Bohemund IV.                                 Fürst von Antiochia (1199/1219-1233)
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um 1172 März 1233
 

Jüngster Sohn des Fürsten Bohemund III. von Antiochia aus seiner 1. Ehe mit der Orgillosa von Harenc
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 333
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Bohemund IV., Graf von Tripolis und Fürst von Antiochia
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* wahrscheinlich 1171/82, 1231

Bohemund IV., der nach dem Tod des erbenlosen Raimund III. ( 1187) Graf von Tripolis und nach dem Tod seines Vaters Bohemund III. ( 1201) auch Fürst von Antiochia wurde, zählt zu den markantesten Gestalten des lateinischen Orients. Er ist vor allem bekannt geworden durch seinen langen Kampf mit Leo I., König von Armenine-Kilikien, um den Besitz von Antiochia, das der armenische Herrscher aufgrund der Rechte von Raimund Rupen, dem minderjährigen Sohn aus der Verbindung zwischen der Tochter Leos und des verstorbenen älteren Bruders von Bohemund IV., beanspruchte. Dieser Konflikt vermischte sich mit anderen Auseinandersetzungen, die den lateinischen wie islamischen Osten zu dieser Zeit erschütterten. Bohemund IV. verstand es, die islamischen Fürsten von Aleppo und Anatolien für sich zu gewinnen; diese waren ebenso wie er über den Aufstieg und die Königskrönung Leos beunruhigt. Er hatte die Unterstützung der Templer gegen die Johanniter und spielte lange Zeit die Genuesen gegen ihre Konkurrenten, die Pisaner und Venezianer aus. Besonders aber vermochte er sich die Loyalität der Bürger von Antiochia zu erhalten, die angesichts der armenischen Bedrohung die einzige Kommune im Orient, die einen langen Bestand hatte, gründeten. Gegen den lateinischen Patriarchat verband sich Bohemund IV. mit der lokalen griechischen Kirche, die seit dem Fall von Konstantinopel (1204) keine offensiven Ziele nehr verfolgte. In der Grafschaft Tripolis waren die Verhältnisse insgesamt ruhiger; doch galt es hier, das Selbständigkeitsstreben des Herren von Nefin zu unterbinden, wozu sich Bohemund IV. der Hilfe der genuesischen Familie GIBLET bediente. Im Laufe dieser Streitigkeiten erwarb er sich den Ruf eines äußerst fähigen Juristen, und so kann er vielleicht auch als Urheber der Kodofikation des Antiochener Rechtes, der "Assisen von Antiochia" gelten.
In den letzten Regierungsjahren änderte sich die politische Lage. Nach dem Tode Leos wurde Bohemunds Herrschaft über Antiochia von den Armeniern nicht mehr angefochten. Eine armenische Partei berief sogar einen Sohn des Bohemund, Philipp, auf den armenischen Thron. Philipp wurde aber von national-armenischen Gegnern ermordet, was erneute Spannungen zwischen Antiochia und Armenien, die bis zum Schuiedsspruch Ludwigs des Heiligen, König von Frankreich (1250), dauern sollten, zur Folge hatte. Während der Intervention FRIEDRICHS II. im Orient (1228-1229) unterstützte Bohemund IV. zumeist den Kaiser, ohne sich allzusehr zu engagieren; diese Haltung näherte ihn den Pisanern an.


Thiele, Andreas: Tafel 174
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

BOEMUND IV. "DER EINÄUGIGE"
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* um 1172, 1233

Bohemund IV. der Einäugige wurde 1187 Mitregent in Tripolis und 1189 Graf von Tripolis und 1199 nach dem Tode seines Bruders Raimund II. Mitregent in Antiochia. Er verdrängte seinen Vater und wurde nach dessen Tod 1201 Fürst von Antiochia. Er geriet schroff gegen seinen Neffen Raimund Ruben und wurde 1216-1219 von ihm nach verheerenden Bürgerkriegen verdrängt. Die Fehden und Bürgerkriege gingen auch nach 1219 weiter. Bohemund besaß kaum fürstliche Autorität.

  1) oo PLAISANCE VON GIBLET, Tochter Hugos III.
                 1217

  2) oo MELUSINE VON JERUSALEM-CYPERN, Tochter König Amalrichs II. de Lusignan
                           

Insgesamt 8 Kinder.


Mayer, Hans Eberhard: Seite 194,220,222,223,225
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Bohemund IV. beteiligte sich an den im Spätherbst und Frühwinter 1217 durchgeführten drei Expeditionen gegen die Sarazenen, die sich aber nicht zum Kampf stellten, so daß jede Wirkung ausblieb.
Graf Raimund III. von Tripolis hatte seinen Patensohn Raimund von Antiochia als Nachfolger bestimmt, der der älteste Sohn Bohemunds III. war, aber Bohemund hatte seinen jüngsten Sohn Bohemund IV. in Tripolis eingesetzt.
Durch den vorzeitigen Tod seines Bruders Raimund war die Erbfolge in Antiochia völlig offen, und als dann noch Bohemund III. 1201 starb, brach eine erbitterter Krieg zwischen Kleinarmenien und Tripolis um die Erbfolge aus, der 15 Jahre dauern sollte. Leo II. verfocht die Erbfolge seines Großneffen Raimund Rupen, der nach den in Antiochia geltenden Regeln der Primogenitur in der Tat nachfolgeberechtigt war. Auf Leos Seite waren die hohen Barone und der Papst, der Leo schonend behandelte mit Rücksicht auf die 1198 anläßlich der Krönung zustandegekommene Kirchenunion der Armenier mit Rom. Auf der anderen Seite stand Bohemund von Tripolis, der erklärte, er sei der nächste Verwandte des zuletzt regierenden Fürsten, ein Grundsatz, der in den Kreuzfahrerstaaten immer wichtiger wurde. Den Tripolitaner unterstützte die Kommune, in der die armenierfeindlichen Griechen eine große Rolle spielten. Die anfängliche Hilfe des lateinischen Klerus verscherzte sich Bohemund, als er 1207 einen griechischen Patriarchen einsetzte, der bis 1213 im Amt blieb. Bohemund wollte sich damit der Griechen nur um so nachhaltiger versichern, und da Byzanz in die Hände der Franken gefallen war, war die Einsetzung eines orthodoxen Patriarchen jetzt ganz ungefährlich. Aber der lateinische Klerus rückte nun von Bohemund ab, überwarf sich wegen einer Steuerfrage auch mit der Kommune und ging ganz ins armenische Lager über. Dagegen stellte sich Aleppo energisch auf die Seite Bohemunds, der die Allianz mit den Muslimen ebensowenig scheute, wie seine Vorgänger. Az-Zahir von Aleppo vertrieb Leo mehrfach aus Antiochia, dessen Zitadelle immer fest in Bohemunds Hand blieb. Durch die Heirat Stephanies mit Johann von Brienne sicherte sich Leo auch die Hilfe Jerusalems, und so konnte er 1216 Antiochia gewinnen und Raimund Rupen dort zum Fürsten einsetzen. Dieser verdarb es aber mit den Bewohnern so gründlich, daß er 1219 gestürzt wurde und Bohemund von Tripolis endgültig die Herrschaft als Bohemund IV. von Antiochia antreten konnte.
 
 
 
 

  1. oo Plaisance Embriaco von Dschebail, Tochter des Hugo III.
                 1218
 

    1218
  2. oo Melisende von Jerusalem-Zypern, Tochter des Königs Amalrich II.
          1197/99 nach 1249
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Raimund Bailli von Antiochia
  1195Ende 1213 ermordet
             Tortosa

  Bohemund V.
  um 1197 Jan. 1252

  Philipp König von Armenien (1222-1224)
        1226 vergiftet

  Heinrich
  um 1210 27.6.1276 ertrunken
 

2. Ehe

  Maria Eventual-Erbin von Jerusalem
  um 1220 nach 1307

Sie erhob 1268 Anspruch auf die Krone von Jerusalem und verkaufte 1277 ihre Ansprüche an Karl von Anjou.
 
 
 
 

Literatur:
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Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 194,220,222,223,225 - Prutz Hans: Die Ritterorden. Mönche als Kämpfer, Helden, Abenteurer Bechtermünz Verlag Berlin 1908 Seite 55,60 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 769-1107 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 2. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 89,115,117,120,386,388,395 - Zöllner Walter: Geschichte der Kreuzzüge. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1977 Seite 140,148,159 -