Hugo X. der Braune de Lusignan       Graf de la Marche (1219-1249)
----------------------------------------      Graf von Angouleme (1220-1249)
um 1180/851249
                       Damiette
 

Sohn des Grafen Hugo IX. de le Marche aus dem Hause LUSIGNAN aus seiner 1. Ehe mit der Agathe von Preuilly, Tochter von Sire Pierre II. von Montrabel
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 17
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Lusigan (Sires de Lusignan)
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Hugo IX., Enkel Hugos VIII., heiratete Mathide, die einzige Tochter des Grafen Vulgrin von Angouleme; beider Sohn Hugo X. wurde verlobt mit Isabella, der Erbtochter des Grafen Aimar, der als Nachfolger seines Bruders Vulgrin die Grafschaft Angouleme regierte. Doch entführte König JohannOhneland 1199 die junge Gräfin und heiratete sie, was einen Aufstand der LUSIGNAN auslöste, der erst 1214 mit einem Ausgleich seinen Abschluß fand. Erst nach dem Tode des Vaters bei Damietta (1219) heiratete Hugo X. seine frühere Verlobte Isabella, deren königlicher Gemahl 1216 gestorben war. Verbündet mit König Heinrich III., dem Sohn von Isabella, stand Hugo X. an der Spitze einer mächtigen Adelsrevolte gegen Alfons, den neuen Grafen von Poitiers. Das von König Ludwig IX. dem Heiligen geführte Heer zwang den Empörern jedoch den Vertrag von Ponss (1242) auf, der einen Schlußpunkt unter die Auseinandersetzungen zwischen den LUSIGNAN und den Grafen von Poitou setzte.
Seit der 2. Hälfte des 11. Jh. waren die LUSIGNAN eng mit den Kreuzzügen verbunden. Hugo IX. nahm am 3. Kreuzzug teil (1190), Hugo X. starb 1248 bei Damietta.
Wilhelm von Valence, Sohn von Hugo X., war Ahnherr der Grafen von Pembroke. 1177 verkaufte Graf Audebert IV. von der Marche seine Grafschaft an König Heinrich II. von England, trotz aller Ansprüche der LUSIGNAN aufgrund ihrer Abstammung von Aumode (Almodis). Nach dem Tode von Richard Löwenherz (1199) erzwang Hugo IX. durch Gefangennahme der Königin-Mutter Eleonore die Herausgabe der Marche; König Johann akzeptierte Hugos Lehnseid 1200, nahm aber 1202 die Grafschaft ein, um sie jedoch 1214 wieder an Hugo IX. zurückzugeben; 1262 fügte Hugo XII. der March die Vizegrafschaft Aubusson hinzu. Durch Heirat mit Isabella wurde Hugo X. 1220 Graf von Angouleme; er teilte Cognac zugunsten des Sohnes Gui von der Grafschaft ab (1248). Nach seiner Niederlage von 1242 verlor Hugo X. ein Drittel seiner poitevinischen Güter.


Thiele, Andreas: Tafel 176
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

HUGO X. "DER BRAUNE"
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    1249

Hugo X. der Braune de Lusignan war gleichen Stammes wie das Königshaus JERUSALEM-ZYPERN, folgte 1219 dem Vater als Graf de la Marche, Seigneur de Chateau-Larcher, Sire de Lusignan, de Montreuil-Bonin und de la Mothe-St-Heray und wurde 1220 auch Graf d'Angouleme. Er gründete die Abtei Valence, war wie die Vorfahren auch ein eifriger Kreuzfahrer und starb im Heiligen Land.

 1220
  oo ISABELLA D'ANGOULEME UND DE LA MARCHE
            

Tochter und Erbin des Grafen Aymar III. Taillefer und der Alex de Courtenay, Cousine König Philipps II. August von Frankreich; Witwe König Johanns von England
Insgesamt 12 Kinder


Runciman, Steven: Seite 1034
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Am 12. August 1248 verließ König Ludwig Paris und am 25. August schiffte er sich von Aigues-Mortes nach Zypern ein In seiner Begleitung befanden sich die Königin und zwei seiner Brüder. Ihm folgten seine Vettern, Herzog Hugo von Burgund und Graf Peter von Bretagne, der Graf von La Marche, Hugo X. von Lusignan, der Stiefvater König Heinrichs III., der als junger Mann am Fünften Kreuzzug teilgenommen hatte.

Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Seite 162,172,179
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"Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498."

Im Sommer 1200 hatte Johann Isabella von Angouleme geheiratet und damit einen heftigen Streit ausgelöst, denn die Erbin der Grafschaft war Hugo von Lusignan versprochen, Repräsentant der vornehmsten Familie des Poitous und Vasall Johanns. Die LUSIGNAN klagten wegen Entführung der Braut und schöpften den Rechtsgang aus, indems ie sich an den von Johann soeben anerkannten Oberlehnsherrn wandten.
Es gelang Ludwig VIII., den mächtigsten Herrn dieser Region, Hugo von Lusignan, der mit der Witwe Johanns ohne Land verheiratet war, auf seine Seite zu ziehen und von ihm das Homagium für die Grafschaften La Marche und Angouleme zu erhalten. Gottfried von Lusignan, Vizegraf von Chatellaerault, schloß sich an und gewährte dem König, eine Garnision auf seiner strategisch wichtigen Burg Vouvant zu halten.
Ein unter der Führung Hugos von Lusignan ausgesandtes Heer erzeilte jedoch nur geringe Erfolge, scheiterte vor allem am Widerstand von Bordeaux, und Ludwig zog sich nach Paris zurück.
Amgesichts solcher Voraussetzungen kann es nicht verwundern, daß sich schon bald nach der Krönung Ludwigs IX. eine Koalition jener Fürsten zusammenfand, die von einer starken Monarchie auf die Dauer eine Einbuße ihrer herausragenden Stellung zu erwarten hatten. Dazu gehörten der ehrgeizige, aber wenig geschätzte Graf Theobald IV. von der Champagne, dem Blanche am Krönungstag den Zugang nach Reims verweigert hatte, Hugo von Lusignan, Graf von der Marche, den seine Gattin Isabella, als Witwe Johanns Ohneland ehemalige Königin von England und Mutter Heinrichs III., zur Opposition trieb, und Pierre Mauclerc, der als Graf von der Bretagne nach dem Tod seiner Gemahlin nur noch Statthalter für seinen unmündigen Sohn war und eine eigene Herrschaft suchte - alle drei hatten schon Ludwig VIII. vor seinem Tod verlassen und zählten auf die Unterstützung des englischen Königs, der Hugo von Lusignan die Insel Oleron und die Saintionge, Pierre Mauclerc die Restitutiond er Grafschaft Richmond und eine Eheschließung mit der Grafentochter in Aussicht stellte.

Le Goff Jacques: Seite 64,81,128-130,132-133
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"Ludwig der Heilige"

Hinzu kam, daß einige mächtige Barone, Vasallen des Königs, jüngst bei den Albigenserkreuzzug wenig Begeisterung gezeigt hatten, ihrem Herrn zu dienen. Die Grafen Theobald von der Champagne, Peter Mauclerc von der Bretagne und Hugo von Lusignan, Graf der Marche, hatten ihre Lehnskontingente Ende Juli, gleich nach Erfüllung der pflichtgemäßen vierzig Tage Heerfolge, von den königlichen Truppen abgezogen, ohne auch nur das Ende der Belagerung Avignons abzuwarten.
Der nächste Schritt der neuen Regierung galt den unruhigsten der großen Lehnsherren, dem Grafen der Bretagne und Hugo von Lusignan, dem Grafen der Marche, auch Hugo der Braune genannt, die, beide auf ihren eigenen Vorteil bedacht und allzeit zu einem Wechselspiel zwischen den Königen von Frankreich und England bereit, das königliche Heeresaufgebot im Sommer 1226 noch während der Belagerung Avignons verlassen hatten. Bei den gleichen Verhandlungen im Frühjahr 1227 in Vendome verpflichtet sich Hugo von Lusignan, eine seiner Töchter mit Alfons zu vermählen, dem künftigen Alfons von Poitiers und dritten Bruder Ludwigs IX., geboren 1220, während er einen seiner Söhne der 1225 geborenen Schwester des Königs, Isabella, angelobt. Im gleichen Zuge gibt Hugo Ludwig IX. bestimmte Güter zurück, die dessen Vater, Ludwig VIII., ihm gegeneine auf zehn Jahre befristete Rente von 10.000 livres tournois überlassen hatte, verbürgt mit Saint-Jean-d'Angely und einem Teil des Aunis.
Der Bruch wurde durch einen der traditionellen Hauptdarsteller des politischen Theaters in W-Frankreich ausgelöst, Hugo X. von Lusignan, Hugo der Braune genannt, Graf der Marche, der sich seit 1238 mit Alfons von Poitiers konfrontiert sah. Als es Blanka von Kastilien und ihren Ratgebern 1227 gelungen war, den Grafen der Marche zu neutraliseren, hatten sie ein Abkommen getroffen, das die Vermählung einer Tochter Hugos X. mit einem der Brüder Ludwigs IX., nämlich Alfons, vorsah. Doch 1229 wurde Alfons im Rahmen des Vertrags von Meaux-Paris mit Johanna, der Tochter des Grafen von Toulouse, verlobt. Zur Entschädigung sollte die Schwester des Königs, Isabella - darauf einigte man sich 1230 bei der Erneuerung des Abkommens zwischen Ludwig IX. und dem Grafen der Marche - Hugo, den ältesten Sohn und Erben Hugos X., heiraten. Aber der junge Hugo von Lusignan nahm 1238 eine andere zur Frau, Yolande, die Tochter des Grafen Peter Mauclerc.
Die Marche lag nun eingeengt zwischen den Gebieten des neuen Grafen und vor allem mußte Hugo X., bislang Vasall des Königs von Frankreich, einen sehr ehrenwerten Lehnsherrn, seinen Eid auf einen geringeren Herrn, Alfons von Poitiers, übertragen. Immerhin tur er nach den Festlichkeiten von Saumur seine Pflicht, indem er Alfons huldigt. Doch sowenig Hugo diese Situation behagt, so sehr mißfällt sie seiner Gemahlin Isabella von Angouleme, der Witwe von Johann Ohneland, die doch ihren Rang als Königin gewahrt wissen möchte. Und so kommt es dann zum Bruch: Ludwig IX. hatte 1230 anläßlich des Heiratsversprechens, das seine Schwester Isabella mit dem jungen Hugo von Lusignan verbinden sollte, das Aunis und Saint-Jean-d'Angely erneut als Pfand an Hugo X. gegeben. Der König verlangt unter Berufung auf die nicht stattgefundene Heirat die Rückgabe der Pfänder an Alfons von Poitiers.
Zum Äußersten entschlossen, läßt Hugo X. - ein symbolischer Akt - das Haus abreißen, das er in Poitiers besitzt, um daselbst seinem Lehnsherrn Treue und Gefolgschaft zu schwören, und während der feierlichen Versammlung des Vasallen des Grafen von Poitou an Weihnachten 1241 kündigt er öffentlich seinen Lehnseid auf. Ludwig IX., der sich vergeblich bemüht hat, den Grafen von Marche zur Umkehr zu bewegen, unterbreitet seinen Fall dem Pairsgericht von Frankreich, das die Konfiskation der Lehen des Rebellen anordnet.
Unterdessen hat Hugo, ohne länger abzuwarten, bereits ein Bündnis gegen den König von Frankreich angeregt, dem die Mehrheit der poitevinischen Barone, der Seneschall von Guyenne, die Städte Bordeaux, Bayonne, La Reole und Saint-Emilion, Graf Raimund VII. von Toulouse und die meisten Barone des Languedoc beigetreten sind. Nach der Lehnsenthebung des Grafen Hugo von der Marche beschloß der König von England, der Koalition beizutreten, um seine Rechte in Frankreich geltend zu machen.
Am 26. Juli 1242 ergibt sich Hugo von Lusignan.
Die Unterwerfung Hugos X. gerät zu einem spektakulären Akt. Zu Kreuze kriechend kommt er mit seiner Gemahlin und seinen drei Söhnen - die beiden jüngsten sind gerade von Heinrich III. in den Ritterstand erhoben worden - fällt weinend und seufzend vor dem König von Frankreich auf die Knie und fleht mit lauter Stimme um Vergebung. Ludwig heißt ihn aufstehen und verzeiht ihm unter der Bedingung, daß er Alfons alle Burgen zurückgibt, die er ihm genommen hat, und ihm selbst drei Burgen als Pfand überläßt. Das Ansehen Hugos X. ist dahin, zumal sich eine weitere entwürdigende Szene abspielt, als ihm ein jüngere, ob seiner Tüchtigkeit hochgerühmter Ritter den Handschuh vor die Füße wirft, um ihn zum Zweikampf zu fordern, die Gefolgseute Hugos des Braunen aber in der Befürchtung, ihr Herr möchte bei diesem Kampf sein Leben lassen, den König von Frankreich um Vermittlung bitten. Ludwig erbarmt sich des Rebellen abermals, indem er den Herausforderer bewegt, auf den Zweikampf zu verzichten.
 
 
 
 

 1220
  oo 2. Isabella d'Angouleme und de la Marche, Erb-Tochter des Grafen Aymar III. Taillefer
           11866.1246                                          und der Alix de Courtenay

Isabella war schon früh mit Hugo verlobt worden, wurde dann jedoch von König Johann Ohneland (24.12.1167-19.10.1216) gezwungen, zuerst diesen am 24.8.1200 zu heiraten.
 
 
 
 

Kinder:

  Hugo XI. Graf von Angouleme
  um 12211250

  Ademar (Aymar) Bischof von Winchester (1249-1260)
        1260

  Wilhelm III. de Lusignan
         1296 gefallen

  Geoffrey Seigneur de Jarnac
         
 
 
 

Literatur:          Grafschaft La Marche
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Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 162,172,179 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 64,81,86,112,128-130,132-133, 387,642 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978 Seite 1034 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 176 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug, R.G. Fischer Verlag 1996 Tafel 230 -