Theobald IV. der Große                           Graf von Champagne-Brie (1201-1253)
------------------------------                          König von Navarra (1234-1253)
Juni 1201-14.7.1253
Troyes    Pamplona

Begraben: Pamplona, Kathedrale, königliche Grablege
 

Nachgeborener Sohn des Grafen Theobald III. von Champagne-Brieund der Blanka von Navarra, Tochter von König Sancho IV. dem Weisen
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 520
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Tedbald IV. der Große, Graf von Champagne und Brie
---------------------------- König von Navarra (Teobaldo I.)
* 3. Mai 1201, + 8. Juli 1253
Pamplona

Begraben: Pamplona, Kathedrale, königliche Grablege

Geboren 1 Woche nach dem Tode des Vaters, Graf Tedbalds III. von Champagne

I. ALS GRAF VON CHAMPAGNE

1. oo Mitte Mai 1220 Gertrud von Dagsburg, Witwe von Thiebaut I., Herzog von Lothringen, Tochter Graf Alberts II., geschieden 1222

2. oo 1222 Agnes von Beaujeu, Tochter Guichards IV. des Großen, Sire de Beaujeu

3. oo 22.9.1232 Margareta von Bourbon, Regentin von Champagne und Navarra, Tochter Archambaults VIII. von Bourbon

Kinder:
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Blanca
Tedbald V.
Peter
Eleonore
Beatrix
Margareta
Heinrich

Außerehelich:
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Margareta
Wilhelm
Elide
Berenguela

Bis 1222 führte seine Mutter, Blanca von Navarra, die Regierung (Abwehr der Ansprüche von Philippine, der jüngeren Tochter Heinrichs II., gelang nur mit Hilfe König Philipps II. Augustus). Tedbald IV. trat 1225/26 in Gegensatz zu König Ludwig VIII. und geriet in Verdacht, ihn vergiftet zu haben. Die Aussöhnung mit der französischen Regentin Blanca von Kastilien (1227) führte zum Konflikt mit einer von Peter I. (Pierre Mauclerc), Herzog der Bretagne, geführten Koalition, die 1230 eine erfolglose Invasion in Tedbalds IV. Grafschaft unternahm. Durch seine Heiratspolitk und eine Annäherung an Pierre Mauclerc verlor Tedbald IV. der Große die Gunst König Ludwigs IX. Um seiner Tante Alix, Tochter Heinrichs II. und Königin von Zypern, ihre Erbansprüche abkaufen zu können, veräußerte er die Grafschaften Blois, Chartres, Sancerre und die Vizegrafschaft Chateaudun an den König (1234/35). Seite 1234 König von Navarra, führte Tedbald IV. der Große 1239-1240 einen wenig erfolgreichen Kreuzzug ins Heilige Land. Seie schwankende Bündnispolitik wurde vor allem von den Ritterorden stark kritisiert. 1240 kehrte er nach Frankreich zurück und widmete sich dem administrativen Ausbau seiner Grafschaft.

II. ALS KÖNIG VON NAVARRA

Da Tedbalds Onkel Sancho VII., König von Navarra, keine legitimen Leibeserben hatte, eröffnete sich für Tedbald die Aussicht auf das navarresische Erbe; er reiste nach Tudela (wohl 1224) und erreichte hier eine Einigung mit Sancho VII. (unter Abwehr konkurrierender Ansprüche Kastiliens und Aragons). Nach Sanchos Tod (1234) sicherte die Krönung durch den Bischof von Pamplona die unangefochtene Anerkennung Tedbalds, der somit die kurze dynastische Herrschaft des Hauses BLOIS-CHAMPAGNE (bis 1274) auf den navarresischen Thron begründete und sich selbst mehrfach in Navarra, das ihm Titel und Würde eines Königs verschaffte, aufhielt. In seiner Eigenschaft als König hatte Tedbald I. der Große auch 1239-1240 sden Oberbefehl des von ihm initiierten "Kreuzzugs der Barone" inne.
Tedbald I. der Große führte in Navarra Institutionen französisch-champagnischer Prägung ein: Kanzlei, Finanzverwaltung, besonders aber das Amt des Seneschalls (Senechel-Gouverneur), zunächst mit dem champagnischen Adeligen Pons de Duxme (1234-1236) besetzt, dann aber durch eine kluge Entscheidung Tedbalds I. dem navarresischen Großen Sancho Fernandez de Monteagudo (1243-1253) übertragen. Umsichtig bemühte sich der König um Verständigung mit den mächtigen Nachbarn (Kastilien und Aragon, Bearn und Aquitanien); im Innern verfolgte dieser französische Fürst eine den Traditionen der Iberischen Halbinsel verpflichtete Politik: Erlaß bzw. Bestätigung von Fueros, Zusammenwirken mit dem Adel, der ihm - in Navarra ein Novum - den Lehnseid leistete, mit dem er aber auch Bündnisse und Dienstverträge südeuropäischen Typs ('convenienzas') auf der Basis einer gewissen Gleichrangigkeit schloß. Tedbald I.der Große trug die Schulden seines Vorgängers ab und setzte dessen Politik des Gebietserwerbs im Umkreis von Tudela fort, förderte kirchliche Institutionen (Hospiz von Roncesvalles; Benediktinerabteien), befreite dörfliche Gemeinschaften und bot jüdischen und muslimischen Minderheiten Schutz.



Thiele, Andreas: Tafel 118
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

THEOBALD IV. (I.) DER GROSSE auch DER LIEDERMACHER)
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* postum 1201, + 1253

Theobald IV. der Große folgte seinem Vater als Graf von Champagne-Brie unter Vormundschaft seiner Mutter Blanka von Navarra. Er gewann die Hälfte von Bar-sur-Seine, nahm an den Albigenserkriegen gegen Toulouse teil, unterstützte meist die französische Regentin Blanka von Kastilien gegen rebellische Kronvasallen und soll deren Mann, Ludwig VIII., durch Gift beseitigt haben. Theobald verkaufte Sancerre und Chateaudum 1234 an die französische Krone, geriet in schroffen Gegensatz zum Grafen von Burgund, machte mit diesem und dem Herzog von Bretagne 1239/41 eine Sühnefahrt ins Heilige Land und rebellierte mit ihnen 1241/42 nochmals, unterstützt von England, gegen die Krone. Er mußte sich unterwerfen, womit die jahrhundertelange Bedrohung der Krone durch BLOIS-CHAMPAGNE aufhörte. Zeitweise machte der Onkel Sancho VII. der Starke Anstalten, ihn zugunsten von Aragon zu enterben. Er wurde letztlich doch anerkannt, wurde 1234 König von Navarra und wurde durch diese Erbschaft mehr und mehr von der Champagne abgelenkt, die damit machtpolitisch ihre Stellung verlor. Um in Navarra gegen Kastilien-Leon wegen der baskischen Provinzen bestehen zu können, lehnte er sich daher an die französische Krone an. Theobald wehrte die Erbansprüche seiner Jerusalemer Cousinen ab und war einer der hervorragendsten französischen Lyriker des Hochmittelalters und förderte entschieden die provencalischen  Troubadoure und deren Dichtung.

 1220-1222
  oo Gertrud von Egisheim, Tochter des Grafen Albrecht II. von Dagsburg-Metz
               + 1224/25

Witwe des Herzogs Theobald I. von Lothringen

 1222
  oo Agnes de Beaujeu, Tochter des Guichard IV. von Beaujeu und Montpensier
               + 1231

 1232
  oo Margarete de Dampierre, Tochter des Archimbald VIII. de Bourbon
               + IV. 1256

1253 Regentin



Ehlers Joachim: Seite 152
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"Geschichte Frankreichs im Mittelalter"

Die Widersacher konnten freilich Argumente ins Feld führen, die sie aus der Geschichte seines Hauses bezogen und mit denen die Legitimität seiner Herrschaft in Frage gestellt werden sollte. Tedbalds Großvater, Graf Heinrich I., le Liberal, hatte aus seiner Ehe mit Marie, der Tochter Ludwigs VII., zwei Söhne, von denen der ältere, Heinrich II., 1192 König von Jerusalem wurde, so daß der jüngere, Tedbald III., die Grafschaft übernehmen konnte. Aus seiner Ehe mit Blanche von Navarra stammte Tedbald IV., dem Heinrichs II. Tochter Philippine bald ihren vermeintlich besseren Anspruch entgegenstellte, den sie als Erbin des älteren der beiden Brüder zu haben glaubte. Das Hofgericht hatte ihre Klage bereits abgewiesen, weil sie aber mit Graf Erard von Brienne einen der mächtigsten champagnischen Dynasten geheiratet hatte, fand sie gleichwohl Unterstützung für ihr Ansinnen, so daß sich bald zwei Koalitionen gegenüberstanden, die durch das Eingreifen der Herzöge von Lothringen und Burgund, der Grafen von Flandern und St-Pol, der Häuser DREUX und COUCY sowie Philipps, Ludwigs IX. Oheim, überregional friedensgefährdend wirkten und sich überdies anmaßten, vom König herbeigeführte Entscheidungen in ihrem Sinne zu verändern oder gar umzustoßen. Anfang des Jahres 1230 rückte deshalb ein königliches Heer in der Champagne ein, und im September kam nach Abschluß der militärischen Aktionen ein Ausgleich im Sinne der Rechtsauffassung des Hofgerichts zustande, dem allerdings erst vier Jahre später eine sichere Grundlage geschaffen werden konnte, als Tedbald IV. das Königreich Navarra erbte und die Grafschaften Blois, Chartres, Chateaudun und Sancerre an Ludwig IX. verkaufte; mit dem Erlös konnten die Erben Heinrichs II. abgefunden werden. Gleichzeitig bedeutete diese Transaktion die endgültighe Trennung der Champagne von der Ausgangsbasis des Hauses BLOIS.

Mohr Walter: Teil III Seite 50-52,55
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"Geschichte des Herzogtums Lothringen. Geschichte des Herzogtums Groß-Lothringen (900-1048)"

Nach Heinrichs Verfügung war die Grafschaft Champagne auf seinen Bruder Theobald III. übergegangen. Nach dessen Tode kam das Land unter Zustimmung des französischen Königs an seine Witwe Blanca und deren Sohn Theobald. Dieser Nachfolge entstand ein Gegenbewerber aus dem Hause BRIENNE. Ein Vetter König Johanns, Erhard von Brienne, glaubte jetzt, vielleicht ebenso wie sein Verwandter, sein Glück in Palästine machen zu könmnen, und er scheint dabei von Anfang an auf eine Ehe mit der Tochter Heinrichs II. von Champagne spekuliert zu haben. Trotz ausgedehnter Maßnahmen der Gräfin Blanca gegen die Durchführung dieser Absicht, trotz ausdrücklichen Verbots des Papstes gegen das Eheprojekt wegen zu naher Verwandtschaft, konnte Erhard sein Ziel erreichen. Er kehrte dann zu Beginnn des Jahres 1216 aus Palästina zurück und erhob im Namens einer Gemahlin Anspruch auf die Grafschaft Champagne. In rechtlicher Hinsicht blieb bei dem ganzen Vorgang eine Reihe von Fragen offen, so daß das Vorgehen Erhards nicht von vornherein abzuweisen war.
Die wichtigste Stütze für die Gräfin Blanca und ihren Sohn bildete der französische König als Oberlehnsherr der Champagne. Weitere Verbündete waren Herzog Odo von Burgund, Erzbischof Alberich von Reims und Bischof Wilhelm von Langres. Dagegen konnte sich die Gräfin nicht unbedingt auf die von der Grafschaft Champagne abhängigen Lehensträger verlassen. Indessen erklärten sich für sie und ihren Sohn auch Papst Innozenz III.
Für Herzog Theobald von Ober-Lothringen war es von großem Nachteil, daß sich der deutsche König für die Gräfin und ihren Sohn erklärte. Die Motive FRIEDRICHS II. sind nicht klar zu erkennen.
Die militärischen Auseinandersetzungen waren zunächst nur von kurzer Dauer. Es kam im April 1216 zu einem Waffenstillstand zwischen Erhard und der Gräfin Blanca, und die Vermittlung des französischen Königs wurde angerufen. Die ganze Angelegenheit kam vorerst vor sein Gericht.
Dem französischen König war es inzwischen nicht gelungen, die Streitigkeiten um die Champagne beizulegen, so daß der Krieg aufs neue begann. Indes trat nun Papst Honorius III. energisch gegen Erhard auf, über den er die Exkommunikation verhängte. Dieser begann darauf in der zweiten Hälfte des Jahres 1217 in seinem Widerstand nachzulassen, er schloß verschiedentlich Waffenstillstand mit der Gräfin Blanca.
Als FRIEDRICH II. im Mai 1218 im Elsaß erschien, zogen ihm die Streitkräfte der Gräfin Blanca von der Champagne, des Grafen Heinrich von Bar und des Herzogs von Burgund zu. Vereinigt plünderten sie Nancy und belagerten anschließend die Burg Amance, die Herzog Theobald allein noch als Zufluchtsort übrig geblieben war.
Der Ausgang gab der Gräfin von der Champagne ein entscheidendes Übergewicht gegenüber Erhard von Brienne. Die Angelegenheit zog sich zwar noch etwas in die Länge, doch hat Erhard am 2. November 1221 endgültig auf seine Ansprüche verzichtet.
Gleich von Beginn der Regierung des neuen Herzog Matthaeus II. an lasteten auf dem Herzogtum Komplikationen durch das Verhalten der Witwe Theobalds I. Sie ging auf Veranlassung der Gräfin Blanca von Champagne vermutlich im Mai 1220 eine neue Ehe mit deren Sohn Theobald gegen den Willen des Kaisers ein. Da von seiten der Champagne auch die Reichslehen von Dachsburg beansprucht wurden, entstand darüber eine Kontroverse mit FRIEDRICH II.

Pernoud Regine: Seite 154-158,185
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"Frauen zur Zeit der Kreuzzüge"

Doch mehr als die Sorge um das Königreich Zypern trieb Alice anscheinend ein anderes Problem. Als sie im Jahre 1201 vom Tod ihres Vetters Theobald, des Grafen von der Champagne, erfuhr, machte sie als Tochter Heinrichs von der Champagne unverzüglich Erbansprüche auf diese französische Grafschaft geltend. Der Erbstreit, den sie zusammen mit ihrer Schwester Philippa ausfocht, sollte sich über etliche Jahre hinziehen. Philippa hatte einen Adligen aus der Champagne geheiratet, Erard von Brienne, der sich, wenn auch mit etwas gemischten Gefühlen, für die Forderungen seiner Gemahlin und deren Schwester Alice einsetzte.
Die ein Vierteljahrhundert dauernden Erbstreitigkeiten riefen zahlreiche Grundherren und Prälaten auf den Plan, von denen sich die einen für Alice und Philippa einsetzten und die anderen für Blanca und Theobald von der Champagne beziehungsweise für die Königin Blanca und ihren Sohn. Der Streit wird auch von dem Chronisten Joinville erwähnt, dessen Vater als Vasall der französischen Königin ihr seine Unterstützung gegen die Forderungen Alices und ihrer Schwester zusicherte, ebenso wie ein anderer Adliger aus der Gegend, Herbe von Sombernon.
Nachdem die beiden Schwestern 1221 gegen eine finanzielle Entschädigung zunächst auf ihre Ansprüche verzichtet hatten, machten sie 1227 einen erneuten Vorstoß, vor allem Alice, zumal die Legitimität ihrer Herkunft auf perfide Weise in Frage gestellt worden war (es wurde nämlich behauptet, die Ehe Heinrichs von der Champagne, Alices und Philippas Vater, sei nicht rechtmäßig gewesen, da Isabella von Jerusalem noch mit ihrem ersten Mann Humfried verheiratet gewesen sei). Im Zuge der Streitigkeiten und Machtkämpfe, die nach dem Tod Ludwigs VIII. ausbrachen, ging einer der ehrgeizigsten unter den Baronen, Graf Peter Mauclerc von der Bretagne, der sich für die Forderungen der Königin Alice stark machte, sogar soweit, ihr die Ehe anzutragen. Papst Gregor IX., von dem Plan in Kenntnis gesetzt, erhob Einspruch wegen Blutverwandtschaft. Andererseits war Theobald, der Graf der Champagne, der am französischen Königshof aufgewachsen war, von Königin Blanca von Kastilien hingerissen und widmete ihr zärtliche Blicke und glühende Verse, was die anderen Barone in ihre Bemühungen, ihn für ihre Sache zu gewinnen, etwas lähmte.
Balduin von Avesnes, ein zeitgenössischer Chronist, faßt den Erbstreit der Königin von Zypern folgendermaßen zusammen:
"Als die Barone [die gegen die Königin von Frankreich revoltierten] das sahen, ließen sie nach einstimmiger Beratung die Königin von Zypern holen, die rechtmäßige Erbin des Grafen der Champagne, wie sie behauptete, denn sie war die Tochter des Grafen Heinrich der Champagne, des Königs von Jerusalem... Als die Königin [Alice] in Frankreich eintraf, verlangte sie die Grafschaft Champagne als ihr Erbe. Der Graf Philipp von Boulogne unterstützte sie darin mit allem Nachdruck [es handelt sich um den Bastard Philipp Augusts mit dem Beinamen Philipp Hurepel, Strubbelkopf]. Mehrere Tage vergingen. Schließlich wurden der Königin als Erbrente 8.000 Livres aus einem Grundbesitz und 20.000 Livres tournois für ihren Aufwand angeboten. Der Graf von Boulogne, der sich mehr als alle anderen in diese Angelegenheit einmischte, überredete sie dieses Friedensangebot abzulehnen... Der Graf Philipp von Boulogne starb im Jahr 1223 der Fleischwerdung unseres Herrn. Als die Königin von Zypern auf das Angebot zurückkam, stellte sich heraus, dass sie verloren hatte, denn nach mehreren Gesprächen bot man ihr nur 2.000 Livres als Leibrente und 10.000 für ihre Aufwendungen... Als die Königin hörte, dass das Angebot soviel niedriger war als das frühere, war sie sehr verstimmt. Doch sie nahm es schließlich an, denn fast keiner mehr wollte sich für ihre Sache einsetzen, seit der Graf nicht mehr da war. Dieser Vergleich wurde von König Ludwig von Frankreich bestätigt." Daraus kann man schließen, dass Alices ständige Forderungen und die Verbissenheit, mit der sie vorging, ihrer Umgebung schließlich zuviel wurden.
Ludwig der Heilige machte somit im September 1234 diesen langwierigen Streitigkeiten ein Ende. Königin Alice erhielt eine Summe von 40.000 Livres tournois sowie eine Leibrente von 2.000 Livres aus einem Grundbesitz in Frankreich. Nach ihrer Rückkehr nach Zypern im Frühjahr 1235 ließ sie die mit Theobald von der Champagne getroffene Vereinbarung von ihren beiden Töchtern Maria und Isabella und ihrem Sohn Heinrich, König von Zypern, bestätigen.

Vones Ludwig:
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„Geschichte der Iberischen Halbinsel“

In dieser Situation konnte dem navarresischen König nur die Durchbrechung der politischen Isolation auf der Iberischen Halbinsel helfen, was er auch in zähen Bemühen erreichte, sobald die kastilischen Ambitionen in der Gascogne sich als unerfüllbar erwiesen hatten. Die Verträge von Guadalajara mit Kastilien (1207) und von Monteagudo mit Aragon (1209) ließen Sancho VII. die nötige Bewegungsfreiheit, die er nutzte, um in der Ketzerbewegung hervorzutreten, zumal die Minderjährigkeit Jakobs I. die aragonesische Gefahr noch wirksamer bannte. Außer bei Las Navas de Tolosa ist der König in den folgenden Jahren auf zahlreichen Kreuzzugsunternehmen anzutreffen, die ihn bis nach Alcacer do Sal führten (1217) und ihm die Gewogenheit des Papsttums eintrugen. Über dem bescheidenen Ausbau des verbliebenen Reiches, den Sancho VII. betrieb, schwebte indes wie eine dunkle Wolke die Kinderlosigkeit des Königs, dessen einziger lebender männlicher Verwandter schließlich sein Neffe Theobald, Graf der Champagne, war. Zwar hatte Theobald schon frühzeitig Beziehungen geknüpft, um Hilfe bei seiner mutmaßlichen Thronbesteigung zu erhalten, doch scheint sich Sancho VII. von einer Einigung mit Aragon bessere Aussichten auf Verteidigung gegenüber den nicht abreißenden kastilischen Aggressionen, deren Vorreiter jetzt Graf Lope Diaz als Herr von Vizcaya war, versprochen zu haben. Dementsprechend schloß er am 2. Februar 1231 zu Tudola eine Übereinkunft mitJakob I., durch die sich die beiden Könige gegenseitig adoptierten und als Erben im Reich des anderen einsetzten. Dieser Plan gelangte zwar beim Tod Sanchos am 7. April 1234 nicht zur Ausführung, doch zeigt er die Bedrückung auf, der der navarresische König, während seiner letzten Jahre auf der Burg Tudela eingeschlossen, gegen Ende seiner Regierungszeit ausgesetzt war.
Mit der Thronbesteigung Theobalds I. (1234-1253), der binnen Jahresfrist durch geschickte Verhandlungen erreichte, von den umliegenden Königtümern anerkannt zu werden, wurde der französische Einfluß für das Reich und vor allem für die Verwaltung prägend, während sich die Herrscher selbst vornehmlich in Frankreich aufhielten. Trotz des vom unwilligen Adel geforderten Königseides, der die alten Gewohnheitsrechte Navarras - also die Sicherstellung der althergebrachten Verfaßtheit, wie sie in diesem Zusammenhang im Fuero Antigno, Kern des niemals offiziell in Kraft gesetzten Fuero General de Navarra, unter der Maxime: antea fuerunt leges quam reges niedergelegt wurden - zu berücksichtigen hatte, führte der Weg vom Königshaus CHAMPAGNE über Theobald II. (1253-1270), Heinrich I. (1270-1274) und die Regierung Johannas I. (1274-1305), seit 1284 Gemahlin Philipps des Schönen, hin zur Vereinigung des Königtums mit der französischen Krone, bevor es 1328 durch Erbgang an das Haus EVREUX fiel.
 
 
 
 

    1220
  1. oo 2. Gertrud von Egisheim, Tochter des Grafen Albrecht II.
  - 1221          -30.3.1225

    1222
  2. oo Agnes von Beajeu-Montpensier, Tochter des Seigneur Guichard IV.
                    -11.7.1231

    1232
  3. oo Margarete von Dampierre-Bourbon, Tochter des Grafen Archambald VIII.
                   -13.4.1256

        Regentin
 
 
 
 

Kinder:
2. Ehe

  Blanka
  um 1223-11.8.1283

16.1.1236
   oo Johann I. Herzog der Bretagne
       1217-8.10.1286

3. Ehe

  Peter Seigneur von Muruzabal
         -   1265

  Margarete
         -   1307

 1255
  oo Friedrich III. Herzog von Lothringen
       1238-31.12.1303

  Beatrix
  1242- nach 7.1295

  1258
   oo Hugo IV. Herzog von Burgund
       9.3.1212-27.10.1272

  Theobald V.
  1237/38-4.12.1270

  Heinrich III. der Fette
  um 1240-27.7.1274

Illegitim

  Berenguela Priorin von San Pedro de Ribas
         -

  Margarete
         -

  oo Alvar Perez de Azagra de Albarracin
             -

  Wilhelm Mönch
        -   1267
 
 
 
 

Literatur:
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Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 130,132,140 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 163,167,179 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 88,94,105,108,113,123 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 195,200,204,228,256 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 174,179,188 - Mohr Walter: Geschichte des Herzogtums Lothringen. Geschichte des Herzogtums Groß-Lothringen (900-1048) Verlag "Die Mitte" Saarbrücken 1974 Teil III Seite 50-53,55-56 - Pernoud Regine: Frauen zur Zeit der Kreuzzüge Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 Seite 154-158,185 - Pernoud Regine: Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frakreich. Diederichs Verlag München 1991 Seite 25,65,121,125,133,145,150,159,174,179 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 991-997,1000 - Stürner, Wolfgang: Friedrich II. Teil 1: Die Königsherrschaft in Sizilien und Deutschland 1194-1220, Primus-Verlag Darmstadt 1997, Seite 221 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 118 - Thorau, Peter: Jahrbücher des Deutschen Reichs unter König Heinrich (VII.) Teil I, Duncker & Humblot Berlin 1998, Seite 163,165 - Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 119,144 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 374,455 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 1. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 5-7,48,394-396,451 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 2. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 81,225 -