Hugo IX. der Braune                       Sire von Lusignan und Couhe
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um 1160/65 1219
                       vor Damiette

Einziger Sohn des Sire Hugo von Lusignan ( um 1168) und der Orengarde; Enkel des Sires Hugos VIII. des Alten von Lusignan und Neffe der Könige Guido und Amarich von Jerusalem-Zypern
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 17
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Lusigan (Sires de Lusignan)
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Hugo IX., Enkel Hugos VIII., heiratete Mathide, die einzige Tochter des Grafen Vulgrin von Angouleme; beider Sohn Hugo X. wurde verlobt mit Isabella, der Erbtochter des Grafen Aimar, der als Nachfolger seines Bruders Vulgrin die Grafschaft Angouleme regierte. Doch entführte König Johann ‚Ohneland‘ 1199 die junge Gräfin und heiratete sie, was einen Aufstand der LUSIGNAN auslöste, der erst 1214 mit einem Ausgleich seinen Abschluß fand. Erst nach dem Tode des Vaters bei Damietta (1219) heiratete Hugo X. seine frühere Verlobte Isabella, deren königlicher Gemahl 1216 gestorben war.
Seit der 2. Hälfte des 11. Jh. waren die LUSIGNAN eng mit den Kreuzzügen verbunden. Hugo IX. nahm am 3. Kreuzzug teil (1190), Hugo X. starb 1248 bei Damietta, Hugo XI. 1250 bei Mansura, Hugo XII. 1270 vor Tunis; Hugo XIII. nahm am französischen Aragon-„Kreuzzug“ von 1285 teil.
1177 verkaufte Graf Audebert IV. von der Marche seine Grafschaft an König Heinrich II. von England, trotz aller Ansprüche der LUSIGNAN aufgrund ihrer Abstammung von Aumode (Almodis). Nach dem Tode von Richard Löwenherz (1199) erzwang Hugo IX. durch Gefangennahme der Königin-Mutter Eleonore die Herausgabe der Marche; König Johann akzeptierte Hugos Lehnseid 1200, nahm aber 1202 die Grafschaft ein, um sie jedoch 1214 wieder an Hugo IX. zurückzugeben.


Lexikon des Mittelalters:
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Marche, la
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Grafschaft im südwestlichen Mittelfrankreich, Grenzregion zwischen Poitou, Berry und Limousin, wurde im 10. Jh. als 'Mark' konstituiert und war seit Mitte des 10. Jh. selbständige Grafschaft, unter dem sog. »Haus Charroux«, dessen Mitglieder wohl ursprünglich Vögte der großen Abtei Charroux gewesen waren. Boso I. der Ältere wird 958 als 'marchio' genannt; die »Chronik v. St-Maixent« bezeichnet ihn als Sohn des Sulpicius, der selber Sohn eines Gottfried war. Boso I. heiratete Emma, die Schwester des Grafen Bernhard von Périgord; seine Söhne und Nachfolger Audebert I. (
997) und Boso II. ( zwischen 1003 und 1023) waren daher zugleich Grafen von Marche und Périgord. Auf Boso II. geht die Gründung der Abtei Le Moutier-d'Ahun zurück. Bernhard I., Sohn des Audebert, der bis 1038 als Graf genannt wird und vor 1047 verstarb, hatte (mindestens) sechs Kinder, unter ihnen Audebert II. und Audemode (Almodis), in 1. Ehe mit Hugo V. von Lusignan verheiratet. Boso III., Sohn von Audebert II. ( 1088), starb 1091 kinderlos.
Die Grafschaft Marche ging vom Hause CHARROUX an die Familie MONTGOMERY über, aufgrund der 2. Ehe der Audemode, die zwischen 1091 und 1098 Roger von Montgomery heiratete. Letzter Graf aus dieser Familie war Audebert IV., der nach dem Verlust seines einzigen Sohnes und vor dem Aufbruch zum Kreuzzug die Gft. 1177 an König Heinrich II. von England verkaufte.
Obwohl Verwandte (der Graf von Angoulême, der Sire de Lusignan) ihre Erbansprüche anmeldeten, blieb die Marche von 1177 bis 1199 bei den PLANTAGENET (Angevinisches Reich). Nach dem Tode von Richard Löwenherz entführte Hugo IX. von Lusignan die Königin Eleonore und ließ sich die Grafschaft Maine zuerkennen, die - mit Ausnahme der Zeit von 1202 bis 1214, in der sie König Johann von England besetzt hielt - für ein gutes Jahrhundert in der Hand der LUSIGNAN blieb; ihre Herrschaft endete mit dem Tod von Yolande (
1314), der Schwester des letzten Grafen, Gui/Guyard († 1308).

R. Favreau

Lexikon des Mittelalters:
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Angouleme
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II. Grafschaft:

Der pagus von Angouleme (Ecolismensis, Engolismensis), das spätere Angoumois, gehörte zum regnum Aquitaniae, das lange zwischen Pippin II. von Aquitanien und KARL DEM KAHLEN umstritten war. Auf den Grafen Turpio († 863) und Emeno, der bereits Graf des Périgord ( 866) war, folgte, ernannt durch KARL DEN KAHLEN, Graf Vulgrimnus (Vougrin), der auch das Périgord und darüber hinaus vielleicht die Saintonge und das Agenais besaß; er konnte seine honores seinen Nachkommen hinterlassen. Die endgültige Trennung der Grafschaft Angoulême von der Grafschaft Périgueux fand erst um 975/982 statt; die Grafschaft Angoulême blieb nun in Lehnsabhängigkeit von den Grafen von Poitiers und Herzögen von Aquitanien.
Die Grafen des 11. Jh. und der 1. Hälfte des 12. Jh. vergrößerten das Angoumois um Lehen im Poitou, in der Saintonge und im Gironde-Gebiet: Melle, Chabanais, Confolens, Ruffec, Blaye, Benauges. Trotz Erbteilungen und Auseinandersetzungen mit rebellierenden Vasallen konnten sie sich als ein mächtiges Geschlecht behaupten, das den Namen Taillefer (nach einem Vorfahren aus dem 10. Jh.) trug.
Mit der Entführung der Erbin von Angouleme, Isabella, der Braut des Hugo von Lusignan, Grafen von der Marche, durch den PLANTAGENET Johann »ohne Land«, wurde der große Konflikt zwischen den PLANTAGENET und dem König von Frankreich ausgelöst, da Hugo von Lusignan diesen um Beistand angerufen hatte (1200-1202). Nach dem Tode Johanns heiratete Isabella ihren einstigen Verlobten, der dem KAPETINGER den Lehnseid leistete. Die Zeit von 1226 bis 1241 war die Blütezeit der TAILLEFER-LUSIGNAN, die nun das Angoumois mit Cognac und Merpins besaßen, die Saintonge mit St-Jean d'Angély, Aunis (»le grand fief d'Aunis«), Lusignan und die Grafschaft der Marche.
Aber zwischen Hugo X. einerseits, König Ludwig IX. dem Heiligen und seinem Bruder Alfons von Poitiers andererseits brachen 1241 Streitigkeiten aus; als besiegte Rebellen verloren Hugo und Isabella nach dem Vertrag von Pons (1242) ein Drittel ihrer Domänen; sie behielten jedoch die Grafschaft Angouleme. Die Linie der TAILLEFER-LUSIGNAN erlosch mit Hugo XIII. und seinem Bruder Gui [Guido], zu dessen Lebzeiten sich Philipp der Schöne der Grafschaft durch Verrat bemächtigte (1308); die natürlichen Erben wurden entschädigt und das Angoumois mit der Krondomäne vereinigt (1314).
Danach ging die Gft. noch durch folgende Hände:
Johanna von Navarra (1317)
Charles d'Espagne (1350)
der König von England, Eduard III., nach dem Vertrag von Brétigny (1360-73)
Ludwig, Herzog von Orléans (1394), dessen Urenkel jüngerer Linie Franz von Angouleme, der als Franz I. König von Frankreich wurde und die Grafschaft zum Herzogtum erhob (1515).

Thiele, Andreas: Tafel 176
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

HUGO IX. "DER BRAUNE"
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    1219

Hugo IX. der Braune folgte 1173 seinem Großvater als Sire von Lusignan, Couhe, Chateau und Larcher und wurde 1199 Graf von la Marche. Er nahm 1218 das Kreuz, zog mit gegen Ägypten und starb vor Damiette.

  1) AGATHE DE PREUILLY (Grafenhaus VENDOME)
            


Tochter des Sire Pierre II. de Montrabel  und der Eleonore de Mauleon

  2) oo MATHILDE D'ANGOULEME und DE LA MARCHE, Tochter des Grafen Vulgrin III.
                  
 
Sie verzichtete 1233 auf das Erbe.


Ehlers Joachim: Seite 146
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"Die Kapetinger"

Isabella von Angeloume war aber seit langem mit dem Grafen von La Marche verlobt, Hugo IX. von Lusignan, in dessen Familie sie schon lebte und erzogen wurde. Um die Absprache mit Johann zu realisieren, mußte Ademar seine eigene Tochter entführen, dadurch in spektakulärer Weise wortbrüchig werden und eine der ältesten Familien auf dem Boden des alten Westfränkischen Reiches tödlich beleidigen.
1186 wurde Hugos IX. Onkel Guido König von Jerusalem.

Runciman, Steven: Seite 931,935
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"Geschichte der Kreuzzüge"

1218
Um die gleiche Zeit verhandelten zwei französische Edelleute, Garf Herve von Nevers und Hugo von Lusignan, Graf von La Marche, mit den Genuesen wegen Schiffen, die eine Gruppe französischer und englischer Kreuzfahrer nach dem Osten bringen sollten.
1219
Diese Rückschläge rüttelten die gemeinen Soldaten des Kreuzzuges zu Taten auf. Sie beschuldigten ihre Befehlshaber der Trägheit und der schlechten Heerführung. Viele der vornehmen Edlen waren ums Leben gekommen, unter ihnen die Grafen von La Marche und Bar-sur-Seine und der Großmeister der Tempelritter, Wilhelm von Chartres.

Gillingham John: Seite 162,192
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"Richard Löwenherz. Eine Biographie."

Die Verhandlungen nahmen ein abruptes Ende. Das Lager eines der Barone aus Aquitanien, Hugo von Lusignan, wurde angegriffen. Richard verließ die Konferenz und war entschlossen, Messina unter seine Kontrolle zu bringen.
Nun, da Gottfrieds Neffe Hugo IX., ein erwachsener Mann war, gab es für Gottfried daheim im Poitou weniger Spielraum, besonders, solange Richard seine Politik, die LUSIGNANS von la Marche auszuschließen, aufrechtzuerhalten.
 
 
 
 

1. oo Agathe von Preuilly, Tochter des Sire Pierre II. von Montrabel und der Eleonore von Mauleon
               

  2. oo Mathilde von Angouleme und la Marche, Tochter des Grafen Vulgrin II.
                  
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Hugo X. der Braune
  um 11851249
 
 
 
 
 
 

Literatur:
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Ahlers Jens: Die Welfen und die englischen Könige 1165-1235. Verlag August Lax Hildesheim 1987 Seite 171,172 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 146 - Gillingham John: Richard Löwenherz. Eine Biographie. Classen Verlag GmbH Düsseldorf 1981 Seite 162,192 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978 Seite 931,935 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 176 -