Philippa von Champagne                           Gräfin von Brienne
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um 1195-   1250
 

Jüngere Tochter des Grafen Heinrich II. von Champagne und der Königin Isabella I. von Jerusalem, Tochter von König Amalrich I.
 

Thiele, Andreas: Tafel 172
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

PHILIPPINE DE CHAMPAGNE
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    + 1250

Philippa war Eventual-Erbin der Grafschaft Champagne.

 1211/14
  oo Erard III. de Brienne, zu Rameru
            + um 1246



Runciman Steven: Seite 859
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Ihre Unterredung verlief überaus freundschaftlich, und sie planten den Abschluß eines engen Bündnisses, welches durch die Verlobung der drei jungen Söhne Amalrichs von Zypern, Guido, Johannes und Hugo, mit den drei Töchtern Isabellas, nänlich Maria von Montferrat, Alice und Philippa von Champagne besiegelt wurde. Auf diese Art hofften sie, ihre Besitzungen in der folgenden Generation vereinen zu können; aber zwei der zyprischen Prinzen starben zu jung.

Pernoud Regine: Seite 154-158,185
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"Frauen zur Zeit der Kreuzzüge"

Doch mehr als die Sorge um das Königreich Zypern trieb Alice anscheinend ein anderes Problem. Als sie im Jahre 1201 vom Tod ihres Vetters Theobald, des Grafen von der Champagne, erfuhr, machte sie als Tochter Heinrichs von der Champagne unverzüglich Erbansprüche auf diese französische Grafschaft geltend. Der Erbstreit, den sie zusammen mit ihrer Schwester Philippa ausfocht, sollte sich über etliche Jahre hinziehen. Philippa hatte einen Adligen aus der Champagne geheiratet, Erard von Brienne, der sich, wenn auch mit etwas gemischten Gefühlen, für die Forderungen seiner Gemahlin und deren Schwester Alice einsetzte.
Die ein Vierteljahrhundert dauernden Erbstreitigkeiten riefen zahlreiche Grundherren und Prälaten auf den Plan, von denen sich die einen für Alice und Philippa einsetzten und die anderen für Blanca und Theobald von der Champagne beziehungsweise für die Königin Blanca und ihren Sohn. Der Streit wird auch von dem Chronisten Joinville erwähnt, dessen Vater als Vasall der französischen Königin ihr seine Unterstützung gegen die Forderungen Alices und ihrer Schwester zusicherte, ebenso wie ein anderer Adliger aus der Gegend, Herbe von Sombernon.
Nachdem die beiden Schwestern 1221 gegen eine finanzielle Entschädigung zunächst auf ihre Ansprüche verzichtet hatten, machten sie 1227 einen erneuten Vorstoß, vor allem Alice, zumal die Legitimität ihrer Herkunft auf perfide Weise in Frage gestellt worden war (es wurde nämlich behauptet, die Ehe Heinrichs von der Champagne, Alices und Philippas Vater, sei nicht rechtmäßig gewesen, da Isabella von Jerusalem noch mit ihrem ersten Mann Humfried verheiratet gewesen sei). Im Zuge der Streitigkeiten und Machtkämpfe, die nach dem Tod Ludwigs VIII. ausbrachen, ging einer der ehrgeizigsten unter den Baronen, Graf Peter Mauclerc von der Bretagne, der sich für die Forderungen der Königin Alice stark machte, sogar soweit, ihr die Ehe anzutragen. Papst Gregor IX., von dem Plan in Kenntnis gesetzt, erhob Einspruch wegen Blutverwandtschaft. Andererseits war Theobald, der Graf der Champagne, der am französischen Königshof aufgewachsen war, von Königin Blanca von Kastilien hingerissen und widmete ihr zärtliche Blicke und glühende Verse, was die anderen Barone in ihre Bemühungen, ihn für ihre Sache zu gewinnen, etwas lähmte.
Balduin von Avesnes, ein zeitgenössischer Chronist, faßt den Erbstreit der Königin von Zypern folgendermaßen zusammen:
"Als die Barone [die gegen die Königin von Frankreich revoltierten] das sahen, ließen sie nach einstimmiger Beratung die Königin von Zypern holen, die rechtmäßige Erbin des Grafen der Champagne, wie sie behauptete, denn sie war die Tochter des Grafen Heinrich der Champagne, des Königs von Jerusalem... Als die Königin [Alice] in Frankreich eintraf, verlangte sie die Grafschaft Champagne als ihr Erbe. Der Graf Philipp von Boulogne unterstützte sie darin mit allem Nachdruck [es handelt sich um den Bastard Philipp Augusts mit dem Beinamen Philipp Hurepel, Strubbelkopf]. Mehrere Tage vergingen. Schließlich wurden der Königin als Erbrente 8.000 Livres aus einem Grundbesitz und 20.000 Livres tournois für ihren Aufwand angeboten. Der Graf von Boulogne, der sich mehr als alle anderen in diese Angelegenheit einmischte, überredete sie dieses Friedensangebot abzulehnen... Der Graf Philipp von Boulogne starb im Jahr 1223 der Fleischwerdung unseres Herrn [Richtigstellung 1234]. Als die Königin von Zypern auf das Angebot zurückkam, stellte sich heraus, dass sie verloren hatte, denn nach mehreren Gesprächen bot man ihr nur 2.000 Livres als Leibrente und 10.000 für ihre Aufwendungen... Als die Königin hörte, dass das Angebot soviel niedriger war als das frühere, war sie sehr verstimmt. Doch sie nahm es schließlich an, denn fast keiner mehr wollte sich für ihre Sache einsetzen, seit der Graf nicht mehr da war. Dieser Vergleich wurde von König Ludwig von Frankreich bestätigt." Daraus kann man schließen, dass Alices ständige Forderungen und die Verbissenheit, mit der sie vorging, ihrer Umgebung schließlich zuviel wurden.
Ludwig der Heilige machte somit im September 1234 diesen langwierigen Streitigkeiten ein Ende. Königin Alice erhielt eine Summe von 40.000 Livres tournois sowie eine Leibrente von 2.000 Livres aus einem Grundbesitz in Frankreich. Nach ihrer Rückkehr nach Zypern im Frühjahr 1235 ließ sie die mit Theobald von der Champagne getroffene Vereinbarung von ihren beiden Töchtern Maria und Isabella und ihrem Sohn Heinrich, König von Zypern, bestätigen.

Ehlers Joachim: Seite 152
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"Geschichte Frankreichs im Mittelalter"

Die Widersacher konnten freilich Argumente ins Feld führen, die sie aus der Geschichte seines Hauses bezogen und mit denen die Legitimität seiner Herrschaft in Frage gestellt werden sollte. Tedbalds Großvater, Graf Heinrich I., le Liberal, hatte aus seiner Ehe mit Marie, der Tochter Ludwigs VII., zwei Söhne, von denen der ältere, Heinrich II., 1192 König von Jerusalem wurde, so daß der jüngere, Tedbald III., die Grafschaft übernehmen konnte. Aus seiner Ehe mit Blanche von Navarra stammte Tedbald IV., dem Heinrichs II. Tochter Philippine bald ihren vermeintlich besseren Anspruch entgegenstellte, den sie als Erbin des älteren der beiden Brüder zu haben glaubte. Das Hofgericht hatte ihre Klage bereits abgewiesen, weil sie aber mit Graf Erard von Brienne einen der mächtigsten champagnischen Dynasten geheiratet hatte, fand sie gleichwohl Unterstützung für ihr Ansinnen, so daß sich bald zwei Koalitionen gegenüberstanden, die durch das Eingreifen der Herzöge von Lothringen und Burgund, der Grafen von Flandern und St-Pol, der Häuser DREUX und COUCY sowie Philipps, Ludwigs IX. Oheim, überregional friedensgefährdend wirkten und sich überdies anmaßten, vom König herbeigeführte Entscheidungen in ihrem Sinne zu verändern oder gar umzustoßen. Anfang des Jahres 1230 rückte deshalb ein königliches Heer in der Champagne ein, und im September kam nach Abschluß der militärischen Aktionen ein Ausgleich im Sinne der Rechtsauffassung des Hofgerichts zustande, dem allerdings erst vier Jahre später eine sichere Grundlage geschaffen werden konnte, als Tedbald IV. das Königreich Navarra erbte und die Grafschaften Blois, Chartres, Chateaudun und Sancerre an Ludwig IX. verkaufte; mit dem Erlös konnten die Erben Heinrichs II. abgefunden werden. Gleichzeitig bedeutete diese Transaktion die endgültighe Trennung der Champagne von der Ausgangsbasis des Hauses BLOIS.
 
 
 
 

 1211/14
  oo Erard III. Sire de Brienne
             - um 1246
 
 
 
 

Kinder:

  Marie
         - um 1251

  1. oo Gaucher III. de Chatillon Sgr de Nanteuil-la-Fosse
                  - vor 1242

  2. oo Hugo II. de Conflans
                 -   1271

  Isabella
        -   1274/77

  oo Heinrich V. Graf de Grandpre
              -   1287

  Johanna Dame de Seans-en-Othe
          - um 1245

  oo Matthäus III. de Montmorency
               -   1270
                bei Tunis

  STAMMELTERN DES GESAMTHAUSES

  Sibylle Äbtissin von Ramerupt
        -

  Margarete
          -   1275 als Nonne zu Flines

  oo Dietrich von Beveren, Burggraf von Dixmuiden
            - nach 4.1274

  Erard IV. Seigneur de Ramerupt
        -   1250 gefallen

  Er zog mit Frankreich gegen Ägypten und fiel.

  Heinrich Seigneur de Venisy und Ramerupt
         -   1250 gefallen

  Er zog mit gegen Ägypten und fiel wie der Bruder.

  oo Margarete d'Ivrea-Chalon, Tochter des Pfalzgrafen Johann
              -   1262
 
 
 

Literatur:
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Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 164 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 152 - Lehmann Johannes: Die Kreuzfahrer. Abenteurer Gottes. Gondrom Verlag Bindlach 1991 Seite 312 - Pernoud Regine: Frauen zur Zeit der Kreuzzüge Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 Seite 154-158,185 -
Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978  Seite 859 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 172 -