Walter III. (Gaulthier)               Graf von Brienne le Chatelet (1191-1205)
---------------------------              König von Sizilien
um 1167-14.6.1205
              Salerno

Begraben: S. Maria della Foce
 

Ältester Sohn des Grafen Erard II. von Brienne und der Agnes von Montbeliard, Tochter von Graf Richard II.; Bruder des Königs Johann I. von Brienne-Jerusalem
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 684
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Brienne
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Der Aufstieg des Hauses vollzog sich indes vor allem unter dem abenteuerlichen Gautier III., der am Kampf von Richard Löwenherz gegen Philipp II. August teilnahm (1198), gleichzeitig mit seinem Vasallen Geoffroi de Villehardouin das Kreuz nahm und im Jahre 1200 Elvira, die ältere Tochter Tankreds, Königs von Sizilien, heiratete; der König übertrug ihm sein Eigentum, die Grafschaft Lecce, die dem Haus BRIENNE verblieb. Als Parteigänger Innozenz' III. ließ sich Gautier III. vom Papst, als dem Oberlehnsherrn des Königreiches Sizilien, die Rechte auf die Grafschaft Lece und das Fürstentum Tarent bestätigen. 1201 begab er sich nach Unteritalien, wo er einen beachtlichen Teil des Erbes seiner Frau zurückerobern konnte, doch fiel er 1205 im Gefecht von Sarno. Die "Estoire de Eracles" nennt Gautier III. "einen tapferen Ritter", voll Heldenmut, großherzig und von edler Herkunft".



Thiele, Andreas: Tafel 139a,140
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

WALTER III.
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    + 1205 gefallen
 

Sohn des Grafen Erard und älterer Bruder des späteren Königs von Jerusalem und Kaiser von Byzanz Graf Johann I.

1191 Graf de Brienne
Stiftet Linie Grafen di Lecce, Herzöge von Athen

Walter III. kämpfte jahrelang für König Richard I. Löwenherz in Palästina und Frankreich und verpfändete seine Grafschaft, um seinen Kampf um Neapel-Sizilien zu finanzieren. Er wurde von Papst Innocenz III. gefördert, mit Apulien, Lecce und Tarent belehnt und nahm den Titel König von Neapel-Sizilien an. 1201 Schlacht am Agnella: er eroberte unter anderem Aquino, Brindisi und Otranto und stand bis zuletzt gegen FRIEDRICH II. VON HOHENSTAUFEN und dessen Regenten Diepold IV. Markgraf von Vohburg, den er zeitweise in Sarno belagerte. Er geriet schwer verwundet in dessen Hände und starb bald an seinen Wunden.

 1200
  oo Maria Elvira von Neapel-Sizilien, Tochter und Eventualerbin des Königs Tankred
               + nach 1216

Sie war 1198 aus staufischer Haft geflohen.



Walter III. war der Bruder Johanns von Brienne und anfangs dessen Waffengefährte in Palästina, wurde dann von Papst Innocenz III. mit Maria (Alberia), Tochter Tankreds von Lecce, verheiratet und 1201 mit dem Fürstentum Tarent und der Grafschaft Lecce belehnt. Er kämpfte mehrere Jahre mit den hohenstaufischen Rittern, wurde aber zuletzt bei der Belagerung von Salerno durch Diepold von Schweinspunt gefangengenommen. Er starb kurz darauf an den im Kampf empfangenen Wunden.

Csendes Peter: Seite 176
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"Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die Macht"

Es war dies Graf Gautier (Walter) von Brienne, Schwiegersohn König Tankreds. Gautier war im Gefolge von Richard Löwenherz gewesen, hatte sich zu Ende des 12. Jahrhunderts an den Kämpfen im Heiligen Land beteiligt. In Frankreich, wohin Königin Sibylla und ihre Töchter geflohen waren [43 Der Königs-Sohn Wilhelm war jedoch nicht mehr am Leben, Tankreds Witwe und seine Töchter hatten aus dem Elsass nach Frankreich fliehen können. Vgl. Winkelmann, Jahrbücher, Band 1 Seite 80, Csendes, Heinrich VI., Seite 156.] heiratete er Elvira, die ältere Tochter des verstorbenen Normannen-Königs und erhob vor Innozenz Anspruch auf die Grafschaft Lecce und das FürstentumTarent, in denen der Kaiser sechs Jahre zuvor, wenngleich auch nur vorübergehend, die Herrschaft der Familie Tankreds anerkannt hatte. Der Papst zeigte Bereitschaft, dies zu akzeptieren, sofern Gautier die Oberhoheit Roms und das Königtum FRIEDRICHS anzuerkennen und den Kampf gegen die Deutschen in Unteritalien aufzunehmen.

Winkelmann, Eduard: Buch II Seite 29,63,261,471
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"Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig"

Inzwischen hatte Tankreds Witwe nach ihrer Befreiung aus der deutschen Gefangenschaft und wahrscheinlich noch im Laufe des Jahres 1198 ihre älteste Tochter Alberia mit dem Grafen Walther von Brienne vermählt [1 Vgl. Band I Seite 80. Graf Walther und sein Bruder Johann, der spätere König von Jerusalem, waren die Söhne des Grafen Erard II. von Brienne. Albericus M.G. Ss. XXIII, 903. Das Chron. Ursp. p. 369 nennt die Brüder nobiles quidam, sed pauperes. Ihre Verwandtschaft mit den Grafen von Montbeliard legt der Cont. Guill. Tyr. p. 234 dar. Über Walthers Heirat mit Alberia und den angeblichen Anteil des Königs von Frankreich an derselben siehe Erläuterungen I. Über Alberias spätere Schicksale und die ihrer Schwestern vgl. Thomas Tuscis, M.G. Ss. XXII, 499 und Cont. Guill. Tyr. p. 236. Letzterer irrt darin, daß eine Schwester den Grafen Jakob von Tricarico geheiratet haben soll; das tat vielmehr Alberia selbst nach dem Tode ihres ersten Mannes, des Grafen von Brienne.], doch wohl in der Absicht, an ihm selbst, an den ihm nahe verwandten Grafen von Montbeliard und überhaupt in dem abenteuerlustigen Adel der burgundisch-französischen Grenzgebiete Verteidiger ihrer sicilischen Ansprüche zu gewinnen. Die Wirkung blieb nicht aus. Gerade jene kritischen Frühlingsmonate des Jahres 1200, in welchen der Ausgang des gegen Markward unternommenen Kampfes zu den schwersten Sorgen berechtigte, als Graf Walther mit seiner Gattin und seiner Schwiegermutter sich dem Papste vorstellte und zur größten Verlegenheit desselben Anspruch erhob auf die Grafschaft Lecce und das Fürstentum Tarent, welche HEINRICH VI. allerdings im Jahre 1194 der normannischen Familie für ihre Unterwerfung zugesichert hatte. Das Recht auf diese Lehen schien unzweifelhaft, da die weibliche Erbfolge im sicilischen Reich zugelassen war [3 Alberia verfügte nachher in Lecce ganz als Herrin, gab ihre Zustimmung zu einer Schenkung Walthers an das S. Nicolauskloster in Lecce und brachte ihrem späteren Gatten die Grafschaft als Mitgift zu.]. Daß sie durch die übrigens nicht bewiesenen Umtriebe Sibyllas gegen HEINRICH verwirkt worden wären, konnte vonndeutscher Seite behauptet werden.
Im Morgengrauen des 11. Juni 1205 bricht Dipold in sein unbewachtes Lager, wo nun die aus dem Schlafe aufgeschreckten Franzosen nackt, unbewaffnet den Feinden in die Hände laufen. Ein Teil wird niedergemacht, andere entfliehen; Graf Walther selbst sieht sich dadurch, daß man die Spannseile seines Zeltes durchschnitt und dieses dadurch über ihm zusammenfallen ließ, wehrlos gemacht und wird schwerverwundet gefangen. Er erlag am 14. Juni auf dem Schlosse Sarno seinen Wunden und ward daselbst in S. Maria della Foce begraben [3 Walther II. von Brienne aber wurde erst nach dem Tode des Vaters geboren, worauf der Waffengefährte desselben, Graf Jakob von Tricarico, die Witwe heiratete. Gesta c. 38; Thomas Tuscus, M.G. Ss. XXII, 499. Vgl. Huill.-Breh. I, 115 not. 2; Winkelmann, Geschichte Kaiser Friedrichs II. Band I Seite 194 Anmerkung 2.].
Tankreds Tochter Alberia, welche nach dem Tode Walthers von Brienne den Grafen Jakob von Tricarico geheiratet hatte und für ihren Sohn Walther II. Lecce regierte, erkannte den WELFEN als König von Sizilien an.
Nach der kürzeren Recension des Cont. Guill. Tyr. im Recueil des historiens des eroisades, Ton. II. p. 234 war Alberia par le conseil de l'apostoile in die Champagne gegangen, um sich einen Gatten zu suchen. Als ein Baron der Champagne Walther von Brienne die Heirat mit Alberia vollzogen, habe der König ihm zu seinem sicilischen Unternehmen 20.000 Livres gegeben.
In Melun mag also wirklich die Heirat der normannischen Prinzessin mit Walther von Brienne verabredet worden sein [1 Walthers Vater, Graf Erard von Brienne, trat jedoch im Sommer 1198 der englisch-welfischen Allianz bei, siehe Band I Seite 156.].

Reisinger, Christoph: Seite 12
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"Tankred von Lecce"

Sibylle und Tankred hatte allerdings zwei Söhne - Roger und Wilhelm -, so daß von fünf Kindern der Familie auszugehen ist. Albidia wurde in erster Ehe mit Walter von Brienne verheiratet, dem diese Verbindung Anlaß bot, sich heftig in den Kämpfen zu engagieren, die nach dem Tod der Kaiserin Konstanze 1198 in S-Italien tobten, und auch den Titel eines Grafen von Lecce zu führen.

Kantorowicz, Ernst: Seite 26,28
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"Kaiser Friedrich der Zweite"

Wieviel wichtiger den Papst seine eigene weltumspannende Politik war, als das Geschick seines Mündels, zeigte nicht nur sein Entscheid in der deutschen Thronfrage, sondern auch sein Verhalten gegen den bald auftauchenden französischen Grafen Walther von Brienne, der als Schwiegersohn des illegitimen Normannen-Königs Tankred Ansprüche erhob auf die Grafschaften Lecce und Tarent. Daß Innocenz III. trotz weitgehender Garantien des Grafen Walter betreffs der Sicherheit FRIEDRICHS II. die Lehensansprüche ohne rechtliche Notwendigkeit zugunsten des Franzosen entschied, und somit das sizilische Königreich der alten vertriebenen Normannen-Dynastie wieder öffnete, wäre für einen wirklich besorgten Vormund zumindest gewagt gewesen.
Die Gesamtlage in Sizilien noch weiter zu verwirren, trat schließlich jener Walther von Brienne auf, den Papst Innocenz hinsichtlich seiner Ansprüche auf die Grafschaften Lecce und Tarent zwar unterstützte, doch mitsamt seinen französischen Rittern sofort für den Kampf gegen die Deutschen verwandte. Diese Parteinahme für den Schwiegersohn des Normannen Tankred aber entzweite den Papst alsbald mit dem sizilischen Kanzler, der als geschworener Feind der normannischen Dynastie dem Kommen des französischen Grafen mit wohl nicht unberechtigtem Mißtrauen entgegensah. Bei der nächsten gelegenheit ließ Walther von Pagliara daher den Papst im Stich und trat auf die Seite der Deutschen über.

Abulafia, David: Seite 103-107
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"Herrscher zwischen den Kulturen Friedrich II. von Hohenstaufen"

Überdies befand sich der Papst auf der Suche nach einem Verbündeten und fand ihn in einem überraschenden Lager: Seine Wahl fiel auf einen französischen Ritter namens Walter von Brienne, der mit der Tochter von König Tankred verheiratet war. Seine Familie sollte während der gesamten Regierungszeit FRIEDRICHS II. noch eine wichtige Rolle in der süditaliensichen Piolitik spielen. Walter hatte bereits den Kreuzfahrerschwur abgelegt, um sich im Osten für das Christentum zu schlagen, aber entweder entband ihn Innozenz von seinem Eid oder er überzeugte ihn davon, daß er seine heilige Pflicht auch auf italienischem Boden erfüllen konnte. Außerdem bot der Papst Walter von Brienne die Grafschaft Lecce als Belohnung, die Tankreds Lehen gewesen war, ehe er sich 1190 zum König von Sizilien hatte krönen lassen. Freilich knüpfte der Papst sein Angebot an die Bedingung, daß Walter FRIEDRICH als rechtmäßigen König anerkannte und auf jegliche Thronansprüche, etwa unter Berufung auf seinen Schwiegervater Tankred, verzichtete.
Walter von Pagliara, der Kanzler, wollte Walter von Brienne nicht in Sizilien sehen, der allerdings zu jenem Zeitpunkt die päpstlichen Truppen gar nicht anführte, sondern in die Champagne zurückgekehrt war, um Truppen auszuheben. Doch der Kanzler sah in ihm einen möglichen Rivalen und befürchteet seine Rückkehr.
Am 22. Oktober 1201, vier Tage nachdem er Palermo besetzt hatte, aber noch vor der Ergreifung FRIEDRICHS, kam zu seiner Schlacht zwischen den vereinigten Truppen der mit Markward Verbündeten Diepold von Accera und Walter von Pagliara und dem endlich aus der Champagne zurückgekehrten Walter von Brienne, dessen Streitmacht zahlenmäßig die unterlegene war. Dennoch ging Walter von Brienne, vielleicht auch zur Überraschung des Papstes, als Sieger aus dieser Schlacht hervor. Sein Traum von der Wiederinbesitznahme Lecces hatte sich damit erfüllt, ebenso wie die päpstliche Herrschaft über weite Teile S-Italiens Wirklichkeit geworden war. Walter wurde mit der Verwaltung Apuliens und der Campania betraut, erhielt seine Weisungen jetzt aber unmittelbar vom Papst. Doch schien sich Walter von Brienne damit zu begnügen, seine Herrschaft in Apulien zu festigen, und wenig darauf erpicht zu sein, die ihm versprochene päpstliche Streitmacht nach Sizilien zu führen und den König aus den Händen Markwards zu befreien.

Runciman, Steven: Seite 909-910
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Johanns älterer Bruder Walter hatte die älteste Tochter König Tankreds von Sizilien geheiratet und einen fruchtlosen Anspruch auf den sizilischen Thron erhoben; aber Johann selbst hatte sein Leben verhältnismäßig unbekannt und ungenannt als einer der Feldherrn des Königs von Frankreich zugebracht. Das Gerücht wollte wissen, daß man wegen eines Liebeshandels mit der Gräfin Blanche von Champagne (* nach 1177, + 1229), welcher bei Hof Anstoß erregte, jetzt auf ihn verfallen war.
 
 
 
 

 1200
  oo 1. Maria Elvira (Alberia)von Lecce, Tochter des Königs Tankred
           um 1185- nach 1216
 
 
 
 

Kinder:

  Walter IV.
  postum 1205-   1251

  Margarete (Anais)
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  Geliebte des Kaisers FRIEDRICH II.

  oo Balian I. von Sayette
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Literatur:
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Abulafia, David: Herrscher zwischen den Kulturen Friedrich II. von Hohenstaufen, Wolf Jobst Siedler Verlag Berlin 1991 Seite 103-107 - Csendes Peter: Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die Macht. Primus Verlag 2003 Seite 175 - Kantorowicz, Ernst: Kaiser Friedrich der Zweite, Klett-Cotta Verlag Stuttgart 1991 Seite 26,28 - Kölzer, Theo: Die Staufer im Süden - Sizilien und das Reich Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996 Seite 126,128,132,136,160,170 - Reisinger, Christoph: Tankred von Lecce, Kölner Historische Abhandlung 38, Böhlau Verlag Köln/Weimar/Wien 1992 Seite 12 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978 Seite 909-910 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 139a - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 29,31,36,39-47,50-54,56,62-64,84,455,471,517 -