Florenz                                            Titular-Fürst von Achaia-Morea (1289-1297)
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um 1255-23.1.1297
 

6. Sohn des Grafen Johann I. von Avesnes-Hennegau und der Adelheid von Holland, Tochter von Graf Florenz IV.
 

Thiele, Andreas: Tafel 10
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

FLORENZ
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* um 1255, + 1297

Titular-Fürst von Achaia-Morea

Florenz war zeitweise Statthalter von Seeland.

 1289
  oo Isabel de Villehardouin, Tochter und Erbin des Fürsten Wilhelm "Großer Zahn" von Achaia
             + 1312                       undd er Anna Komnena-Angelina

Ihre zwei anderen Ehen siehe Anjou I und Savoyen I d)



Mayer Hans Eberhard: Seite 187
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Karl II. von Anjou, ganz mit dem Kampf gegen Aragon beschäftigt und ohnedies ein schwacher Regent, gab 1289 Achaia als angiovinisches Lehen an Isabella, Wilhelms Tochter, die Florentius von Hennegau (1289-1297) heiratete. Nominell war Achaia wieder unabhängig, aber in Wahrheit beweisen die fortlaufenden Eingriffe Karls II., daß sich an dem angiovinischen Übergewicht nichts geändert hatte. Die Regierung des Florentius war jedoch dank einer besonnenen Politik gegenüber Byzanz friedlich und zeigte noch einmal den ritterlichen Glanz früherer Jahre.

Kiesewetter, Andreas: Seite 341-353,358,362-364
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"Die Anfänge der Regierung König Karls II. von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts"

Wohl 1288 war Floris von Hennegau, der sechstgeborene Sohn des Grafen von Hennegau, Johann I. von Avesnes, in das Königreich Neapel gekommen [1 Im November 1287 ist er noch im Hennegau nachweisbar: Godefroy, ed. Saint-Genois, 262 Nr. E 65. Zu seiner Person vgl. die Regesten bei Godefroy, ed. Saint-Genois, 332 ff.; Mas Latrie, Princes, 10; Miller, Latins, 169f. Zu den Verwandtschaftsverhältnissen vgl. C. Franke, Beiträge zur Geschichte Johanns II. von Hennegau-Holland. Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst. Ergänzungsheft 5 (1889) 75ff., besonders 81]. Die Motive für diese Emigration sind unklar, doch dürfte er sich in finanziellen Schwierigkeiten befunden haben [2 Am 22. November 1276 zahlte Floris von einer Gesamtschuld über 200 holländische Pfund lediglich 50 an Dirk von Teilingen zurück (Oorkondenboek 3, Nr. 1.758) und am 2. November 1286 war Floris gezwungen, seine Einkünfte aus Etroeungt und der Mühle von Bauffe zu verpfänden (ADN, B 1240= Godefroy, ed. Saint-Genois, 332 Nr. J 16).], nachdem sich der Plan einer Heirat mit Marie de Roeulx aufgrund von Streitigkeiten über die Mitgift zerschlagen hatte [3 ADN, B 398 (1285 August 13).]. Obwohl ihm sein Cousin Floris V. von Holland schon 1276 Moer an der Schelde als Allod geschenkt hatte [4 Oorkondenboek 3, Nr. 1.713 (1276 Januar 15).], und sein Bruder Johann II. von Avesnes ihm anschließend 1283 auch noch Etroeungt (Dep. Nord) sowie 1287 Braine-le-Comte, Halle, Teile von Braine-le-Chateau und die Wälder von Saisinnes (bei Thieusies) und Sarse-le-Bois (Dep. Pasdu-Calais) als Lehen vergab, sah er offensichtlich in den begrenzten räumlichen Möglichkeiten der Grafschaft Hennegau für sich keine Zukunft mehr. Seine Hoffnungen sollten nicht enttäuscht werden: Nach der griechischen und französischen Version der Chronik von Morea hätte Floris im Sommer 1289 mit Jean de Chauderon und Geoffroy de Tournay enge Beziehungen geknüpft und diese dann gebeten, sich bei Karl II. für seine Verheiratung mit Isabella von Villehardouin und ihre Belehnung mit dem Fürstentum Achaia zu verwenden. Die beiden Barone aus Morea wären dann tatsächlich nach dieser Darstellung beim König vorstellig geworden und hätten jenem unter Verweis auf die Notlage Achaias die Bitte des HENNEGAUERS angetragen, welche der ANGIOVINE bereitwillig aufnahm. Die aragonische Chronik läßt hingegen Robert von Artois, den Schwager Floris', die Initiative ergreifen, der Karl II. gedrängt habe, den Bruder Johanns II. von Avesnes mit Isabella zu verheiraten und mit Achaia zu belehnen. Wahrscheinlicher ist, daß die Initiative von dem ANGIOVINEN selbst ausging, zumal Floris schon in den Jahren 1272-1276 S-Holland für Floris V. von Holalnd verwaltet hatte und somit die nötige Administrationspraxis mitbrachte [1 Die Ernennung zum Bajulus für S-Holland am 7.IX.1272 in Oorkondenboek 3, Nr. 1.610. Seine Amtszeit endete offensichtlich, nachdem mit Floris V. Streitigkeiten über munitionibus et homagiuis ausgebrochen waren, die der HENNEGAUER dem Grafen von Holland leisten sollte: Oorkondenboek 3, Nr. 1.803 (1277 X 3).].
Zur Realisierung seiner Ziele wählte Karl II. einen geschickten Mittelweg. Am 16. September 1289 wurde anläßlich der Heirat mit Floris von Hennegau Isabella von Villehardouin feierlich mit dem Fürstentum Achaia belehnt. Bei dieser Belehnung ist vor allem hervorzuheben, daß die Tochter Fürst Wilhelms II. allein mit dem Fürstentum belehnt wurde. Ihrem Gemahl war somit nur die Rolle des Prinzgemahls zugedacht und er durfte den Fürstentitel ausdrücklich nur zu Lebzeiten seiner Gemahlin führen. Im Falle des erbenlosen Todes der Isabella sollte Morea an das Haus ANJOU zurückfallen, doch wurde Floris später zugestanden, die Ländereien in Achaia, die er durch Verkauf oder Verpfändung seiner Besitzungen Braine-le-Comte und Halle im Hennegau erworben hatte, auf Lebenszeit zu behalten. Isabella erhielt das Lehen in capite - also direkt vom König - und hatte dafür den Treueid und das ligische Homagium sowie Lehnsdienste zu leisten. Doch enthielt der Lehnsvertrag eine Reihe von Klauseln, die Karl II. weiterhin einen gewichtigen Einfluß auf die inneren Angelegenheiten Achaias ließen. An erster Stelle ist der berühmt-berüchtigte "Reversionsparagraph" zu nennen, der vorsah, daß im Falle des Todes Floris' Isabella oder eine andere Erbin sich nur mit Zustimmung des angivinischen Hofes erneut verheiraten dürfe. Sollte die Fürstin oder einer ihrer Töchter gegen dieses Gebot verstoßen, fiel das Fürstentum Achaia automatisch an das Haus ANJOU zurück.
Noch im Herbst 1289 brach Floris von Hennegau, der anläßlich der Belehnung seiner Gemahlin mit Achaia oder anläßlich seiner Hochzeit von Karl II. zum Comestabulus des Königreiches Neapel ernannt worden war, mit seiner Gemahlin von Brindisi auf dem Seewege nach Morea auf. Karl II. und Karl Martell beauftragten am 26. September und 3. Oktober 1289 den Giovanni da Gallipoli und Pierre de l'Isle, das Fürstenpaar nach Achaia zu begleiten und in den Besitz des Fürstentums einzusetzen.
Karl II. ging dann noch einen Schritt weiter und ernannte am 18. April 1290 Floris von Hennegau zum Vikar von Korfu und Butrinti. Da Floris, der vor allem mit den Angelegenheiten des Fürstentums Achaia beschäftigt war, sich nicht persönlich nach Korfu oder Butrinti begeben konte, revidierte Karl II. im folgenden Jahr seine Entscheidung.
Doch hatten sich bei der Regierungsübernahme des Floris in Achaia sofort Schwierigkeiten ergeben, da drei der wichtigsten Lehnsträger des Fürstentums sich weigerten, dem HENNEGAUER das Homagium zu leisten.
Die Amtsführung des HENNEGAUERS selbst wurde streng durch Karl II. kontrolliert. Als Floris 1291 willkürlich mehrere Lehen sequestierte, um damit seine Familiaren zu belehnen, hatte er sich persönlich vor dem Generalvikar Karl Martell zu verantworten.
Da Nikephoros von Epiros der überlegenen byzantinischen Heeresmacht nicht gewachsen war, wandte er sich an Floris von Hennegau, der - möglicherweise im Einverständnis mit Karl II. - dem Despoten dann mit 400-500 Berittenen zu Hilfe eilte. Gemeinsam gelang es den französisch-epirotischen Truppen dann, der byzantinischen Übermacht Herr zu werden.
Mehrere Gründe waren für seine Entscheidung maßgebend: Die Mißwirtschaft der angiovinischen Vikare und Kapitane auf Korfu und in Butrinti, der leidige Streit zwischen Floris von Hennegau und Hugo von Brienne um die Leistung des Homagiums und die Furcht des ANGIOVINEN vor einer zu starken Unabhängigkeit des HENNEGAUERS. Obwohl der Fürst von Achaia vom König von Neapel lehnsabhängig war, konnten sich diese Lehnsbande im Laufe der Zeit lockern,da vor allem Isabella von Villehardouin versuchen würde, um sich von dem ungeliebten Hause ANJOU zu emanzipieren, wieder eine Stellung in Griechenland einzunehmen, wie sie ihr Vater vor 1267 innegehabt hatte.
Am 12. Mai 1294 hatte Karl dem Fürsten von Achaia und dem Herzog von Athen befohlen, Philipp von Tarent das Homagium und den Treueid zu leistzen. Beide Lehnsträger wurden also als gleichberechtigt innerhalb des Lehnsnexus' im fränkischen Griechenland angesehen. Dies weckte nun den Widerstand des Floris von Hennegau, der nach Unteritalien eilte, um den ANGIOVINEN in seinem Sinne zu beinflussen. Dem Fürsten von Achaia gelang es tatsächlich, den König erneut umzustimmen.
Karl II. befahl deshalb Floris von Hennegau und dem Adel Achaias, dem Bailli Philipps gegen den Aggressor zu Hilfe zu kommen. Wahrscheinlich war es dem tatkräftigen Eingreifen Floris' zu verdanken, daß der Sebastokrator im Sommer 1296 die eroberten Positionen wieder aufgeben mußte.
Ein Schiedsspruch, den der König am 1. Oktober 1296 fällte, regelte, daß Guy II. de la Roche dem Floris von Hennegau und der Fürst von Achaia Philipp von Tarent das Homagium zu leisten hatten.
 
 
 
 

16.9.1289
   oo 2. Isabella de Villehardouin, Tochter des Grafen Wilhelm
           1260/63-23.1.1312
 
 
 
 

Kinder:

  Mathilde
  1293-   1331

  1. oo Guido II. de la Roche Herr von Theben
            um 1279-5.10.1308

    1313
  2. oo Ludwig von Burgund König von Thessalonich
           1297- 9.1316

    1318
  3. oo Johann von Anjou Fürst von Morea
  -1321 um 1294-5.4.1335
 
 
 

Literatur:
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Kiesewetter, Andreas: Die Anfänge der Regierung König Karls II. von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts, Matthiesen Verlag 1999 Seite 341-353,358,360,362-364,416,534 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 187 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 10 -