultierende partikulare Rechtstellung, eine Loslösung vom beherrschenden Einfluß des Königshofes anstreben konnten. Deshalb bemühte man sich, durch die vor Salbung und Krönung vollzogene Schwertleite Ludwigs den Einfluß Philipps als Schwertmage einzuschränken. In dieser Konstellation - der Durchsetzung der Vormundschaft und Regentschaft der Königin-Mutter als Werk der alten, die Reichseinheit verteidigenden Führungsschicht, um den Zugriff wegstrebender Potentaten auf die Macht zu verhindern - lagen die jahrelangen Wirren begründet, die die Jugend und Erziehung Ludwigs IX. begleiten sollten, bis er allmählich in die Rolle des zumindest nach außen hin alleinregierenden Monarchen hineinwuchs. Der Übergang war fließend und hatte nur wenig mit dem Erreichen der Volljährigkeit am 25. April 1234 oder seiner Heirat mit Margarete von der Provence zu tun. Die Machtübernahme schlug sich vielmehr nur im allmählichen Verschwinden seiner Mutter als Mitausstellerin der königlichen Diplome nieder, ohne dass sie sich aus den politischen Geschäften zurückziehen, sondern vielmehr als Beraterin weiterhin an seiner Seite bleiben und sogar wieder die Regentschaft führen sollte, als ihr Sohn auf den Kreuzzug ging.
Angesichts solcher Voraussetzungen kann es nicht verwundern, dass sich schon bald nach der Krönung einer Koalition jener Fürsten zusammenfand, die von einer starken Monarchie auf die Dauer eine Einbuße ihrer herausragenden Stellung zu erwarten hatten. Dazu gehörten der ehrgeizige, aber wenig geschätzte Graf Teobald IV. von der Champagne, dem Blanche am Krönungstag den Zugang nach Reims verweigert hatte, Hugo von Lusignan, Graf von der Marche, den seine Gattin Isabella, als Witwe Johanns Ohneland ehemalige Königin von England und Mutter Heinrichs III., zur Opposition trieb, und Pierre Mauclerc, der als Graf der Bretagne nach dem Tod seiner Gemahlin nur noch Statthalter für seinen unmündigen Sohn war und eine eigene Herrschaft suchte - alle drei hatten schon Ludwig VIII. vor seinem Tod verlassen und zählten auf die Unterstützung des englischen Königs, der Hugo von Lusignan die Insel Oleron und die Saintonge, Pierre Mauclerc die Restitution der Grafschaft Richmond und eine Eheschließung mit der Grafentochter in Aussicht stellte. Obwohl noch weitere Regionen zu dieser Zeit der Königsherrschaft nur schwankend zuneigen, Toulouse und Flandern weiterhin Unruheherd sein sollten, blieb diese Koalition, aus der schon bald Teobald IV. abgezogen wurde, ebenso wie eine weitere noch gefährlicheren Ausmaßes in ihrem Hauptziel erfolglos. Einerseits verstand es die Königin ausgezeichnet, sich politisch fähiger und einflußreicher Berater wie des Kardinals Romano Frangipani und des Kämmerers Barthelemy de Roye zu bedienen, andererseits konnte sie die Schwäche der gegnerischen Position, die Lehnsabhängigkeit von der französischen Krone - unter die auch der englische König fiel -, ausnutzen. Als Pierre Mauclerc eine neue Rechtslage schaffen wollte und Heinrich III. das Homagium anbot, schlug das Pendel in die andere Richtung aus, da sich nun selbst seine früheren Verbündeten aufgrund lehnsrechtlicher Normen dem königlichen Heeresaufgebot anschließen mußten, um nicht der Anklage der Felonie zu verfallen. Ohne dass die Tendenzen des Adels zu Aufständen hätten vermieden und die Gelüste des englischen Königs, der nach wie vor den Lehnseid verweigerte, zur Intervention in Frankreich bis zur Mitte der 40-er Jahre wirklich hätten gestillt werden können, bedeuten die Friedensverträge von Vendome (16. März 1227) mit Pierre Mauclerc und Hugo von Lusignan sowie von Meaux-Paris (12. April 1229) mit Raimund VII. von Toulouse, der sich wieder eine unabhängigere Stellung im Languedoc erkämpfen wollte, einen realen Machtgewinn für die königliche Seite. In Paris wurde zudem die Heirat von Ludwigs Bruder Alfons (von Poitiers) mit Johanna, der Erb-Tochter Raimunds, ausgehandelt. Zusammen mit den Apanagen für seine jüngeren Brüder, die bereits im Juni 1225 durch Ludwig VIII. festgelegt worden waren - das Artois für Robert (1237), das Poitou für Alfons (1241) und Anjou mit Maine für den 1232 verstorbenen Johann (dies sollte 1246 der nachgeborene Karl erhalten) -, sowie den Heiratsverbindungen zu Toulouse und der Provence sollte Ludwig IX. 1234 auf eine konsolidierte Machtstellung zurückgreifen können, die er noch durch die endgültige Unterwerfung des Pierre Mauclerc (1234) und des Theobald von der Champagne (1237), die Siege von Taillebourg und Saintes über Heinrich III. (1242), den Frieden von Lorris mit Raimund VII. (1243) und den Waffenstillstand mit England in der Gascogne (1243) entscheidend erweiterte. Als sich diese erste Phase der selbständigen Regierung Ludwigs IX. dem Ende zuneigte, war seine Fähigkeit als Friedensbringer offenkundig und die Monarchie gestärkt aus dem Kampf gegen die Unbotmäßigkeit des oppositionellen Adels hervorgegangen, dessen Spitzen unter Führung Theobalds IV. von der Champagne, Hugos von Burgund und des Pierre Mauclerc 1239 auf einen Kreuzzug nach Akkon gegangen waren.
Erst als die gravierendesten Anfangsschwierigkeiten der Regierungsübernahme überwunden waren, konnte sich Ludwig IX. verstärkt jenem Aufgabenfeld widmen, das ihn für seine Zeitgenossen zu einem rex iustus, zu einem gerechten König, werden ließ: der Herstellung von iustitia  und aequitas, wie es die mittelalterlichen Fürstenspiegel nach Maßgabe des augustinischen Verlangens nach pax et iustitia forderten, denn ohne Gerechtigkeit war Frieden nicht möglich. Ein solches Streben mußte in der Vollendung und Bewahrung der inneren Ordnung, in der Rechtspflege und Rechtseinheit, schließlich auch in einer durchgreifenden Verwaltungsreform seinen Ausdruck finden. Die größte Leistung des Königs bestand zweifellos darin, dass er seine Jurisdiktionsgewalt über die ursprünglichen Grenzen der Krondomäne hinaus auf die bis dahin weitgehend unabhängigen königlichen Lehnsherrschaften ausdehnte; dort zog er die Rechtssprechung, die Friedensbewahrung sowie den Kirchenschutz an sich und legte auf diese Weise das Fundament für die Rechtseinheit der späteren nation France. Geleitet von einem Kreis angesehener, am römischen Recht geschulter Juristen, darunter Gui Foucois, der spätere Papst Clemens IV., Odo Rigaud, der Erzbischof von Rouen, Jules de Peronne und Pierre de Fontaine, sowie berühmter Theologen wie Wilhelm von Auvergne, Thomas von Aquin und Bonaventura, trachtete Ludwig mit Hilfe konkreter Rechtsentscheidungen danach, die lokal und regional unterschiedlichen Rechtsbräuche und Gewohnheitsrechte, die coutumes, zugunsten einer übergeordneten Jurisdiktion des Königshofes zurückzudrängen und letzten Endes durch die Anwendung einer übergreifenden Rechtsnorm, einer consuetudo generalis, zu ersetzen. Diesem Ziel dienten sowohl die persönlichen Eingriffe des Königs in die Rechtsprechung bis hin zu jener bekannten Szene, in der Joinville Ludwig IX. unter einer Eiche in Vincennes selbst als Richter auftreten läßt, als auch reichsweite Maßnahmen wie die Abschaffung des gerichtlichen Zweikampfes als Gottesurteil von 1258, der durch die Inquisitions- und Appelationsgerichtsbarkeit (appellationes de pravo iudicio) ersetzt und nicht zu Unrecht vom Adel als Einschränkung seines auf ritterliche Normen beruhenden Rechtsverständnisses empfunden wurde. Die vereinheitlichende Wirksamkeit des königlichen Hofgerichts führte nicht nur auf lange Sicht zu einer Gleichbehandlung der Streitfälle um weltliche Güter und Kirchenbesitz, sondern leitete auch einen auf das Königtum ausgerichteten Zentralisierungsprozeß ein, dessen Fernwirkung gar nicht überschätzt werden kann.
Eine Reform der Gerichtsbarkeit wäre jedoch unvollkommen geblieben, wenn sie nicht zugleich von einer Verwaltungsreform begleitet worden wäre, die sowohl der jurisdiktionellen Spitze als auch den ausführenden Organen einen neuen, effektiveren Zug verliehen hätte. Dazu gehörten einerseits die 1254 einsetzende schriftliche Sammlung der Beschlüsse und Urteile des Hofes und des Pariser Parlaments in dem Olim, andererseits die Verabschiedung wichtiger königlicher Ordonnanzen, durch die die Administration des Königreichs vereinheitlicht und dem direkten Einfluß der Monarchie geöffnet wurde. Die Forderung nach allgemeiner pax et tranquillitas konnte so gezielter Nachdruck verliehen und die bereits seit 1247 von königlichern Amtsträgern systematisch durchgeführten Enquetes über Klagen der Bevölkerung gegen die als drückend empfundene unmittelbare Machtausübung wirksamer behandelt werden. Die große Ordonnanz von Dezember 1254, die - ex debito regiae potestatis - in ihren verschiedenen Redaktionen für die Gebiete der Krondomäne des Languedoil, den gesamten kapetingischen Besitz und die meridionalen Senechausseen Nimes-Beaucaire sowie Carcassonne im Languedoc bestimmt war, für den Norden in französischer, für den Süden in lateinischer Sprache veröffentlicht wurde, verfolget die Zielsetzung eine Reform der Verwaltung durch die königlichen Baillis unter Zurückdrängung lokaler Interessen. Sie wandte sich zusätzlich noch gegen Wucher, Gotteslästerung, Prostitution, Glücksspiel und die Unsicherheit der Wirtshäuser. Diese Ordonnanz, die im Kern Ludwigs und der ihn umgebenden Legisten zu betrachten ist, atmete den Geist der Normen römischen Rechts- und Staatsdenkens, unterschied zwischen Zivil- und Kriminalgerichtsbarkeit, führte das Rechtsprinzip ein, dass niemand ohne Schuld und Verfahren seines Rechts beraubt werden dürfte. Sie bezog sich auf frühere Verwaltungsreformen, die bereits Alfons von Poitiers in seinem Machtbereich, aber auch in den Krongütern hatte propagieren lassen, und hatte als Vorstufen zwei königliche Mandements für Saint-Gilles und Nimes. Sie stellte den Gipfelpunkt einer Entwicklung dar, die 1230 und 1240 mit zwei Ordonnanzen zur Stellung der Juden und der Bedeutung ihres Talmuds begonnen hatte und zu den Ordonannzen von 1262 sowie 1269 über die Zügelung der städtischen Machtgruppen sowie die Vertreibung der Geldhändler beziehungsweise Wucherer hin-führen sollte. Die Umgestaltung der Gerichtsbarkeit im Sinne königlicher Rechtshoheit, die Heranziehung des römischen Rechts als Grundlage für die monarchische Gewaltausübung, die Festlegung des Rechts nicht nur durch die Sammlung königlicher Urteilssprüche sondern auch die niemals offiziell sanktionierte Aufzeichnung herrschenden Rechts in den Etablissements de Saint Louis, den Livres de Jostice et de Plet, dem Livre des metiers, dem Grand Coutumier de Normandie, dem Conseil a un ami, die Einführung der Inquisition zur Bekämpfung der Ketzer, die Reform des Geldwesens und der Münze (Schaffung des Gros Tournois d'argent, des Agnel d'or beziehungsweise Ecu) unter Betonung der Herrscherrechte über die Staatsfinanzen, die Kontrolle des Handels mittels einer gezielten Wirtschafts- und Geldpolitik, die Heranbildung einer neuen staatstragenden Regierungsschicht, die sich aus Mitgliedern der Bettelorden, Absolventen der Universitäten und am römischen Recht geschulten Juristen zusammensetzte - dies alles waren Instrumentarien einer Königsmacht, die durch die Vereinheitlichung des Rechts und der Verwaltung, die Stärkung des Glaubens und die Aufrechterhaltung von Sitte und Moral ein ursprünglich auseinanderstrebendes und zerrissenes Machtgebilde zu einem zukünftigen unteilbaren Ganzen zusammenfügen wollte.
Es steht außer Frage, dass das Gelingen einer solchen Konzeption in erster Linie vom Monarchen und seiner persönlichen Glaubwürdigkeit abhing, einer Glaubwürdigkeit, die sich zwingend aus seiner Lebensführung ergeben mußte. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass dies Ludwig IX. glänzend gelungen ist. Kaum ein anderer Herrscher des Mittelalters hat sich wie er als ein rex pius erwiesen, der durch seine Frömmigkeit, seine Barmherzigkeit, seine Liebe zu Gott und seine Verehrung der Kirche und ihrer Heiligen hervorragte, aber natürlich auch durch seinen Glaubenseifer, der sich einerseits in Zwangsmaßnahmen wie der Verbrennung des jüdischen Talmud von 1242, andererseits in friedlicher Bekehrungsversuchen wie der Mongolenmission niederschlagen konnte. Obwohl er bereits 1228 die Zisterzienserabtei Royaumont gründete - vermutlich auf Betreiben seiner Mutter, die selbst 1236 die Zisterze Maubuisson stiftete -, sollte der König zeit seines Lebens mehr den Bettelorden zuneigen, deren neuartige, sich durch Predigten direkt mitteilende Spiritualität ihn offenbar besonders anrührte und aus deren Mitte er manche seiner Ratgeber, seiner Vertrauten bei der Durchführung seiner Reformvorhaben und seine Beichtväter berief. Befanden sich darunter auch viele Dominikaner und förderte er ihre Einrichtungen in Rouen, Macon, Jaffa, Compiegne, Beziers, Carcassonne, Caen sowie den Pariser Konvent Saint Jacques, so scheint ihn doch der Franziskaner-Orden, dessen Konvente er ebenfalls in vielen Städten ausbaute und häufig besuchte, mehr angesprochen zu haben, wohl nicht zuletzt aufgrund der Pariser Predigttätigkeit des Generalministers Bonaventura zwischen 1257 und 1269, dessen Sermones die königliche Familie häufig beiwohnte. Grundsätzlich beeindruckten die Mendikanten Ludwig so stark, dass er manche ihrer Lebensgewohnheiten annahm, ihrem Beispiel, vor allem dem Vorbild des Franz von Assisi, nachzueifern und gewissermaßen in der Verwirklichung der vita apostolica sich selbst wie ein Ordensbruder zu geben suchte. Seine eigene Frömmigkeit wurde durch ihre Predigten geprägt, und er entwickelte sich zu einem entschlossenen Verteidiger der Predigtfreiheit der Bettelorden, als diese im Mendikantenstreit an der Pariser Universität durch die Angriffe des Magisters Wilhelm von Saint-Amour gefährdet war. Er bemühte sich trotz seiner Stellung ein denkbar einfaches und sittenstrenges Leben zu führen, einfache Kleidung zu tragen, die Sünde und die Gotteslästerung zu meiden, ja selbst in der Ehe ein größtmöglichstes Maß an Keuschheit einzuhalten, so dass ihm Papst Bonifaz VIII. im Sermo zu seiner Kanonisation die Tugend der Virginität zugestand, eine Virginität, die in der Beschränkung auf den ehelichen Verkehr und in der Vermeidung des Kontakts mit anderen Frauen bestand. "Iste numquam carnem suam divisit in plures nec cum aliqua peccatum commisit, ita quod excepta uxore propria virgo ab aliis permansit". Hier erscheint Ludwig IX. als Vorläufer einer neuen Spiritualität, die ihren Ausdruck in den keuschen Ehepaaren späterer Jahrhunderte finden sollte, sich aber beim französischen König darüber hinaus in der Bereitschaft zeigte, Christus zu imitieren - bis hin zu seinen Erniedrungen und Leiden.
Wie jeder mittelalterliche Herrscher maß Ludwig IX. der Verehrung von Heiligenreliquien eine große Bedeutung zu, was sich in zahlreichen Erwerbungen und Translationen äußerte, deren bedeutendste gewiß der Kauf der Dornenkrone Christi sowie weiterer Passionsreliquien, darunter Stücke des Heiligen Kreuzes und der Heiligen Lanze, von Kaiser Balduin von Konstantinopel war. Diese Dornenkrone Christi, als Sinnbild des irdischen Jerusalem sogleich Gegenstand höchster Verehrung, gelangte 1239 nach Frankreich, als gleichzeitig der französische Hochadel die erwähnte Kreuzfahrt ins Heilige Land unternahm. Dieses Unternehmen gelangte zwar bis 1241 über Akkon nach Jerusalem und erzielte nur einen mäßigen Fortschritt bei der Rückeroberung der christlichen Gebiete, schadete aber nirgends dem Ansehen des abwesenden Königs. Deshalb entschloß sich Ludwig 1244 angesichts der ayyubidischen Hoheit über Jerusalem, der vernichtenden Niederlage eines christlichen Heeres bei Gaza und der zusätzlichen Gefahr durch die aus Osten herandrängenden Tataren nicht nur zum Bau der Sainte-Chapelle, um die Dornenkrone unter führender Aufsicht der Bettelorden würdig aufbewahren zu können, sondern auch zur Vorbereitung eines neuen Kreuzzuges. Das Gelübde legte er im Dezember nach überstandener schwerer Krankheit ab, doch sollte die Durchführung Gegenstand der Beratung des Konzils von Lyon 1245 sein und die Teilnehmer, darunter auch Ludwigs Gemahlin Margarete, erst am 25. August 1248 vom eigens dafür gebauten französischen Mittelmeerhafen Aigues-Mortes aus aufbrechen, um im September auf Zypern anzukommen. Es zeigte sich schon bald, dass der Glaubenseifer des Königs größer war als seine militärischen und strategischen Fähigkeiten. Dazu kamen noch Eifersucht und Kompetenzstreitigkeiten mit seinem machtbewußten Bruder Karl von Anjou. Bereits die Auswahl Ägyptens als erstes Angriffsziel sollte sich als verhängnisvoller Irrtum erweisen, da im Nildelta die klimatischen und topographischen Bedingungen für ein Kreuzfahrerheer noch härter und unberechenbarer waren als in Syrien und Palästina. Zwar gelang die Einnahme von Damiette überraschend leicht, doch versäumte man die sofortige Vernichtung der ägyptischen Armee, die in al-Mansura eine neue Verteidigungsstellung beziehen konnte. In der Folge verzögerte sich der Angriff auf Kairo so lange, bis sich der wenig vorbereitete Vorstoß der christlichen Truppen zur Katastrophe auswuchs. Die muslimischen Verteidiger konnten von Alexendrien aus eine Seeblockade errichten und die Kreuzfahrer von ihrem Nachschub abschneiden. Robert von Artois sollte in heldenhaftem Kampf bei der Belagerung von al-Mansura fallen und der König selbst schließliich zusammen mit seinem Gefolge in eine ausweglose Gefangenschaft geraten, aus der er sich und seine Getreuen nur durch die Übergabe von Damiette und die Zahlung eines hohen Lösegeldes befreien konnte. Gezwungenermaßen mußte Ludwig seine Operationsbasis nach Syrien verlegen, wollte er überhaupt noch etwas erreichen. Dort gelang es ihm, die Verteidigung Jerusalems und den militärischen Ausbau des Heiligen Landes zu organisieren, indem er den Zwiespalt zwischen den AYYUBIDEN von Aleppo und den gerade in Ägypten an die Macht gekommen Mamluken ausnutzte, eine Situation, die er vergeblich noch weiter zu seinen Gunsten zu verändern trachtete, als er Verhandlungen mit dem Großkhan und seinen Stellvertretern in die Wege leitete, um auch von Osten her Druck auf das muslimische Lager auszuüben. Alle weiteren Pläne im Heiligen Land wurden indes hinfällig, da Blanche von Kastilien am 27. November 1252 gestorben war und ihr Tod trotz der sofortigen Entsendung der jüngeren Brüder des Königs; Alfons von Poitiers und Karl von Anjou, zur Unterstützung des minderjährigen Erb-Prinzen Ludwig die Verhältnisse im Königreich zunehmend destabilisieren sollte, bis sich Ludwig IX. zur Rückkehr aus Akkon entschließen mußte. Am 17. Juli 1254 hielt er feierlichen Einzug in Akkon.
Die Beziehungen des Königs zum Papsttum waren seit den Zeiten des Kardinallegaten Romano Frangipani ausgezeichnet, zumal die Kurie seine Unterstützung gegen die Ketzer im Languedoc, gegen die ehrgeizigen Pläne des englischen Königs und gegen die universalistische Herrschaftsauffassung Kaiser FRIEDRICHS II. benötigte. Nachdem durch den Vertrag von Paris 1229 der lange Kreuzzug gegen die Albigenser im Languedoc und ihren Toulousaner Schutzherrn beendet worden, die französische Krone nach dem Niedergnag der okzitanischen Grafengewalt und der Einrichtung der Senechausseen von Nimes-Beaucaire und Carcassonne endgültig an die Gestade des Mittelmeeres vorgedrungen war, blieb für die Kirche als dringendste Aufgabe die völlige Ausmerzung der Häresie in diesem Raum bestehen. Zur Bewältigung dieser Aufgabe mußte vor allem nach der Einführung der Inquisition im Jahr 1231 die Hilfe durch die königlichen Amtsträger indispensabel werden. Dies galt vor allem, als nach den Anfangserfolgen der dominikanischen Inquisitoren und bald wachsenden Widerstand sowohl im Episkopat als auch  in der Bevölkerung die Ermordung des Inquisitors Guillelmus Arnaldi in Avignonnet 1242 zu einem erneuten Aufflackern der kriegerischen Auseinandersetzungen führte. Die Macht des französischen Königs und insbesondere die Durchsetzungsfähigkeit der königlichen Amtsträger sollten die entscheidenden Faktoren für die Herrschaftssicherung in diesem Raum sein. Der Graf von Toulouse, der sich nach anfänglichen Zögern  wieder auf die Seite der Albigenser gestellt und Albi sowie Narbonne erneut seiner Gewalt unterworfen hatte, mußte sich, von seinen Verbündeten im Stich gelassen, den überlegenen Kräften Ludwigs unterwerfen und im Vertrag von Lorris 1243 seine Niederlage anerkennen. Dies führte zur Eroberung von Montsegur, wo 1244 mahr als 200 Ketzer verbrannt wurden, und zu einem fortwährenden erbitterten Kampf gegen die letzten Rückzugsgebiete der Albigenser, deren hartnäckiger Widerstand erst 1255 durch die Einnahme von Queribus endgültig gebrochen werden konnte. Indes, nicht nur zum Kampf gegen die verbliebenen Ketzer im Languedoc benötigte das Papsttum die Hilfe der französischen Truppen. Zur gleichen Zeit hatte sich das in der Vergangenheit oft nur mühsam gekittete Verhältnis zu Kaiser FRIEDRICH II. immer bedrohlicher gestaltet, als zuerst Gregor IX. und dann Innozenz IV. darangegangen waren, die Machtposition des STAUFERS mit ihren Pfeilern im Königreich Sizilien und im Deutschen Reich zu brechen, durch die der Bestand des Kirchenstaates und damit die Eigenständigkeit der päpstlichen Herrschaft zunehmend gefährdet wurden. Ludwig IX. versuchte, mit Papst und Kaiser ein gutes Einvernehmen zu wahren. Den Höhepunkt der Auseinandersetzungen bildete zweifellos die Absetzung FRIEDRICHS II. durch Innozenz IV. auf dem Konzil von Lyon 1245, wo der Papst seinerseits nur wegen der unmittelbaren Nähe der schützenden französischen Macht Aufenthalt nehmen konnte. Diese Absetzung durch zahlreiche Vorwürfe gegen den STAUFER und eine Aufzählung seiner schlimmsten Vergehen untermauert, erfolgte auf der Grundlage der päpstlichen Machtvollkommenheit (plenitudo potestatis), die Innozenz IV. ungeschmälert auch für weltliche Entscheidungen beanspruchte (potestas directa in temporalibus). In der Folge sollte ein heftiger publizistischer Kampf entbrennen, in dessen Verlauf Kaiser und Papst Versuche unternahmen, den französischen König für ihre Seite zu gewinnen, dieser sich jedoch eher neutral und abwartend verhielt, da die Feindschaft eines jeden von beiden die seit 1244 geplante Kreuzfahrt hätte in Frage stellen können. Nichtdestoweniger zeitigte die vom Papst gegenüber dem König in der Enzyklika 'Etsi cause nostre' vorgebrachte Urteilsschelte wenigstens den Erfolg, dass Ludwig den Papst zu einer Unterredung nach Cluny befahl, um sich die rechtlichen Gründe für die Absetzung darlegen zu lassen und, wenn möglich, eine Versöhnung in die Wege zu leiten. Innozenz IV. dachte allerdings nicht daran, sich auf eine Diskussion kirchenrechtlicher Normen einzulassen, sondern setzte auf eine politische Lösung. Da soeben Graf Raimund Berengar V. von der Provence ohne männliche Nachkommen gestorben war und testamentarisch unter Ausschluß seiner übrigen Töchter Margarete, Eleonore und Sancha, Gemahlinnen Ludwigs IX., Heinrichs III. von England und RICHARDS VON CORNWALL, seine jüngste Tochter Beatrix zu seiner Universalerbin bestimmt hatte, bot sich die Gelegenheit für einen politischen Handel. Nicht zuletzt auf Betreiben der Blanche von Kastilien verhalf der Papst unter Gewährung der erforderlichen Dispense und unter Abwehr anderer Ansprüche Ludwigs Bruder Karl von Anjou zur Heirat mit Beatrix und damit zur Grafschaft Provence, deren Besitz sogleich durch französische Truppen gesichert wurde. Wenn auch Ludwig trotz dieser Erweiterung der kapetingischen Einflußsphäre, durch die die zukünftige Mittelmeerpolitik geprägt werden sollte, seine grundsätzliche Neutralität nicht aufgab und den STAUFER weiterhin als Kaiser der Römer beziehungsweise König von Sizilien anerkannte, war er doch nun auch machtpolitische enger an das Papsttum gebunden und fortan in einem latenten Gegensatz zum Kaiser befangen, dessen oberster Lehnshoheit die Grafschaft Provence eigentlich unterstand. Angesichts dieses Einvernehmens sollte die spätere Sizilienpolitik der Kurie, nach dem Tod FRIEDRICHS II. die staufische Herrschaft dort durch eine ANJOU-Nachfolge im Königreich zu beenden, nur folgerichtig sein.
Damit sind wir schon mitten in das komplexe Geflecht der europäischen Politik hineingeraten, in dem der französische König vor allem als unparteiischer 'Schiedsrichter Europas' (Kienast) eine weitreichende Wirksamkeit entfalten sollte. Da er daraus auf den ersten Blick keinen persönlichen Nutzen zog, trug ihm dies von päpstlicher Seite das ehrende Epitheton eines rex magnus ein. Gestärkt durch den Frieden von Meaux und Paris, dessen Auswirkungen vorerst die Verhältnisse im Westen und Süden trotz der lediglich ungeklärten Machtfrage stabilisieren sollte, wurde die Aufmerksamkeit des jungen Königs schon bald nach seiner Regierungsübernahme auf die Grenzgebiete des Imperiums gelenkt, wo sich vor allem in Burgund ein Feld für den Zusammenstoß gegensätzlicher Interessen eröffnete. Andererseits konnte am staufischen Hof und im Bündnis mit FRIEDRICH II. sowie seinem Sohn HEINRICH (VII.) ein Gegengewicht zum bedrohlichen englischen Einfluß aufgerichtet werden. Die Sorge wegen des möglichen Vordringens englischer Interessen bedingte nicht zum geringsten die von Ludwig geduldig verfolgte Linie der Neutralität im Streit zwischen Papst und Kaiser, die er nur verließ, wenn eigene Belange unmittelbar tangiert waren. Härtere Interessenkonflikte mit dem Reich kündigten sich an, als sich in den Grafschaften Flandern und Hennegau - letztere gehörte zu den Reichsfürstentümern - die Nachfolgefrage stellte, zumal in diesem Raum seit der Vermählung Roberts von Artois mit Mathilde von Brabant im Jahr 1237 die kapetingische Präsenz deutlich zugenommen hatte. Das verstärkte Engagement hatte sich wohl 1238 in dem durch Ludwig veranlaßten Abschluß eines Waffenstillstandes im Krieg von Poilvache als auch 1239 durch den Erwerb der Grafschaft Namur als Pfand niedergeschlagen. Den sich aufgrund der beiden anfechtbaren Ehe der Gräfin Margarete von Flandern, seit 1244 Erbin der Grafschaft, und der Legitimität der daraus entsprossenen Nachkommenschaft entspinnenden flandrisch-hennegauischen Erbfolgestreit zwischen den Häusern AVESNES und DAMPIERRE versuchte Ludwig IX. im Juli 1246 durch den Dit de Paris zu entschärfen. In diesem Urteil sprach er Flandern einschließlich Reichsflanderns DAMPIERRE, den Hennegau einschließlich der Hoheit über Namur AVESNES zu. Gleichzeitig bereitete er unter Beiseiteschiebung der eigentlichen Lehnsherrn, des Lütticher Bischofs sowie des soeben abgesetzten und gebannten Kaisers, auf diese Weise die Auflösung eines Machtblocks vor, der die Ausdehnung des kapetingischen Einflusses behinderte. Auch als nach dem Tod FRIEDRICHS II. der neue König WILHELM VON HOLLAND die verlorenen Gebiete wieder an das Reich zu ziehen suchte und Reichsflandern sowie Namur als Reichslehen an AVESNES mit dem Argument vergab, Margarete von Flandern habe seinerzeit die Mutung versäumt, die erzürnte Gräfin ihrerseits den Hennegau Karl von Anjou übertrug, um französische Unterstützung zu gewinnen, änderte dies trotz eines wenig erfolgreichen Feldzugs des provenzalischen Grafen nichts mehr an den einmal festgefügten Verhältnissen. Der vom Kreuzzug heimkehrende König, der die Handlungsweise seines Bruders nicht billigen konnte, da sie seinem Spruch von Paris zuwiderlief, fällte begünstigt durch den überraschenden Tod WILHELMS VON HOLLAND, am 24. September 1256 den Dit de Peronne. Durch diesen neuen Spruch wurde die ursprüngliche Regelung bezüglich des Erbrechts, im Kern die Trennung von Flandern und Hennegau, mit einigen Korrekturen bestätigt, Karl von Anjou entschädigt, ein dauerhafter Friede zwischen Flandern und Holland in die Wege geleitet und  der Einfluß der Reiches weiter zurückgedrängt. In ähnlicher, nicht immer uneigennütziger Weise sollte Ludwig IX. nach dem Tod FRIEDRICHS II. und der Schwächung der Reichsgewalt im burgundischen Raum als Friedensstifter eingreifen. Zwischen Karl von Anjou und Beatrix von Savoyen, der Witwe Raimund Berengars V. von der Provence, vermittelte er 1257 in einem Streit um die Grafschaft Forcalquier zugunsten der angiovinischen Ansprüche, und noch 1268 legte er einen Konflikt zwischen dem Grafen von Bar und dem Grafen von Luxemburg um die lothringische Herrschaft Ligny-en-Barrios bei, wovon hauptsächlich sein Schwiegersohn Graf Theobald V. von der Champagne profitierte. Die Grafen von Champagne wiederum waren seit Theobald IV. gleichzeitig Könige von Navarra. Dieser hatte 1234 als Neffe des letzten ohne Kinder gestorbenen Herrschers als Theobald I. den Thron bestiegen. 1253 war ihm sein damals noch unmündiger Sohn als Theobald II. nachgefolgt, nicht ohne dass es Ludwig während der Auseinandersetzungen mit Kastilien und Aragon um den Einfluß im Pyrenäen-Königreich verstanden hätte, seine Tochter Isabella dort als Gemahlin des Königs unterzubringen und die zukünftige Ausrichtung der Dynastie auf den französischen Machtbereich sicherzustellen.
Hatten sich bereits im Verhältnis der kapetingischen Monarchie zu Toulouse, zum Languedoc und zur Provence noch verhaltene Tendenzen zur Ausdehnung des eigenen Machtbereichs gezeigt, so traten sie offen zutage, als die Ambitionen Ludwigs auf den aragonesischen Expansionismus im Mittelmeerraum trafen, wie ihn das Haus BARCELONA seit einem Jahrhundert erfolgreich praktitierte. Der Konsolidierung des französischen Herrschaftsanspruchs bis an die Gestade des Mittelmeers und im gesamten okzitanischen Raum standen zahlreiche Stützpunkte aragonesicher Macht nördlich der Pyrenäen, nach dem Verlust der Provence außer dem Seniorat von Montpellier in der Hauptsache die Grafschaften Roussillon und Cerdanya, das Capcir, das Val d'Aran, die Vizegrafschaft Bigorre und Bearn sowie die Lehnshoheit über Carlat, Donezan und Sabartes. Um den aragonesischen König zur Aufgabe seiner Rechtsansprüche in diesen Gebieten zu zwingen, griff Ludwig IX. auf die alten, fast vergessenen karolingischen Herrschaftsrechte über die einstigen Grafschaften der "Spanischen Mark" zurück, indem er behauptete, es sei von einer kapetingischen Rechtsnachfolge in diesen Regionen des nordöstlichen Pyrenäenraumes auszugehen, die dortigen Grafschaften rührten "de regno Francie er de feodid suis" her. Diese Forderung stand in engem Zusammenhang mit der endgültigen Ausformung der kapetingischen Ideologie dieser Epoche, die 1253/54 durch den Enzyklopädisten Vincenz von Beauvais in seinem für Ludwig IX. kompilierten Speculum historiale kundgetan worden war und von der Vorstellung des reditus regni Francorum ad stirpem Karoli ausging, von der in der Person Ludwigs VIII. als Sohn der Isabella von Hennegau vollendeten 'Rückgabe' des fränkischen Reiches an das Geschlecht KARLS DES GROSSEN, von der seit Hugo Capet bestehenden Nachfolge der KAPETINGER anstelle der KAROLINGER, von der Übertragung des KARLS-Reiches auf die Familie der Grafen von Paris - eine Übertragung, die nach 1260 durch den Umbau und die Erweiterung der Grablege von Saint-Denis gewissermaßen in Stein gehauen wurde, als auf der rechten Seite der Vierung der Klosterkirche das 'Geschlecht' (genus) KARLS DES GROSSEN seine letzte Ruhestätte fand, auf der linken Seite aber die Nachfahren Hugos Capet, während Philipp II. August und Ludwig VIII. gleichsam als Verbindung beider Dynastien in die Mitte des Raumes gebettet wurden, um unter der Regierung Philipps IV. noch durch das Grabmal Ludwigs des Heiligen ergänzt zu werden. Bedarf es noch des weiteren Hinweises, dass um 1256 der Legist Jean de Blanot die Formel Rex Francie in regno suo princeps est prägte, seinem königlichen Herrscher mit dem imperium über alle Einwohner in seinem regnum eine kaisergleiche Stellung zusprach, ihm die Ausübung einer jurisdictio generalis mit der Fähigkeit zur Gesetzgebung zugestand und zugleich der dem römischen Recht entliehene Rechtssaatz auftauchte: ce que plest au prince vaut loi ?
Durch den juristischen, ideologisch abgesicherten Schachzug einer kapetingisch-karolingischen Rechtsnachfolge, der mit der Grafschaft Barcelona die eigene Machtbasis in Frage stellte, in arge Verlegenheit gebracht, mußte Jakob I. von Aragon letztlich einen Vergleich schließen und durch den Vertrag von Corbeil (11. Mai 1258) unter Ausnahme Montpelliers und des Carlades auf alle Ansprüche im Languedoc verzichten, darüber hinaus im Juli 1258 offiziell die Provence an Königin Margarete von Frankreich abtreten. Für dieses Entgegenkommen, durch das Ludwig IX. ungeachtet des Testaments Graf Raimund Berengars V. einen eigenen Rechtstitel auf die Provence und damit eine Handhabe gegen eventuelle Unbotmäßigkeiten seines Bruders erhielt, wurde die Tochter des aragonesischen Königs mit Philipp, dem späteren (seit 1260) Thronerben verlobt. Da zur gleichen Zeit der englische König Heinrich III. ebenfalls einen Ausgleich mit Frankreich finden mußte, um seine vom Papsttum unterstützten Pläne einer Thronfolge in Sizilien für seinen Sohn Edmund durchsetzen zu können, gestalteten sich die Perspektiven für Ludwig noch günstiger. Endlich war Heinrich III. bereit, im Vertrag von Paris (28. Mai 1258) mit Ausnahme der Guyenne und einiger weiterer Gebiete auf den Kern des einstigen, auf dem Festland gelegenen PLANTAGENET-Erbes zu verzichten - auch Aquitanien war ja Bestandteil des KAROLINGER-Reichs gewesen, die englischen Festlandslehen Teil des reaume de France - und zudem dem französischen König das längst fällige homagium zu leisten. Zwar sollte schließlich die Sizilien-Frage allen staufischen, englischen und aragonesischen Ansprüchen zum Trotz durch eine ANJOU-Thronfolge gelöst werden, doch waren die Zugeständnisse Heinrichs III., die im Oktober 1259 ratifiziert wurden, nicht mehr rückgängig zu machen. Fast gleichzeitig geriet der englische König in einen langwierigen Verfassungskonflikt mit seinen Baronen unter Führung des Simon de Montfort, Earl von Leicester, durch den ihm die Hände gebunden wurden, ja durch den er sogar zeitweise entmachtet und in einen Bürgerkrieg gezogen werden sollte. Da Heinrich III. nicht gewillt war, das ihm vom Parlament im Juni 1258 otroykierte Reformprogramm, die über die 'Magna Charta' hinausgehenden 'Provisionen von Oxford', zu akzeptieren, den Kampf vorzog und schließlich in seiner Not Ludwig IX. als Schiedsrichter anrief, kam es am 23. Januar 1264 zum Dit d'Amiens. Durch diesen Spruch wies der französische König, selbst erfüllt von den Vorstellungen monarchischer Vollgewalt, die seinem Wesen fremden Forderungen zurück und vertrat den Rechtsstandpunkt seines 'königlichen Bruders'. Als Simon de Montfort und seine Anhänger diese Entscheidung nicht annehmen mochten, folgten wechselhafte kriegerische Auseinandersetzungen, die durch den Tod Simons am 4. August 1265 entschieden wurden, so dass Heinrich nunmehr die Provisionen aufheben konnte. Der wahre Sieger war hingegen auch hier Ludwig IX., dessen Machtstellung nun in Europa ungefährdet war, dessen Autorität nicht ihresgleichen kannte, dessen Bruder Karl von Anjou soeben vom Papst mit dem Königreich Sizilien belehnt worden war, der auf dem  Höhepunkt seines Lebens stand und vielleicht als "ungekrönter Kaiser des Abendlandes" (Kienast) zu betrachten ist.
In dieser Situation erreichte die Christenheit 1265 die beunruhigende Nachricht von einer großangelegten muslimischen Offensive im Heiligen Land durch den mamlukischen Sultan Baybars I. (Rukn ad-Din Baybars Bunduqdari), der Ludwig IX. schon bei Damiette gegenübergestanden, mittlerweile die Mongolen besiegt und neben Ägypten auch Syrien unter seine Botmäßigkeit gebracht hatte. Er eroberte Caesarea und Arsuf, besetzte und zerstörte eine Reihe weiterer christlicher Städte, bevor er 1266 mit Safad ganz Galiläa in seine Hand brachte und 1268 Jaffa zur Kapitulation zwingen konnte. Als der christliche Einsatz lediglich die Einnahme von Akkon zu verhindern mochte, fühlte sich Ludwig IX. ungeachtet seines ersten Kreuzzugsdesasters berufen, zum Entsetzen seiner engeren Umgebung als Verteidiger des Heiligen Landes 1267 zum zweiten Mal ein Kreuzzugsversprechen abzulegen. Mit Unterstützung des Papsttums brachte er ein stattliches Heeresaufgebot zusammen, nachdem neben dem zögernden Karl von Anjou, der sich Vorteile für seine Expansionsabsichten in den östlichen Mittelmeerraum versprach und Konstantinopel als eigentliches Ziel vor Augen hatte, der König von Aragon, König Theobald II. von Navarra und der englische Thronfolger Edward (I.) ihre Teilnahme zugesagt hatten. Obwohl ihm der Titel rex charistianissimus erst nach seinem Tode zugelegt und zuvor die gesanmte Familie, durchaus in seinem Sinne, vom Papsttum als christianissimum genus oder electa domus Francie bezeichnet wurde, hatte er ihn sich später mit dieser unübersehbaren Demonstration seiner Glaubenskraft verdient, die keine Rücksichtnahme auf seine persönlichen Umstände und seine Gesundheit kannte, wenn es um die Verteidigung des Christentums gegen seine Feinde ging. Allerdings entschloß sich der König, der vor seinem Aufbruch die Oriflamme, das vermeintliche Kriegsbanner KARLS DES GROSSEN, vom Altar der Kirche Saint-Denis aufgenommen hatte, um mit ihr gegen die Ungläubigen zu ziehen, am 13. Juli zu einem Umweg. Für die anderen Teilnehmer überraschend, vom ihn selbst hingegen länger geplant, lenkte er nach der Abfahrt von Aigues-Mortes, die am 2. Juli 1270 ohne die angiovinischen und englischen Kontingente noch mit dem Ziel Ägypten und Palästina erfolgt war, das Kreuzfahrerheer über Tunis, um den dortigen HAFSIDEN-Sultan zu bekehren und die Heimat des Heiligen Augustinus zum christlichen Glauben zurückzuführen, wenn nötig mit Gewalt. Nach einigen Anfangserfolgen in N-Afrika, die am 24. Juli die Einnahme von Karthago, aber auch den Tod seines jetzt zweitältesten Sohns Johann-Tristan brachten, erkrankte der König schwer und starb am 25. August im Feldlager vor Tunis, bevor Karl von Anjou und Eduard von England angekommen waren - der König von Aragon hatte schon vorher seine Flotte nach dem ersten Sturm auf See umkehren lassen. Nach seiner Ankunft übernahm Karl von Anjou gemeinsam mit Theobald II. von Navarra die Führung des Kreuzzuges, doch begnügte sich der sizilische König, dem von Anfang an nicht viel an dem wenig erfolgversprechenden Unternehmen gelegen hatte, mit einem Verhandlungsfrieden und dem Abzug der Kreuzfahrer nach Sizilien. Einzig der verspätet auftauchende Eduard von England setzte den Kreuzzug fort und segelte nach Akkon, um dort zwar nichts auszurichten, sich aber dennoch einen politisch nutzbaren Ruf als Glaubenseiferer zu erwerben. Demgegenüber trafen die heimkehrenden und erschöpften Kreuzfahrer noch auf ihrem Rückweg harte Schicksalsschläge, die zum Teil das Ergebnis der aus N-Afrika mitgeschleppten  Erkrankungen waren - es starben alsbald Theobald II.von Navarra, Isabella von Aragon, die Gattin des neuen Königs, und schließlich noch Alfons von Poitiers.
Noch in seinem Tod hatte sich Ludwig IX. als unverdrossener Kämpfer für seinen Glauben erwiesen und damit seinen amour de Dieu allen deutlich vor Augen geführt. Diese brennende Liebe zu Gott fand ihren deutlichen Ausdruck in jenem Enseignements, die der König als Fürstenspiegel für seinen ältesten Sohn Philipp und seine Tochter Isabella verfaßt hatte. Die Liebe zu Gott, ohne die alles seinen Wert veliert, erscheint als beherrschende Antriebskraft für die königlichen Handlungen, und die Liebe Gottes, deren Ludwig sich durch den Erwerb der Dornenkrone versichert hatte, wiederum enthüllte dem Herrscher, im Zweifelsfall durch die Stimme des Gewissens, den göttlichen Willen, bewahrte ihn vor einer Mißachtung göttlicher Wünsche. Entscheidende Grundlage für die Ausübrung der Königsgewalt war die Vereinbarung des Herrscheramtes und seiner durch die ratio gebotenen Pflichten mit den Forderungen der göttlichen Liebe. Der König war gehalten, die Gerechtigkeit als Voraussetzung für den Frieden zu verwirklichen, in dieser Hinsicht größten Wert auf die Wahrheitsfindung und die sich daraus ergebende Rechtssicherheit zu legen und Kampf ebenso wie Krieg als untaugliche Mittel zur Rechtsfindung oder zur Verwirklichung des göttlichen Willens zu vermeiden, ohne indes den Schutz des Volkes oder der Kirche als vorrangige Herrscheraufgaben zu vernachlässigen. Die Enseignements enthalten, entkleidet aller belehrenden Haltung, ein Regierungsprogramm, dessen Kern in der engsten Verbindung des Königs zu Gott, in der Übereinstimmung von königlicher Handlungsweise und göttlichen Willens besteht, das den König für seine Seele und sein Gewissen nur Gott allein Rechenschaft ablegen läßt und das in der Verwirklichung der justicia, wie sie vom amour de Dieu gefordert wurde, den direkten Weg hin zum Frieden - zum Frieden für das Königreich und zum Herzensfrieden - sah.
Die innere Überzeugung Ludwigs IX., seine tiefe Frömmigkeit, sein amour de Dieu, seine Handlungen für sein Reich und für die Christenheit entsprachen jedoch der Haltung eines rex sanctus, so dass es nicht verwunderlich war, wenn er, früher manchmal als 'Mönchskönig' getadelt, schon unmittelbar nach seinem Tod bei seinen Zeitgenossen in den Ruf der Heiligkeit kam, ja 'heilig' genannt wurde. Während das Herz des Königs auf Verlangen seines Heeres in N-Afrika blieb, um seither verloren zu sein, und seine Eingeweide in der Kathedrale von Monreale bei Palermo beigesetzt wurden, gelangten die Gebeine nach einem langen und beschwerlichen Trauerzug am 21. Mai 1271 nach Paris, um nach einer Messe in Notre-Dame sodann in der Abteikirche von Saint-Denis, der Grablege für die französischen Könige, bestattet zu werden. Nachdem sich bereits während der Überführung in Italien und Frankreich mehrere Wunder ereignet hatten, nahmen sie am Grab des Königs unverhältnismäßig zu, gaben Anlaß zu den ersten Ausprägungen eines Kults und bewirkten unter anderem das schnelle Interesse der Kurie für das Leben Ludwigs IX. Dieses Interesse äußerte sich bereits 1272 inoffiziellen Auftrag für seinen ehemaligen Vertrauten Geoffroi de Beaulieu, seine Vita et sancta conversatio piae memoriae Ludovici quondam regis Francorum zu verfassen. Pflichtgemäß gelangte er zu dem Ergebnis, der verstorbene König sei würdig, unter die Zahl der Heiligen aufgenommen zuwerden. Obwohl diese zuversichtliche Auffassung und zahlreiche Suppliken, eine Kanonisation zu erwägen, die Aufnahme eines Verfahrens begünstigten und bald der Kardinallegat Simon von Brie, der spätere Papst Martin IV., als früherer conseiller und garde des sceaux Ludwigs IX. zuerst mit einer geheimen, dann öffentlich geführten Untersuchung über die Heiligkeit des Königs betraut wurde, dauerte es noch weiter Jahre, bevor das offizielle Verfahren Ende 1281 eingeleitet, in der Folge mehr als 330 Zeugen über die Wunder befragt, 38 Aussagen und eine Vielzahl von Materialein über sein Leben gesammelt wurden. Trotz dieses Eifers sollte sich das Kanonisationsverfahren bis 1297 hinziehen, bis Bonifaz VIII., der selbst an der Materialsammlung beteiligt gewesen war, als er als Kardinal persönlich die Aussage Karls von Anjou über das Leben seines Bruders entgegengenommen hatte, die Heiligsprechung vollzog. Dabei wurde er allerdings nicht nur von frommen, sondern auch, vielleicht sogar vornehmlich, von politischen Motiven geleitet, da er sich zu dieser Zeit um einen Ausgleich in jenem tiefgreifenden Konflikt mit Ludwigs Enkel Philipp IV., dem Schönen, bemühte, der sich zum letzten großen Machtkampf zwischen der weltlichen und der geistlichen Gewalt auswachsen sollte. Ludwig IX. wurde also als rex sanctus zu einem politischen Heiligen der kapetingischen Dynastie gemacht, doch sollte dies der enormen Ausstrahlungskraft seines Kultes, die weit über Frankreich und die benachbarten Reiche bis nach Skandinavien reichte, keinen Abbruch tun. Im Gegenteil, nach seiner Heiligsprechung nahm die Verehrung nochmals zu, nicht zuletzt wegen der Förderung durch Philipp IV., der am 17. Mai 1306 Ludwigs Haupt in die Sainte-Chapalle überführen ließ und zahlreiche weitere Partikel von Körperteilen an Kirchen im gesamten Reich vergab, eine Praxis, die im Laufe des Spätmittelalters auf ganz Europa ausgedehnt wurde, so dass Ludwig IX., wenn nicht zu einem Reichsheiligen, so doch zu einem Heiligen wurde, der für Frankreich stand.