Einziger Sohn des Prinzen Heinrich
von Antiochia
aus dem Hause POITOU und der Isabella von Zypern, Tochter
von König
Hugo
I.
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 158
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Hugo III. von Antiocheia-Lusignan, König von
Zypern 1267-1284
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König
von Jerusalem 1269-1284
Sohn Heinrichs von Antiocheia, Bruder des Fürsten Bohemund V. von Antiocheia, und der Isabella von Lusignan, einer Schwester König Heinrichs I. von Zypern (1218-1253)
Seit 1261 Regent von Zypern für seinen
Vetter
Hugo
II.; wohl seit ca.1264 Regent von Jerusalem. Nach Hugos
II. Tod (1267) wurde er König von Zypern; die
Krone
von Jerusalem gewann er nach der Hinrichtung des Titular-Königs von
Jerusalem, Konradin (1268).
Sein Recht
auf den Jerusalemer Thron wurde angefochten von seiner Verwandten Maria
von Antiocheia, die ihre Ansprüche später an
Karl
I. von Anjou veräußerte.
Hugo III. war zwar in der Lage, zyprische Hilfsquellen
für
eine Verteidigung Syriens gegen die vordringenden Mamluken unter Baibars
zu mobilisieren und 1272 einen Waffenstillstand zu schließen,
doch
wurde sein Machtstellung durch Streitigkeiten um sein Thronrecht
untergraben.
1276-1277 ließ er es zu, daß Akkon, die wichtigste Stadt im
lateinischen Syrien, an Karl von Anjou
überging. Alle späteren Versuche Hugos
III. diesen schweren Verlust rückgängig zu
machen,
blieben erfolglos.
HUGO III. "DE LUSIGNAN"
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* vor 1240, † 1284
Hugo III. nahm den Familiennamen "DE LUSIGNAN" an, der die größere Tradition in beiden Königreichen hatte, wurde 1261 Baillif von Zypern und dort Regent für den königlichen Cousin Hugo II. und 1284 auch in Jerusalem zu Akkon. Er folgte ihm 1267 als König von Zypern und 1268 von Jerusalem (das Königreich bestand nur noch aus zum Teil räumlich getrennten Küstenorten, Akkon war Hauptstadt). Es war die Zeit heftigster Auseinandersetzungen mit den Mamelucken-Herrschern von Ägypten. Hugo III. behauptete 1265 Ptolemais, er konnte aber 1268 ein Blutbad in Jaffa nicht verhindern, ebenso die Plünderungen in Antiochia und Tripolis. Diese Fürstentümer gingen damit dem Königreich Jerusalem verloren. Hugo wurde sogar formal ägyptischer Vasall für Zypern und erhielt 1271-1273 schwache Hilfe von König Eduard I. von England. Er stritt sich jahrelang mit seiner Cousine Marie von Antiochia, die letztlich ihre angemaßten Ansprüche auf Jerusalem an die Linie ANJOU-Neapel abtrat und verlor zeitweise Akkon an diese. Er geriet auch schroff gegen den Adel Zyperns, da dieser Kriegsdienst außerhalb Zyperns verweigerte, sich letztlich bereit erklärte, bis zu vier Monaten außerhalb zu kämpfen, was Hugos militärische Situation kaum verbesserte. Er stritt auch mit den Ritterorden, besonders den Templern, um Besitzungen, Rechte und Kompetenzen, war martialisch, fähig, kraftvoll und majestätisch. Die ständigen Streitigkeiten machten ihn jedoch mehr und mehr resignierend und kränkelnd, wozu auch der Tod seines hoffnungsvollen Sohnes Bohemund beitrug.
1255
oo ISABELLA
DE IBELIN, Tochter des Marschalls
und Connetables von Cypern, Guido I. von Beirut
† 1324
König wurde nun Hugos
Vetter, Hugo von Antiochia-Lusignan.
Seine Mutter war eine LUSIGNAN, und
er führte ausschließlich ihren Namen, um die
Kontinuität
des Dynastie zu betonen. Dieser Hugo III. (1267-1284),
der wie seine Vorgänger Seigneur de Jerusalem war,
erlangte
nach dem Tode Konradins, des letzten
jerusalemitanischen Königs aus
staufischem
Hause (1268), auch wieder die Krone
von Jerusalem als Hugo
I. Seine Hauptsorge galt seinem festländischen Reich,
das
unter den Angriffen der Mamluken schwer zu leiden hatte. Um es zu
unterstützen,
versuchte er 1271 die zeitlich und geographisch unberschränkte
Heerfolge
seiner zypriotischen Barone, die nur auf der Insel Lehen besaßen,
durchzusetzen, und zwar allein aus den Einkünften ihrer Lehen und
ohne die für jeden Auslandsdienst als unentbehrlich angesehene
zusätzliche
Entlohnung. Für die Vasallen waren hier zwei wesentliche Punkte
tangiert,
die eigenen Finanzen und die
Ausdehnung der königlichen Macht.
Hugos
Ansinnen wurde von Jakob von Ibelin
zurückgewiesen mit dem Argument,
daß ein solcher Dienst immer nur freiwillig und gegen Bezahlung
geleistet
worden sei, und wenn überhaupt jemand Anspruch darauf habe, so
eher
die IBELINS, die das
zypriotische Heer öfter auf den Kontinent geführt
hätten als der König. Im Jahre 1273 kam es zu einem
Kompromiß,
der vier Monate Festlandsdienst vorsah, und an dieser für die
Vasallen
entscheidenden Begrenzung, die nicht an dem Prinzip rüttelte,
daß
der Auslandsdienst stärkeren Einschränkungen unterlag als der
Inlandsdienst, scheiterte der Versuch Hugos,
das 1276 preisgegebene Königreich Jerusalem 1279 gegen die
Ansprüche
Karls
von Anjou zu verteidigen. Erst nach dem Tode Karls
kehrten die Könige von Zypern wieder auf den Thron von Jerusalem
zurük
(1285). In Zypern selbst folgten auf Hugo III.
seine beiden Söhne Johann I. (1284-1285)
und Heinrich II. (1285-1324).
Der tatsächliche Grund für die Entscheidung
lag wohl darin, daß Hugo von
Antiochia-Lusignan
bereits Bailli von Zypern und dort thronfolgeberechtigt war,
also
mehr politisches Profil hatte als BRIENE.
Der neue Bailli war in der Tat
ein energischer Mann, der in seinem Amt nicht nur einen Ehrentitel sah,
sondern seine Zeit redlich zwischen Zypern und Akkon teilte, auch
nachdem
er 1267 König der Insel geworden war. Anfangs sah es so aus, als
sollte
Hugo eine Restauration der
monarchischen
Macht gelingen, denn er konnte die Ritterorden für sich gewinnen,
den Herrn von Tyrus durch die Überlassung der Stadt, die an sich
zur
Krondomäne gehörte, aber seit 1243 oder bald danach
rechtswidirg
von den MONTFORTS
beherrscht wuerde, an sich binden und die IBELINS
durch seine Ehe mit einer der ihren wenigstens neutraliseren.
Zum Schluß
aber scheiterte er an den grandiosen Expansionsplänen, die Karl
von Anjou von Italien aus betrieb.
Inzwischen warf Karl von Anjou
seinen Schatten auch auf das Königreich Jerusalem. Als 1267 König
Hugo II. von Zypern, Regent von
Jerusalem, starb, trat sein Vetter Hugo von Antiochia-Lusignan
in Zypern seine Nachfolge als König Hugo
III. an, verlangte aber auch die Regentschaft über
Jerusalem.
Hierbei kam es in der Haute Cour in Akkon zu einer Auseinandersetzung
mit
Maria von Antiochia. Maria berief sich zu Recht darauf,
sowohl die nächste
Verwandten des ja noch lebenden Titular-Königs
Konradin zu sein wie auch die nächste Verwandte seiner
Großmutter Isabella II.,
die
als letzte den Thron im Osten innegehabt hatte. Hugo
dagegen argumentierte, er sei der nächste Verwandte des
letzten Regenten Hugo II.,
weshalb
er diesem ja auch in Zypern nachgefolgt sei.
Trotzdem wurde Hugo III.
Regent von Jerusalem mit keinem anderen Recht, als daß er der
nächste Verwandte nicht etwa des Herrschers Konradin,
sondern des letzten Regenten war.
Als Konradin sich
1268 an der Rückeroberung Siziliens versuchte, geriet er in
Gefangenschaft
Karls von Anjou und wurde am 29.
Oktober
1268 in Neapel enthauptet. So endete die Herrschaft des staufischen
Hauses in Palästina nun
auch formal. Die Stadt Akkon feierte das Ereignis
mit Feuerwerk und festlicher Illumination. Der Streit um die
Regentschaft
weitete sich nun zum Streit um die Thronfolge aus. Hugo
III. wurde jetzt auch König von Jerusalem, aber
Maria resignierte nicht,
sondern gab bei der Krönung 1269 durch einen
Notar Protest zu Protokoll. Die Krone von Jerusalem wurde nun zum
Handelsobjekt,
denn Maria verkaufte 1277 in
einem bisher unvorstellbar gewesenen Akt ihre
Ansprüche an Karl von Anjou,
der
darauf sofort ein Truppenkontingent mit Roger von San Severino als seinem
Bailli nach Akkon sandte. Zu
allem Unglück, das Baibars
über die Franken gebracht hatte, leisteten sich diese jetzt auch
noch
den Luxus zweier Könige, und während Akkon, Sidon und die
Templer
für Karl von Anjou optierten,
erkannten Tyrus und Beirut weiterhin Hugo I.
an, der sich bei seinen paar verbliebenen Vasallen zum Teil recht
unbeliebt
gemacht hatte, vor allem als er nach dem Tode Boemunds VI. von Tripolis
(1275) erfolglos die Regentschaft über den unmündigen Boemund
VII. (1275-1287) verlangte. Er versuchte die Übereignung
von Sidon
und Arsuf an die Ritterorden rückgängig zu machen. In Tyrus
konnte
er zwar dieses Juwel der Krondomäne den MONTFORTS nicht nmehr
entreißen,
aber er ließ seine Schwester in
die Familie einheiraten und sicherte
den Rückfall von Tyrus an die Krone für den Fall ihrer
Kinderlosigkeit,
wobei er dann allerdings den MONTFORTS
150.000 Byzantiner zahlen mußte.
Als der Fall 1283 eintrat, fehlte Hugo
das Geld.
Runciman, Steven: Seite 1173
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"Geschichte der Kreuzzüge"
Hugo blieb in
Tyros,
auch nachdem die Edlen ihn verlassen hatten. Dort starb er selbst am 4.
März 1284. Er hatte sein Bestes getan, um in Outremer die
oberste
Regierungsgewalt wiederherzustellen. Seine eigenen Eigenschaften hatten
ihn behindert; denn er war trotz
seines guten Aussehens
und seines persönlichen
Charmes ein launischer und
taktloser Mann.
1255
oo Isabella von Ibelin, Tochter des Marschalls
und Connetable von Zypern, Guido von Beirut
um 1240 † 2.7.1324
Kinder:
Bohemund
um 1260 † 3.11.1281
Johann I.
um 1256 † 20.5.1285
Heinrich II.
1271 † 1324
Marie
1273 † 1322
1315
oo 3. Jakob II. König von Aragaon
1267 † 3.11.1327
Aimery
† um
1316
Alice
† nach
4.1324
1292/95
oo Balian Ibelin Titular-Fürst von
Galiläa
† 1316
Guido Connetable von Zypern
†
1300
Margarete
† 1296
1288
oo Theodor III. König von Armenien
† 1298 ermordet
Amalrich Fürst von Tyros
†
5.6.1310 ermordet
Literatur:
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Kiesewetter, Andreas: Die Anfänge der
Regierung
König Karls II. von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel,
die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13.
Jahrhunderts,
Matthiesen Verlag 1999 Seite 52 A - Lehmann Johannes: Die
Kreuzfahrer.
Abenteurer Gottes. Gondrom Verlag Bindlach 1991 Seite 379 - Mayer,
Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH
1995 Seite 214,220,244-249 - Runciman, Steven: Geschichte der
Kreuzzüge,
Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite
1067-1068,
1098,1101,1106,1107-1109,1110,1112,1114,1122-1128,1169,1172-1173,1173-1174
- Thiele,
Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur
europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und
Fürstenhäuser
Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 177 -