Abelard Hauteville
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um 1045/50- nach 1085
                    Konstantinopel
 

Sohn des Grafen Humfried von Apulien aus dem Hause HAUTEVILLE und der Gaitelgrima von Salerno, Tochter von Fürst Waimar IV.
 

Bünemann, Richard: Seite 26,79,82,88,101,130,171,173,176-181,254
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"Robert Guiskard 1015-1085. Ein Normanne erobert Süditalien."

Trotz seiner Streitigkeiten mit dem Bruder bat Humfred Robert auf dem Sterbebett Anfang des Jahres 1057, als Vormund das Land seines unmündigen Sohnes Abälard zu verwalten.
Roberts energische Gemahlin Sichelgaita veranlaßte sofort, daß alle normannischen Lehnsleute des Herzogs sich versammelten und ihren ältesten Sohn, Roger Borsa, Roberts zweiten Sohn, zum Herrn wählten. Nur Abälard, der sich um das Amt seines Vaters betrogen fühlte, hat opponiert.
Der Fürst von Capua hat sich durch die Strafexpedition des Herzogs nicht erpressen lassen, sein Bündnis mit dem Papst preiszugeben. Richards Reaktion war, Roberts Todfeind, Abälard, zum Aufruhr gegen den Guiskard anzustiften. Der Sohn des Grafen Humfred setzte sich in Santa Severina im kalabrischen Marquesato fest. Er verwüstete die umliegenden Besitzungen des verhaßten Onkels, der ihm den größten Teil des väterlichen Erbes vorenthalten hatte. Als Robert den Neffen belagerte, lächelte ihm das Glück an einer anderen Front.
Nun hatte der Herzog den Rücken frei und konnte die schleppende Belagerung Abälards in Kalabrien erfolgreich zu Ende bringen. Das Übergabedatum von Santa Severina ist umstritten. Obgleich Malaterra es anders will, sieht es so aus, als ob der zornige Neffe bei freiem Abzug nach Apulien vor dem Belagerungsbeginn von Salerno kapituliert hat. Auch Abälards Bundesgenosse Wilhelm Arenga gab Castroviollari auf. Santa Severina scheint vor Mitte März 1076 übergeben worden zu sein. In N-Apulien erlitt sein Sohn Bohemund bei Troia eine empfindliche Niederlage Niederlage. Abälard nahm Ascoli Satriano.
Wir wissen, daß der KOMNENE sich Ende Mai oder Anfang Juni brieflich an den Grafen Hermann von Cannae, den Stiefbruder Abälards, wandte. Abälard war von seinem Onkel für friedlos erklärt worden. Die beiden Neffen gehörten zu den erbittersten Widersachern Guiskards. Mit dem landflüchtigen Abälard hat Alexios vielleicht sogar selbst Fühlung aufgenommen. Nach August soll Roberts Erzfeind in Konstantinopel gewesen sein. Jedenfalls war er als kaiserlicher Geldbote zu HEINRICH IV. vorgesehen.Der Chronist nennt außer Gocelinus Roberts Neffen Abälard und Gottfried von Conversano unter den Urhebern des Komplotts. Die Verschwörer zogen es vor, sich einem fremden Herrscher zu unterwerfen, anstatt dem blutsverwandten Parvenü zu diesen. Der Kaiser im fernen Konstantinopel konnte nicht so lästig sein wie der Herzog im nahen Melfi.
Als Guiskard 1071 Palermo belagerte, verbündten sich erneut seine Feinde. Schon bald traten auch Abälard und dessen Stiefbruder Hermann von Cannae der "Liga" gegen den Herzog bei. Abälard zog Wilhelm Hareng mit, einen Lehnsmann seines verhaßten Onkels aus Kalabrien. Mit dem Fall von Cannae waren die Frondeure in Apulien für diesmal pazifiziert. Abälard und Hareng kämpften in Kalabrien weiter.
Die schwere Krankheit, die Robert im April 1073 in Trani befiel, wurde zum Test der mit dem Lehnswesen verschränkten Zentralgewalt seines Herzogtums. Dank Sichelgaitas Initiative wählten die Vasallen ihres todkranken Gemahls dessen unmündigen Sohn Roger Borsa zu iherem Herrn. Nur Abälard weigerte sich, Rogers Lehnsmann zu sein. Humfreds Sohn wollte selbst als Herzog "in dieses Amt erhoben werden." Sicher hat die couragierte Herzogin auf der Wahlversammlung jede Opposition erstickt. Der unversöhnliche Abälard verschanzte sich im Marchesato in Kalabrien im festen Santa Severina. Er konnte nicht vergessen, so Malaterra, daß ihm von seinem Onkel als Vormund "die Erbschaft vorenthalten war." Abälards Verbündeter, Wilhelm Hareng, besetzte Castrovillari in N-Kalabrien nordwestlich von Roberts erster Burg Scribla. Die beiden verwüsteten die Umgebung.
Schließlich mußte Abälard Santa Severina vor Hunger aufgeben. Der Onkel gewährte ihm freien Abzug, obgleich er wußte, daß der Neffe "überall dort, wohin er ging, nach Kräften Aufruhr erregen würde." Nach Malaterra schlossen Abälard und Guiskard einen Übergabevertrag. Der Herzog versprach, sobald er zu einem gewissen Kastell auf dem Monte Gargano in Apulien käme, Abälards Bruder Hermann, der in Mileto in Kalabrien eingekerkert war, freizulassen. Als Robert Santa Severina hatte, erklärte er jedoch, in den nächsten sieben Jahren nicht nach den Gargano zu kommen. Abälard hatte sich von Santa Severina nach Sant'Agatra di Puglia südlich Bovino abgesetzt und die Rebellion nach Apulien getragen. Wilhelm Hareng übergab Castrovillari bald danach. Mit Abälards Schwager Gradilon plünderten die beiden in den nächsten Jahren das apulisch-kampanische Grenzgebiet. Auf die Dauer konnten die Aufrührer sich nicht behaupten. Durch Vermittlung seiner Mutter, einer Schwester Guidos von Conza, erhielt Abälard gegen Übergabe von Sant'Agata auch diesmal freien Abzug. Die Kapitulation erfolgte 1077 oder Anfang 1078. Die lästigen Kämpfe gegen Abälard und dessen Verbündete hatten sich seit 1073 dahingeschleppt.
Ein schwerer Schlag für den Guiskard aber war das Bündnis von Bari mit Abälard, das am 3. Februar 1079 zur Erhebung der immer noch mächtigen Stadt führte. Treulos hatte Argyritzos, der "erste Bürger" Baris, sich mit Roberts Todfeind verbündet und diesem eine Tochter zur Frau gegeben.
Der Neffe bewies militärisches Geschick, soll Troia angegriffen, Bohemund zur Flucht gezwungen und Ascoli Satriano genommen haben. Vor den Toren der Stadt Cosenza kam es zu einer der wenigen Feldschlachten des "Bürgerkriegs". Abälard, der die Baresen anführte, wurde schwer verwundet. Sein Panzerhemd "wird von einer Lanze durchbohrt." Die Baresen flohen hinter ihre festen Mauern. Angesichts der großen Armee ergab sich die Stadt. Abälard soll als einziger vom Frieden ausgeschlossen und aus Bari verbannt worden sein. In einer Schenkungsurkunde seines Onkels für das Kloster Montecassino vom Juni 1080 erscheint jedoch auch der Neffe unter den Signataren, die der Dotation zustimmen. Falls das Dokument echt ist, müßte Abälard damals von Guiscard jedenfalls vorübergehend wieder in Gnaden aufgenommen worden sein.
Im Vergleich zu den Empörungen früherer Jahre hat es sich 1081 bis 1083 nur noch um ein letztes Aufflackern des Widerstands gehandelt. Abälard setzte sich offenbar endgültig in das Rhomäerreich ab, wo er jung gestorben sein soll. Sein Bruder Hermann ist spätestens 1096 wieder im Besitz der Grafschaft Canne. Abälard verlor alles, weil er kompromißlos war und nach dem Herzogsamt strebte. Rechtlichen Anspruch hatte er darauf nicht. Das Amt dees Heerführers der apulischen Normannen ist nicht erblich, sondern ein Wahlamt gewesen. Mit dem Landbesitz seines Vaters Humfred, den der Onkel dem Neffen zu großen Teilen entwendete, hat es eine andere Bewandnis.
Mit der Bestrafung Gradilons wollte der HAUTEVILLE seiner eigenen Sippe ein warnendes Bespiel geben. Schließlich war dieser Gegner ein angeheirateter Verwandter. Eine Körperstrafe am Neffen Abälard hätte zuviel Unmut erregt. Durch rechtswidirge Aneignung von seines Bruders Humfred Eigenland hat Robert sich in Abälard einen Todfeind geschaffen.
 
 
 

  oo N.N., Tochter des Argyritzos, des "ersten Bürger" Baris
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Literatur:
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Bünemann, Richard: Robert Guiskard 1015-1085. Ein Normanne erobert Süditalien. Böhlau Verlag GmbH & Cie, Köln 1997 Seite 26,79,82,86,88,92,101,130,171,173,176-181,185,191,195,203,232,245, 248,254 -