Theodora von Byzanz                                           Königin von Jerusalem
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1145- nach 1180?/um 1217
 

Einzige Tochter des Prinzen Isaak Komnenos aus seiner 2. Ehe mit der Irene Diplosynadena; Nichte von Kaiser Manuel I. Komnenos
 

Thiele, Andreas: Tafel 202
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

THEODORA "KALUSINE"
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Tochter des Isaak Komnenos (um 1115, + 1154) aus seiner 2. Ehe mit der Irene Diplosynadena

1158
  oo Balduin III. d'Anjou, König von Jerusalem
                  + 1163 ermordet

Ab 1167 Geliebte des Kaisers Andronikos I. von Byzanz (+ 1185 ermordet).



Theodora Kalusine war seit die Geliebte Andronikos' I. Komnenos.

Runciman, Steven: Seite 654-655,667,681-682
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Nach einigen Verhandlungen bot Kaiser Manuel seine Nichte Theodora, mit einer Mitgift von 100.000 Gold-Hyperperi, weiteren 10.000 für die Kosten der Hochzeitsfeierlichkeiten und Geschenken im Wert von 30.000. Als Entgelt sollte sie Akkon und sein Gebiet als Leibgedinge erhalten, das in ihrem Besitz verbleiben sollte, falls ihr Gemahl kinderlos starb. Nachdem die Gesandtschaft zurückgekehrt war und Balduin die Bedingungen bestätigt hatte, machte sich die junge Prinzessin aus Konstantinopel auf den Weg. Sie traf im September 1158 in Akkon ein und zog mit großem Staatsgepränge nach Jerusalem. Dort wurde sie dem König vom Patriarchen Aimery von Antiochia angetraut. Sie war 13 Jahre alt, aber wohl entwickelt und überaus liebreizend. Balduin war entzückt von ihr; er gab die lockeren Sitten seiner Jugendtage auf und war ihr ein getreuer Gatte.
Balduin, der am 10. Februar 1162 starb, hinterließ keine Kinder. Seine griechische Königin Theodora war erst 16 Jahre alt, als sie Witwe wurde.
Bald darauf begab sich Andronikos Komnenos nach Akkon, dem Leibgedinge seiner Base, der verwitweten Königin Theodora. Sie war jetzt 22 Jahre alt und auf der Höhe ihrer Schönheit. Es war der Fall von Liebe auf beiden Seiten. Sie waren zu nah miteinander verwandt, um je heiraten zu können; aber die Königin setzte alle Scham hintan und kam nach Beirut, wo sie als seine Geliebte lebte. Als Manuel von diesem neuen Verhältnis erfuhr, und zwar vermutlich durch die Botschafter, die Königin Maria nach Palästina geleitet hatten, kannte sein Zorn keine Grenzen mehr. Seine nächsten Botschafter in Palästina forderten insgeheim die Auslieferung des Schuldigen. Ihre Anweisungen fielen in Theodoras Hände. Da es hinlänglich bekannt war, dass Amalrich sich um das Wohlwollen Manuels bemühte, hielt Andronikos es für klug, sich wegzubegeben. Er ließ kundtun, dass er in seine Heimat zurückkehre, und Theodora kam noch einmal aus Akkon herbei, um ihm Lebewohl zu sagen. Sobald sie beisammen waren, ließen sie alle ihre Besitztümer fahren und entflohen ohne Begleitung nach Damaskus. Nur ed-Din nahm sie freundlich auf, und sie verbrachten die nächsten Jahre auf der Wanderschaft durch den mohammedanischen Osten und besuchten sogar Bagdad, bis schließlich ein muselmanischer Emir ihnen eine Burg in der Nähe der paphlagonischen Reichsgrenze gab, wo Andronikos, inzwischen aus der Kirche ausgestoßen, sich glücklich und zufrieden dem Räuberleben widmete. Amalrich bedauerte ihren Abzug nicht; denn er gestattete es ihm, das reiche Leibgedinge seiner Schwägerin zurückzunehmen.

Mayer, Hans Eberhard: Seite 106,109,116
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Die Verhandlungen führten im September 1158 zu der glanzvollen Hochzeit Balduins III. mit Theodora, der blutjungen Nichte des byzantinischen Kaisers, deren reiche Mitgift den König auch fürs erste aus seinen finanziellen Verlegenheiten befreite.
Andronikos' Bleiben in Beirut war nicht lange gewesen, denn er hatte die Witwe Balduins III. entführt und mit ihr an islamischen Höfen des Mittleren Ostens ein unstetes Wanderleben geführt, bis Theodoras Gefangennahme durch Byzanz zur Unterwerfung des Andronikos unter Manuel geführt hatte.

Pernoud Regine: Seite 107
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"Frauen zur Zeit der Kreuzzüge"

Manuel Komnenos stimmte schließlich der Heirat seiner Nichte Theodora, der Tochter seines Bruders Isaak Komnenos, mit dem König von Jerusalem zu. Sie war 13 Jahre alt und "wurde für eine große Schönheit gehalten. Sie hatte einen zierlichen, wohlgestalteten Körper, ebenmäßige Gesichtszüge, eine helle Hautfarbe, volles blondes Haar, ein artiges Benehmen und ein einnehmendes Wesen" heißt es bei dem Übersetzer Wilhelms von Tyrus. Der Kaiser stattete sie mit einer ansehnlichen Mitgift aus und ließ ihr "Gold, Edelsteine, herrliche ausländische Gefäße, seidene Stoffe und Teppiche mitgeben im Wert von 40.000 Perper" (byzantinische Goldmünzen; ein Perper war etwa 7 Pariser Sous wert).
Der König schenkte seiner Gemahlin als Morgengabe die Stadt Akkon samt Umgebung. Nachdem die Verträge abgeschlossen waren, stach die junge Theodora mit den fränkischen Abgesandten und einer Eskorte byzantinischer Würdenträger in See. Sie traf im September 1158 in Tyrus ein und begab sich sofort nach Jerusalem, wo die Hochzeitsfeier stattfand. Glleichzeitig salbte und krönte der Patriarch die Königin. Balduin scheint sehr verliebt in sie gewesen zu sein: "Sobald er verheiratet war, legte er alle schlechten Gewohnheiten seines früheren Lebenswandels ab..., und so lange erlebte, war er sehr treu und sündigte nie mehr mit einer fremden Frau. Er liebte seine Frau so sehr, dass er sie in Ehren hielt; er benahm sich gesittet und vernünftig wie ein reifer Mann."
Nicht weit von Beirut entfernt, in Akkon, lebte Prinzessin Theodora, die Witwe Balduins III., der fünf Jahre zuvor gestorben war. Sie war sehr schön und damals (1167) erst 22 Jahre alt. Andronikos Komnenos stattete ihr einen Besuch ab, machte ihr unweigerlich den Hof und verstand es wie immer, ihre Zuneigung zu gewinnen. Theodora ging mit nach Beirut und blieb bei ihm. Manuel Komnenos war außer sich, als er das erfuhr. Er forderte König Amalrich auf, seinen Vetter, diesen Herumtreiber, unverzüglich festnehmen und nach guter alter byzantinischer Sitte blenden zu lassen. Andronikos begriff, dass er in Beirut nicht mehr sicher war, und beschloß, mit seiner Eroberung zu fliehen. Er ließ überall verkünden, er habe eine Reise vor, und Theodora tat so, als wolle sie ihn bis vor die Stadt begleiten. Dann machten sich beide davon.
Wohin sollten sie fliehen? Weder im Kaiserreich Byzanz noch im Königreich Jerusalem konnten sie einen sicheren Zufluchtsort finden. Die beiden Liebenden wurden zunächst in Damaskus von Sultan Nur ed-Din aufgenommen, danach in Harran, wo die Prinzessin einen Sohn zur Welt brachte, und später in Bagdad. Doch die Gastfreundschaft der türkisch-arabischen Staaten scheint nicht unbegrenzt gewesen zu sein, denn sie flohen danach nach Mardin und schließlich nach Erzerum: Die beiden waren ständig auf der Flucht. Theodora wurde schließlich erkannt und vom Statthalter von Trapezunt gefangengenommen. Andronikos beschloß darauf, Manuel Komnenos um Gnade zu bitten und sich ihm zu unterwerfen. Er leistete dem Kaiser den Treueid ebenso wie dessen Sohn Alexios II. Das war im Juli 1180.

Norwich John Julius: Band III Seite 168
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Auf jeden Fall begab sich Andronikos eilends ins Heilige Land, um sich König Amalrich von Jerusalem zur Verfügung zu stellen. Dort, in Akko, begegnete er erstmals seiner Verwandten Königin Theodora, der 21-jährigen Witwe König Balduins III., Amalrichs Vorgänger. Sie wurde die Liebe seines Lebens. Als er bald darauf sein neues Lehen in Beirut antrat, das ihm Almarich kurz zuvor in Anerkennung seiner Dienste verliehen hatte, schloß Theodora sich ihm an. Ihre Blutsverwandtschaft verbot ihnen die Eheschließung, und so lebten die beiden in offener Sünde zusammen, bis der Boden auch in Beirut zu heiß für sie wurde.
Nach einer langen Irrfahrt im moslemischen Osten ließen sich Theodora und Andronikos schließlich in Kolonea nieder, direkt jenseits der östlichen Reichsgrenze, und lebten dort eine Weile unbehelligt von den Mitteln, die sie hatten mitnehmen können und mit dem Erlös aus kleineren Plünderzügen ergänzten. Aber ihre Idylle fand ein jähes Ende, als Theodora und ihre beiden noch kleinen Söhne von den Schergen des Herzogs von Trapezunt verschleppt und nach Konstantinopel geschafft wurden. Gepeinigt vom Verlust, eilte Andronikos ihr in die Hauptstadt nach, wo er sich sofort aus freien Stücken Manuel theatralisch vor die Füße warf und ihm alles versprach, wenn er nur die geliebte Frau und die Kinder zurückerhalte. Manuel zeigte sich gewohnt großzügig; schließlich war Theodora seine Nichte. Indes konnte er eine zugleich so ungehörige wie öffentlich bekannte Verbindung in Konstantinopel nicht dulden; so erhielten die beiden denn eine komfortable Festung an der Schwarzmeerküste, um dort in einigermaßen ehrenvollem Exil und - so hoffte man allgemein - friedlicher Zurückgezogenheit zu leben.
Was aus Theodora wurde, ist offenbar nicht bekannt. Kann sein, dass auch sie ein unerfreuliches Ende fand; vielleicht kam sie aber auch in einem Kloster unter und verbrachte den Rest ihres Lebens dort.

Payne Robert: Seite 174,183 (siehe unten)
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"Die Kreuuzüge. Zweihundert Jahre Kampf um das Heilige Grab."

Die Verhandlungen dauerten während mehrerer Wochen an. Endlich wurde in der Person von Theodora, der Tochter von Isaak Komnenos, Manuels älterem Bruder, eine passende Prinzessin gefunden. Sie war 13 Jahre alt, strahlend schön, sehr groß, hatte dichtes blondes Haar und war in ihrer Art von natürlicher Eleganz Ihre Mitgift, ihre Aussteuer, ihr Hochzeitskleid, ihre mit Perlen besetzten Roben, die Kasetten voller Schmuck, die Tapisserien und seidenen Behänge, die Tepiche und goldenen Gefäße waren ein Vermögen wert. So ausgestattet kam sie in Begleitung ihrer Hofdamen und der Gesandten des Königs von Jerusalem im September 1158 in Tyrus an. In einem prächtigen Aufzug reiste sie nach Jerusalem und heiratete dort den 27-jährigen Balduin. Er war begeistert von seiner Braut, und man sagt, er sei ihr zeit seines Lebens treu geblieben.
Um diese Zeit kam ein gewisser Andronikos Komnenos, ein Vetter des Kaisers ins Heilige Land. Er führte Böses im Schilde. Als byzantinischer Statthalter von Kilikien hatte er große Reichtümer angesammelt und schien nun zu glauben, er könnte die junge Witwe Balduins III. heiraten und sich auf diesem Weg eine hohe Stellung im Königreich Jerusalem erwerben. Er machte sich bei Amalrich sehr beliebt und erhielt von ihm Beirut als persönliches Lehen. Von Beirut zog er nach Akkon, das der Königin-Witwe Theodora gehörte. Theodora war jetzt 21 Jahre alt und schöner als je zuvor. Andronikos und Theodora verliebten sich, und die Königin kam nach Beirut zu ihrem Geliebten. Es war ein großer Skandal. Der Kaiser verlangte, daß Andronikos ausgeliefert werde. Andronikos und Theodora flohen nach Damaskus, wo sie von Nur Ad Din herzlich willkommen geheißen wurden. Nur Ad Din hoffte, einen Weg zu finden, sich die Königs-Witwe von Jerusalem nützlich zu machen. Das Paar durfte Bagdad besuchen. Ein muslimischer Emir schenkte Andronikos eine Burg an der paphlagonischen Grenze. Dort betätigte er sich als berufsmäßiger Straßenräuber. Als Theodora und ihre zwei Söhne gefangengenommen wurden, bat er den Kaiser um die Erlaubnis, sie im Gefängnis besuchen zu dürfen.
Kein Kaiser war je zuvor beim Volke so beliebt gewesen. Dann starb Theodora und er heiratete die 12-jährige Prinzessin Agnes von Frankreich, die Tochter Ludwigs VII.

Verwandtschaft mit Andronikos I. Komnenos:

                                     Alexios I. Komnenos
 

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       Isaak Komnenos                                      Johannes II. Komnenos
 
 

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    Andronikos I.                           Isaak Komnenos            Manuel I.
 
 

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                                                    Theodora Königin von Jerusalem



 1158
  oo Balduin III. König von Jerusalem
  x  1129-10.2.1163

  oo Andronikos I. Komnenos Kaiser von Byzanz
      1111/20-12.9.1185 ermordet
 
 
 
 

Kinder:
2. Ehe

  Irene Komnena
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  oo Alexios
               - nach 1188
 
 
 
 

Literatur:
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Kugler Bernd: Geschichte der Kreuzzüge. Reprint-Verlag-Leipzig 1880 - Lehmann Johannes: Die Kreuzfahrer. Abenteurer Gottes. Gondrom Verlag Bindlach 1991 Seite 225,232,240 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 106,109,116 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 168 - Payne Robert: Die Kreuuzüge. Zweihundert Jahre Kampf um das Heilige Grab. Albatros Verlag Düsseldorf 2001 Seite 174,183 - Pernoud Regine: Frauen zur Zeit der Kreuzzüge Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 Seite 107 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 655,667,681-682 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 202 -