Hugo von Brienne                          Graf von Lecce
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um 1236-8.8.1296 gefallen            Regent von Athen
 

Jüngerer Sohn des Grafen Walter IV. der Große von Brienne und der Maria von Lusignan, Tochter von König Hugo I. von Jerusalem-Zypern
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 684
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Brienne
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Der jüngere Sohn, Hugo, Graf von Lecce (seit 1246?), blieb bis 1267/68 im Osten, darauf diente er Karl von Anjou in Italien (Schlacht von Tagliacozzo, 1268). In einer Urkunde, gegeben zu Marseille am 23. Juni 1270, anerkennt er, Thibaud IV., Grafen von Champagne, seinen Lehnsherrn, 2.000 livres Tournois zu schulden für:
1. die Abtretung der Grafschaft Brienne, die ihm infolge des Todes seines älteren Bruders Johann zugefallen war;
2. die Erbfolge für seinen Bruder Aimeric.
Hugo nahm an den militärischen Auseinandersetzungen zwischen den ANJOU und den ARAGON, welche der Sizialinischen Vesper (1282) folgten, als Anhänger der ANJOU teil. Bereits 1272 hatte Hugo die Witwe des Herzogs von Theben und Schwester Herzog Wilhelms I. von Athen, Isabella de la Roche, geheiratet, die ihm Gautier V. gebar; 1291 vermählte sich Hugo in 2. Ehe mit Helene Komnene, die, als Witwe Herzog Wilhelms I. (+ 1287), Regentin des Herzogtums Athen war; aus dieser Ehe ging Johanna hervor (oo Niccolo Sanudo, Herzog von Naxos). Hugo von Brienne war somit, durch Einheirat in die Familie DE LA ROCHE, zum Beherrscher des Herzogtums Athen geworden. Er fiel 1296 bei Lecce in einem Gefecht gegen den aragonesischen Admiral Roger de Lauria.



Thiele, Andreas: Tafel 140
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

HUGO
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* um 1236,  + 1296 gefallen

Graf de Brienne und lecce, Seigneur do Conversano

Hugo scheiterte mit seinen Ansprüchen in Zypern-Jerusalem am Hause POITOU-LUSIGNAN, unterstützte 1266 das Haus ANJOU in Neapel-Sizilien und machte die Schlacht bei Tagliacozza 1268 gegen Konradin von Schwaben mit. Er erhielt zu Lecce viele andere Baronien dazu und baute alles gekonnt auf und aus. Hugo machte 1284 die Seeschlacht bei Neapel mit, wurde mit Erb-Prinz Karl gefangengenommen und verlor 1287 die zweite Seeschlacht bei Neapel gegen Admiral Roger di Lauria und wurde von den Aragonen erneut gefangengenommen. Nach seiner Freilassung ging er nach Griechenland, wurde Mitregent von Athen, Fürst von Karitaina (Karytena), verteidigte Athen jahrelang gegen die Fürsten von Achaia, kehrte nach Italien zurück und wurde General-Kapitän von Apulien, Brindisi und Ortranto. Hugo fiel in der Schlacht bei Lecce gegen Roger di Lauria und war ebenfalls als Haudegen berühmt.

 um 1270
  oo Isabella de la Roche (sur-l'Ognon), Tochter des Herzogs Guy I. von Athen und Theben
             +

Herrin der Hälfte von Karitaina und Mitherrin von Theben
Witwe des Gottfried de Cicon von Karitaina

 1291
  oo Helene Angela-Komnena, Tochter des Archon Johannes I. von Neopatras-Epiros
               + 1294/95

Erbin von Lamia und Larissa, Regentin von Athen
Witwe des Mitherrn von Theben Herzog Wilhelm I. de la Roche von Athen



Hugo erhielt von Karl von Anjou die Grafschaft Lecce, die bereits sein Großvater besessen hatte, und vergrößerte seine Hausmacht durch seine Vermählung mit Isabella de la Roche. Athen, Theben, Korinth und Argos standen fortan unter seiner herzoglichen Gewalt.

Mayer Hans Eberhard: Seite 220,244,245
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“Die Geschichte der Kreuzzüge”

Einige Jahre nach der Schlacht bei Ain Dschalut, wahrscheinlich 1264, war die Stellvertretung des noch immer minderjährigen Regenten Hugo II. von Zypern neu zu regeln, und als Bewerber präsentierten sich der Haute Cour Hugo von Antiochia-Lusignan und Hugo von Brienne. Nach dem bisher geltenden Recht der Primogenitur hätte Hugo von Brienne die Bailliage erhalten müssen, denn für die notwendig werdende Bestimmung, wer der nähere Verwandte Hugos II. sei, war die Stellung zur gemeinsamen Großmuttter, der Königin Alice von Zypern, entscheidend. BRIENNE war der Sohn von Alices älterer Tochter Maria, während Antiochia-Lusignan von Alices jüngerer Tochter Isabella abstammte. Nach langen Debatten konnte Antiochia-Lusignan seinen Anspruch durchsetzen, weil er, obwohl einer jüngeren Linie entstammend, bei gleichem Verwandtschaftsgrad zu Hugo II. ein höheres Lebensalter hatte als sein Vetter BRIENNE und dies als geblütsrechtlich ausschlaggebend angesehen wurde.

Runciman, Steven: Seite 1066-1067,1107,1110
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Der Vater Hugos II., Heinrich I., hatte zwei Schwestern gehabt. Die ältere, Maria, hatte Walter von Brienne geheiratet und war unter Hinterlassung eines Sohnes namens Hugo jung gestorben. Die jüngere, Isabella, war mit Heinrich von Antiochia, einem Bruder Bohemunds V., verheiratet und noch am Leben. Ihr Sohn, gleichfalls Hugo genannt, war älter als sein Vetter von Brienne, den Isabella zusammen mit ihrem eigenen Sohn aufzog. Hugo von Brienne, wenngleich nächstberechtigter Thronerbe, wollte nicht mit seiner Tante und ihrem Sohn um die Regentschaft streiten.
Isabella starb in Zypern im folgenden Jahr; und die Regentschaft von Jerusalem war abermals unbesetzt. Hugo von Antiochia, der Regent von Zypern, verlangte sie als ihr Sohn und Erbe für sich; aber Hugo von Brienne erhob jetzt einen Gegenanspruch. Er erklärte, nach französischem Brauch, welchem man in Outremer folgte, habe der Sohn einer älteren Schwester vor dem Sohn einer jüngeren Vorrang, gleichgültig, welcher der Vettern an Jahren der ältere sei. Aber die Rechtsgelehrten von Outremer waren der Ansicht, der Grad der Verwandtschaft mit dem letzten Inhaber des Amtes sei entscheidend.
Nach dem Tode Konradins stand jetzt in der Erbfolge das Königshaus von Zypern voran, das von Marias Halbschwester Alice von Champagen abstammte. Der Erbanspruch Königs Hugo III. war durch seiner Ernennung zum Regenten stillschweigend anerkannt worden, als nämlich sein Vetter Hugo von Brienne, dessen Erbrechte gesetzlich besser begründet waren als seine eigenen, übergangen wurde. Hugo von Brienne war hinweggezogen, um sein Glück im fränkischen Herzogtum Athen zu machen, dessen Erbin er heiratete. Er trat auch jetzt seinem Vetter nicht in den Weg.
Karl von Anjou bestärkte Hugo von Brienne in seinen Ansprüchen auf den Thron von Zypern und Maria von Antiochia in den ihren auf den Thron von Jerusalem.

Kiesewetter, Andreas: Seite 39 A.,124,211,340,347-349,363
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"Die Anfänge der Regierung König Karls II. von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts"

Bereits 1275 versuchte sich Hugo von Brienne, der Graf von Lecce, ebenfalls das merum imperium anzueignen, was Karl I. sofort zum Einschreiten veranlaßte.
An die Bezirkskapitäne der Abruzzen und Apuliens, Gazo Chinard, Narjaud de Toucy und Hugo von Brienne, wurde Order gegeben, die Schiffe für die Überfahrt nach Sizilien zu armieren und unverzüglich nach Kalabrien zu kommen. Am 26. April setzte Karl den 20. Mai 1283 als Termin für den Beginn der Invasion fest.
Karl II. hatte den Waffenstillstand offensichtlich allein und ohne Zustimmung seiner Berater abgeschlossen. Doch auch Hugo von Brienne [2 Eine Reaktion Hugos auf das unkriegerische Verhalten seines Lehnsherrn war vielleicht, daß er im Sommer 1289 kurzfritig überlegte, die Seiten zu wechseln, und Alfons III. anbot, von ihm das Königreich Zypern gegen eine Waffenhilfe von 30 Galeeren und 200 Reitern zu Lehen zu nehmen. Der Graf von Lecce war zudem über Karl II. noch aus einem anderen Grund verstimmt: Am 10. Juli 1289 hatte der König Isabella von Villehardouin mit der Hälfte der bedeutenden Baronie Karytaina in Achaia, mit der Robert von Artois Hugo im März 1286 belehnt hatte, entschädigt.] und Jean Scot waren vermutlich bitter enttäuscht.
Am 10. Juli 1289 wurde Isabella von Villehardouin "rehabiliert" und mit den Baronien Bucelet (Araklovon) und Karytaina belehnt, die bisher Hugo von Brienne als Lehen innehatte. Der Graf von Lecce wurde sechs Tage später mit dem Kastell Beauvoir (Pontikokastro) entschädigt und erhielt die Erlaubnis, sich mit 180 Pferden nach Achaia einzuschiffen.
Rückendeckung erhielt Helena ab 1291 von ihrem Gatten Hugo von Brienne der mit Karl II. in engsten Beziehungen stand und seinen ganzen Einfluß beim König geltend machte [1 Unmitelbar nach seiner Rückkehr ins Königreich Neapel machte der ANJOU dem Grafen von Lecce eine Reihe von Schenkungen.]. Das folgende Verhalten Karls II. in dem Konflikt zwischen dem Fürsten von Achaia und Hugo von Brienne, der seit seiner Heirat mit Helena Komnena allein im Herzogtum Athen den Ton angab, zeigt deutlich eine seiner Hauptschwächen: seine leichte Beeinflußbarkeit.
Hatte der ANJOU am 18. April 1290 noch der Herzogin befohlen, endlich das von Floris verlangte Homagium zu leisten, so untersagte er dem Fürsten von Achaia am 14. September 1291 ausdrücklich, weiter von Hugo von Brienne den Handgang für das Herzogtum Athen zu fordern. Beide Parteien sollten hingegen bis Weihnachten 1291 Prokuratoren an den königlichen Hof entbieten, in deren Gegenwart der ANJOU den Streit entscheiden wollte. Zugleich ernannte Karl II. Nikolaus II. von Saint-Omer und den Erzbischof von Korinth zu seinen Prokuratoren, die das Homagium Hugos von Brienne für das Herzogtum Athen entgegennehmen sollten. Aus der Tatsache, daß der BRIENNE dem König selbst den Handgang leisten sollte, wird deutlich, daß Karl II. das Herzogtum Athen nun als sein Lehen betrachtete. Offensichtlich zeigten weder Floris von Hennegau noch Hugo von Brienne große Neigung, die Angelegenheit durch einen Schiedsspruch des Königs entscheiden zu lassen, da keiner der beiden bis 25. Dezember 1291 seine Prokuratoren an die Curia regis geschickt hatte.
Am 31. Mai 1292 hatte der König an den Grafen von Lecce geschrieben und ihn gebeten, Floris von Hennegau in seinem Kampf gegen die Aragonier und Byzantiner zu unterstützen, da allein die Eintracht des fränkischen Griechenland den Fortbestand des Fürstentums Achaia und Herzogtums Athen sichern konnte. Des Königs Worte verhallten freilich ungehört. Floris und Hugo von Brienne bedrohten sich im Laufe des Jahres 1293 hingegen sogar selbst mit Krieg. Auch einer weiteren Gesandtschaft, die im Herbst 1293 den Konflikt regeln und die Streithähne zur Vernunft bringen sollte, war kein Erfolg beschieden.
Dem Fürsten von Achaia gelang es tatsächlich, den König zu einem erneuten Sinneswandel zu bewegen, denn am 25. Juli stellte die königlich Kanzlei eine Reihe von Urkunden aus, in welchen Hugo von Brienne, seine Gemahlin Helena und der seit kurzem mündige Guy II. de la Roche aufgefordert wurden, endlich Floris von Hennegau das verlangte Homagium zu leisten. Hugo von Brienne und seine Gemahlin wußten zudem ihre Stellung am neapolitanischen Hofe zu verbessern, da Helena und ihr Bruder Konstantin Angelos-Komnenos Karl II. anboten, das Herzogtum Neopatras (Thessalien) vom König zu Lehen zu nehmen.
Da am 8. August 1296 Hugo von Brienne, der eigentliche Mentor des Widerstandes Guys II. von Athen in der Homagiumsfrage, in der Schlachte bei Garigliano gegen die Sizilianer gefallen war [2 Nach dem Nekrolog des Klosters S. Nicola e Cataldo in Lecce fiel Hugo von Brienne am 8. (VI. idux) August 1286. In der Sekundärliteratur wird irrtümlich der 9. August als Todesdatum angegeben.], entschloß sich der ANGIOVINE nun endgültig, den Streit um die Leistung des Handgangs zu Gunsten des Fürsten von Achaia zu entscheiden.
 
 
 
 

 um 1270
  1. oo 2. Isabella de la Roche, Tochter des Herzogs Guy I.
                     -

     1291
  2. oo Helene Angela-Komnena, Tochter des Archon Johannes I. von von Neopatras(-Epiros)
           um 1250/60-   1294/95
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Walter Herzog von Athen
  um 1278-15.3.1311 gefallen

  Agnes
  um 1280-   1324

 1297
  oo Johann II. letzter Graf de Joigny
              - wohl 1305

2. Ehe

  Johanna
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  oo Nikolaus I. Sanudo Herzog von Naxos
              -   1341
 
 
 
 

Literatur:
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Kiesewetter, Andreas: Die Anfänge der Regierung König Karls II. von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts, Matthiesen Verlag 1999 Seite 39 A.,124,211,340,347-349,350 A.,358,363,414 A.,439, 440 A. - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 220,244,245 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 1066-1067,1107,1110 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 140 -