Herve IV. von Donzy                           Graf von Nevers
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um 1170/75-21.1.1222
 

Begraben: Abtei Pontigny
 

Sohn des Herrn Herve III. von Donzy und der Erbtochter von Le Perche-Gouet
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 2185
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Herve IV. von Donzy, Herr von St-Aignan, Graf von Nevers
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* wohl 1170/75, + 21. Januar 1222
                            St-Aignan (Berry)

Bedeutender französischer Adliger der Zeit Philipps II. August

Begraben: Abtei Pontigny

Herve IV. entstammte der Familie der Herren von Donzy, die aufgrund ihrer weitverstreuten Besitzungen vielfältige Lehensbeziehungen mit oft widersprüchlichen Loyalitätsverpflichtungen unterhielt. – Herve IV. geriet um den Besitz der Herrschaft Gien in Konflikt mit dem Grafen von Nevers, Peter II. von Courtenay (dem späteren Kaiser von Konstantinopel), den er 1199 besiegte und gefangennahm. König Philipp II. August schaltete sich in diesen Streit ein in dem Bestreben, die zum Teil noch an das konkurrierende königliche Haus PLANTAGENET gebundenen Donzy auf die kapetingische Seite zu ziehen. Der König vermittelte die Freilassung Peters, nötigte ihn aber zugleich, Herve IV.seine Erbtochter Mahaut zur Frau zu geben; dieser leistete dem französischen König den ligischen Lehsneid und willigte in die Abtretung Giens an die Krone ein.
Nunmehr konnte Philipp II. Herve IV. für seinen vom Papst unterstützten Krieg gegen König Johann von England einsetzen: Einnahme von Chateau-Gillard, Eroberung der Normandie (1203-1204). Auch an den folgenden französischen Feldzügen in Touraine und Poitou nahm Herve IV. von Donzy aktiv teil. Obwohl von Papst Innocenz III. als Ketzer- und Judenfreund gerügt, zog Herve IV. in den Kreuzzug gegen die Albigenser (Kreuznahme: 1. Mai 1209), lehnte aber ein Amt in der Verwaltung der neueroberten südfranzösischen Gebiete ab.
Die folgenden Jahre waren unter anderem geprägt durch Konflikte Herves IV. mit Abteien seiner Region (Cluny, Vezalay), gegen die er zum Teil gemeinsam mit seinem Bruder Gottfried, dem Prior von La Charite, gewaltsam vorging. Von kirchlicher Seite wurde Herve IV. vorgeworfen, in kanonisch unrechtmäßiger Ehe mit Mahaut zu leben. Diese Streitigkeiten führten zu Interventionen des Königs und des Papstes.
In der politischen Kriese von 1214 fiel Herve IV. zu König Johann von England ab. Nach dem Sieg bei Bouvines zog Philipp II. mehrere Besitzungen Herves IV., die an die angevinischen Gebiete grenzten, ein und war zugleich bemüht, dessen reiches Erbe dem kapetingischen Königshaus zu sichern. Daher mußteHerve IV.sich bereitfinden, seine Erbtochter Agnes mit Philipp, dem Enkel des Königs, zu vermählen (8. September 1217). Als dieser Plan wegen des frühen Todes des Prinzen (1218) scheiterte, nahm der König dem Herve IV. von Donzydas ausdrückliche Versprechen ab, seine Tochter nur mit königlicher Zustimmung wiederzuverheiraten.
1218 nahm Herve IV. von Donzyerneut das Kreuz, kämpfte vor Damiette, verließ aber auf die Nachricht vom Tode seines Schwiegervaters, Kaiser Peters von Konstantinopel, im August 1219 abrupt das Kreuzfahrerheer, um dessen französische Territorien in Besitz zu nehmen, was zum Teil nur unter Schwierigkeiten gelang (Widerstand des Bischofs von Auxerre). Herve IV. fiel 1222 Gerüchten zufolge einem Giftmord zum Opfer. Seine Gemahlin Mahaut (+ 1257) heiratete in 2. Ehe 1226 den Grafen Gui von Forez, die Tochter Agnes (wohl 1221) Gui von Chatillon, Graf von St-Pol; die Ehe blieb kinderlos.



Runciman, Steven: Seite 931
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"Geschichte der Kreuzzüge"

1218
Etwa um die gleiche Zeit verhandelten zwei französische Edelleute, Graf Herve von Nevers und Hugo von Lusignan, Graf von La Marche, mit den Genuesen wegen Schiffen, die eine Gruppe französischer und englischer Kreuzfahrer nasch dem Osten bringen sollte. Obwohl der Graf von Nevers ein sattsam bekannter schlechter Sohn der Kirche war, gestattete der Papst, die Beförderung mittels einer Sondersteuer zu finanzieren, die den Geistlichen Frankreichs auferlegt wurde und ein Zwanzigstel ihrer Einkünfte ausmachte. Den beiden Grafen schlossen sich in Genua der Erzbischof Wilhelm II. von Bordeaux, die Bischöfe von Paris, Laon und Angers und andere geringere Kirchenfürsten an.

Pernoud Regine: Seite 89
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"Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frakreich."

Nachdem Ludwig alle Vorbereitungen getroffen hatte, bestimmte er, daß die Schiffe am Freitag, dem 20. Mai 1216, um neun Uhr abends auslaufen sollten. Aber in der Nacht wurde das Wetter wieder schlecht. Einige mußten umkehren, unter ihnen Enguerrand von Coucy und Herve de Donzy, Graf von Nevers, der übrigens während des ganzen Feldzuges eine recht zwielichtige Rolle spielen würde - er war eine Zeitlang Johann Ohnelands Bundesgenosse gewesen, und es hieß, daß seine Tochter Agnes mit dem Sohn des Königs vermählt werden sollte.
 
 
 
 

1199
  oo 1. Mahaut von Courtenay, Tochter des Kaisers Peter
          1190-   1257

        1226
     2. oo Guido IV. d‘Albon Graf von Forez
                      -   1241
 
 
 
 

Kinder:

  Agnes
  um 1205-   1225

 1221
  oo Gui von Chatillon, Graf von St-Pol
       um 1200-   1226
 
 
 
 
 
 

Literatur:
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Pernoud Regine: Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frakreich. Diederichs Verlag München 1991 Seite 89 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978 Seite 931 -