Berengaria von Navarra                   Königin von England
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um 1163- um 1231
 

Tochter des Königs Sancho IV. von Navarra und der Sancha von Kastilien, Tochter von König Alfons VII.
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1940
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Berenguela (Berengaria) von Navarra, Königin von England
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     + 1230

Gemahlin von Richard Löwenherz, Prinzessin von "berühmter Schönheit", war die Heldin des 3. Kreuzzuges und der Eroberung von Zypern. Richard Löwenherz war bereits mit Alix, der Schwester Philipps II. August, König von Frankreich, verlobt, als er beim Aufbruch zum Kreuzzug, in Messina, seine Pläne änderte und unter rätselhaften Umständen, vielleicht aber beeinflußt durch die Königin-Mutter Eleonore, Berengaria vorzog. Die Lösung der Verlobung hängt dabei auf jeden Fall mit dem ausbrechenden Konflikt zwischen Richard und Philipp August zusammen. Da Berengarias Schiff infolge eines Sturmes an die zyprische Küste verschlagen wurde, landete Richard selbst auf der Insel und besetzte sie. Er heiratete die Prinzessin am 12. Mai 1191 in Limassol. Berengaria nahm an der Eroberung von Akkon teil und blieb bis September 1192 im Orient. Erst 1196 begegnete sie ihrem königlichen Gemahl wieder (in Poitiers); seitdem begleitete sie ihn bis 1199 auf allen seinen Feldzügen. Verwitwet, ließ sie sich in Le Mans nieder. Sie lag fortwährend mit Eleonore und Johann Ohneland in Streit. Philipp II. August gab ihr die Stadt als Wittum. Berengaria stiftete 1229 in der Nähe von Le Mans die Zisterzienserabtei L'Epau, wo sie um 1230 beigesetzt wurde.



Thiele, Andreas: Tafel 140
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

BERENGARIA
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    + um 1231

 1191
  oo Richard I. Löwenherz, König von England
             + 1199



Runciman Steven: Seite 813-815,817,832,848
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Richard, dessen eigene Neigungen sich nicht auf Heirat richteten, weigerte sich trotz der wiederholten Forderung Philipps, dessen Schwester Alice zu heiraten. Auch wünschte seine Mutter, Königin Eleonore, ihren Lieblingssohn nicht mit einem Mitglied einer Familie verbunden zu sehen, die sie haßte, und noch dazu mit einer Frau, von der sie glaubte, dass sie die Geliebte ihres Mannes gewesen war. Ihr lagen die Interessen ihres heimatlichen Guyenne am Herzen; sie hatte deshalb beschlossen, ihn mit einer Prinzessin von Navarra zu verheiraten und er hatte sich ihrer Wahl gefügt. In der Zwischenzeit sandte er Boten zu seiner Mutter und bat sie, Berengaria von Navarra zu ihm nach Sizilien zu bringen. So ging König Philipp in einer Stimmung allgemeinen Wohlwollens am 30. März 1191 mit allen seinen Truppen von Messina in See. Sobald er den Hafen verlassen hatte, trafen Königin Eleonore und Prinzessin Berengaria aus Brindisi kommend, dort ein. Eleonore verweilte nur drei Tage bei ihrem Sohn und reiste dann nach England ab; Berengaria blieb unter der Onbhut der Königin Johanna zurück.
Mittlerweile ging eines der Schiffe in einem Sturm unter, und drei weitere, darunter das Schiff, welches Johanna und Berengaria an Bord führte, wurden nach Zypern abgetrieben. Zwei dieser Schiffe erlitten an der Südküste der Insel Schiffbruch, aber Königin Johanna konnte bei Limasol einen Ankerplatz erreichen.
Am 12. Mai 1191 wurden Richard und Berengaria in der St. Georgs-Kapelle zu Limassol feierlich getraut, und Berengaria wurde vom Bischof von Evreux zur Königin von England gekrönt.
Königin Johanna, die sich zusammen mit Königin Berengaria bei ihm in Jaffa befand, war entsetzt, als sie den Vorschlag ihrer Vermählung mit el-Adil hörte.
Am 29. September 1192 gingen Königin Berengaria und Königin Johanna von Akkon in See, um vor den Winterstürmen wohlbehalten nach Frankreich zu gelangen.

Csendes Peter: Seite 119,120,123
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"Heinrich VI."

Eleonore brachte aber jetzt auch eine neue Braut mit. Es war Berengaria, die Tochter Sanchos von Navarra, König jenes kleinen, aber unabhängigen Pyrenäen-Reichs. Die Überlegung dabei war wohl, eine Allianz herzustellen, welche Richards Ländern Aquitanien und Gascogne gegen die mächtigen Grafen von Toulouse Flankensicherung bieten konnte.
Zypern wurde zum Schauplatz der Hochzeit mit Berengaria, die zu Limassol gefeiert wurde. Das Kreuzzugsunternehmen duldete freilich keinen längeren Aufschub, die Engländer mußten weiter. Richard verkaufte daher um 100.000 Golddinare die Insel an die Tempelritter, behielt sich jedoch Lehnsoberhoheit vor. Die Summe entsprach rund 425 Kilogramm Gold.
Am 9. Oktober 1192 verließ Richard das Heilige Land. Während seine Gattin Berengaria und seine Schwester glücklich nach Frankreich gelangten, hatte Richard nach mehreren Abenteuern das Unglück, vor Aquileja schiffsbrüchig zu werden.

Pernoud Regine: Seite 126,134,161,245
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"Der Abenteurer auf dem Thron"

Eleonore von Aquitanien war nicht allein, als sie nach Sizilien kam. Die Tochter Sanchos, des Königs von Navarra begleitete sie. Das Mädchen hieß Berenguela und war so etwa wie die Geheimwaffe der Königin, die sich sehnlichst wünschte, dass ihr Sohn heiratete, aber beharrlich dagegen kämpfte, dass er die ihm versprochene Adelaide von Frankreich zur Frau nahm. Sie fürchtete wahrscheinlich die Exzesse, denen sich Richard bisweilen hingab und an die Intrigen König Philipp Augusts, der immer noch darauf bestand, dass das Eheversprechen gegenüber seiner Schwester eingehalten wurde. So hatte sie sich für eine Lösung entschieden, die den einen zufriedenstellen und die Intrigen des letzteren beeenden konnte. Ambroise schreibt, dass Richard "sie (Berenguela) sehr geliebt habe, als er Graf von Poitiers wurde". Richard von Devizes sagt von der Tochter des Königs von Navarra, er finde sie "weiser und schön". Richard hatte ihr wohl einige Jahre zuvor glühende Verse geschickt, aber man muß bedenken, dass in der höfischen Dichtung das Lob der Dame Pflicht war.
Berenguela wurde der Fürsorge von Jeanne, der früheren Königin von Sizilien anvertraut. Am 12. Mai, einem Sonntag, vermählte sich Richard, der König von England, vor seinem Kaplan Nikolaus mit Berenguela, der Tochter des Königs von Navarra. Am selben Tag ließ er in Limassol durch Bischof Johann von Evreux im Beisein zahlreicher Prälaten, Erzbischöfe und Bischöfe, die Kreuzfahrer geworden waren, Berenguela zur Königin von England krönen.
Richard brachte die drei Damen, die sich nicht von ihm getrennt hatten, seine Schwester Jeanne, seine Gemahlin Berenguela und die Tochter des Kaisers von Zypern, in einem Haus in Akkon unter, gab ihnen Wächter und eine bewaffnete Truppe zu ihrem Schutz und machte sich nach Haifa auf.
Am 17. April fand eine zweite Krönung Richards statt, auf der man kaum bemerkte, dass Königin Berenguela fehlte, die gemeinsam mit ihrer Schwägerin Jeanne noch in Italien weilte.
Richard Schwester Jeanne von Sizilien, die einige Jahre zuvor den Bruder Saladins hatte heiraten sollen, war 1193 in Poitiers eingetroffen. Vorher hatte sie in Begleitung Königin Berenguelas Rom verlassen und über Genua, Marseille und Saint-Gilles das Poitou erreicht.

Pernoud Regine: Seite 287
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"Königin der Troubadoure"

Schließlich gibt es noch Berengaria von Navarra, Richards Witwe, eine etwas blasse Gestalt, die es nie verstanden hat, ihren unverbesserlichen Gemahl zu bändigen. Jetzt verlangt sie unablässig ihr Witwengeld, was ihr Johann schließlich zugesteht. Es ist eine Jahresrente von 2.000 Silbermark, dazu zwei Schlösser im Anjou und eines in Bayeux.

Berg Dieter: Seite 68,70-72,88
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"Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters."

Da Sancho eine heiratsfähige Tochter, Berengaria, besaß, eröffneten sich dem PLANTAGENET die Möglichkeit, durch ein Bündnis mit dem König von Navarra sowohl für eine Sicherung Aquitaniens vor militärischen Pressionen aus der Region während seiner Abwesenheit im Heiligen Land zu sorgen als auch durch die Ehe mit Berengaria den erhofften Thronfolger erlangen und die verhasste Verbindung mit Alice, der Schwester des französischen Königs, beenden zu können. Im Januar 1191 trat Eleonore mit Berengaria eine Reise zu Richard nach Sizilien an.
Dies wird auch durch das anschließende Verhalten des PLANTAGENETS deutlich, der nach der Abreise Eleonores und Philipps bereits am 10. April in Begleitung der jungen Braut sowie seiner Schwester mit zahlreichen Schiffen die Reise ins Heilige Land antrat, ohne dass zuvor - angeblich wegen der Fastenzeit - die Eheschließung mit Berengaria erfolgt war.
Richard selbst, der von Berengaria und Johanna begleitet wurde, beharrte auf der baldigen Überfahrt nach Outremer, in deren Verlauf das Schif mit den Fürstinnen an Bord im Sturm vom Kurs abkam und an der Küste Zyperns landete. Dort sahen sich die adligen Damen und ihre Begleiter den Pressionen des elbst ernannten Kaisers Isaak Komnenos ausgesetzt.

Vor der Übertragung der Insel an die Templer hatte sich der Monarch zur Erfüllung des Eheversprechens entschlossen, indem er am 12. Mai in St. Georg zu Limassol durch seinen Kaplan Nikiolaus die Hochzeit sowie durch Bischof Johann von Evreux die Krönung Berengarias durchführen ließ. Als Morgengabe überließ Richard ihr Lebzeiten seiner Mutter all seine Besitzungen in der Gascogne südlich der Daronne, während nach dem Tode Eleonores die Ausstattung der Königin mit umfangreichen Ländereien des PLANTAGENETS in der Normandie sowie im Inselreich vorgesehen war. Somit stellte der König seiner Gemahlin einen Besitz in Aussicht, über den Berengaria auf absehbare Zeit persönlich nicht verfügen und den die Schwester Richards, Königin Eleonore von Kastilien, ebenfalls beanspruchen konnte. Während sich die navarresische Fürstin zu Lebzeiten der Königin-Mutter mit entsprechenden materiellen Einkünften begnügte, beharrte der kastilische Monarch auf Dauer auf den Rechten seiner Gattin in der Gascogne und intervenierte 1205/06 nach dem Tode Richards in dieser Region.
Durch die Ehe des Grafen von Toulouse, Raimund VI., mit Richards Schwester Johanna hatte der Monarch einen der erbittersten Gegner zum Verbündeten gewonnen, während sich gleichzeitig die Beziehungen zu Sancho VII. von Navarra verschlechterten, wahrscheinlich wegen Plänen Richards, sich von Berengaria infolge Kinderlosigkeit zu trennen.
 
 
 
 

 12.5.1191
  oo Richard I. Löwenherz König von England
  x  8.9.1157-6.4.1199
 
 
 
 
 
 

Literatur:
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Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 68,70-72,88 - Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993, Seite 119,120,123 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 140,145 -  Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 128 - Gillingham John: Richard Löwenherz. Eine Biographie. Classen Verlag GmbH Düsseldorf 1981 Seite 147,169,172,174,178,209,237,240,298,328 - Pernoud Regine: Der Abenteurer auf dem Thron. Richard Löwenherz König von England. Diedrichs Verlag München 1994 Seite 126,134,161,245 - Pernoud Regine: Frauen zur Zeit der Kreuzzüge. Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 - Pernoud Regine: Königin der Troubadoure. Eleonore von Aquitanien. Diederichs Verlag München 1991 Seite 287 - Pohl Walter: Die Welt der Babenberger. Schleier, Kreuz und Schwert, hg. von Brigitta Vacha, Verlag Styria, Seite 198 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 813-815, 817,832,848 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 230,233 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 140 - Toeche, Theodor: Kaiser Heinrich VI. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1965, Seite 256,274 - Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 118 - Vones-Liebestein Ursula: Eleonore von Aquitanien. Herrscherin zwischen zwei Reichen. Muster-Schmidt Verlag Göttingen 2000 -