Ludwig VII. der Junge                          König von Frankreich (1137-1180)
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1120-19.9.1180
         Kloster Saint-Port

Begraben: Kloster Notre-Dame-de-Barbeu nahe Fontainebleau
 

2. Sohn des Königs Ludwig VI. der Dicke von Frankreich aus seiner 2. Ehe mit der Adelheid von Savoyen, Tochter von Graf Humbert II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 2183
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Ludwig VII., König von Frankreich 1137-1180
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     + 18. September 1180
      Paris

Begraben: Notre-Dame-de-Barbeau

1. oo Eleonore, Erbin des Herzogtums Aquitanien (geschieden 1152)

2. oo 1153/54 Konstanze von Kastilien (+ 1160)

3. oo 1160 Adela von Champagne

Nach dem Tod des älteren Bruders Philipp am 25. ktober 1131 auf dem Konzil von Reims durch Papst Innozenz II. geweiht, folgte Ludwig VII. seinem am 1. August 1137 verstorbenen Vater, Ludwig VI. Wesentliche Aufgaben und Entwicklungen seiner Herrschaft waren vorgezeichnet: Die langsame Konsolidierung der Krondomäne stellte das Königtum in Konkurrenz zu mächtigen Vasallen, unter denen die Häuser BLOIS-CHAMPAGNE und ANJOU herausragten. Die Durchsetzung Graf Gottfrieds von Anjou als normannischer Herzog und seines Sohnes, Heinrichs II., 1154 als englischer König bedrohten im ganzen 12. Jh.die kapetingische Monarchie. Durch wiederholte Eingriffe in familiäre Auseinandersetzungen der PLANTAGENETS vermochte Ludwig VII. zwar seine Lehnshoheit für den angiovinischen Festlandsbesitz zu behaupten. Doch der aus der Ehe mit Eleonore erhoffte Anfall Aquitaniens und der Ausgriff ins Midi, dem Ludwig VII. 1137-1154 durch die erweiterte Intitulatio rex Francorum et dux Aquitanorum Ausdruck verlieh, scheiterte: Angeblich wegen zu naher Verwandtschaft, tatsächlich wegen tiefer Entfremdung der Eheleute kam es 1152 zur Scheidung, Eleonore führte ihr Erbe dem zweiten Gemahl, Heinrich II., zu.
Im Kerngebiet seiner Monarchie, in der Francia, fand Ludwig VII. einen 'entourage du roi' vor, der sich in tiefgreifendem sozialen und  funktionalen Wandel befand. Die großen Hofämter des Feudalaldels wurden zunehmend zu Ehrenämtern, während das Königtum zur Bewältigung der administrativen Aufgaben in einer sich verdichtenden Herrschaft auf neue Gruppen kleiner Dienstleute, loyal ergeben und durch Heiratsverbindungen Konsistenz gewinnend, zurückgriff. Die monarchische Suzeränität fand seit 1145 in der Bezeichnung aller Vasallen ohne Ansehen ihres Ranges in der Lehnshierarchie als barones Ausdruck, und die Konsolidierung erwies sich im Wiederauftreten großer Versammlungen von Prälaten und Baronen (1146 Vezelay, 1147 Etampes, 1155 Soissons, 1173 Paris, 1179 Reims), wo unter Ludwigs VII. Vorsitz Grundzüge der Politik beraten wurden. Ihre Bewährung bestand die kapetingische Verwaltung während Ludwigs Kreuzzug 1147/49, als Abt Suger von St-Denis mit Erzbischof Samson von Reims und Seneschall Rudolf von Vermandois die Regentschaft führte. Die Lösung administrativer Handlungen von der konkreten Person des Königs beförderte eine transpersonale Institutionalisierung von Herrschaft.
Offenbar aus eigenem Antrieb, vielleicht durch ein persönliches Bekehrungserlebnis befördert, hatte sich Ludwig VII. 1145 zum Kreuzzug entschlossen. Nach Verhandlungen mit der Kurie, beeinflußt von der Kreuzzugspredigt Bernhards von Clairvaux, nahm Ludwig VII. 1146 in Vezelay das Kreuz und zog 1147 mit einem französischen Heer nach Konstantinopel. Der weitere Vormarsch führte in die katastrophale Niederlage bei Laodikeia Anfang 1148; zu Schiff nach Antiochia gerettet, beteiligte sich Ludwig VII. an einem Feldzug gegen Damaskus und kehrte 1149 nach Frankreich zurück. Das Bündnis mit dem Papsttum vertiefte sich im Alexandrinischen Schisma seit 1159. Nach anfänglichem Zögern und nach dem Scheitern einer Begegnung mit Kaiser FRIEDRICH I. bei St-Jean-de-Losne (29. August 1162) ergriff Ludwig VII. die Partei Alexanders III., der 1162-1165 in Frankreich Zuflucht fand. Der Sieg über die kaiserlichen Gegenpäpste stärkte den eigenständigen Rang der westeuropäischen Monarchien und trug in der Kontinuität fränkisch-französischer Bindungen an die Nachfolger Petri zur Kennzeichnung des französischen Königs als rex christianissimus bei.
Im eigenem regnum festigte Ludwig VII. seinen Einfluß auf den Kronepiskopat. Fernen Bistümern und Abteien bot der König vielfältigen Rückhalt gegen lokale Potentaten und baute damit neue Ansatzpunkte in königsfernen Regionen (Burgund, Languedoc) auf, gekoppelt mit einem neuen Interesse am französischen Süden im Gefolge der Auseinandersetzungen mit Heinrich II. von England. Die unangefochtene Stellung im Reich demonstrierte Ludwig VII. 1179 auf einem Hoftag in Paris, wo er der Versammlung seinem 1165 geborenen Sohn, Philipp II., als König präsentierte und nur noch die Akklamation entgegennahm.


Brandenburg Erich: Tafel 18 Seite 37
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XIII. 263 a. LUDWIG VI., König von Frankreich 1137
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           * 1120, + 1189 19. IX.

Gemahlinnen:

a) 1137 22. VII. Eleonore, Tochter des Grafen Wilhelm VIII. von Poitou (siehe XIII 81)
     oIo 1152 18. III.   +

b) 1154 Constanze, Tochter König Alfons VII. von Kastilien (siehe XIII 232)
                       + 1160 4. X.

c) 1160 13. XI. Alix, Tochter des Grafen Theodbald II. von Champage (siehe XIII 70)
                                  + 1206 4. VI.


Ludwig VII. der Junge wurde nach dem Tod seines älteren Bruders Philipp (+ 13.10.1131) bereits am 15. Oktober 1131 in Reims gekrönt und durch den Papst Innocenz II. geweiht. Unter seiner Regierung trat zunächst ein Rückschlag ein. Seine Beteiligung am 2. Kreuzzug hatte ähnlich wie die KONRADS III. ungünstige innenpolitische Folgen. In seiner Abwesenheit erkämpfte Gottfried von Anjou sein Recht auf die Normandie gegen Stephan von England; es entstand jetzt im Westen Frankreichs ein großer Länderblock, der das Königtum vom Meere abschnitt. Als sich Ludwig nun gar von seiner Gemahlin Eleonore von Aquitanien trennte, brachte diese den ANJOUS ihr ganzes weite Teile von Mittel- und S-Frankreich umfassendes Heiratsgut zu; es entstand jetzt eine paradoxe Situation, die man als "angevinische Umklammerung" bezeichnet hat. Die Lage wurde noch schwieriger, als Heinrich Plantagenet 1154 auch noch König von England wurde. Die Zusammenkunft von Vancouleurs zwischen Ludwig VII. und Kaiser FRIEDRICH I. (Februar 1171) war das Vorspiel des späteren staufisch-kapetingischen Bündnisses.
Ludwig VII. wurde im Kloster Notre-Dame-de-Barbeau (nahe Fontainebleau) beigesetzt.

Pernoud Regine: Seite 11-29
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"Die Kapetinger" in: Die großen Dynastien

Ludwig VII. (1137-1180) verdankte die Krone einzig und allein einem Sturz vom Pferd, der seinem Bruder Philipp das Leben gekostet hatte. Ludwig der Jüngere war wie sein Vater in der Abtei Saint-Denis erzogen worden, und es ist anzunehmen, dass er aus Neigung dort geblieben wäre, wenn man ihn nicht eines Tages (1131, er war 11 Jahre alt) geholt hätte, um ihn, wie es der Brauch wollte, zum Mitkönig einzusetzen. Er kehrte jedoch nach Saint-Denis zurück, um seine Studien zu vollenden, die ihn zu einem überaus gelehrten König machten. Er hatte mehrere Brüder; einer von ihnen, Heinrich, wurde später Erzbischof von Reims und ein anderer, Philipp, Dekan von Saint-Martin de Tours. Durch das im Feudalsystem verankerte Erstgeburtsrecht war der Thronerbe von vornherein durch das Blut bestimmt. Ohne Zweifel begehrte Ludwigs Bruder Robert, Graf von Dreux, ebenfalls die Krone; er schmiedete ein Komplott, das aber von Suger mit großem Geschick aufgedeckt wurde.
Die Mitgift, die Eleonore von Aquitanien ihrem jungen Gatten - sie waren zusammen kaum mehr als 30 Jahre alt - in die Ehe einbrachte, stellte den König von Frankreich in materieller Hinsicht mit einem Schlag auf eine Stufe mit dem reichsten seiner Vasallen. Was Ludwig VI. im Laufe seines Lebens erworben hatte, waren nicht mehr als ein paar Morgen Land in der Grafschaft Corbeil, einige Burgen um Gatinais und Orleanais, besonders die von Montlhery, von der aus der König lange Zeit an einem friedlichen Verkehr zwischen Paris und Etampes gehindert worden war. Und nun kamen die unermeßlich großen Ländereien des Grafen von Poitiers, Herzog von Aquitanien, hinzu, die sich von der Loire bis zu den Pyrenäen erstreckten. Das königliche Siegel - es zeigte den König "als Majestät", auf seinem Throne sitzend, die Krone auf dem Haupt und das Zepter in der Hand - trug fortan auf der Rückseite das Bild des Herrschers zu Pferde mit der Inschrift dux Aquitanorum, Herzog Aquitaniens; und sichtlich stand das Ritterliche dem Königlichen in nichts nach, wenn man nur nach der Ausdehnung der Ländereien und dem Ertrag, den sie einbrachten, urteilt.
Die Frau, die nach der Sitte der Zeit "Königin von Gottes Gnaden" wurde, war eine Persönlichkeit, die ihresgleichen suchte. Zudem befand sie sich in vollkommenen Einklang mit einer Zeit, in der die Frau dem Manne höchst anspruchsvoll entgegentrat, in der sie Liebe und Respekt  zugleich von ihm empfing und in der Lyrik und Romanen wurde sie zur unumschränkten Herrin erhoben. In dem jungen Hausstand führte die Königin das Regiment. Das war nicht neu; unter Robert dem Frommen und unter Philipp war es nicht anders gewesen, und das gilt für die Mehrzahl der großen Dynastien der Feudalzeit. Ludwig war in seine Frau unsterblich verliebt. Eleonore war schön; von einer so außergewöhnlichen Schönheit ließen sich die Zeitgenossen ohne Ausnahme entwaffnen. War Bertrade nun aber die Hauptursache dafür gewesen, dass ihr Gatte in seiner Lethargie verharrte, so kann man ähnliches von Eleonore nicht behaupten. Ungestüm und unternehmend im Übermaß, stürzte sie ihren Gatten in unentwirrbare Konflikte. Sie entzweite ihn nacheinander mit seiner Mutter, mit seinem ergebenen Ratgeber Suger und selbst mit dem Papst, indem sie sich über die Freiheit der Wahlen innerhalb der Kirche hinwegsetzte und das Bistum Bourges einem Kandidaten ihrer Wahl übertrag. Sie zwang Ludwig, gegen die Einwohner von Poitiers mit Härte vorzugehen (Poitiers, die Stadt ihrer Pairs, ihre eigene Hauptstadt!), weil sie eine Kommune gründen, sich also durch Eid von jeglicher Autorität eines Lehnsherrn befreien wollten. Weiter veranlaßte Eleonore ihren Gatten zu einem recht unvernünftigen Feldzug gegen die Grafschaft Toulouse, die Wilhelm IX. einst abgetreten hatte und die sie wieder unter ihre direkte Herrschaft zu bringen suchte. Aber dies alles war noch belanglos, verglichen mit den Streitigkeiten, die sie mit dem Haus CHAMPAGNE vom Zaune brach, einem bis dahin treuen Verbündeten der KAPETINGER. Und wozu dies alles? Um die Verheiratung ihrer jüngeren Schwester Petronelle zu fördern, die ein Auge auf einen Vertrauten des Hofes geworfen hatte, welcher mit der Schwester des Grafen von Champagne verheiratet war und sich auf Petronelles Betreiben hin scheiden ließ. Es kam zu einem Feldzug auf das Gebiet der Champagne, in dessen Verlauf die Truppen eine Kirche in Brand steckten, in welche sich die Bevölkerung geflüchtet hatte. Dies geschah in Vitry, das seitdem Vitry-le-Brule genannt wird (frz. bruler = verbrennen). Dieses schreckliche Ereignis übte indessen auf Ludwig eine heilsame Wirkung. Er besann sich und rief Suger zurück. Aus dem Heiligen Land gelangten schlechte Nachrichten nach Frankreich; man erfuhr, dass die Grafschaft Edessa, vor einem halben Jahrhundert unter größten Schwierigkeiten zurückerobert, erneut in die Hände der Sarazenen gefallen war. Da beschloß das Königspaar zu einem Kreuzzug aufzubrechen.
Zum erstenmal geschah es, dass ein König und eine Königin von Frankreich sich gemeinsam ins Heilige Land aufmachten. Eleonore traf ihre Vorbereitungen mit der gleichen fieberhaften Betriebsamkeit, mit der sie alle Unternehmungen, die sie begeisterten, anpackte. So fand sich, als der königliche Geleitzug sich am 12. Mai 1147 in Bewegung setzte - sowohl der König als auch die Königin hatten in Saint-Denis Pilgergewänder angelegt -, in seinen Reihen  eine stattliche Zahl von Herren aus Aquitanien, der Gascogne, aus Poitiers und dem Limousin. Es waren viele Vasallen, die Wert darauf legten, ihre Fürstin zu begleiten.
Ihre Anwesenheit jedoch sollte dem Unternehmen nicht von Nutzen sein. Bei der Durchquerung Anatoliens beschwor ihre Zügellosigkeit eine Katastrophe herauf. Die Vorhut, die sie unter Führung Geoffroys von Rancon gebildet hatten, hatte sich leichtfertig vom Rest der Expedition getrennt. Das Gros der Armee, mit Gepäck und Wagen belastet, wurde buchstäblich in Stücke gerissen und verdankte seine Rettung einzig und allein dem raschen Eingreifen des Königs, der das Kommando über die Nachhut übernommen hatte. Um die Angriffe der Türken zurückzuschlagen, vollbrachte er wahre Wunder an Tapferkeit. Fast wäre der Kreuzzug hier zu Ende gewesen, in diesen "abscheulichen Bergen", die in der Geschichte des Oströmischen Reiches eine so bedeutende Rolle gespielt hatten.
Aber damit nicht genug. Nach 10 Monaten erreichte die Armee, teils zu Lande, teils zu Wasser, Antiochien; dort sah Eleonore ihren Onkel Raimund von Poitiers wieder. Dieser, beträchtlich jünger als ihr Vater, war ein Spielgefährte ihrer Kindheit gewesen. Nach einer Reihe phantastischer Abenteuer war er Fürst von Antiochien geworden. (Er war als Kaufmann verkleidet ins Heilige Land gekommen, um seine Identität vor den Türken geheimzuhalten und vor der Witwe des Fürsten Alix, deren Tochter, die Erbin des Fürstentums, er ohne Schwierigkeit zur Frau erhielt.) Dem einmütigen Urteil der Zeitgenossen zufolge war er ein glänzender Ritter, "größer, wohlgestaltet und schöner als irgendeiner seiner Zeitgenossen". Bestand zwischen ihm und seiner Nichte eine Zuneigung, die über die Grenzen des Erlaubten hinausgingen? Der König schöpfte jedenfalls Verdacht und verließ Antiochien nach 10 Tagen wieder, wobei er Königin Eleonore gewaltsam mit sich nahm.
Als die beiden Gatten nach Frankreich zurückkehrten - der Papst persönlich hatte unterwegs ihre Versöhnung herbeigeführt -, hatte sich eine tiefe Kluft zwischen ihnen aufgetan. Der Abt Suger bemühte sich um die Aufrechterhaltung ihres guten Einvernehmens, doch währte dieses nur bis zum Tode des energischen und klugen kleinen Mannes, den ein ungewöhnliches Schicksal von der Leibeigenschaft zur Verwaltung eines Königreichs in Abwesenheit des Königs geführt hatte. Ein nach Beaugency einberufenes Konzil beschloß am 21. Mai 1152 die Annullierung der 15 Jahre zuvor geschlossenen Verbindung. Eleonore übernahm wieder, wie damals üblich, ihre persönlichen Besitzungen und kehrte nach Poitiers zurück. Noch nicht zwei Monate später erreichte den französischen Hof die Schreckensbotschaft, dass sie sich wieder verheiratet habe und zwar mit Heinrich Plantagenet, Graf von Anjou und Herzog der Normandie. Die Geschichte Eleonores war fortan nicht mehr Teil der KAPETINGER, es sei denn indirekt durch Bündnisse und mehr noch durch den großen Einfluß, den sie auf ihren neuen Gatten ausübte.
Dieser Einfluß verstärkte sich besonders, nachdem er 1154 König von England geworden war. 15 Jahre hindurch war ihr Stern im Steigen. Die vereinten Domänen Heinrichs und Eleonores erstreckten sich von den Britischen Inseln bis zu den Pyrenäen und umfaßten den gesamten Westen des französischen Reiches. Ludwig VII. war nach wie vor oberster Lehnsherr Heinrichs in der Normandie, in Anjou, der Bretagne und den angrenzenden Gebieten und Eleonores in Aquitanien, also im Westen Frankreich jenseits der Loire bis zu den Pyrenäen. Natürlich versäumte er keine Gelegenheit, dies kundzutun, manchmal auch mit Erfolg, so als er seinem Vasallen, dem Grafen von Toulouse, 1159 zu Hilfe eilte. Eleonore nämlich hatte ihre alten Ansprüche auf die Grafschaft Toulouse nicht aus den Augen verloren. Sie hatte bei Heinrich, wie einst bei Ludwig, einen Feldzug durchgesetzt, den er erst beendete, als er erfuhr, dass Ludwig sich in der Hauptstadt des Languedoc aufhielt; widerwillig gab er sein Vorhaben auf und zog sich zurück, weil er nicht wagte, den Lehnseid zu brechen. Doch sein Reichtum, seine Lebensführung seine Eroberungen, alles im Königreich der PLANTAGENET stellte die rivalisierende Dynastie in den Schatten, auch was die fünf Söhne anbelangte, die Eleonore ihrem Gatten schenkte. Mit Ludwig hatte sie nur zwei Töchter, die naturgemäß nicht in der Lage waren, das Schwert zu führen.
Ludwig seinerseits hatte Konstanze, die Tochter des Königs von Kastilien, geheiratet; aus dieser Ehe gingen zwei Töchter hervor, Margarete und Adelheid. Nach dem Tod seiner zweiten Frau heiratete er Adele von Champagne und verstärkte so seine Verbindungen mit dem einzigen Herrscherhaus, das in der Lage war, es mit dem Haus ANJOU, wenn auch nur aus der Ferne aufzunehmen. Er komplizierte damit die Arbeit der Genealogen um einiges, denn seine älteste Tochter heiratete Adelas Bruder Heinrich und seine Tochter Alixderen Bruder Thibaut von Blois; er war somit der Schwager seiner Schwiegersöhne. Wie dem auch sei - wesentlich für ihn war, dass Adele ihm endlich im August 1165 den langersehnten Erben schenkte, Philipp, dem ein zeitgenössischer Chronist den Beinamen August gab.
Es begann nun eine große, langanhaltende Schachpartie zwischen dem König von Frankreich und dem König von England, der für nahezu die Hälfte des Reichs sein Vasall war. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass Heinrichs und Eleonores Ehrgeiz darauf abzielte, die französische Krone auf dem Haupt ihres ältesten Sohnes,Heinrichs des Jüngeren, zu sehen. Ihr Kanzler Thomas Becket, ein überaus geschätzter Ratgeber PLANTAGENTS, war selbst nach Frankreich gesandt worden, um das kleine Mädchen abzuholen, auf dessen Schultern diese Hoffnungen ruhten: Margarete, eine Tochter Ludwigs VII. und Konstanzes von Kastilien, wurde mit Heinrich dem Jüngeren verlobt, als sie erst wenige Monate und ihr künftiger Gatte gerade drei Jahre alt war. Auf der Grundlage dieser Verbindung kam es zu einer Einigung, und fortan herrschte wieder Frieden zwischen dem König von Frankreich und seinem allzu mächtigen Vasallen. Die Geburt eines männlichen Erben machte alle Hoffnungen, die Eleonore und ihr Gatte in ihren Sohn gesetzt hatten, zunichte, und seltsamerweise schien ihr Stern von dieser Stunde an zu sinken. PLANTAGENET, geblendet von seinen Erfolgen, entwickelte sich zum Despoten, betrog seine Gattin, ließ Thomas Becket, den er selbst zum Bischof von Canterbury gemacht hatte, ermorden und ließ sich mehr und mehr von rücksichtsloser Machtgier treiben, so dass seine Söhne, zahlreiche Vasallen und Eleonore selbst sich gegen ihn stellten. Angesichts solcher Maßlosigkeit gewann das Bild des KAPETINGERS, bescheiden, zurückhaltend, immer darauf bedacht, einem jeden Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, in einem Maße an Gewicht, dass Eleonore sich eines Tages wieder ihrem ersten Gatten zuwandte. Sie versuchte, als Mann verkleidet, das Gebiet des französischen Königs zu erreichen, wurde aber von PLANTAGENTS Leuten gestellt und gefangengenommen. Ihr Gatte hatte nichts Eiligeres zu tun, als sie möglichst weit vom französischen Reich zu entfernen. In Frankreich ging unterdessen die begonnene Schachpartie mit einer Reihe von Vormärschen und Rückzügen weiter, ohne dass einer der beiden Gegner den anderen schachmatt zu setzten vermochte.
Eine Philosophie voll Heiterkeit spricht aus den Worten, die Ludwig VII. im Vertrauen an einen Vertreter des englischen Königs, den Archidiakon von Oxford, Gautier Map, richtete: "Verschieden ist der Reichtum der Könige: der des Königs von Indien sind Elefanten; der Kaiser von Byzanz und der König von Sizilien rühmen sich ihres Goldes und ihrer Seidenstoffe, doch haben sie keine Männer, die in der Lage sind, mehr zu vollbringen, als nur zu reden: sie sind unfähig, Kriege zu führen. Der römische Kaiser, den man den Deutschen nennt, hat Männer, die sich auf das Kriegshandwerk verstehen, und Schlachtrosse, aber kein Gold, keine Seide und auch sonst keine Reichtümer... Dein Herr, der König von England, besitzt alles: die Männer, die Pferde, das Gold und die Seide, die Edelsteine, die Tiere, alles. Wir hier in Frankreich, wir haben nichts - es sei denn das Brot, den Wein und die Fröhlichkeit."
Es waren in der Tat zwei verschiedene Auffassungen der Macht, ja des Lebens, die sich in den beiden Königen oder besser den beiden Dynastien gegenüberstanden. Während Ludwig nur darauf bedacht war, sich mit seinen unmittelbaren Vasallen, Champagne-Blois, zu umgeben, verheiratete Heinrich und Eleonore ihre Tochter Mathilde mit dem Herzog von Sachsen, eine weitere Tochter, Johanna, mit dem König von Sizilien und eine dritte, die den Namen ihrer Mutter Eleonore trug, mit dem König von Kastilien - in jeder Himmelsrichtung ein neuer Sproß dieses fruchtbaren Stammes. Der KAPETINGER dagegen verlor, auch wenn es ihn ins Heilige Land zog, niemals sein eigenes Land aus dem Auge, das Land, in dem er "Brot, Wein und Frohsinn" zu finden wußte.
In der gotischen Baukunst gibt es ein Element unter vielen anderen, das den Archäologen zur Datierung dient: die Kreuzblume. Von der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts an ist sie häufig im Winkel von Kapitellen zu finden, und später als Verzierung von Wimpergen, Portalen, Türmchen usw. Sie gleicht zunächst einer einfachen Knospe, im 13. Jahrhundert nimmt sie, gleichsam einer biologischen Entwicklung folgend, die Gestalt immer feineren Blattwerks an, aus dem Blüten hervorsprießen, bis sie sich schließlich im 16. Jahrhundert und später zu dem für den Flamboyant-Stil charakteristischen feinziselierten Blättern wandelt.
Dieses architektonische Detail symbolisiert treffend die Entwicklung der Dynastie der KAPETINGER selbst. Zwischen der Regierung Ludwigs VII. und der jenes Königs, der noch zu seinen Lebzeiten Ludwig der Heilige genannt wurde, verging ein Jahrhundert, in  dessen Verlauf die Knospe sich entfaltet und Blätter und Blüten hervorbrachte. Die Lilie stand in voller Blüte.
Ludwig VII. starb am 18. September 1180, nicht ganz ein Jahr, nachdem er am 1. November 1179 seinen Erben Philipp zum Mitkönig eingesetzt hatte.

Verwandtschaft  mit Eleonore

                                                 Robert II. der Fromme König von Frankreich
                                                 20.7.972-20.7.1031
 

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         Robert I. Herzog von Burgund              Heinrich I. König von Frankreich
         1011-21.3.1076                                      1008-4.8.1060
 

               --                                                                                --
   Hildegard von Burgund                                    Philipp I. König von Frankreich
   1049- nach 1104                                               1053-30.7.1108

  oo 3. Wilhelm VIII. Herzog von Aquitanien
          1024/25-25.9.1086
 

            --                                                                                --
    Wilhelm IX. Herzog von Aquitanien             Ludwig VI. der Dicke König von Frankreich
    22.10.1071-10.2.1126                                     1081-1.8.1137
 

           --                                                                              --
   Wilhelm X. Herzog von Aquitanien             Ludwig VII. König von Frankreich
   1099-9.4.1137                                              1120-18.9.1190
 

         --
  Eleonore von Aquitanien
  1122-1.4.1204


  22.7.1137
  1. oo Eleonore von Aquitanien, Tochter des Herzogs Wilhelm X.
 - 21.3.1152 1122-31.3.1204

    1154
  2. oo Konstanze von Kastilien, Tochter des Königs Alfons VII.
           um 1140-4.10.1160

 13.11.1160
  3. oo Adele (Alix) von Blois, Tochter des Grafen Theobald IV.
           um 1145-4.6.1206
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Marie
  1145-11.3.1198

  oo Heinrich I. Graf von Blois-Champagne
       um 1126-17.3.1181

  Alix
  1150- nach 1195

um 1164
  oo Theobald V. Graf von Blois-Chartres
              -   1191

2. Ehe

  Marguerite
  1158-   1197 (vor 10.9.)
          bei Akkon

  21.8.1172
  1. oo Heinrich der Jüngere König von England
          28.2.1155-11.6.1183

    1186
  2. oo 3. Bela III. König von Ungarn
              um 1148-23.4.1196

  Adelheid
  um 1159- jung

3. Ehe

  Agnes
  1171- um 1240

   2.3.1180
  1. oo Alexios II. Kaiser von Byzanz
          10.9.1169-24.9.1183

    1183
  2. oo Andronikos I. Kaiser von Byzanz
          um 1122-12.9.1185

  3. oo Theodor Branas
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  Philipp II. August König von Frankreich
  21.8.1165-14.7.1223

  Alix Gräfin von Vexin
  um 1170- nach 1200

20.8.1195
   oo Wilhelm II. Graf von Montreuil
              -4.10.1221

Illegitim

  Philipp Dechant in Tours
       -   1161
 
 
 
 

Literatur:
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Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Seite 139-154
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"Die französischen Könige des Mittelalters"

Joachim Ehlers

LUDWIG VII., König von Frankreich 1137-1180
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* 1120, + 18.9.1180
             Paris

Begraben: Kloster Notre-Dame-de-Barbeau (nahe Fontainebleau)

Vater:
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König Ludwig VI., König von Franreich

Mutter:
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Adelaide von Maurinne (+ 18.11.1154)

Brüder:
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Philipp (* 29.8.1116, + 13.10.1131)
Heinrich Erzbischof von Reims (* um 1121, + 13.11.1175)
Robert, Graf von Dreux (* um 1123, + 11.10.1188)
Peter, Graf von Courtenay (* um 1126, + 1179/83)
Philipp, Erzbischof von Paris (* um 1125-4.9.1161)

Schwester:
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Konstanze (* um 1124, + um 1180), verheiratet mit
1) Eustachius, Graf von Blois
2) Raimund V. Graf von Toulouse

15.10.1131 Königsweihe durch Papst Innozenz II. in Reims
1146 Gottfried von Anjou als Herzog der Normandie anerkannt
1147 Aufbruch zum 2. Kreuzzug, 4.10. Ludwig in Konstantinopel
1149 Rückehr nach Frankreich
13.1.1151 Tod Sugers von St-Denis, Heinrich "Plantagenet" als Nachfolger seines Vaters Gottfried von Anjou Herzog der Normandie
21.3.1152 Auflösung der Ehe mit Eleonore von Aquitanien, die Heinrich von Anjou heiratet
19.12.1154 Heinrich von Anjou als Heinrich II. König von England
1156 Heinrich II. huldigt Ludwig VII. für die Normandie
3.8.1158 Abkommen von Gisors mit Heinrich II.
September 1159 Beginn des Alexandrinischen Schismas
April 1162 Flucht Papst Alexanders III. nach Frankreich
29.8. Gescheitertes Königstreffen bei St-Jean-de-Losne
ab 1164 französisches Exil des Erzbischofs Thomas Becket von Canterbury
1165 Bestätigung der Charta caritatis der Zisterzienser durch Papst Alexander III.
29.12.1170 Erzbischof Thomas Becket in Canterbury ermordet
1179 Schlaganfall Ludwigs VII.
1. November Königsweihe Philipps II. in Reims
 
 

  1. oo 1137
          ELEONORE VON AQUITANIEN
          * 1122, + 31.3.1204

Tochter Herzog Wilhelms X. von Aquitanien
 

  2. oo 1153
          CONSTANZE VON KASTILIEN
          * um 1140, + 4.10.1160

Tochter König Alfons VII. von Kastilien
 

  3. oo 13.11.1160
          ADELA VON CHAMPAGNE
          * um 1145, + 4.6.1206

Tochter des Grafen Tedbald IV. von Blois-Champagen
 

Kinder:
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1. Ehe

Marie (* 1145, + 11.3.1198 ), Gemahlin Heinrichs I., Graf von Blois-Champagne
Alix (* 1150, + nach 1195), Gemahlin Tedbalds V., Graf von Blois-Chartres

2. Ehe

Margarethe (* 1158, + vor 10.9.1197), Gemahlin Heinrichs des Jüngeren von England

3. Ehe

Philipp II., König von Frankreich (* 21.8.1165, + 14.7.1223 )
Agnes (* 1171, + um 1240), verheiratet mit
1) Alexios II. Komnenos, Kaiser von Byzanz
2) Andronikos I. Komnenos, Kaiser von Byzanz

Am 1. August 1137 trat Ludwig VII. im Alter von 16 Jahren die Nachfolge seines Vaters an. Als zweiter Sohn Ludwigs VI. hatte er ursprünglich nicht an die Regierung denken dürfen, für die vielmehr sein älterer, 1116 geborener Bruder Philipp vorgesehen war. Ihn, der im April 1129 in Reims zum Mit-König gekrönt wurde, nennen die Diplome Ludwigs VI. schon seit 1121 rex designatus, aber am 13. Oktober 1131 verunglückte er tödlich bei einem Sturz vom Pferd in den Straßen von Paris. Um keine Unsicherheit bei der Königsfolge aufkommen zu lassen, nutzte der Hof auf Rat des Abtes Suger das eben in Reims unter Leitung des Papstes tagende Konzil und ließ Ludwig durch Innozenz II. weihen. Obwohl der französische Klerus das Königtum nicht als Erbe, sondern als Amt begriff und in der Kirche gerade zu dieser Zeit das Wahlprinzip für die Ämtervergabe immer systematischer begründet und geregelt wurde, förderten die Bischöfe in diesem Falle den Erbgedanken, denn sie wollten die Monarchie gegen das Fürstentum stärken, von dem die Freiheit der Kirche stärker bedroht war als von den Königen. Dem Hochadel wiederum fehlten wirksame Argumente gegen das Erbrecht, weil er es durchweg zum Ausbau einer eigenen Stellung nutzte und Erbfolge auch beim Übergang der honores, der vom König zu vergebenden Ämter und Rechtstitel, innerhalb der Familien in Anspruch nahm. Ludwig war damals 10 Jahre alt und Schüler der Kathedralschule von Notre-Dame in Paris; seine Mitschüler kamen als Gäste zum Reimser Weiheakt. In einer Urkunde für das Pariser Domkapitel gedachte der König noch im Jahre 1157 seiner dort verbrachten Kinderjahre.
Nach wie vor war das kapetingische Königtum theoretisch im gesamten Raum des ehemaligen westfränkischen Reiches anerkannt, so dass sich der Legitimationsbereich des Königs von Frankreich zwischen der flandrischen Nordseeküste und den Pyrenäen, vom Atlantik bis in die Flußgebiete von Schelde, Maas, Saone und Rhone erstreckte. Der Sanktionsbereich, das heißt das Gebiet, in dem der König faktische Regierungsgewalt ausüben konnte, war dagegen wesentlich kleiner und beschränkte sich auf jene Summe von Besitz, Gütern und Rechten, die als Krondomäne bezeichnet wird. Dieser hergebrachte Ausdruck darf nicht zu der Annahme verführen, dass es sich dabei um ein geschlossenes Territorium gehandelt habe: Zwar lag der Schwerpunkt in der Francia, also zwischen Oise. Maas und Loire, aber in die vom König unmittelbar verwalteten Gebiete waren fremde Herrschaftsbezirke eingelagert. Ludwig VI.hatte indessen schon energisch auf Abrundung, strukturelle Festigung und Konsolidierung der Krondomäne hingearbeitet, so dass der Sohn eine bessere Ausgangsbasis hatte als sein Vater. Besonders hoffnungsvoll war eine Aussicht, die dem Thronfolger durch Verfügung Wilhelms X. von Aquitanien eröffnet wurde. Der Herzog war 1137 zu einer Wallfahrt nach Santiago de Compostela in den äußeren Nordwestzen der Iberischen Halbinsel aufgebrochen und hatte vor Antritt dieser anstrengenden Reise sein Land und seine 15-jährige Erb-Tochter Eleonore unter den Schutz seines Lehnsherrn, des Königs von Frankreich gestellt. Ludwig VI. gab Eleonore sogleich dem Thronfolger zur Frau, und als sowohl der Herzog als auch der König 1137 starben, wurde Ludwig VII. in Personalunion König von Frankreich und Herzog von Aquitanien. Neben der Francia beherrschte er den Raum zwischen Creuse und Adour, obere Loire und Atlantikküste.
Damit bot sich endlich eine Möglichkeit, die anglonormannische Position in Frankreich zu neutralisieren und so einer schweren Bedrohung des Königreichs entgegenzutreten. Die Gefahr hatte sich 1066 ergeben, als Herzog Wilhelm von der Normandie England eroberte und sich dort zum König krönen ließ; sie war 1127 noch größer geworden, denn damals heiratete Graf Gottfried von Anjou Mathilde, die Erb-Tochter König Heinrichs I. von England: Das englische Königtum drohte außer mit dem Herzogtum noch mit dem Block der mächtigen Loire-Grafschaften verbunden zu werden und in der französischen Monarchie jede Entwicklungschance zu rauben. Zwar wurde Mathilde nach dem Tod ihres Vaters (1135) von dessen Neffen Stephan von Blois usurpatorisch verdrängt, aber Stephan war der jüngere Bruder Graf Tedbalds II. von der Champagne, eines Gegners der KAPETINGER.
Die Konstellation, der sich Ludwig VII. in seinen Anfängen gegenübersah, war demnach ambivalent, und mit großer Dynamik versuchte der junge König, das Beste aus ihr zu machen. Zeitgenossen haben uns kein deutliches Bild der Persönlichkeit überliefert, sondern lassen nur den allgemeinen Eindruck eines gebildeten und wegen seiner einfachen Lebensweise verhältnismäßig populären Herrschers erkennen. Bekannt ist seine Äußerung gegenüber Walter Map, dem walisischen Hofkleriker Heinrichs II.: "Deinem Herrn, dem englischen König, fehlt nichts: Männer, Pferde, Gold, Seide, Edelsteine, Wild, Früchte - all das hat er im Überfluß. Wir in Frankreich haben nur Brot, Wein und die Heiterkeit." Sein Gerechtigkeitssinn ist immer wieder von unberechenbar-spontanen Reaktionen getrübt worden, mit denen ein Hang zu verantwortungsscheuer Entscheidungsschwäche deutlich kontrastierte.
Gleich nach dem Regierungsantritt befreite sich Ludwig VII. vom Einfluß seiner Mutter, Adelaide von Maurienne, die den Hof verlassen mußte; an ihre Stelle trat für kurze Zeit Suger von St-Denis, der schon seinem Vater große Dienste geleistet hatte. Wenn dennoch eine den kirchlichen Freiheiten weniger gewogene Haltung des Sohnes beobachtet wird, dann mag das auf seine Gemahlin zurückzuführen sein, denn Eleonore hatte vom aquitanischen Hof eine dem Klerus gegenüber deutlich kritische Position mitgebracht. 1138 verweigerte der König einem Kandidaten des mächtigen Zisterzienserabts Bernhard von Clairvaux die Zustimmung für das Bischofsamt in Laon, 1139 förderte er eine gegen den Erzbischof gerichtete kommunale Bewegung in Reims, 1146 handelte er in Sens ebenso. Weil der Erzbischof von Bordeaux im Jahre 1141 einen Bischof von Pitiers weihte, ohne Ludwig konsultiert zu haben, ließ dieser die Stadt absperren, und er scheute auch schwere Konflikte mit der kirchlichen Reformpartei nicht, wenn andere Loyalitäten ihm zweckmäßiger waren. Als der königliche Seneschall Rudolf von Vermadois seine Gemahlin, die Nichte Tedbalds II. von der Champagne, verstieß und statt ihrer die Schwester der Königin heiratete, leitete ein päpstlicher Legat die in Lagny (also in der Grafschaft Champagne!) tagende Kirchenversammlung, auf der die erste Ehe des Seneschalls für gültig erklärt und das Vermadois mit dem Interdikt belegt wurde. Während des darauf folgenden Feldzugs Ludwigs VII. gegen den Grafen, den großen Förderer Bernhards von Clairvaux und der Zisterzienser, verbrannten bei der Eroberung von Vitry durch königliche Truppen mehr als 1.000 Menschen in der Kirche, die sie zu ihrem Schutz aufgesucht hatten. Eine Intervention Bernhards von Clairvaux bei Papst Innozenz II. zugunsten Teobalds erzwang im Jahre 1143 den Frieden von Vitry, aber Tedbald suchte nun ein dauerhaftes Bündnis mit dem Grafen von Flandern gegen Ludwig einzugehen, dem nun auch die Reformer feindlich gesonnen waren.
Diese in gewisser Weise unhaltbare Situation mag den König schließlich veranlaßt haben, auf einem Hoftag zu Weihnachten 1145 in Bourges seinen Entschluß bekanntzugeben, eine bewaffnete Wallfahrt zur Unterstützung der Christen im Heiligen Land anzutreten. Offensichtlich war das Unternehmen nicht im Sinne des Kreuzzuges von 1095 konzipiert, denn nicht der Papst oder ein päpstlicher Legat, sondern Bischof Gottfried von Langres rief zum Kampf für die Ziele des Königs auf, weshalb Abt Suger grundsätzliche Bedenken hatte. In der Tat bestand die in Bourges heraufbeschworene Problematik darin, dass ein König auf dem besten Wege war, unabhängig vom Papst, der sich gerade diesen Führungsanspruch vorbehalten hatte, einen Kreuzzug auszuschreiben. Man verschob deshalb die Entscheidung auf Ostern des folgenden Jahres und übertrug sie Bernhard von Clairvaux, der allerdings jeden Autoritätsverlust des Papstes vermeiden wollte und sich weigerte, ohne dessen Votum ein Urteil abzugeben. Direkte Verhandlungen Ludwigs mit der päpstlichen Kurie wurden am 1. März 1146 in einer Bulle zusamengefaßt, in der sich Papst Eugen III. zum Urheber des Projekts erklärte und die Predigt Bernhard von Clairvaux übertrug. Das Römische Reich wollte der Papst möglichst nicht beteiligen, weil er KONRAD III. als Bundesgenossen gegen die römische Kommune unter Arnold von Brescia und gegen Roger II. von Sizilien brauchte.
Die erste Predigt Bernhards auf dem Hoftag von Vezelay in Burgund machte einen fundamentalen Unterschied zum 1. Kreuzzug deutlich, denn der Aufruf wandte sich nicht an das Volk im allgemeinen, sondern an die milites, die Elite der adligen und nichtadligen Panzerreiterei, denen gerade damals jene besonderen ethnisch-spirituellen Qualitäten zugesprochen wurden, die mit der Kirchenreform eng verbunden waren und das europäische Rittertum bestimmen sollten. Hatte Ludwig VII. am 31. März 1146 in Vezeley das Kreuz genommen, so zog die von N-Frankreich bald auf die Rheinlande ausgedehnte illegale Kreuzzugspredigt des Zisterziensermönchs Radulf das Reich gegen den Willen des Papstes in die Vorbereitungen hinein. Weihnachten 1146 schloß sich KONRAD III. in Speyer dem Kreuzzug an.
Beide Könige wählten den beschwerlichen Landweg nach Konstantinopel, das die Ankunft der Kreuzfahrer mit gutem Grund mißtrauisch erwartete. Die westlichen Heere banden in höchst unerwünschter Weise Kräfte, die dringend zur Abwehr normannischer Angriffe auf Korfu und auf die byzantinische Seidenindustrie in Theben und Korinth nötig gewesen wären. Am 4. Oktober 1147 landete Ludwig VII. vor der Hauptstadt des Oströmischen Reiches an und war seinerseits zu einer Überienkunft mit Kaiser Manuel I. Komnenos bereit, doch Bischof Gottfried von Langres, der eine starke antibyzantinische Fraktion im französischen Heer mit demagogischem Eifer aufstachelte, betrieb den Angriff auf die Stadt und ließ sich nur deswegen neutralisieren, weil der Papst eine Eroberung Konstantinopels nicht vorgesehen hatte. Mit seiner deutlichen Tendenz zum Mißbrauch des Kreuzzugsgedankens wies der Zwischenfall auf die 1204 von westlichen Kreuzfahrern tatsächlich herbeigeführte Katastrophe der oströmischen Hauptstadt voraus.
Nach einer Sicherheitsgarantie Ludwigs VII. für alle kaiserlichen Städte und auf Grund des Lehnseides der französischen Herren gegenüber Manuel I. wiesen byzantinische Führer dem französischen Heer seinen Weg nach Anatolien, wo man sie auf Überreste des inzwischen mehrfach von den Seldschuken geschlagenen Heeres KONRADS III. stieß und gemeinsam weiterzog, über Smyrny nach Ephesus und von dort nach Laodicaea, einer schweren Niederlage entgegen. Die Überlebenden erreichten an der Küste einige byzantinische Schiffe, die den König, den Klerus und das engere Gefolge nach Antiochia brachten. Dort erwartete Fürst Raimund, der Onkel der Königin Eleonore, Ludwigs Unterstützung für einen Zug gegen Aleppo, aber nach dem Verlust seines Heeres war der französische König größeren militärischen Aufgaben nicht mehr gewachsen. Gerüchte über eine Liaison Eleonores mit Raimund von Antiochia trübten die Allianz noch mehr, so dass Ludwig sich nach Süden wandte, um die heiligen Stätten zu besuchen und sich mit KONRAD III. in Akkon zu treffen. Als die Truppe durch neu eingetroffene provencalische Kreuzfahrer verstärkt worden waren, beschloß der um Abgeordnete des deutschen und des französischen Heeres erweiterte Kronrat des Königreichs Jerusalem am 24. Juni 1148 einen Angriff auf Damaskus, der vier Wochen später mit der Belagerung der Stadt begann. War schon die Bestimmung des Kriegsziels ein schwerer politischer Mißgriff, weil seit 1139 ein Bündnis des Königreichs Jerusalem mit dem Atabeg von Damaskus bestand, so mußte die Belagerung angesichts eines von Aleppo her geführten Entlastungsangriffs schmählich aufgegeben werden. Ostern 1149 verließ Ludwig VII. das Heilige Land und kehrte nach Frankreich zurück, wo das offenkundige Scheitern des Kreuzzuges scharfe und anhaltende Kritik hervorrief.
Während Ludwigs Abwesenheit hatte Abt Suger von St-Denis das Reich regiert und dabei Bedeutendes geleistet. Wohl 1080/81 in einer Familie kleiner milites nahe der berühmten Benediktinerabtei geboren, wurde Suger im Alter von 10 Jahren als puer oblatus dorthin gegeben und erhielt eine gründliche Ausbildung, die seine hohe Begabung rasch offenbar machte und ihm das Wohlwollen seiner Oberen sicherte. Im März 1107 war er im Kloster La-Charite-sur-Loire Zeuge der Verhandlungen, die das historische Treffen Papst Paschalis' II. mit König Philipp I. und dem Thronfolger Ludwig in St-Denis vorbereiteten. Dort hatten die Könige in lehnsrechtlichen Formen dem Papst Rat und Hilfe versprochen und ihm ihr Reich dargebracht: Das besondere Bündnis der französischen Monarchie mit dem Papsttum ist damals auf einen ersten Höhepunkt geführt worden. Als wichtiger Berater Ludwigs VI. hatte Suger im Jahre 1137 die königliche Gesandtschaft nach Bordeaux geleitet, die den Thronfolger zur Hochzeit mit Eleonore von Aquitanien brachte. Sugers führende Stellung am Hof überdauerte den Tod Ludwigs VI. freilich nur kurze Zeit, denn bald traten Männer wie der Kanzler Cadurc und der Seneschall Rudolf von Vermandois in den Vordergrund. Es dürfte kein Zufall sein, dass die Jahre zwischen 1140 und 1147, in denen Sugers Einfluß beim König auffallend gering war, durch rege Bautätigkeit an der Abteikirche von St-Denis und die Arbeit an der Lebensbeschreibung Ludwigs VI., der Vita Ludovici Grossi, bestimmt wurden.
Erst in Zusammenhang mit Ludwigs VII. Kreuzzugsplan scheint Suger nach einer Phase der Distanz wieder in die Nähe des Königs gekommen zu sein. Auf einer Reichsversammlung in Etampes schlug Bernhard von Clairvaux 1147 den Abt von St-Denis und den Grafen von Nevers für die Regentschaft vor; der Papst unterstützte die Kandidatur Sugers, während Ludwig durch Benennung des Erzbischofs Samson von Reims und des Grafen Rudolf von Vermandois ein Regenten-Kollegium bildete, an dessen Spitze sich freilich bald der Abt von St-Denis durchsetzte und den König 1149 gegen Umtriebe seines Bruders Robert von Dreux schützte, der den verhängnisvollen Ausgang des Zuges ins Heilige Land zum Sturz Ludwigs nutzen wollte.
Durch rasche Auffassungsgabe, ein vorzügliches Gedächtnis und den Sinn für historische Zusammenhänge, durch große Formulierungs- und Überzeugungskraft war Suger der ideale Ratgeber, wenngleich wir den individuellen Einfluß an Höfen nicht überschätzen dürfen, deren Eigenart geade durch Vielfalt der Stimmen, Kräfte und Ziele bestimmt wird, die auf den Monarchen wirkten. Wenn Suger im Bewußtsein der Nachwelt als Leitfigur der Monarchie erscheint, so liegt das wesentlich an seinem Sinn für die Wirkung des Kontinuität schaffenden, repräsentativen Erinnerns, am Bezug des Gedächtnisses auf zentrale Orte, in erster Linie auf seine eigene, von ihm selbst zum Monument ausgebaute Klosterkirche mit den Grablegen der Könige. In 11 Monaten des Jahres gedachte der Konvent von St-Denis jeweils an einem bestimmten Tage gleichzeitig Sugers und KARLS DES KAHLEN. Eine deutliche Hochschätzung der karolingischen Tradition aus dem Bewußtsein exzeptioneller Förderung des Klosters und des Heiligen Dionysius durch die fränkischen Herrscher, den westfränkischen König KARL DEN KAHLEN im besonderen. Daraus ergab sich die immer wieder betonte Königsnähe des Klosters bis in die Gegenwart des 12. Jahrhunderts, denn die Kapetinger waren nicht nur faktisch die Amtsnachfolger der KAROLINGER, sondern sie taten auch alles, um legitimatorisch so gesehen zu werden. Viele geistliche Institutionen unterstützten sie dabei, denn auf diese Weise konnten die Könige genötigt werden, Schutz- und Ausstattungsversprechen ihrer Vorgänger zu übernehmen. Förderung des Königtums durch den Klerus mußte demnach die Förderung geistlicher Einrichtungen durch den König nach sich ziehen; je mehr der Vasall des heiligen Dionysius an Stärke zunahm, um so wirkungsvoller konnte er seinen Verpflichtungen nachkommen. Aus dieser Einsicht heraus wurde Suger zum Theoretiker des französischen Königtums.
Am 13. Januar 1151 ist der Abt von St-Denis im Alter von 70 Jahren gestorben. Sein Tod bedeutet insofern eine Caesur in der Regierung Ludwigs VII., als der König nun die Trennung von seiner Gemahlin vollziehen konnte und damit einen Schritt tat, von dem Suger bis an sein Lebensende abgeraten hatte. Am 21. März 1152 traf das Königspaar auf der südwestlich von Orleans an der Loire gelegenen Burg Beaugency mit den Erzbischöfen von Sens, Reims, Rouen und Bordeaux, einem Teil ihrer Suffragane und Großen des Reiches zusammen. Mit Billigung dieser Versammlung wurde Ludwigs Ehe geschieden; formell wegen zu naher Verwandtschaft, tatsächlich in gegenseitigen Einvernehmen nach zerrüttender Entfremdung und auf Grund der Dynastie bedrohenden Tatsache, dass Eleonore nach 15-jähriger Ehe nur zwei Töchter zur Welt gebracht hatte: Marie, die mit dem Grafen Heinrich I. von Blois-Champagne verheiratet wurde, und Alix, später Gemahlin Tedbalds V. von Blois-Chartres. Unmittelbar nach dem Tag von Beaugency verließ Eleonore den Hof und die Francia. Sie kehrte nach Aquitanien zurück, um schon zwei Monate später eine neue Ehe einzugehen, diesmal mit dem Grafen Heinrich "Plantagenet" von Anjou. Damit war der König von Frankreich territorial auf die Ebene eines mittleren Fürsten zurückgefallen, eingeschnürt von der anglonormannischen Monarchie, die sich nun zum angevinischen Reich umformte, zur stärksten europäischen Macht nach dem Imperium, aber, anders als dieses, expansiv und aggresiv.
Graf Gottfried von Anjou, Heinrichs Vater, hatte für die Rechte seiner Gemahlin Mathilde in der Normandie gekämpft und war 1146 in Rouen als Herzog anerkannt worden; Mathildes Anspruch auf den englischen Thron hat er nie aufgegeben. Als er 1151 starb, übernahm sein Sohn mit den Loire-Grafschaften und dem Herzogtum Normandie auch den englischen Rechtstitel. Verzweifelt suchte Ludwig VII. eigene Ansprüche auf Aquitanien zu erhalten, aber ein Feldzug, den er im Bunde mit Heinrichs Bruder Gottfried und abtrünnigen Großen des Anjou unternahm, unterstützt von seinem Schwiegersohn Heinrich von Blois-Champagne, den Grafen Eustachius von Boulogne und Robert von Dreux, fiel schwach aus und hinderte Heinrich Platagenet nicht an der Überfahrt nach England, wo er König Stephan von Blois zu einer Nachfolgevereinbarung zwingen konnte: Heinrichs Thronrecht, gegründet auf das Erbe seiner Mutter Mathilde, wurde anerkannt und sollte nach dem Ableben König Stephans realisiert werden. Ludwigs VII. Zug nach Aquitanien hängt mit dieser bedrohlichen Konstallation eng zusammen, denn sein Mikämpfer Eustachius von Boulogne war der Sohn Stephans von Blois und strebte selbst nach der englischen Krone. Dies alles war nun verloren. Am 25. Oktober 1154 starb König Stephan und wenig später, am 4. Adventssonntag (19. Dezember), krönte der Erzbischof von Canterbury Heinrich von Anjou und seine Gemahlin Eleonore zum König und zur Königin von England.
Für Ludwig VII. bedeutete das weit mehr als nur einen Rückfall auf den Stand der letzten Regierungsjahre seines Vaters, denn der Kontinentalbesitz Heinrichs II. reichte mit der Normandie, Anjou, Maine, Touraine und Aqutanien als nahezu geschlossenes Herrschaftsgebiet vom Kanal bis zu den Pyrenäen, wurde sehr wirksam nach anglonormannischer Praxis verwaltet und drohte, das kapetingische Königtum für eine Übergangszeit bis zur endgültigen Vernichtung, auf die Ile-de-France zu beschränken. Die Lehnshuldigung, mit der Heinrich II. 1156 den karolingisch fundierten Legitimationsbereich des rex Francorum anerkannte, hat für sich genommen den Fortbestand der französischen Monarchie nicht garantiert; was sie am Leben erhielt, war ihr inzwischen durch lange und enge Beziehungen zum Papsttum erreichtes Ansehen als spirituelle Großmacht, deren König von den gelehrten Engländer Johann von Salisbury bald als rex christianissimus bezeichnet werden sollte, als allerchristlichster König unter den Monarchen Europas. Während Heinrich II. in England gekrönt wurde, begab sich Ludwig VII. auf eine Wallfahrt nach Santiago de Compostela; anstatt die Grenzen der Normandie zu beunruhigen, schützte er die Mönche von Vezelay gegen Angriffe des Grafen von Nevers; auf einer Versammlung in Soissons erließ er einen 10-jährigen Gottesfrieden.
Am 31. August 1158 kam es auf der normannischen Grenzburg Gisors zum Ausgleich mit Heinrich II.: Dessen dreijähriger erstgeborener Sohn und Erbe Heinrich wurde mit der 6 Monate alten Tochter Margarethe aus Ludwigs VII. zweiter Ehe mit Constanze von Kastilien verlobt. Wenn dieser Bund Bestand und der französische König keinen männlichen Nachfolger hatte, konnte durch Erbfall ein anglonormannisch-französisches Großreich entstehen. Als der englische König bald darauf Paris besuchte, wurde er mit großen Ehren empfangen. Auf seinem Rückweg besetzte er Nantes und nahm damit den französischsprachigen Teil der Bretagne in Besitz, während Ludwig VII. eine Wallfahrt zum Berg des Heiligen Michael in der Normandie vorbereitete.
Moderne, von "realpolitischen" Erwägungen geleitete Kritik an solchen Verhaltensweisen wird ihnen schon deshalb nicht gerecht, weil  sie ihre eigene Auffassung von Realität naiv ins hohe Mittelalter überträgt: Jüngste Erfahrungen mit hochideologisierter Politik, mit der Umformmung fundamentalistischer Bewegungen zu Staaten und Parteiorganisationen sollen den Blick dafür geschärft haben, dass aufgeklärt-bürgerliches Verständnis von politischer und mentaler Wirklichkeit nicht anthropologisch begründet, sondern historisch entstanden, gefährdet und vergänglich ist.
Am 4. Oktober 1160 starb Constanze von Kastilien, und schon fünf Wochen später heiratete der König Adela von Champagne, Schwester Heinrich I. von der Champagne aus dem Hause BLOIS. Die Hochzeit war Ausdruck einer Wendung der bisher königsfeindlichen Politik des Hauses CHAMPAGNE. Heinrich I. hatte 1152 die Herrschaft übernommen und die Loiregrafschaften gegen Mannschaftsleistung seinen jüngeren Brüdern überlassen, ums sich selbst auf die Champagne zu konzentrieren. Stete Annäherung an die KAPETINGER ließ ihn zum Schwager des Königs werden; vier Jahre später wurde er durch Vermählung mit Ludwigs VII. Tochter Marie auch sein Schwiegersohn. Ein Gegengewicht zum angevinischen Druck ergab sich hieraus allerdings noch nicht, denn Heinrich II. reagierte auf das neue Bündnis mit der unabweisbaren Forderung, das Verlöbnis seines Sohnes mit der Prinzessin Margarethe in eine Ehe umzuwandeln: Margarethes Heiratsgut, die Grafschaft Vexin, schob die Herrschaft des englischen Königs bis auf 40 Kilometer an die Mauern von Paris. Gleichwohl war die Verbindung mit dem champagnischen Grafenhaus eine Stärkung Ludwigs VII. angesichts der schwersten Krise seiner gesamten Regierungszeit, ausgelöst durch ein Bündnis Heinrichs II. mit Kaiser FRIEDRICH I.
Rettung brachte das nach dem Tod Papst Hadrians IV. im September 1159 ausgebrochene Schisma. Eine Mehrheit der Kardinäle entschied sich bei der Nachfolgeregelung für Roland Bandinelli, den Kanzler der römischen Kurie, der als Papst den namen Alexander III. annahm. Aus einer vornehmen Familie in Siena stammend, hatte Roland in Bologna die Rechte gelehrt und eine Summe zum Dekret Gratians verfaßt; souverän beherrschte er die philosophisch-wissenschaftlichen Methoden der französischen Frühscholastik und war als Gegner des Kaisers bekannt. Die Minderheit der Wahlkörperschaft erhob in tumultuarischer Form den Kardinal Octavian, einen Mann FRIEDRICHS I., als Victor IV.  Entscheidung über die Rechtmäßigkeit einer der beiden Wahlen konnte nur die Anerkennung des einen oder des anderen durch die gesamte Christenheit bringen, weil im Verständnis der Zeit einfaches Zählen der Stimmen nicht zur hinreichenden Legitimation führte. Letztlich ging es um die Frage, ob geistliche, das heißt päpstliche, oder weltliche, das heißt kaiserliche, Gewalt in der Christenheit den Vorrang vor der anderen haben sollte. Während FRIEDRICH I. sich erwartungsgemäß für Victor IV. erklärte, sprachen sich Heinrich II. von England, der Episkopats Ludwigs VII. und die Zisterzienser für Alexander III. aus. Der König von Frankreich zögerte.
In den Zisterziensern hatte Alexander III. mächtiger Unterstützung. Diese rasch zum Orden erweiterte benediktinische Mönchsgemeinschaft war aus dem 1098 durch Robert von Lolesma südlich von Dijon gegründete Kloster Citeau hervorgegangen und hatte mit Bernhard von Clairvaux eine charismatische Führergestalt erhalten, die so starke Impulse gab, dass 1153, beim Tod des großen Abtes, im Gebet der lateinischen Kirche schon 350 Zisterzienser-Klöster bestanden. Ihre durch jährliche Generalkapitel zentral überwachte und modifizierte Verfassung brachte ein nach Maßstäben der Zeit weltweite Kommunikationssystem hervor; Zisterzienser erlangten bedeutende Kirchenämter, 1145 bestieg einer der ihren, Schüler Bernhards von Clairvaux, als Eugen III. den päpstlichen Thron.
Große Wirkung ging auch von den französischen Hohen Schulen aus, denn dort hörten aus aller Herren Ländern zusammengeströmte Scholaren die intellektuell besser fundierten Argumente zugunsten Alexanders III. Besonders unter den Studenten der Pariser Schulen befanden sich die künftigen Führungskräfte der europäischen Landeskirchen; Bischöfe, Schulleiter, Pröpste, Archidiakone und andere Dignitäre der großen Stiftskapitel verdankten ihre Karrieren auch im Römischen Reich nicht mehr nur adliger Abstammung und Förderung durch ihre Familien oder den König, sondern sie mußten darüber hinaus immer häufiger eine im Sinne der Zeit moderne wissenschaftliche Ausbildung nachweisen, um sich Konkurrenten gegenüber zu behaupten. Die führenden Schulen aber gab es in Frankreich, in Paris vor allem, und man fand sie nicht nur an den Kathedralen, sondern auch im privaten, von freien Magistern gegen Honorar angebotenen Unterricht. Im Milieu dieser Schulen mit ihrer internationalen Ausstrahlung dominierten die Anhänger Alexanders III., den kaiserlicher Druck im April 1162 aus Italien nach Montpellier vertrieb. Von dort nahm er Verbindung zu Ludwig VII. auf, der im Gegensatz zu seinen Bischöfen und der Mehrheit des übrigen Klerus immer noch keine Stellung bezogen hatte. Nachhaltig wirkte seine Verstimmung über den Dispens, den Alexander auf Ersuchen Heinrichs II. für die Ehe der minderjährigen Königskinder Heinrich und Margarethe hatte gewähren müssen; der um seine Anerkennung kämpfende Papst brauchte die Voten der Könige und war deshalb erpreßbar.
Für Ludwig VII. eröffnete das Schisma Aussicht auf Annäherung an den Kaiser gegen Heinrich II.; die Verwandtschaft der Champagner Grafen mit Victor IV. bildete eine Brücke, die der König von Frankreich im Sommer 1162 betrat. Für den 29. August 1162 vereinbarte man ein Treffen beider Monarchen und des Episkopats ihrer Länder in St-Jean-de-Losne an der Saone südlich von Dijon, auf dem die Rechtmäßigkeit eines der beiden Päpste öffentlich und für die übrige Welt verbindlich festgestellt werden sollte. War allein die Haltung der französischen Bischöfe ein schweres Hindernis für den Konferenzzweck, so belastete das undiplomatisch formulierte Ladungsschreiben des Kaisers an den Episkopat des Reiches jede Ver-handlung dadurch, dass es die Anerkennung Victors IV. als sichere Tatsache bereits voraussetzte. Der französischen Delegation mißfiel überdies eine unverhältnismäßig starke kaiserliche Heeresabteilung in der Nähe des Treffpunktes, so dass es gar nicht erst zu Verhandlungen kam.
Für den französsichen wie für den englischen König bestand das Grundproblem darin, den jeweils anderen am Bündnis mit dem Kaiser zu hindern, ohne selbst in der Papstfrage die Position FRIEDRICHS I. übernehmen zu müssen. Die Emanzipation der westlichen Monarchien vollendet sich darin, dass sie die Entscheidung über eine Kirchenleitung, die naturgemäß ständig in die Belange der Königreich eingriff, nicht mehr allein dem deutschen König in seiner Eigenschaft als römischen Kaiser überließen. Vor diesem Hintergrund muß es als diplomatisches Meisterstück Alexanders III. gewertet werden, dass er Heinrich II. dazu brachte, dem französischen König für den Fall eines kaiserlichen Angriffs militärische Hilfe zu versprechen. In einem Brief an Bischof Batholomäus von Exeter überliefert Johann von Salisbury die Bemerkung des Kaisers, dass seine ihm bis dahin günstige Fortuna in St-Jean-de-Losne begonnen habe, ihn zu Boden zu drücken.
In der Tat zeigte das 1163 in Tours abgehaltenen Konzil Frankreich und England geschlossen in der Oboedienz Alexanders III., dem die Lage gleichwohl unbefriedigend erscheinen mußte, weil seine Sache offensichtlich nur mehr ein Indikator für jeden Grad an Eigenständigkeit war, den Ludwig VII. und Heinrich II. mittlerweile gegenüber dem Imperium erreicht hatten. Im Wechsel des päpstlichen Exils von Deols und Tours, also aus dem Reich Heinrichs II., nach Bourges und Sens unter die Hoheit Ludwigs VII., kommt das zum Ausdruck, denn obwohl der Papst seine bisherige Behauptung im wesentlichen Heinrich II. verdankte, ließ es dessen Haltung gegenüber der englischen Landeskirche doch geraten erscheinen, vorsichtig Distanz zu halten.
Seit seinem Regierungsantritt als König von England versuchte Heinrich II., die unter Stephan von Blois stark erweiterten Rechte der Bistümer und großen Abteien zu mindern, um die Kirchenhoheit der früheren Könige seit Wilhelm dem Eroberer wiederherzustellen. Er wurde dabei von seinem Kanzler Thomas Becket unterstützt, dem Archidiakon der Kirche von Canterbury, der in erstaunlicher Weise die progressiven Kräfte verkörperte, denen die Zukunft gehören sollte. Aus dem reichen Londoner Handelsbürgertum stammend war er an den neuen Schulen von Paris und Bologna zum Theologen und Kanonisten ausgebildet worden, hatte Sinn für fürstliche Repräsentation und ein bemerkenswertes administratives Geschick, gepaart mit Durchsetzungsvermögen. 1162 erhob Heinrich II. ihn deshalb zum Erzbischof von Canterbury, aber schlagartig, als wirkliche conversio, traten nun die asketischen Züge seiner Persönlichkeit hervor. Fortan verteidigte Thomas die Rechte der Kirche und stellte die übergeordnete Geltung des kanonischen Rechts den römischrechtlich begründeten Forderungen des Königs entgegen, wie sie in den Konstitutionen von Clarendon (Januar 1164) niedergelegt waren. Der Erzbischof sah die Gefahr der Unterordnung des Klerus unter die königliche Gerichstbarkeit und insoweit die Aussonderung der englischen Kirche aus der päpstlichen Jurisdiktion, ihre institutionelle Trennung von der einen lateinischen Kirche. Als Becket schließlich in das französische Zisterzienserkloster Pontigny flüchten mußte und in Frankreich die Unterstützung Alexanders III. genoß, kam es zum Bruch zwischen Papst und englischem König.
Er führte nicht zum Krieg, sondern zu einer unsteten Folge von Fehdehandlungen und Grenzkämpfen, ständig begleitet von Verhandlungen zwischen den Königen, dem Papst und Thomas Becket, unwillig beobachtet von den Zeitgenossen, die des Schismas sichtlich überdrüssig geworden waren. Die unnachgiebige Haltung Beckets mußte Heinrich II. in die Arme des Kaisers treiben, falls Alexander dem Erzbischof von Canterbury Unterstützung gewährte; unterließ er sie, lieferte er die englische Kirche ihrem König aus. In dieser Lage fiel Ludwig VII. die Rolle des Vermittlers zu. Zwischen Januar 1169 und Juli 1170 legte er auf drei Konferenzen die dünne Decke pragmatischer Kompromisse über nach wie vor unvereinbaren Standpunkte, so dass Thomas Becket nach England zurückkehren konnte. Schon die ersten Amtshandlungen mit Disziplinar- und Rechtssprüchen führten zu einer Fülle von Appellationen an Heinrich II., der im Dezember 1170 bei der Tafel seinem Ärger Luft machte und fragte, ob ihn denn niemand von "diesem Priester" befreien könne. Vier Ritter des königlichen Gefolges verstanden das unbedachte Wort als Auftrag und erschlugen den Erzbischof am 29. Dezember vor dem Altar der Kathedrale von Canterbury.
Damit war die moralische Position des englischen Königs vernichtet. Ludwig VII. konnte sich auf dem Höhepunkt einer populären Grundwoge fühlen, als er, nunmehr treuester Verbündeter des vom Kaiser immer noch nicht anerkannten Papstes Alexander III., Heinrich II. zur öffentlichen Kirchenbuße drängte. Vor dem Hintergrund einer rasch europaweit einsetzenden Becket-Verehrung, die schon 1173 mit der Heiligsprechung approbiert wurde, wuchs das Ansehen des mit seinem Episkopat und dem überwiegenden Teil des Klerus, dem Zisterzienser-Orden und den hohen Schulen einigen Königs von Frankreich weit über das Maß aller materiellen Machtgrundlage hinaus. Erstmals erschien der König und mit ihm die Monarchie als Integrationsfaktor für die Bevölkerung eines Reiches, dessen historische Grenzen keineswegs mit dem damals noch engen Wirkungsbereich der königlichen Verwaltung identisch waren.
Dass die höhere Autorität des Königs über die aktuelle politische und kirchenpolitische Konstellation der europäischen Mächte hinaus Bestand hatte, ist im wesentlichen auf eine innere Komsolidierung der Reichsverwaltung zurückzuführen.
Schon Ludwig VI. hatte begonnen, ein im Gegensatz zur fluktuierenden Hofgesellschaft ständiges Gefolge (chevalier royaux) zu unterhalten, eine Praxis, die sein Sohn fortsetzte, um die kleinere und mittlere Aristokratie an sich zu binden und dem drückenden, in Form der Beratung ausgeübten Einfluß großer Herren allmählich zu entgehen. In den 50er Jahren des 12. Jahrhunderts hatte sich dieser Kreis der chevaliers nicht zuletzt durch Heiraten zwischen ihren Familien gefestigt, so dass allmählich eine homogene Gruppe entstehen konnte, deren Mitglieder ihre gesellschaftliche Stellung dem König verdankten und deshalb (ähnlich den großen Ministerialen im Römischen Reich) schon aus Eigeninteresse loyal waren. Anders als im Reich aber und insoweit italienischen Verhältnissen vergleichbar war in Frankreich der Adel auch in den Städten seßhaft und für deren neue Lebensfoem offen; ein Hauch urbanen Geistes kam auf diese Weise an den Königshof.
Anders und schwieriger war das Verhältnis des Königs zu den Inhabern der großer Hofämter, den grands officiers, denn diese Ämter lagen traditionell in der Hand des Hochadels, der sie als Ehren beanspruchte und samt der Ausstattung immer wieder in den Familien vererben wollte. Ludwig VII. konnte einerseits die königliche Zustimmung als Voraussetzung für Amtsübernahmen wieder geltend machen, andererseits beschleunigte er die Entwicklung jener honores zu Würden ohne praktische Funktion. Indem er einem aristokratischen Urbedürfnis nach Repräsentation entgegenkam, nahm er den Würdenträgern binnen kurzem die Kompetenz, weil ihnen die nur im aktiven Dienst erwerbbare Sachkenntnis abhanden kam. Den Durchbruch erreichte Suger von St-Denis während seiner Regentschaft zwischen 1147 und 1149, indem er den Kämmerer (chambrier) als Inhaber eines großen Hofamtes faktisch durch seine früheren Gehilfen verdrängen ließ, die camberlani oder cubicularii, die nun alle Tätigkeiten der Finanzverwaltung ausführten und seit 1150 mit der neuen Amtsbezeichnung camerarii in den Urkunden erscheinen. Unmittelbarer politischer Einfluß und Verwaltung begannen auseinanderzutreten; ihre endliche Trennung ist das entscheidende Kennzeichen für den qualitativ neuen Staat, Zeichen einer beginnenden Modernisierung, wie sie das Römische Reich nie erlangen sollte. Am Ende bahnte sich eine neue Vorstellung von der Monarchie als transpersonaler Staatsordnung den Weg, in der die Person des jeweiligen Königs hinter der Institution einer dem Gemeindewohl verpflichteten Krone zurücktrat.
Schon die Anfänge dieses langanhaltenden Prozesses haben praktische Auswirkungen gehabt. Sie zeigen sich am besten in der letzten großen Auseinandersetzung mit Heinrich II., weil Ludwig VII. in seiner Eigenschaft als Lehnsherr für den Kontinentalbesitz des Hauses PLANTAGENET erfolgreiche Initiativen zu dessen Spaltung ergreifen konnte. Heinrich der Jüngere und Richard, später "Löwenherz" genannt, erwarteten ungeduldig den Tag, an dem sie selbst zur Herrschaft kommen würden, sei es durch den Tod des Vaters, sei es durch Ausstattung mit Teilen des Reiches. Besonders die zweite Hoffnung konnte sich auf Autonomiewünsche des bretonischen, normannischen und aquitanischen Adels stützen, denen Heinrich II. durch Einsetzung seiner Söhne als Herzöge hätte Rechnung tragen können. Als Schwiegervater empfing Ludwig den englischen Kronprinzen im Jahre 1173 in Paris wie einen regierenden König und ermutigte damit eine allgemeine, zwischen Schottland und der Loire um sich greifende Erhebung, die Heinrich II. zwar niederschlagen konnte, deren strukturelle Ursachen aber nicht beseitigt wurden und in die 80er Jahre des 12. Jahrhunderts, in die Anfänge Philipps II., hineinwirkten. Vermutlich haben diese Erfahrungen mit dem anglonormannischen Königshaus Ludwig VII. veranlaßt, die an sich übliche Krönung seines Sohnes Philipp zum Mit-König immer wieder hinauszuzögern.
Im Herbst 1179 erlitt Ludwig VII. einen Schlaganfall, der ihn halbseitig lähmte. Jetzt erst konnte ein Hoftag in der Pariser Bischofsplatz die Erklärung entgegennehmen, dass der regierende König seinen Sohn mit Zustimmung dieser Versammlung krönen lassen werde. Beifall besiegelte den Willen des Monarchen, von einer Königswahl konnte keine Rede mehr sein. Am Allerheiligen (1. November) krönte Erzbischof Wilhelm seinen Neffen Philipp in der Kathedrale von Reims. Gerade rechtzeitig hatte er ein Privileg des dankbaren Papstes Alexander III. erhalten, demzufolge er und seine Amtsnachfolger allein das Recht haben sollten, den König von Frankreich zu krönen. Knapp ein Jahr später, am 18. September 1180, starb Ludwig VII. in Paris und wurde in dem von ihm selbst gegründeten Zisterzienserkloster Notre-Dame-de-Barbeau bei Fontainebleau beigesetzt. Er hinterließ seinem Sohn eine im Vergleich zu den eigenen Anfängen stark reduzierte Herrschaft, die aber in den verbliebenen Kerngebieten administrativ gut organisiert war und im ganzen an Autorität gewonnen hatte. Mit ihrem starken Sinn für Kontinuität hat die geistlich dominierte Führungsschicht der französischen Monarchie dieses Erbe gehütet, so dass es der Zukunft erhalten blieb.