Blanka von Navarra                                Gräfin von Champagne-Brie
-------------------------
nach 1177-   1229
 

Tochter des Königs Sancho VI. der Weise von Navarra und der Sancha von Kastilien, Tochter des Königs Alfons VII.
 

Brandenburg Erich: Tafel 16 Seite 33
****************
"Die Nachkommen Karls des Großen"

XIV. 344. BLANCA
---------------------------
                   * ca. 1180, + 1229

Gemahl: 1195 Theobald III. Graf von Champagne (siehe XIV 81)
                                   + 1201 24. V.



Thiele, Andreas: Tafel 140
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

BLANKA I.
----------------
* nach 1177, + 1229

1201-1222 Regentin von Champagne, Erbin des Bruders

 1199
  oo Theobald III. Graf de Champagne
               + 1201



Blanka war die Erbin ihres Bruders Sancho VII. (+ 7.4.1234) und Regentin der Champagne für ihren Sohn Theobald IV.

Mohr Walter: Teil III Seite 50-52,55
************
"Geschichte des Herzogtums Lothringen. Geschichte des Herzogtums Groß-Lothringen (900-1048)"

Nach Heinrichs Verfügung war die Grafschaft Champagne auf seinen Bruder Theobald III. übergegangen. Nach dessen Tode kam das Land unter Zustimmung des französischen Königs an seine Witwe Blanca und deren Sohn Theobald. Dieser Nachfolge entstand ein Gegenbewerber aus dem Hause BRIENNE. Ein Vetter König Johanns, Erhard von Brienne, glaubte jetzt, vielleicht ebenso wie sein Verwandter, sein Glück in Palästine machen zu könmnen, und er scheint dabei von Anfang an auf eine Ehe mit der Tochter Heinrichs II. von Champagne spekuliert zu haben. Trotz ausgedehnter Maßnahmen der Gräfin Blanca gegen die Durchführung dieser Absicht, trotz ausdrücklichen Verbots des Papstes gegen das Eheprojekt wegen zu naher Verwandtschaft, konnte Erhard sein Ziel erreichen. Er kehrte dann zu Beginnn des Jahres 1216 aus Palästina zurück und erhob im Namens einer Gemahlin Anspruch auf die Grafschaft Champagne. In rechtlicher Hinsicht blieb bei dem ganzen Vorgang eine Reihe von Fragen offen, so daß das Vorgehen Erhards nicht von vornherein abzuweisen war.
Die wichtigste Stütze für die Gräfin Blanca und ihren Sohn bildete der französische König als Oberlehnsherr der Champagne. Weitere Verbündete waren Herzog Odo von Burgund, Erzbischof Alberich von Reims und Bischof Wilhelm von Langres. Dagegen konnte sich die Gräfin nicht unbedingt auf die von der Grafschaft Champagne abhängigen Lehensträger verlassen. Indessen erklärten sich für sie und ihren Sohn auch Papst Innozenz III.
Für Herzog Theobald von Ober-Lothringen war es von großem Nachteil, daß sich der deutsche König für die Gräfin und ihren Sohn erklärte. Die Motive FRIEDRICHS II. sind nicht klar zu erkennen.
Die militärischen Auseinandersetzungen waren zunächst nur von kurzer Dauer. Es kam im April 1216 zu einem Waffenstillstand zwischen Erhard und der Gräfin Blanca, und die Vermittlung des französischen Königs wurde angerufen. Die ganze Angelegenheit kam vorerst vor sein Gericht.
Dem französischen König war es inzwischen nicht gelungen, die Streitigkeiten um die Champagne beizulegen, so daß der Krieg aufs neue begann. Indes trat nun Papst Honorius III. energisch gegen Erhard auf, über den er die Exkommunikation verhängte. Dieser begann darauf in der zweiten Hälfte des Jahres 1217 in seinem Widerstand nachzulassen, er schloß verschiedentlich Waffenstillstand mit der Gräfin Blanca.
Als FRIEDRICH II. im Mai 1218 im Elsaß erschien, zogen ihm die Streitkräfte der Gräfin Blanca von der Champagne, des Grafen Heinrich von Bar und des Herzogs von Burgund zu. Vereinigt plünderten sie Nancy und belagerten anschließend die Burg Amance, die Herzog Theobald allein noch als Zufluchtsort übrig geblieben war.
Der Ausgang gab der Gräfin von der Champagne ein entscheidendes Übergewicht gegenüber Erhard von Brienne. Die Angelegenheit zog sich zwar noch etwas in die Länge, doch hat Erhard am 2. November 1221 endgültig auf seine Ansprüche verzichtet.
Gleich von Beginn der Regierung des neuen Herzog Matthaeus II. an lasteten auf dem Herzogtum Komplikationen durch das Verhalten der Witwe Theobalds I. Sie ging auf Veranlassung der Gräfin Blanca von Champagne vermutlich im Mai 1220 eine neue Ehe mit deren Sohn Theobald gegen den Willen des Kaisers ein. Da von seiten der Champagne auch die Reichslehen von Dachsburg beansprucht wurden, entstand darüber eine Kontroverse mit FRIEDRICH II.

Pernoud Regine: Seite 154-158,185
**************
"Frauen zur Zeit der Kreuzzüge"

Doch mehr als die Sorge um das Königreich Zypern trieb Alice anscheinend ein anderes Problem. Als sie im Jahre 1201 vom Tod ihres Vetters Theobald, des Grafen von der Champagne, erfuhr, machte sie als Tochter Heinrichs von der Champagne unverzüglich Erbansprüche auf diese französische Grafschaft geltend. Der Erbstreit, den sie zusammen mit ihrer Schwester Philippa ausfocht, sollte sich über etliche Jahre hinziehen. Philippa hatte einen Adligen aus der Champagne geheiratet, Erard von Brienne, der sich, wenn auch mit etwas gemischten Gefühlen, für die Forderungen seiner Gemahlin und deren Schwester Alice einsetzte.
Die ein Vierteljahrhundert dauernden Erbstreitigkeiten riefen zahlreiche Grundherren und Prälaten auf den Plan, von denen sich die einen für Alice und Philippa einsetzten und die anderen für Blanca und Theobald von der Champagne beziehungsweise für die Königin Blanca und ihren Sohn. Der Streit wird auch von dem Chronisten Joinville erwähnt, dessen Vater als Vasall der französischen Königin ihr seine Unterstützung gegen die Forderungen Alices und ihrer Schwester zusicherte, ebenso wie ein anderer Adliger aus der Gegend, Herbe von Sombernon.
Nachdem die beiden Schwestern 1221 gegen eine finanzielle Entschädigung zunächst auf ihre Ansprüche verzichtet hatten, machten sie 1227 einen erneuten Vorstoß, vor allem Alice, zumal die Legitimität ihrer Herkunft auf perfide Weise in Frage gestellt worden war (es wurde nämlich behauptet, die Ehe Heinrichs von der Champagne, Alices und Philippas Vater, sei nicht rechtmäßig gewesen, da Isabella von Jerusalem noch mit ihrem ersten Mann Humfried verheiratet gewesen sei). Im Zuge der Streitigkeiten und Machtkämpfe, die nach dem Tod Ludwigs VIII. ausbrachen, ging einer der ehrgeizigsten unter den Baronen, Graf Peter Mauclerc von der Bretagne, der sich für die Forderungen der Königin Alice stark machte, sogar soweit, ihr die Ehe anzutragen. Papst Gregor IX., von dem Plan in Kenntnis gesetzt, erhob Einspruch wegen Blutverwandtschaft. Andererseits war Theobald, der Graf der Champagne, der am französischen Königshof aufgewachsen war, von Königin Blanca von Kastilien hingerissen und widmete ihr zärtliche Blicke und glühende Verse, was die anderen Barone in ihre Bemühungen, ihn für ihre Sache zu gewinnen, etwas lähmte.
Balduin von Avesnes, ein zeitgenössischer Chronist, faßt den Erbstreit der Königin von Zypern folgendermaßen zusammen:
"Als die Barone [die gegen die Königin von Frankreich revoltierten] das sahen, ließen sie nach einstimmiger Beratung die Königin von Zypern holen, die rechtmäßige Erbin des Grafen der Champagne, wie sie behauptete, denn sie war die Tochter des Grafen Heinrich der Champagne, des Königs von Jerusalem... Als die Königin [Alice] in Frankreich eintraf, verlangte sie die Grafschaft Champagne als ihr Erbe. Der Graf Philipp von Boulogne unterstützte sie darin mit allem Nachdruck [es handelt sich um den Bastard Philipp Augusts mit dem Beinamen Philipp Hurepel, Strubbelkopf]. Mehrere Tage vergingen. Schließlich wurden der Königin als Erbrente 8.000 Livres aus einem Grundbesitz und 20.000 Livres tournois für ihren Aufwand angeboten. Der Graf von Boulogne, der sich mehr als alle anderen in diese Angelegenheit einmischte, überredete sie dieses Friedensangebot abzulehnen... Der Graf Philipp von Boulogne starb im Jahr 1223 der Fleischwerdung unseres Herrn. Als die Königin von Zypern auf das Angebot zurückkam, stellte sich heraus, dass sie verloren hatte, denn nach mehreren Gesprächen bot man ihr nur 2.000 Livres als Leibrente und 10.000 für ihre Aufwendungen... Als die Königin hörte, dass das Angebot soviel niedriger war als das frühere, war sie sehr verstimmt. Doch sie nahm es schließlich an, denn fast keiner mehr wollte sich für ihre Sache einsetzen, seit der Graf nicht mehr da war. Dieser Vergleich wurde von König Ludwig von Frankreich bestätigt." Daraus kann man schließen, dass Alices ständige Forderungen und die Verbissenheit, mit der sie vorging, ihrer Umgebung schließlich zuviel wurden.
Ludwig der Heilige machte somit im September 1234 diesen langwierigen Streitigkeiten ein Ende. Königin Alice erhielt eine Summe von 40.000 Livres tournois sowie eine Leibrente von 2.000 Livres aus einem Grundbesitz in Frankreich. Nach ihrer Rückkehr nach Zypern im Frühjahr 1235 ließ sie die mit Theobald von der Champagne getroffene Vereinbarung von ihren beiden Töchtern Maria und Isabella und ihrem Sohn Heinrich, König von Zypern, bestätigen.
 
 
 
 

 1199
  oo Theobald III. Graf von Champagne-Brie
       1176-24.5.1201
 
 
 
 

Kinder:

  Tochter
          - jung

  Theobald IV. der Große
  Juni 1201-14.7.1253
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 16 Seite 33 - Mohr Walter: Geschichte des Herzogtums Lothringen. Geschichte des Herzogtums Groß-Lothringen (900-1048) Verlag "Die Mitte" Saarbrücken 1974 Teil III Seite 50-53, 55-56 - Pernoud Regine: Frauen zur Zeit der Kreuzzüge Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 Seite 154-158,185 - Pernoud Regine: Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frankreich. Diederichs Verlag München 1991 Seite 65 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 910,912 - Stürner, Wolfgang: Friedrich II. Teil 1: Die Königsherrschaft in Sizilien und Deutschland 1194-1220, Primus-Verlag Darmstadt 1997, Seite 220 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 140 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 1. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 5,6,7,48 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 208,455 -