Dorino I. Gattilusio                        Herr der Insel Lesbos (1428-1455)
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um 1395-30.6.1455
 

Jüngerer Sohn des Herrn Francesco II. Gattilusio von Lesbos und einer namentlich unbekannten Tochter von Kaiser Johannes V. von Byzanz
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1139
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Die Gattilusio von Lesbos
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Nach Jacopos erbenlosem Tod fiel Lesbos an den jüngeren Bruder Dorino I. (+ 30. Juni 1455), Herr von Phokaia. Er ließ sich vom Kaiser die Inseln Lemnos und Thasos übertragen, wurde aber von den Osmanen zur Tributleistung gezwungen. Ihm folgte in Lemnos sein Sohn Domenico nach.



Babinger Franz: Seite 45,139
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"Mehmed der Eroberer. Weltenstürmer einer Zeitenwende."

Am 13. März 1446 weilte Ciriaco Pizzicolli auf der Insel Lesbos als Gast des Herzogs Dorino I. Gattilusi und berichtet von hier seinem chiotischen Freund, daß ein dort befürchteter Angriff der Osmanen auf die Insel nicht zu erwarten sei.
Inzwischen hatte sich aber die Lage auf Mytilini dramatisch zugespitzt und verlangte die Aufmerksamkeit der Pforte. Eben, als die osmanische Flotte unter Hamsa in See ging, starb am 30. Juni 1455 Dorino I. Gattilusio, Herr von Mytilini (Lesbos), Alt-Fotscha nördlich Smyrna mit seinen ergiebigen Alaungruben, Thasos und Lemnos. Er überließ diese fragwürdig gewordenen Besitzungen seinem ältesten überlebenden Sohn Domenico als bedenkliche Erbschaft. Als sein Statthalter führte sein jüngerer Bruder Niccolo auf Mytilini die Staatsgeschäfte.

Runciman Steven: Seite 55,176,178-179
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"Die Eroberung von Konstantinopel 1453"

Konstantin Gemahlin Katharina, Tochter des Fürsten von Lesbos, Dorino Gattulusi, stammte aus einer genuesischen Dynastie, deren Begründer Francesco die Schwester Kaiser Johannes V. geheiratet hatte und die völlig griechsich geworden war.
Auf sie folgten die Gesandtschaften von den beiden Brüdern des verstorbenen Kaisers, den Despoten Demetrios und Thomas von Morea; von Kaiser Johannes Komnenos von Trapezunt; von Imaret Dadian, dem König von Mingrelien; von Dorino Gattilusio, dem Herrn von Lesbos und Thasos, und seinem Bruder Palamedes, Herrn von Enos. Der Sultan forderte ledilglich von einem jeden der Fürsten Anerkennung seiner Oberlehnsherrlichkeit und einen erhöhten Tribut. Die Brüder GATTILUSI hatten besonderes Glück. Der Sultan hatte kurz nach dem Fall von Konstantinopel Truppen gegen Enos, die Stadt des Palamedes, auf dem thrazischen Festland, ausgesandt, und Palamedes  hatte schleunigst seine Unterwerfung kundgetan. Etwa um die gleiche Zeit hatte die türkische Flotte die byzantinischen Inseln Imbros und Lemnis besetzt. Die byzantinischen Beamten waren mit Ausnahme eines Richters auf Imbros, des Geschichtsschreibers Kritobulos, sämtlich geflohen. Kritobulos freundete sich mit dem türkischen Admitral Hamza Bey an, und das Ergebnis seiner durchtriebenen Machenschaften war, daß der Herr von Lesbos vom Sultan für einen jährlichen Tribut von 2.325 Dukaten die Insel Lemnos und der Herr von Enos für einen Jahrestribut von 1.200 Dukaten die Insel Imbros erhielt.
Mittlerweile verschwanden die letzten Überreste griechischer Unabhängigkeit. Als erstes gingen die den halbgriechischen Fürsten GATTILUSI anvertrauten Länder verloren. Dorino und Palamedes starben beide 1455. Der Sohn und Erbe des ersteren war ein Schwächling, der des letzteren ein Bösewicht. Sie lieferten dem Sultan ausreichen Vorwände, unter denen er ihre Länder an sich reißen konnte. Mit dem Jahr 1459 befanden sich Imbros, Tenedos, Lemnos und die Stadt Enos in türkischen Händen, wenngleich Imbros in der Person des Kribulos einen christlichen Statthalter erhielt. Lesbos hielt sich mit Mühe und Not bis 1462, dann wurde Niccolo Gattlusi, Dorinos jüngerer Sohn, der bereits seinen Bruder erdrosselt hatte, zur Übergabe seiner Länder gezwungen und selbst erdrosselt.
 
 
 

  oo N.N.
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Kinder:

  Domenico Herr von Lesbos
           -   1458

  Niccolo II. Herr von Lesbos
         -   1462

  Katharina
  um 1420- 8.1442

  oo Konstantin XII. Dragases Kaiser von Byzanz
       8.2.1404-29.5.1453
 
 
 
 

Literatur:
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Babinger Franz: Mehmed der Eroberer. Weltenstürmer einer Zeitenwende. R. Piper GmbH&Co. KG, München 1987 Seite 45,139,189 - Runciman Steven: Die Eroberung von Konstantinopel 1453 C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München 1966 Seite 55,65,176,178-179 -