Maria Elvira von Lecce                             Gräfin von Brienne
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um 1185- nach 1216
 

Älteste Tochter des Königs Tankred von Lecce-Sizilien und der Sibylle di Medina, Tochter von Graf Ruggerio von Accera
 

Thiele, Andreas: Tafel 417
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

MARIA ELVIRA
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Eventual-Erbin

  1) oo Walter III. de Brienne, Fürst von Tarent, Thronprätendent
                  + 1205 gefallen

  2) oo Jakob di Sanseverino, Graf di Tricario
                   +



Csendes Peter: Seite 176
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"Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die Macht"

Es war dies Graf Gautier (Walter) von Brienne, Schwiegersohn König Tankreds. Gautier war im Gefolge von Richard Löwenherz gewesen, hatte sich zu Ende des 12. Jahrhunderts an den Kämpfen im Heiligen Land beteiligt. In Frankreich, wohin Königin Sibylla und ihre Töchter geflohen waren [43
Der Königs-Sohn Wilhelm war jedoch nicht mehr am Leben, Tankreds Witwe und seine Töchter hatten aus dem Elsass nach Frankreich fliehen können. Vgl. Winkelmann, Jahrbücher, Band 1 Seite 80, Csendes, Heinrich VI., Seite 156.] heiratete er Elvira, die ältere Tochter des verstorbenen Normannen-Königs und erhob vor Innozenz Anspruch auf die Grafschaft Lecce und das Fürstentum Tarent, in denen der Kaiser sechs Jahre zuvor, wenngleich auch nur vorübergehend, die Herrschaft der Familie Tankreds anerkannt hatte. Der Papst zeigte Bereitschaft, dies zu akzeptieren, sofern Gautier die Oberhoheit Roms und das Königtum FRIEDRICHS anzuerkennen und den Kampf gegen die Deutschen in Unteritalien aufzunehmen.

Winkelmann, Eduard: Buch I Seite 80
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"Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig"

Die Beweggründe der Humanität, mit welchen er gleichzeitig auch die Freilassung der schwer geprüften Witwe Tankreds und ihrer Kinder verlangt, waren jedenfalls nicht die einzigen. Für Tankreds Sohn Wilhelm, welcher als Knabe einige Monate die Krone des sizilischen Reiches getragen hatte, kam die Fürsprache des Papstes jedoch schon zu spät: er starb noch in der Gefangenschaft auf Hohenems in Churrätien. Tankreds Witwe aber und ihren Töchtern ware es gelungen, aus dem Kloster Hohenburg im Elsaß, wo man sie verwahrte, nach Frankreich zu entfliehen [4 Gesta c. 23: Sibila cum filiabus ...evasit, in tregnum Francorum confugiens: Robert. Altissiod. Rec. XVIII, 264 (ebenso Chron. Turon. a. 1201): Uxor Tancredi ...tandem casu cum filiabus evasit. Sie verdankten ihre Freiheit also nicht dem Einschreiten des Bischofs von Sutri, wenn  auch vielleicht indirekt dem Einflusse des Papstes (etwa auf den Bischof von Straßburg?) so daß die Gesta c. 26 doch sagen durften: per mandatum apost. evaserunt. - Darnach ist zu verwerfen, was Minorita Florent. (Thomas) berichtet, Font. IV, 615: Guilielmo iuniore castrato et exoculato defuncto, Phil. tres filias Tandredi ad preces uxoris suae... de carcere et exilio liberans, abire permisit.]

Winkelmann, Eduard: Buch II Seite 29,63,261,471
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"Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig"

Inzwischen hatte Tankreds Witwe nach ihrer Befreiung aus der deutschen Gefangenschaft und wahrscheinlich noch im Laufe des Jahres 1198 ihre älteste Tochter Alberia mit dem Grafen Walther von Brienne vermählt [1 Vgl. Band I Seite 80. Graf Walther und sein Bruder Johann, der spätere König von Jerusalem, waren die Söhne des Grafen Erard II. von Brienne. Albericus M.G. Ss. XXIII, 903. Das Chron. Ursp. p. 369 nennt die Brüder nobiles quidam, sed pauperes. Ihre Verwandtschaft mit den Grafen von Montbeliard legt der Cont. Guill. Tyr. p. 234 dar. Über Walthers Heirat mit Alberia und den angeblichen Anteil des Königs von Frankreich an derselben siehe Erläuterungen I. Über Alberias spätere Schicksale und die ihrer Schwestern vgl. Thomas Tuscis, M.G. Ss. XXII, 499 und Cont. Guill. Tyr. p. 236. Letzterer irrt darin, daß eine Schwester den Grafen Jakob von Tricarico geheiratet haben soll; das tat vielmehr Alberia selbst nach dem Tode ihres ersten Mannes, des Grafen von Brienne.], doch wohl in der Absicht, an ihm selbst, an den ihm nahe verwandten Grafen von Montbeliard und überhaupt in dem abenteuerlustigen Adel der burgundisch-französischen Grenzgebiete Verteidiger ihrer sicilischen Ansprüche zu gewinnen. Die Wirkung blieb nicht aus. Gerade jene kritischen Frühlingsmonate des Jahres 1200, in welchen der Ausgang des gegen Markward unternommenen Kampfes zu den schwersten Sorgen berechtigte, als Graf Walther mit seiner Gattin und seiner Schwiegermutter sich dem Papste vorstellte und zur größten Verlegenheit desselben Anspruch erhob auf die Grafschaft Lecce und das Fürstentum Tarent, welche HEINRICH VI. allerdings im Jahre 1194 der normannischen Familie für ihre Unterwerfung zugesichert hatte. Das Recht auf diese Lehen schien unzweifelhaft, da die weibliche Erbfolge im sicilischen Reich zugelassen war [3 Alberia verfügte nachher in Lecce ganz als Herrin, gab ihre Zustimmung zu einer Schenkung Walthers an das S. Nicolauskloster in Lecce und brachte ihrem späteren Gatten die Grafschaft als Mitgift zu.]. Daß sie durch die übrigens nicht bewiesenen Umtriebe Sibyllas gegen HEINRICH verwirkt worden wären, konnte vonndeutscher Seite behauptet werden.
Im Morgengrauen des 11. Juni 1205 bricht Dipold in sein unbewachtes Lager, wo nun die aus dem Schlafe aufgeschreckten Franzosen nackt, unbewaffnet den Feinden in die Hände laufen. Ein Teil wird niedergemacht, andere entfliehen; Graf Walther selbst sieht sich dadurch, daß man die Spannseile seines Zeltes durchschnitt und dieses dadurch über ihm zusammenfallen ließ, wehrlos gemacht und wird schwerverwundet gefangen. Er erlag am 14. Juni auf dem Schlosse Sarno seinen Wunden und ward daselbst in S. Maria della Foce begraben [3 Walther II. von Brienne aber wurde erst nach dem Tode des Vaters geboren, worauf der Waffengefährte desselben, Graf Jakob von Tricarico, die Witwe heiratete. Gesta c. 38; Thomas Tuscus, M.G. Ss. XXII, 499. Vgl. Huill.-Breh. I, 115 not. 2; Winkelmann, Geschichte Kaiser Friedrichs II. Band I Seite 194 Anmerkung 2.].
Tankreds Tochter Alberia, welche nach dem Tode Walthers von Brienne den Grafen Jakob von Tricarico geheiratet hatte und für ihren Sohn Walther II. Lecce regierte, erkannte den WELFEN als König von Sizilien an.
Nach der kürzeren Recension des Cont. Guill. Tyr. im Recueil des historiens des eroisades, Ton. II. p. 234 war Alberia par le conseil de l'apostoile in die Champagne gegangen, um sich einen Gatten zu suchen. Als ein Baron der Champagne Walther von Brienne die Heirat mit Alberia vollzogen, habe der König ihm zu seinem sicilischen Unternehmen 20.000 Livres gegeben.
In Melun mag also wirklich die Heirat der normannischen Prinzessin mit Walther von Brienne verabredet worden sein [1 Walthers Vater, Graf Erard von Brienne, trat jedoch im Sommer 1198 der englisch-welfischen Allianz bei, siehe Band I Seite 156.].

Reisinger, Christoph: Seite 12
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"Tankred von Lecce"

Sibylle und Tankred hatte allerdings zwei Söhne - Roger und Wilhelm -, so daß von fünf Kindern der Familie auszugehen ist. Albidia wurde in erster Ehe mit Walter von Brienne verheiratet, dem diese Verbindung Anlaß bot, sich heftig in den Kämpfen zu engagieren, die nach dem Tod der Kaiserin Konstanze 1198 in S-Italien tobten, und auch den Titel eines Grafen von Lecce zu führen. Als zweiter Ehemann Albidias läßt sich Jakob von Tricarico nachweisen. Nach dessen Tod ging sie eine dritte Ehe mit Tigrino, dem Pfalzgrafen von Tuscia ein.
 
 
 
 

  1. oo Walther III. Graf von Brienne
           um 1167-14.6.1205

  2. oo Jakob di Sanseverino
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  3. oo Tegrino di Modigliana, Pfalzgraf von Tuszien
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Kinder:
1. Ehe

  Walter IV.
  1205-   1251

  Margarete (Anais)
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  Geliebte des Kaisers FRIEDRICH II.

  oo Balian I. von Sayette
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Literatur:
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Csendes Peter: Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die Macht. Primus Verlag 2003 Seite 176 - Reisinger, Christoph: Tankred von Lecce, Kölner Historische Abhandlung 38, Böhlau Verlag Köln/Weimar/Wien 1992 Seite 12 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 417 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 1. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873 Seite 80 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 29,45,63,262,471 -