Philipp I.                                                  Graf von Namur (1196-1212)
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1175/76-8./9.10.1212
 

Jüngerer Sohn des Grafen Balduin VIII. von Flandern und der Margarete von Flandern-Lothringen, Tochter von Graf Dietrich
 

Brandenburg Erich: Tafel 22 Seite 45
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XIV. 514 b. PHILIPP, Markgraf von Namur
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                   * 1174 III., + 1212 15. X.

Gemahlin: 1210 Marie, Tochter Philipps II. König von Frankreich
                                      + vor 1224 VIII.

                        oo Heinrich I. Herzog von Brabant
                                   + vor 1224 VIII.



Thiele, Andreas: Tafel 28
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

PHILIPP I.
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* 1175/76, + 1212

1196 Markgraf von Namur

Philipp I. wurde 1200 Regent von Flandern für seine Nichten Johanna und Margarete, die er als französischer Parteigänger 1210 an Frankreich auslieferte. Er war ein schroffer Gegner Hollands wegen Seeland.

 1210
  oo Marie von Frankreich, Tochter König Philipp II. August; Nichte
               + 1224



Mohr Walter: Band II
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"Geschichte des Herzogtums Lothringen"

Die Frage von Namur hat sich in der Folge ohne größere Verwicklung gelöst. Graf Heinrich von der Champagne ist im Frühjahr 1191 zum Kreuzzug aufgebrochen und in Palästina geblieben, wo er durch die Heirat mit Isabella, der Tochter König Amalrichs vonJerusalem, im dortigen Königtum nachfolgte. Nach dem Tode des Grafen Heinrich von Namur im Jahre 1196 wurde die Vereinigung mit dem Hennegau durchgeführt. Schon vorher hatte übrigens Balduin V. eine neue Regelung getroffen, als sein jüngerer Sohn Philipp die Tochter des Grafen von Nevers (Mahaut) geheiratet hatte. Für diese Gemahlin sollte nämlich als Heiratsgut die Hälfte der Grafschaft Namurgegeben werden. Gislebert von Mons hat uns das als Testament des alten Grafen von Namur überliefert. Danach hatte der älteste Sohn Balduin die Grafschaft Namur als unmittelbares Lehen vom Kaiser zu führen und hatte sie an seinen Bruder Philipp weiterzuverleihen. Die ursprünglich vorgeschriebene untrennbare Verbindung der Markgrafschaft Namur mit dem Hennegau blieb also erhalten, der neue Graf Balduin VI. vom Hennegau war auch Markgraf von Namur, obwohl sein Bruder Philipp sich gelegentlich ebenfalls Markgraf titulierte. Außerdem hat der Kaiser die Grafschaften Laroche, Durbuy und Luxemburg vom Namurschen Erbe abgetrennt und dem Grafen Otto von Burgund übertragen. Andererseits hat Graf Heinrichs Tochter Ermesinde in ihrem Gemahl, dem Grafen Theobald von Bar, einen Verfechter ihrer Ansprüche gefunden, der im Vertrag von Dinant am 26. Juli 1199 eine Teilung des Namurschen Besitzes durchsetzen konnte, die die Markgrafschaft Namur zur Bedeutungslosigkeit verurteilte. In der Zwischenzeit war Balduins Gemahlin Margarethe gestorben, so dass nun die Grafschaft Flandern an den Sohn dieser Ehe, Balduin, ging, und der alte Graf Balduin V. sich nur noch Graf vom Hennegau und Markgraf von Namur nannte.
Die Belehnung des jungen Balduin wurde ohne weiteres erteilt. Indessen erkrankten alle vier und mussten die Heimreise beschleunigen. Der alte Graf Balduin V. hat sich nicht mehr erholt, er starb am 17. Dezember 1195 in Mons. Damit wurden Flandern und Hennegau unter seinem Sohn wieder vereinigt.
Es setzten dann allerdings Verhandlungen ein, und der herbeigeeilte Graf von Namur konnte nach Vermittlung eines Waffenstillstandes die Kontrahenten, besonders den niederlothringischen Herzog und den Grafen von Loon sowie auch den Grafen von Dachsburg und den Herzog von Limburg dazu bestimmen, ihm als Regenten von Flandern in seinen Streitigkeiten mit dem Bischof von Cambrai zu helfen.
Jetzt wuchsen die einzelnen Fehden zu einem allgemeinen Krieg in den Niederlanden zusammen und verbanden sich auch mit den Thronstreitigkeiten in Deutschland. Der Graf von Loon gewann eine Reihe von Verbündeten, darunter die Bischöfe von Utrecht und Lüttich, Herzog Heinrich von Limburg und die Grafen von Namur, Geldern und Berg. Diese Koalition ergriff auch Maßnahmen gegen Herzog Heinrich. So wurde der Graf Albert von Dachsburg, der keine Nachkommen besaß, und auf dessen Besitz der Herzog als Verwandter Anspruch erheben konnte, veranlasst, für den Fall seines Todes seine Allodien Moha und Waleffe gegen eine Geldsumme an das Bistum Lüttich aufzutragen. Dadurch wurde dem Herzog die Hoffnung auf eine bedeutende Erweiterung seines Gebietes nach Osten hin genommen. Dann erfolgte der Angriff auf Holland gleichzeitig von verschiedenen Seiten, der Graf von Loon setzte bei Dordrecht an, der Bischof von Utrecht längs des Alten Rheins, der Graf von Namur in Zeeland. Wilhelm konnte sich demgegenüber nicht halten, doch war es ihm nach kurzer Zeit wegen der in Zeeland herrschenden Unzufriedenheit möglich, dorthin zurückzukehren. Der Graf von Loon wurde dann in der Nähe von Rijswijk besiegt, doch ging darauf der Bischof von Utrecht zu einem neuen Angriff auf Wilhelm vor und eroberte Dordrecht. Herzog Heinrich von Nieder-Lothringen hat nicht in die Kämpfe eingegriffen. Nach der Niederlage des Grafen von Loon nahm er indes zusammen mit dem Grafen von Geldern Bemühungen beim Bischof von Utrecht auf, die diesen dazu vermochten, mit Graf Wilhelm gegen Zahlung einer Entschädigung eine Ubereinkunft einzugehen.
Inwieweit der französische König wirklich mit einem Gelingen des Planes gerechnet hat, lässt sich nicht sagen. Aus dem Text des Vertrages kann man nicht allzu viel Vertrauen erkennen, es ging dem König anscheinend mehr um den Aufbau einer pro-französischen Partei, ein aktiver Einsatz für die Person Heinrichs ist eigentlich nicht recht zu sehen, anscheinend sollten andere den nötigen Einsatz leisten. Die Ausgangsbasis für das Ganze war recht schmal, man konnte mit der Unterstützung des Grafen Philipp von Namur und allenfalls des Grafen Theobald von Bar rechnen. Letzterem war noch ein Druck auf den Herzog Friedrich von Ober-Lothringen möglich, der sich verpflichten musste, nur einem vom Grafen von Bar anerkannten deutschen König Folge zu leisten. Es gelang aber nicht, die eigentliche staufische Partei für Herzog Heinrich zu gewinnen, vor allein erklärten sich die für diese Frage wichtigen Erzbischöfe von Köln und Mainz energisch gegen den Plan. Als dann auch noch Ende August 1208 die Witwe PHILIPPS VON SCHWABEN starb, ergaben sich für die Kandidatur Heinrichs keine eigentlichen Anhaltspunkte mehr, OTTO IV. wurde ohne weiteres im November 1208 allgemein als deutscher König anerkannt.
Aber dann wirkte sich doch die für Herzog Heinrich unerfreuliche Lütticher Streitfrage auf seine Haltung aus. Von OTTO IV. war hier keine effektive Hilfe zu erwarten, denn es zeigte sich in dieser Zeit ziemlich deutlich, daß der Anhang des WELFEN in den Niederlanden zu schwinden begann. Dagegen konnte man mit französischer Unterstützung spekulieren, was übrigens gleichzeitig der Fall war für die Erbschaft des im Oktober 1212 verstorbenen Grafen von Namur. So wechselte denn zu Beginn des Jahres 1213 Herzog Heinrich auf die französische Seite und fand sich im April auf einem Hoftage in Soissons ein. Er versprach dort dem französischen König Unterstützung gegen alle, außer gegen König FRIEDRICH II. oder denjenigen, der bei dessen Tode unter Zustimmung des Königs zum deutschen König gewählt würde, und erhielt seinerseits Subsidien. Außerdem konnte er die Witwe des Grafen von Namur heiraten, die des Königs Tochter war. Der König wollte sich vor allem für Heinrich bei FRIEDRICH II. verwenden, dafür musste sich der Herzog verpflichten, den französischen Ratschlägen bezüglich des Bischofs von Lüttich Folge zu leisten.

Leo Heinrich Dr.: Seite 78-87,88
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"Zwölf Bücher niederländischer Geschichten"

Der junge Balduin traf Vorbereitungen zur Teilnahme an einem Krieg des Königs von Frankreich, während sich der Vater zum Tode bereitete und seinem jüngeren Sohne Philipp die Markgrafschaft Namur als hennegauisches Afterlehen übertrug.
Nach dem Tode seines Vaters nahm Balduin Besitz auch von Hennegau, und belehnte seinen Bruder Philipp mit Namur.
Dann ward der Krieg in den Gegenden von Therouenne fortgeführt, bis der König von Frankreich und Graf Balduin zu Weihnachten des Jahres 1200 in Peronne zusammentrafen, und durch die Vermittlung der Gräfin Maria [Daß sich Balduin fügte, hatte auch den Grund, daß sein Bruder Philipp von Namur 1199 in der Nähe entweder von Lens oder von Leuze, nebst 12 Rittern durch die Franzossen gefangen worden, und dann vom König von Frankreich, gegen Zusage großen Lösegeldes, freigegeben worden war.] ein Friede zustande kam.
Zur Verwaltung seiner Lande in seiner Abwesenheit ordnete Balduin eine Regentschaft, bestehend aus seinem Oheim (dem Bruder Balduins des Mutigen) Wilhelm Herrn von Chateau Thierrey, aus seinem Bruder Philipp von Namur und aus Herrn Bouchard d'Avesnes (dem Sohne Jacques d'Avesnes). Die Sorge für seine Tochter Johanna übertrug er der verwitweten Gräfin von Flandern Mathilde; seine Gemahlin wollte ihm selbst folgen, sobald sie ein zweites Kindbett überstanden hätte [Sie gebar ihm die zweite Tochter Margaretha.].
Da die Kaiserin Maria, die ihrem Gemahl Balduin voraus nach Palästina geeilt war, inzwischen zu Accon gegen Ende Augusts 1203 gestorben war, waren die Erbinnen Balduins in Flandern, seine beiden Töchter Johanna und Margaretha, vielfachen Gefahren ausgesetzt. Von Frankreich war am meisten zu fürchten; dennoch hielt es Philipp von Namur im Einverständnis mit Mathilden für die geratenste Maßregel, zum Schutz der Fräulein, sie von Gent weg und an den französischen Hof unter Vormundschaft des Königs zu bringen [Wenigstens faßte er die Sache so, obgleich seine Heirat mit Marien, der Tochter des Königs, und die Erlassung des noch rückständigen Lösegeldes die Folge war. Allerdings hatte der König als oberster Lehensherr einen Anspruch auf die vormundschaftliche Regierung.]. Fläminger nd Hennegauer waren über diese Maßregel gleich sehr erbittert und entzogen Philipp allen Anteil an der vormundschaftlichen Regentschaft, welche nun Bourchard d'Avesnes allein weiter führte.
Nur die Genter verweigerten die Huldigung so lange, bis Johanna, welche vom Fieber befallen in Douay zurückgeblieben war, selbst kam. Ferrante sei ihr Fürst nicht; er sei nur ihrer Fürstin Gemahl. Ferrante war von Philipp von Namur, Johann dem Castellan von Brügge und Siger dem Castellan von Gent begleitet, hatte aber eben deshalb Raes van Gaveren und Arnulph von Oudenaerde gegen sich, die jenen feind waren; und als er sich von Gent nach Kortryk zurückzog, brachten seine Gegner einen Kriegshaufen in Gent zusammen, und verfolgten Ferrante seiner Begleitung wegen bis in die Nähe von Douay, plünderten und brannten Kortryk, und zogen beutebeladen heim. Als aber Ferrante mit größerem Heer und von Johanna begleitet wieder vor Gent erschien, öffneten die Genter die Tore und zahlten zur Buße für das frühere Benehmen eine sehr bedeutende Summe. Philipp von Namur starb in demselben Jahre mit Hinterlassung eines noch unmündigen Sohnes, Philipp.]

Berg Dieter: Seite 89,108
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"Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters."

Dank englischer Gelder wurde OTTO von Erzbischof Adolf und einigen niederrheinischen Fürsten am 9. Juni 1198 in Köln ebenfalls zum König gewählt, später gefördert durch Fürsten wie zum Beispiel die Herzöge von Brabant und Limburg sowie die Grafen von Holland und Namur, die alle in engen Beziehungen zum englischen Herrscherhof standen.
So pflegte Johann seine Beziehungen zu OTTO IV. und Rainald von Boulogne, der im Herbst 1211 nach einem Urteil des kapetingischen Hofgerichts fliehen musste und Johann aufsuchte, während sich Philipp um den Landgrafen Hermann I. von Thüringen ebenso bemühte wie um Markgraf Philipp von Namur, den er mit seiner Tochter Maria verheiratete, und um Ferrrand von Portugal, der eine Tochter Balduins IX. von Flandern geheiratet hatte.
 
 
 
 

  1. oo  Mahaut von Nevers
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    1210
  2. oo 1. Maria von Frankreich, Tochter des Königs Philipp II. August
     x        1198-15.8.1223
 
 
 
 

Literatur:
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Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 89,108 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 22 Seite 45 - Leo Heinrich Dr.: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten, Eduard Anton Verlag Halle 1832 Seite 80,87 - Mohr Walter: Geschichte des Herzogtums Lothringen. Teil I. Geschichte des Herzogtums Groß-Lothringen (900-1048) Verlag "Die Mitte" Saarbrücken 1974 Band II - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 28 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 250,312,321,442 II 119,358 -