Runciman Steven: Seite 951-954
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Hermann von Salza machte den Vorschlag, Königin Jolande solle, da die Kaiserin vier Monat zuvor gestorben war, Kaiser FRIEDRICH selbst heiraten. Sie würden ein glänzendes Paar abgeben. Johann von Brienne war von dem Gedanken geschmeichelt, zögerte jedoch, bis Hermann ihm versprach, dass er die Regentschaft bis zu seinem Tode behalten solle.
Im August des Jahres 1225 traf Graf Heinrich von Malta mit 14 kaiserlichen Galeeren in Akkon ein, um die jetzt 14-jährige Königin zu ihrer Hochzeit nach Italien zu holen. Er hatte den erwählten Erzbischof Johannes von Capua mitgebracht, der sofort nach seiner Landung als FRIEDRICHSStellvertreter mit Jolande in der Heiligen-Kreuz-Kirche die Ehe schloß. Sie wurde sodann nach Tyros gebracht und dort, da sie jetzt für großjährig galt, vom Patriarchen Ralph in Anwesenheit des gesamten Adels von Outremer zur Königin von Jerusalem gekrönt. Zwei Wochen lang wurden Freudenfeste gefeiert; dann ging die Königin, begleitet vom Erzbischof von Tyros und ihrem Vetter, Balian von Sidon, zu Schiff. Sie unterbrach die Reise auf einige Tage in Zypern, um ihre Tante, Königin Alice, zu besuchen. Als der Augenblick der Trennung kam, wurden beide Königinnen von Tränen überwältigt; und sie vernahmen, wie Jolande ihrem geliebten Land Syrien, das sie niemals wiedersehen sollte, ein trauriges Lebewohl zumurmelte. Der Kaiser erwartete zusammen mit König Johann seine Gemahlin in Brindisi: Sie wurde mit kaiserlichem Prunk und Prachtaufwand willkommen geheißen, und eine zweite Trauungsfeierlichkeit fand am 9. November 1225 in der Kathedrale zu Brindisi statt.
FRIEDRICH II. bewies bereits am Morgen nach seiner Hochzeit, welche Art Mann er war. Er verließ Brindisi zusammen mit der Kaiserin, ohne seinen Schwiegervater zu verständigen, und als der alte König ihm nacheilte, empfing er ihn kühl. Es folgte ein offener Zank, und Johann erfuhr von seiner weinenden Tochter, dass ihr Gemahl eine ihrer Basen verführt hatte.
Die Kaiserin-Königin Jolande war weniger vom Glück begünstigt als ihr Vater. FRIEDRICH schickte sie in den Harem, den er sich in Palermo hielt; und dort in ihrer Abgeschiedenheit verzehrte sie sich nach dem glanzvollen Leben von Outremer. Am 25. April 1228 schenkte sie einem Sohn das Leben, der den Namen KONRAD erhielt, und nachdem sie solcherart ihre Pflicht getan, starb sie sechs Tage darauf. Sie war noch nicht einmal 17 Jahre alt.