Karl                                                  Graf von Valois und Anjou (1285-1325)
------                                                 Titular-König von Aragon-Valencia
12.3.127015.12.1325                   Titular-Kaiser von Byzanz
 

Begraben: Paris, Dominikanerkloster
 

Jüngerer Sohn des Königs Philipps III. der Kühne von Frankreich aus dem Hause der KAPETINGER aus seiner 1. Ehe mit der Isabella von Aragon, Tochter von König Jakob I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 994
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Karl von Valois
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* 1270, 16. Dezember 1325

Begraben: Paris, Dominikanerkloster

Jüngerer Bruder König Philipps IV. von Frankreich

Karl von Valois hat im Laufe seines Lebens mehrere Kronen erstrebt, aber keine erreicht. Bereits seit 1328 vom Papst für den aragonesischen Thron vorgesehen, mußte sich Karl von Valois nach dem Scheitern des Aragon-Kreuzzuges (1285) mit einer im Friedensvertrag von 1291 ausgehandelte Geldzahlungen und den Grafschaften Anjou und Maine, der Mitgift seiner ersten Gemahlin Margarete von Sizilien (Tochter Karls II.), begnügen. Er spielte von 1290 bis 1300 am Hofe seines Bruders eine wichtige Rolle, vor allem als Heerführer in den Kriegen gegen England und Flandern. Danach nahm er auf Wunsch des Papstes Bonifaz VIII. in Sizilien den Kampf gegen Friedrich von Aragon auf, und es wurde ihm zur Bestreitung der Kosten die Hälfte eines Zehnten übertragen. Die Heirat mit Katharina von Courtenay (1301), der Tochter des letzten 'Lateinischen' Kaisers, verlieh ihm den Anspruch auf Konstantinopel. Im selben Jahr übertrug ihm der Papst die Vollmacht zur 'Patifikation' Italiens. Doch mußte Karl von Valois nach Feldzügen in der Toskana, in Neapel und Sizilien am 31. August 1302 mit Friedrich III. den Frieden von Caltabellotta schließen, denn Philipp IV. benötigte seinen Bruder nach dem Desaster von Kortrijk dringend auf dem flandrischen Kriegsschauplatz. Der mit hohen Summen am Flandernkrieg beteiligte Karl von Valois nahm an der siegreichen Schlacht von Mons-en-Pevele teil, bereitete aber zugleich einen Kreuzzug vor, der nie zur Ausführung kam.
Nach dem Tode seiner zweiten Frau (1307) bewarb sich Karl von Valois - mit Unterstützung Philipps IV. - um die römisch-deutsche Krone (nach der Ermordung König ALBRECHTS, 1. Mai 1308), konnte sich aber gegen HEINRICH VON LUXEMBURG nicht durchsetzen.
Er bemühte sich um die günstige Verheiratung seiner zahlreichen Kinder (unter ihnen der künftige Philipp VI.) und vermählte sich selbst in 3. Ehe mit Mahaut, der Tochter Guys von Chatillon (1300). Als einflußreicher Ratgeber des jungen Ludwig X. war er der Drahtzieher und Nutznießer des Sturzes von Enguerran de Marigny (1315). Unter Philipp V. stärker zurücktretend, gewann er unter Karl IV. als dessen Pate nochmals politischen Einfluß, vor allem in bezug auf den Krieg gegen England. Trotz Bereicherung durch zahlreische königliche Gunsterweise hinterließ der prunkliebende Fürst Schulden in Höhe von 120.000 livres parisis.


Thiele, Andreas: Tafel 49
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"
 

KARL I. VON FRANKREICH
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* 1270, 1325

Sohn des Königs Philipp III., Haus der KAPETINGER

Prinz Karl war von 1284-1295 durch den Papst Titular-König von Aragon-Valencia und Graf von Barcelona. Der vom Vater 1284/85 als "Kreuzzug" bezeichnete Feldzug gegen Aragon scheiterte kläglich. Karl erhielt 1285 die Grafschaft Valois und wurde 1293 Graf von Alencon, Chartres und Perche, Seigneur zu Crepy, La Ferte-Milon, Senlis und Compiegne. Er besetzte als königlicher Feldherr 1295 Aquitanien und 1297 Flandern, wo er den Grafen Guido gefangen nahm. Er jagte zeitlebens - ehrgeizig, kraftvoll wie er war - dem Phantom eines eigenen Königreiches nach. 1300/01 kämpfte er für den Papst in Italien und verjagte unter anderem die ghibellinische Signorie von Florenz; 1301 wurde er päpstlicher Vikar in Italien und Statthalter der Romagna, 1302 Titular-Kaiser von Byzanz. Er vermittelte den Frieden von Caltabellota zwischen ANJOU-Neapel und Aragon-Sizilien, zog 1304 erneut nach Flandern und verlor die Schlacht bei Mons-en-Pevele, womit Flandern frei wurde. Karl schloß Bündnisse mit Venedig, Serbien und den Katalanen-Staaten in Griechenland zur Eroberung von Byzanz, blieb aber in den Vorbereitungen stecken. 1308 deutscher Thronkandidat des Bruders und des Avignon-Papstes Clemens V., fiel er bei der Wahl gegen HEINRICH VII. VON LUXEMBURG sang- und klanglos durch. Aus seiner Heirat mit Margarete von Anjou-Sizilien, die ihm 1290 Anjou und Maine und 1297 die Pairie zubrachte, ging 1293 der spätere König Philipp VI. als erster kapetingischer Souverän des Hauses VALOIS hervor. Von seinem Bruder wurde der ehrgeizige und unruhige Prinz von den Staatsgeschäften ausgeschlossen; erst unter der Regierung der drei Söhne Philipps konnte er seinen entscheidenden Einfluß geltend machen. Er setzte die Hinrichtung des verhaßten Ministers Enguerrand de Marigny und das salische Erbrecht für die eigene Familie gegen englische Ansprüche durch. Er führte bis zuletzt Kriegszüge gegen die Engländer in Süd-Frankreich durch und hinterließ dem Sohn eine erdrückende Schuldenlast.

 1290
  oo MARGARETE D'ANJOU, Tochter des Königs Karl II. von Neapel-Sizilien
               1299

Sie ist sehr häßlich, was allen VALOIS-Königen eigen ist.

 1301
  oo KATHARINA I. DE COURTENAY, Tochter und Erbin des Titular-Kaisers Philipp
             1307

1283 Titular-Kaiserin, Erbin von Courtenay und Blacon

 1308
  oo MATHILDE DE CHATILLON, Tochter des Grafen Guido III. von St. Pol
       * um 1293, 1358

Insgesamt 14 Kinder


Pernoud Regine: Seit 11-29
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"Die Kapetinger" in: Die großen Dynastien

Karl von Valois, Sohn und Bruder eines Königs, wurde auch Vater eines Königs. Er selbst war vom Papst zum König von Valencia und Aragon, zum Grafen von Barcelona und später zum Kaiser von Konstantinopel eingesetzt worden. Wenn er auch diese Ämter nicht wahrnehmen konnte, so hatte er doch entscheidenden Anteil an der Regierung, besonders zur Zeit Ludwigs X., als er den Oberintendanten Enguerrand de Martigny aufhängen ließ. Bis zu seinem Tod im Jahre 1325 übte er beträchtlichen Einfluß auf die Staatsgeschäfte aus und ebnete damit nach dem Ableben Karls IV. seinem Sohn Philipp den Weg zur Regentschaft und später zum Thron Frankreichs, nachdem die Königin nach dem Tod ihres Gatten einer Tochter das Leben geschenkt hatte.

Norwich John Julius: Band III Seite 315
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Und schließlich griff noch ein weiterer westeuropäischer Fürst in den Kampf ein: Karl von Valois, der Bruder des französischen Königs Philipp des Schönen: Er hatte sich 1301 mit Katharina von Courtenay, der Enkelin Kaiser Balduins, verheiratet. Nun machte er sich die Wiederherstellung des Lateinischen Reichs zur Aufgabe. Dazu versicherte er sich der Unterstützung von Papst Klemens V. - dieser hatte bereits pflichtschuldigst den Bannstrahl gegen Andronikos geschleudert - und traf Abmachungen mit Venedig, dem zu diesem Zeitpunkt von seinem Schwiegervater bereits etwas enttäuschten Milutin von Serbien und 1308 sogar mit der katalanischen Truppe. Im selben Jahr starb jedoch Katharina, und da nun die Erbfolge an ihre Tochter Katharina von Valois überging, stand Karl plötzlich ganz ohne Anspruch da, dies besonders, nachdem Philipp von Tarent sich nach der Scheidung von seiner ersten Frau Thamar 1313 mit Katharina von Valois verheiratet hatte. Und obwohl seine Ränke letztlich zu nichts führten, bereitete auch er dem Kaiser von Byzanz in den ersten Jahren des Jahrhunderts schlaflose Nächte.

Hoensch, Jörg K.: Seite 29,45
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"Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437."

Aber am 9. Juni überraschte Philipp IV. mit der in Schreiben und durch eine Gesandtschaft bekanntgemachten Empfehlung, seinen 38 Jahre alten Bruder Karl von Valois und Anjou zu küren, der von der Kurie bereits zuvor, aber vergeblich als Anwärter auf die Krone von Aragon und Byzanz ins Gespräch gebracht worden war. Schon einmal, 1272 nach dem Tod des Gegen-Königs RICHARD VON CORNWALL, hatte der Plan bestanden, Philipp III. (1270-1285) auch die römisch-deutsche Krone zu verschaffen und das sacrum Imperium Romanum mit der capetingischen Dynastie zu verbinden. Die mit außerordentlicher Geschicklichkeit geknüpften Abhängigkeitsverhältnisse zahlreicher Reichsfürsten zum Pariser Hof schienen Philipp IV. die Gewähr für den gewünschten Wahlausgang und später für die Regelung der offenen Fragen entlang der gemeinsamen Grenze zugunsten Frankreichs zu bieten. Der König unterschätzte allerdings die in strikte Ablehnung der französischen Kandidatur umschlagende Furcht der deutschen Kurfürsten vor einem starken Nachfolger, die zudem die Gelegenheit nutzen wollten, sich dem wachsenden französischen Druck zu entziehen. Auf Drängen Philipps IV., der eigens nach Poitiers reiste, ermahnte Clemens am 18. Juni ohne Namensnennung eines Favoriten die Königswähler, vorsichtig und im Einvernehmen mit dem apostolischen Stuhl zu handeln; erst Ende September gab er eine verklausulierte Empfehlung für Karl ab, schien sich insgeheim aber durchaus mit der Wahl des von ihm geschätzten Grafen von Luxemburg abgefunden zu haben.
Am 23. April 1312 zog der Heerbann über Viterbo in Richtung Rom. HEINRICH hatte noch vor Genua aus den Papst ersucht, König Robert zum Rückzug der neapolitanischen Truppen aus Rom zu veranlassen, während Gesandte des französischen Königs und Karl von Valois, der gescheiterte Thronbewerber, Clemens bedrängten, die Krönung auszusetzen, weil zu befürchten sei, daß der Imperator Romanorum sich anschließend daran machen werde, das Königreich Neapel zu erobern.


Verwandtschaft zu Margarete von Anjou
 

                                                Ludwig VIII. König von Frankreich
                                            5.9.1187-8.11.1226

                                           oo Blanka von Kastilien
                                                4.3.1187-27.11.1252
 
 

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                           Ludwig IX. König von Frankreich                                    Karl I. von Anjou König von Sizilien
                      25.4.1214-25.8.1270                                                          1226-7.1.1285
 

                                           ------------------------------------------------------------------
                         oo Margarete von Provence                                              1. oo Beatrix von Provence
                              1221-20.12.1295                                                                    1234-23.9.1267
 

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                 Philipp III. der Kühne König von Frankreich                     Karl II. der Lahme König von Neapel
                      3.4.1245-5.10.1285                                                              1246/54-5.5.1309
 

                1. oo Isabella von Aragon                                                   oo Maria von Ungarn
                              1243-28.1.1271                                                                um 1255-25.3.1323
 

                      ---                                                                                             ---
            Karl Graf von Valois -------------------- oo --------------------   Margarete von Anjou


  16.8.1290
  1. oo Margarete von Anjou-Sizilien, Tochter des Königs Karl II.
           127331.12.1299

        Erbin von Anjou-Maine

   6.2.1301
  2. oo Katharina I. von Courtenay, Tochter des Titular-Königs Philipp
           um 12753.1.1307

        Erbin von Courtenay

     6.1308
  3. oo Mathilde von Chatillon-St. Pol, Tochter des Grafen Guido III.
           um 12933.10.1358
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Isabella
  12921309

 1297
  oo 1. Johann III. Herzog der Bretagne
          8.3.128630.4.1341

  Philipp VI. König von Frankreich
  129322.8.1350

  Johanna
  12947.3.1342

 19.5.1305
    oo Wilhelm III. Graf von Holland-Hennegau
         um 12807.6.1337

  Margarete
  1295 †  7.1342

 1310
  oo Guido I. von Chatillon Graf von Blois
              vor 12.8.1342

  Karl II. Graf von Alencon
  um 129726.8.1346 gefallen

2. Ehe

  Katharina II. Lateinische Titular-Kaiserin
  Ende 1303Anfang 10.1346

 30.7.1313
    oo Philipp von Anjou Fürst von Tarent
         127826.12.1332
  Johanna
  13049.7.1363

  Sie starb als Nonne zu Fontenelles

 1318
  oo Robert III. von Artois Graf von Beaumont zu Conches
      128716.8.1342

  Johann Graf von Chartres
  13021308

  Isabella Äbtissin von Fontevrault
        11.11.1349

3. Ehe

  Blanka
  13171.8.1348

 1329
  oo KARL IV. König des Römisch-Deutschen Reiches
      14.5.131629.11.1378

  Marie
  um 13108.12.1328

 1324
  oo 2. Karl von Anjou Herzog von Kalabrien
           129810.11.1328

  Isabella
  131326.7.1383
              Paris

25.1.1337
   oo Peter I. Herzog von Bourbon
       131119.9.1356
 
 
 
 

Literatur:
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Benker Gertrud: Ludwig der Bayer. Ein Wittelsbacher auf dem Kaiserthron. Eugen Diederichs Verlag München 1997 Seite 45,56,1127,129 - Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 165,169,174,187,209,222 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 189,194,199,204,206,208,228,232,236,240,243 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 169,172 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/ Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 195,200,203,210,215, 232,238,246,248,251,267 - Herde Peter: Karl I. von Anjou. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln Mainz 1979 Seite 110 - Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 29,45,63 - Kiesewetter, Andreas: Die Anfänge der Regierung König Karls II. von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts, Matthiesen Verlag 1999 Seite 143,158,170,176,182,184,190,194,218,220,223-226,228 A., 229,231-234,236,239,244,248-251,252 A.,253,256-258,260,271,278,285,287,289,292,356 A.,372,476,492,528 A.,530 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 315 - Pernoud Regine: Die Kapetinger. in: Die großen Dynastien. Karl Müller Verlag 1996 Seite 11-29 - Prutz Hans: Die Ritterorden. Mönche als Kämpfer, Helden, Abenteurer Bechtermünz Verlag Berlin 1908 Seite 287 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 49 - Veldtrup, Dieter: Zwischen Eherecht und Familienpolitik. Studien zu den dynastischen Heiratsprojekten Karls IV., Studien zu den Luxemburgern und ihrer Zeit Verlag Fahlbusch/Hölscher/Rieger Warendorf 1988 Seite 213,215 -