Janus                                                 König von Zypern (1398-1432)
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1374/7528./29.6.1432
                 Nikosia
 

Ältester Sohn des Königs Jakob I. von Zypern aus dem Hause POITOU-LUSIGNAN und der Heloise von Braunschweig, Tochter von Herzog Philipp
 

Thiele, Andreas: Tafel 179 a
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

JANUS (JOHANN II.) DE LUSIGNAN
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* 1374/75, 1432

Sohn des Königs Jakob I.

Janus, in genuesischer Haft geboren und in genuesischer Haft aufgewachsen, wurde von seinen Eltern zum Haß gegen Genua erzogen. Er wurde 1392 Titular-Fürst von Antiochia und 1398 König von Zypern-Jerusalem und Titular-König von Armenien. Er war gebildet und ritterlich, aber leicht durch Schmeichler lenkbar, ohne politische und militärische Fähigkeiten, immer wieder durch eine üble Hofkamarilla bloßgestellt. Er war streng katholisch und der Kurie hörig. Er stritt mit den fähigeren Brüdern, bekriegte jahrelang Famagusta und Genua und scheiterte jämmerlich. Janus mußte dem verhaßten Genua horrende Kriegskosten zahlen und dafür einen Teil des Kronschatzes und der Krondomäne an die Johanniter verpfänden. Er stritt weiter mit Famagusta und Genau und dazu mit dem ebenso verhaßten Ägypten, von dem er vorübergehend Handelserleichterungen errreichte. 1405/06 verheerte eine neue Pestseuche das Land. 1418 kam es zu Großangriffen durch Ägypten, das Land wurde völlig verwüstet und Janus suchte vergeblich Hilfe bei Savoyen, Frankreich und Aragon und geriet 1427/28 in demütigende Haft. Er wurde gegen Leistung des Lehnseides an den ägyptischen Sultan und Zahlung hoher Lösegelder wieder freigelassen, schickte ohne großen Erfolg danach Gesandtschaften zum Betteln durch Europa und hinterließ ein völlig ruiniertes Land. Seine Herrschaft galt als große Katastrophe.

 1400-1409
  oo ANGELINA DE VISCONTI, Tochter des Tyrannen Barnabas von Mailand
               1439

 1411
  oo CHARLOTTE DE BOURBON, Tochter des Grafen Johann de la Marche
              1434 (Pest)

Charakterstark und energisch; sie streitet 1427/28 um die Regentschaft, ab 1432 Regentin.


Pernoud Regine: Seite 274
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"Frauen zur Zeit der Kreuzzüge." 

Die völlige Abhängigkeit Zyperns von den Genuesen blieb auch unter der Regierungszeit des Sohnes Jakobs I. bestehen. Er hatte ihn Janus genannt, um der stolzen Signoria Genua zu schmeicheln, die ihren Namen (Janua) gern von dem antiken Gott mit den zwei Gesichtern ableitete. Janus sollte 34 Jahre regieren, von 1398 bis 1432. Während dieser Zeit lastete das genuesische Joch immer schwerer auf Zypern, nachdem ein Versuch des Königs gescheitert war, Famagusta zurückzugewinnen. Die einst blühende Stadt entvölkerte sich immer mehr, und der Handel kam infolge des Monopols der Genuesen praktisch zum Erliegen.
Die Insel wurde schließlich von den Mamluken Ägyptens überfallen. Der Zeitpunkt erschien ihnen günstig, sich für die Eroberung Alexandrias durch Peter I. zu rächen, die noch frisch in Erinnerung war. Nachdem sie 1426 zunächst Limassol geplündert hatten, gelang es den Mameluken, die zyprischen Streitkräfte in der Schlacht bei Khirokitia vernichtend zu schlagen: eine jener Niederlagen, die den Untergang des Rittertums besiegelten, wie etwa die Niederlage bei Crecy im 14. Jahrhundert oder bei Azincourt im 15. Jahrhundert. König Janus wurde als Geisel gefangengenommen und mußte an der Spitze einer kläglichen Truppe durch die Straßen von Kairo defilieren. Im Anschluß an diese Katastrophe kam es auf Zypern zu Bauernunruhen - vergleichbar der Jacquerie in Frankreich -, bei denen es sich allerdings hauptsächlich um Plünderungen handelte, weniger um einen organisierten Aufstand. Als Gegenleistung für seine Freilassung mußte König Janus dem Sultan von Kairo den Vasalleneid leisten. Zypern war somit in der Hand der Mameluken, während es gleichzeitig von den Genuesen durch Steuern und Zölle buchstäblich ausgesaugt wurde. Die von zwei Mächten gedemütigte Insel glich mehr als je zuvor "einem Stein, der mitten ins Meer geworfen wurde", wie Machairas bemerkt. Nach seinen Worten war Janus "ein kluger, starker, schöner und guter Mann", aber er hat "seit dem ersten Tag seiner Gefangenschaft nicht mehr gelacht."
Er hatte am 25. August 1411 Charlotte von Bourbon geheiratet, deren Ankunft auf der Insel nach Aussage des Chronisten in zweifacher Hinsicht segensreiche Folgen hatte: "Gleich nach ihrer Ankunft ließ die Heuschreckenplage nach, und riesige Gelder flossen nach Zypern, wegen des großen Reichtums der Königin." Inzwischen wurde die Insel nicht nur von einer weiteren Pestepedemie heimgesucht, sondern seit zwei Jahren auch von einer Heuschreckenplage kahlgefressen. "In drei Jahren wurden die Gärten von Kalamouli völlig zerstört und die Bäume entlaubt wie im Winter; die Zitronenbäume, Olivenbäume und Johannisbrotbäume vertrockneten." Eine Erinnerung an Königin Charlotte und ihren Gemahl König Janus ist erhalten geblieben: Auf einem Fresko in der "königlichen Kapelle" von Pyrga, einem hübschen Dorf im Bezirk Lanarka, sind der König und die Königin dargestellt, wie sie mit Kronen auf den Häuptern zu Füßen des Kreuzes knien. Diese Kapelle, die früher "Kapelle der Passion" hieß, ist heute der heiligen Katharina geweiht. Die Wandmalereien, mit denen die Kapelle ausgeschmückt war, sind zum Teil noch erhlaten, und im Deckengewölbe kann man die Wappen des Königreiches Zypern und Jerusalem erkennen.
Charlotte hatte 1413 einen Sohn namens Johann zur Welt gebracht und 1418 eine Tochter namens Anna. Drei weitere Kinder überlebten nicht. Der Königin werden verschiedene Stiftungen zugeschrieben wie das Hospiz St. Augustin - möglicherweise in Nikosia -, für das sie laut Machairas "Betten, Decken und Laken für die Fremden anfertigen ließ", die dort aufgenommen wurden.
Als König Janus von Lusignan im Juni 1432 starb, folgte ihm sein Sohn Johann auf den Thron.
 
 
 
 

    1400-1409
  1. oo Anglesia Visconti, Tochter des Tyrannen Barnabas
                 1439

  25.8.1411
  2. oo Charlotte von Bourbon de la Marche, Tochter des Grafen Jean
          138813.12.1434 (Pest)
                      Nikosia
 
 
 
    
Kinder:

  Johann II.
  141326.7.1458 

  Anna
  24.9.141511.11.1462  

 1433
  oo Ludwig Herzog von Savoyen
       24.2.1402 29.1.1465

Illegitim

  Aloys Johanniter-Großkomtur 1413-1414
         nach 1421   

  Guido
      nach 1438
 
 
 
 

Literatur:
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Pernoud Regine: Frauen zur Zeit der Kreuzzüge. Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 Seite 274 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 179 a -