Humfried von Hauteville                     3. Graf von Apulien (1051-1057)
------------------------------                     Graf von Lavello
    -   1057
 

Begraben: SS. Trinita, Venosa
 

3. Sohn des Tankred von Hauteville aus seiner 1. Ehe mit der Murielle von Normandie
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Seite 209
********************
Humfred von Hauteville
-----------------------------
     + 1057

3. Sohn Tankreds von Hauteville und der Muriella

Begraben: SS. Trinita, Venosa

Humfred half 1043 seinen Brüdern Wilhelm Eisenarm und Drogo bei ihrer Eroberung S-Italiens. Nach Wilhelms Tod (1046) unterstützte er Drogo im Kampf um die Grafenwürde von Apulien gegen Petrus de Amico, Herrn von Trani, und verbündete sich danach mit Richard I. Quarrel. Er kontrollierte das Gebiet von Lavello und griff in die Nachfolgekämpfe um Aversa ein. Zusammen mit Rainulf von Aversa und Argyros vertrat er die Interessen des byzantinischen Kaisers Konstantinos IX. Monomachos gegen Georgios Maniakes, ohne in den regulären Dienst des Basileus zu treten. Nach dem gewaltsamen Tod Drogos wählten sich die Normannen Humfred zum "comes" (Amatus von Montecassino III, 22). Die Furcht vor dem Erstarken der Macht Humfreds und seiner Anhänger führte zu einem Interessenbündnis zwischen HEINRICH III., Papst Leo IX. und Konstantinos IX. Das päpstliche Heer wurde jedoch von Humfred im Verein mit seinem Bruder Robert Guiscard und Graf Richard von Aversa bei Civitate (1053) entscheidend geschlagen. Um die eroberten Positionen zu halten, setzte Humfred seine Brüder Malgerius und Wilhelm in der Capitana und im Prinzipat Salerno als Grafen ein. Humfreds Nachfolger wurde Robert Guiscard.



Thiele, Andreas: Tafel 416
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

HUMFRIED
-----------------
    + 1057

Humfried kam um 1046 mit seinem Stiefbruder Robert Guiscard nach Italien, wurde Herr von Lavello und folgte 1051 als 3. Graf von Apulien. Er besiegte am 18.6.1053 bei Civita-al-mare Papst Leo IX., nahm ihn gefangen und erzwang die Anerkennung seiner Herrschaft. Er wurde dafür formal päpstlicher Vasall, womit völkerrechtlich die normannische Herrschaft begann.

  oo Gaitelgrima von Salerno, die Witwe des Bruders

Stiftet die gräfliche Linie Sarno.



Bünemann, Richard: Seite 12,17,19-22,24-27,37,82,167-169,242,247
****************
"Robert Guiskard 1015-1085. Ein Normanne erobert Süditalien."

HUMFREDUS
-------------------

1051-1057 Graf und Heerführer der apulischen Normannen
Verheiratet mit der Schwester von Herzog Guido oder Sergio von Sorrent



Der Eisenarm war nicht mehr als primus inter pares. Mit Hilfe Humfreds, des dritten Tankred-Sohnes, beherrschte der HAUTEVILLE-Clan jedoch bald das Städtedreieck Ascoli-Satriano, Lavello, Venosa. Als Wilhelm 1045/46 starb, setzte Drogo sich im Kampf um die Nachfolge als Heerführer der apulischen Normannen mit Unterstützung Humfreds durch.
In der Nacht vom 9. zum 10. August 1051 wurde Graf Drogo ermordet. Drogos Bruder Humfred, der drittälteste Tankred-Sohn, hielt ein schauerliches Strafgericht. Er wurde als dritter HAUTEVILLE Heerführer der apulischen Normannen.
Die Normannen haben die Gefahr, die ihnen von einer Vereinigung päpstlicher und byzantinischer Truppen drohte, erkannt. In seltener Eintracht entschlossen sie sich rasch zu gemeinsamen Handeln. Sie sammelten sich in N-Apulien irgendwo zwischen Ascoli Satriano und Siponto. Befehlshaber der stärksten Kampftruppen sind die Grafen Humfred als Heerführer der apulischen und Richard von Aversa als Führer der kampanischen Normannen gewesen. Dann folgte Robert Guiscard mit seinen Normannen und Kalabriern. Die Gesamtstärke der Normannen wird mit "kaum dreitausend Reitern" angegeben. Spätestens am 17. Juni tauchten die Normannen überraschend in der Nähe der päpstlichen Zelte auf und errichteten nicht weit davon die ihren. Es kam zu Verhandlungen, die scheiterten.
Das Heer der Normannen soll seit drei Tagen ohne Brot gewesen sein. Die Städte Apuliens hielten die Tore vor ihren Peinigern verschlossen. Die Hungernden scheinen den Rückzug erwogen zu haben, doch beschlossen dann, rasch den Kampf zu suchen. Sie wollten nicht noch mehr geschwächt werden und die mögliche Vereinigung der Päpstlichen mit den Byzantinern auf keinen Fall abwarten. Obgleich die Verhandlungen mit dem Apostelfürsten eigentlich noch schwebten, erfolgte der Angriff der Normannen am Morgen des 18. Juni. Das Schlachtfeld liegt in der Eben zwischen dem Torrente Staina und der gegenwärtigen Staatsstraße Adriatica, das heißt südlich des Ponte di Civitate und vermutlich nördlich des Gehöfts Tre Fontane. Ihren Namen erhielt die Schlacht nach der seit dem fünfzehnten Jahrhundert nicht mehr existenten Stadt Civitate, von deren Mauern der Papst und sein geistliches Gefolge vielleicht den Gefechtsverlauf beobachtet haben. Die Normannen bildeten drei "Kompanien". Einen Oberbefehlshaber wählten sie nicht. Ihren rechten Flügel ausgesuchter Reiter kommandierte Richard von Aversa, den linken Flügel Graf Humfred, hinter dem sein Bruder Robert links gestaffelt als Reserve stand. Überraschend erfolgte der Angriff nicht. Jedenfalls fand der Pontifex genügend Zeit, seine Truppen, wie es heißt am Pozzo San Leo nördlich Tre Fontane selbst zu ordnen. Er bildete zwei Heerhaufen, die nebeneinander eingesetzt wurden: links die Italiener mit dem langobardischen Adel und rechts die deutschen Schwaben. Papst Leo erteilte seinen Kriegern Absolution.
Es war Richard von Aversa, der den Kampf mit einem geschlossenen Kampf mit einem geschlossenen Reiterangriff auf die Italiener eröffnete, die dem Stoß der sprichwörtlich "wilden" normannischen Reiterei nicht standhielten und flohen. Graf Humfred hatte in den hochgewachsenen Schwaben, die zu Fuß mit besonders langen und scharfen Schwertern fochten, einen härteren Gegner. Humfred geriet in Schwierigkeiten, so daß der Guiskard dem Bruder mit der Reserve zu Hilfe eilte. In der kritschen Phase des Gefechts kehrte Richard von Aversa von der Verfolgung der Italiener zurück und entschied die Schlacht durch Flanken- oder Rückangriff seiner Reiter. Die tapferen Schwaben wehrten sich verzweifelt. Sie erlitten hohe Verluste. Ihre Führer, die Wernerschen Grafen, sind beide gefallen. Die Päpstlichen haben "fast dreihundert Krieger" verloren. Nach dem Gemetzel an den Deutschen begannen die Normannen am 18. Juni Civitate, wo der Papst sich aufhielt, zu belagern. Sie legten Feuern an die Stadtmauer. Am nächsten Morgen begab sich Leo selbst in das Lager der Sieger, die ihn ehrenhaft empfingen. Verhandlungen müssen für die Normannen, die päpstliche Vasallen werden wollten, zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt haben. Warum sonst hätte Graf Humfred den Pontifex mit einer Eskorte nach Benevent geleitet, wo Leo für neun Monate faktisch als Gefangener blieb.
Roberts Beziehungen zu seinem Lehnsherrn Humfred sind nach Civitate zeitweise äußerst gespannt gewesen. Der Vasall machte nämlich in Kalabrien reiche Beute auch in Gebieten, auf die der Bruder als Senior Anspruch erhob. Bei einer Gelegenheit ließ Humfred den Jüngeren sogar festnehmen und für kurze Zeit gefangen halten.
Trotz seiner Streitigkeiten mit dem Bruder bat Humfred Robert auf dem Sterbebett Anfang des Jahres 1057, als Vormund das Land seines unmündigen Sohnes Abälard zu verwalten. Der Auftrag bedeutete auch soviel wie eine Designation Roberts für das Amt des Heerführers der apulischen Normannen.
Von Benevent begab der Vikar Christi sich in das Kerngebiet der HAUTEVILLE nach Venosa, wo er am 17. August die alte Kirche im Dreifaltigkeitskloster als Abteikirche weihte. Roberts Brüder Drogo und Humfred hatten sich um die Restauration des verlassenen Benediktinerklosters verdient gemacht. Humfred lag dort begraben.
Noch vor Februar 1047 bekam Humfred die Grafschaft Lavello. Jedenfalls berichtet Malaterra, daß Drogo den Bruder dort eingesetzt hat. Später, im Jahre 1056, "machte Humfred, der dritte Heerführer der apulischen Normannen, seine Brüder Mauger und Wilhelm (den Jüngeren) zu Grafen der Capitanata bzw. des Prinzipats.
Humfred, Heerführer von 1051 bis 1057, hielt außer Lavello die Grafschaften seiner verstorbenen Brüder Eisenarm und Drogo, Ascoli und Venosa, selbst. Auf die Rechte seines Neffen Richard (Seneschall) scheint er keine Rücksicht genommen zu haben. Allem Anschein nach sind die Brüder Wilhelm vom Prinzipat, Mauger und später Gottfried für die Capitanata ebenso wie Robert für N-Kalabrien Humfreds einzige gräfliche Vasallen gewesen. Gegenüber Wilhelm vom Prinzipat und dem Guiskard war Humfreds Stellung als Lehnsherr jedenfalls zuletzt nicht imponierend. Die Jüngeren haben sich dem Einfluß des Älteren weitgehend entzogen. Grundsätzlich waren sie dem Senior zwar zur Waffenhilfe verpflichtet, im übrigen aber so gut wie unabhängig. Vielmehr als Bundesgenossen Humfreds sind sie nicht gewesen.
Humfred hat, wenn auch ohne Erfolg, nach der Schlacht bei Civitate die Lehnsbindung an das Papsttum gefordert, die erst Robert später realisieren konnte.
Wilhelm, Drogo und Humfred hielten zusammen. Die beiden Älteren haben den Jüngeren nachgezogen. Als der Eisenarm starb, setzten Drogo und Humfred sich gegen die Familie AMI durch. Mauger; Wilhelm der Jüngere und Gottfried machten mit Humfreds Hilfe Karriere.
 
 
 

Nach Thiele:

  oo 2. Gaitelgrima von Salerno, Witwe seines Bruders Drogo
                 - nach 1091

Nach Bünemann:

  oo N.N., Schwester von Herzog Guido oder Sergio von Sorrent
              -
 
 
 
 

Kinder:

  Abelard
         -

  Hermann
         -
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Bünemann, Richard: Robert Guiskard 1015-1085. Ein Normanne erobert Süditalien. Böhlau Verlag GmbH & Cie, Köln 1997 Seite 12,17,19-22,24-27,37,82,167-169,176, 180,184,190,211,242,247,262 -
Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 416 -