Reinhold Garnier                         Herr von Sidon und Beaufort
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    - nach 1197
 

Sohn des Herrn Gerhard Garnier von Sidon und der Agnes von Bures, Tochter von
 

Mayer, Hans Eberhard: Seite 117,118
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Raimund III. von Tripolis wurde das Haupt einer Partei, die man vergröbernd die der alten Familien nennen kann. Hierzu gehörten der Konstabler Humfried II. von Toron, die IBELINS und der gebildete, Arabisch sprechende Rainald von Sidon, vor allem aber Wilhelm von Tyrus, den Raimund 1174 zum Kanzler des Königreichs, 1175 zum Erzbischof von Tyrus machte.
Ein Chronist sagte von Agnes von Courtenay: "Sie war geldgierig und liebte die Macht allzusehr." Bis 1169 war sie in dritter Ehe mit Hugo von Ibelin verheiratet und dadurch in die andere Partei eingebunden. Nach seinem Tode heiratete sie vor 1171 Rainald von Sidon, was die alten Familien so schocktierte, daß Rainalds eigner Vater, anscheinend erfolglos, die Annullierung der Ehe betrieb. Rainald verließ nach 1183 seine bisherigen Freunde und verhielt sich bestenfalls neutral.

Runciman, Steven: Seite 707-708,721,739,746,758,768,770,795,867
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Agnes zweiter Gatte Hugo von Ibelin war bereits nach einigen Jahren gestorben; sein Nachfolger Reinhold von Sidon entdeckte zu seiner Freude, daß er, gleich Amalrich, ein zu naher Blutsverwandter seiner Gattin war, und verschaffte sich die Annullierung der Ehe. Während Agnes sich auf die Seite ihres Bruders und der Tempelritter schlug, schloß er sich der anderen Partei an.
1179
Unterwegs stießen sie auf Reinhold von Sidon mit seinem Aufgebot. Sie erklärten ihm, er komme zu spät; also kehrte er um, obwohl er, wenn er bis zum Litani vorgedrungen wäre, wahrscheinlich noch viele der Fliehenden hätte retten können.
1183
Am 17. September 1183 zog Saladin mit einem großen Heer von Damaskus aus, um in Palästina einzufallen. Raimund von Tripolis, der Großmeister der Hospitaliter, Rainald von Chatillon, die Brüder IBELIN, Reinhold von Sidon und Walter von Cäsarea schlossen sich Guido an.
1186
Alle Anhänger Raimunds von Tripolis eilten herbei. Balian und seine Gattin, Königin Maria, sowie ihre Tochter Isabella und Humfried von Toron waren zur Stelle, desgleichen Balduin von Ramleh, Walter von Cäsarea, Reinhold von Sidon und sämtliche Kronlehnsleute mit Ausnahme Rainalds von Chatillon. Hier in Nablus erhielte sie eine Aufforderung von Sibylle, sich zu ihrer Krönung einzufinden.
1187
Raimund von Tripolis stürzte sich mit dem vollen Gewicht aller seiner Leute auf die von Taki ed-Din befehligten Regimenter herab. Aber Taki öffnete seine Reihen, um sie hindurchzulassen, und schloß sie sogleich wieder hinter ihnen. Ein wenig später brachen Balian von Ibelin und Reinhold von Sidon durch. Sie waren die letzten, die der Schlacht von Hattin entrannen.
Beaufort, wo Reinhold von Sidon Zuflucht genommen hatte, wurde durch sein diplomatisches Geschick gerettet. Reinhold war ein gebildeter und gelehrter Mann mit einem leidenschaftlichen Interese für arabische Literatur. Er kam in Saladins Zelt und erklärte sich bereit, seine Burg zu übergeben und sich nach Damaskus zurückzuziehen, wenn man ihm drei Monate zur Regelung seiner Angelegenheiten gewähre. Er deutete sogar an, daß er vielleicht zum Islam übertreten werde. Er führte eine so bestrickende Unterhaltung, daß Saladin von seiner ehrlichen Absicht überzeugt war; er entdeckte zu spät, daß der Waffenstillstand, den er gewährt hatte, dazu verwendet worden war, die Befestigungen der Burg zu verstärken.
Hätte Saladin sofort nach der Einnahme von Akkon mit aller Macht einen Angriff auf Tyros unternommen, so hätte selbst dieser Wall ihn nicht aufhalten können. Aber er zögerte um ein geringes zu lang. Reinhold von Sidon, der zu diesem Zeitpunkt die Stadt befehligte, verhandelte bereits über die Übergabe, und Saladin hatte schon zwei seiner Banner in die Stadt geschickt, als am 14. Juli 1187, zehn Tage nach der Schlacht von Hattin, ein Schiff in den Hafen einlief. Auf ihm befand sich Konrad, der Sohn des alten Marquis von Montferrat und Bruder des ersten Gatten der Königin Sibylle.
1189
Als ihn die Nachricht von Guidos Kriegszug erreichte, befand sich Saladin in den Bergen jenseits von Sidon, wo er die Burg Beaufort belagerte. Diese Burg, die auf einem Felsvorsprung hoch oberhalb des Flusses Litani lag, gehörte Reinhold von Sidon, sie hatte sich bisher infolge der Schlauheit ihres Herrn halten können. Reinhold hatte sich an Saladins Hof begeben und den Sultan und seine Umgebung mit seiner enntnis und Hochschätzung der arabischen Literatur und seinem Interesse am Islam bestrickt. Er hatte angedeutet, daß er, wenn man ihm ein wenig Zeit lasse, zum Islam übertreten und sich in Damaskus niederlassen werde. Aber Monat und Monat verstrich, und es geschah nichts, außer daß die Befestigungswerke von Beaufort weiter verstärkt wurden. Schließlich erklärte Saladin Anfang August, die Zeit sei jetzt gekommen, daß Beaufort sich als Faustpfand für Reinholds Absichten ergeben müsse. Reinhold wurde mit einer Begleitmannschaft vor das Burgtor geführt, wo er den Befehlshaber der Besatzung auf arabisch anwies, die Burg zu übergeben, und auf französisch, weiter Widerstand zu leisten. Die Araber durchschauten die List,a ber sie waren nicht stark genug, die Burg im Sturm zu nehmen. Während Saladin seine Streitkräfte heranführte, um sie einzuschließen, wurde Reinhold in Damaskus in den Kerker geworfen.
1197
Seine Herrin, Stephanie von Milly, war die Nichte Reinholds von Sidon und besaß die gleiche Gabe wie er, mit den Muselmanen umzugehen.
 
 
 
 

     1171
  1. oo 4. Agnes von Courtenay
               1133- vor 1.2.1185

  2. oo Helois von Ibelin, Tochter des Kastellans Balian der Alte
            um 1180- um 1216
 
 
 
 

Kinder:
2. Ehe

  Balian I.
        - nach 1240
 
 
 
 
 
 

Literatur:
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Lehmann Johannes: Die Kreuzfahrer. Abenteurer Gottes. Gondrom Verlag Bindlach 1991 Seite 259 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 117,118 - Payne Robert: Die Kreuuzüge. Zweihundert Jahre Kampf um das Heilige Grab. Albatros Verlag Düsseldorf 2001 Seite 222 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 623,707-708,721,739,746,758,768,770,795,832,836,867,1086 -