Agnes de Cortenay                           Königin von Jerusalem
------------------------                          Gräfin von Jaffa und Askalon
1133vor 1.2.1185
 

Tochter des Grafen Joscelin II. von Edessa aus dem Hause COURTENAY und der Beatrice
 

Brandenburg Erich: Tafel 7 Seite 15
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XIII. 46 b. AMALRICH I., König von Jerusalem 1163
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* 1136,  1174 11. VII.

Gemahlin:
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a) 1157 oder 1158
Agnes, Tochter Joscelins II. von Courtenay, Gräfin von Edessa
     nach 1181

oIo wegen Verwandtschaft 1162

b) 29. VIII.1167
Maria, Tochter des Johannes Komnenos
      †
II. oo Balian II. von Ibelin


Thiele, Andreas: Tafel 175
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

AGNES
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     1184/85

  1) oo RAINALD, Fürst von Marasch
                   1149 fällt mit Fürst Raimund I. von Antiochia bei Enneb

  2) oo AMALRICH I. D'ANJOU, König von Jerusalem
                    1174

  3) oo HUGO IBELIN, Kastellan von Ramla/zeitweise Kairo
                    1171


Runciman Steven: Seite 635,667,708-709,724-726,737
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Nach der Eroberung von Edessa zog sich die Gräfin Beatrice mit ihren Kindern Joscelin und Agnes nach Jerusalem zurück.
Die Barone hatten gegen Amalrich einen berechtigten Klagepunkt. Amalrich hatte vier Jahre zuvor Agnes von Courtenay, die Tochter Joscelins II. von Edessa, geheiratet. Sie war seine Base 3. Grades und folglich innerhalb der von der Kirche verbotenen Blutsverwandtschaft; und der Patriarch hatte sich geweigert, die Eheschließung zu beglaubigen. Darüber hinaus bestanden noch andere Gründe zur Abneigung gegen Agnes. Sie war beträchtlich älter als Amalrich. Ihr erster Gatte Reinhold von Marasch war im Jahr 1149 in der Schlacht gefallen, als Amalrich 13 Jahre alt war, und ihre Keuschheit stand in keinem guten Ruf. Der Patriarch und die Barone verlangten, dass die Ehe annulliert werde. Amalrich erklärte sich sofort damit einverstanden, bestand aber darauf, dass die eheliche Geburt und die Erbrechte seiner beiden Kinder Balduin und Sibylle anerkannt würden. Die persönlichen Feindseligkeiten übertrafen die politischen Meinungsverscheidenheiten noch an Schärfe. Die meisten Edlen waren jetzt miteinander vervettert; und die Familienzwiste sind stets die bittersten. Die beiden Gemahlinnen König Amalrichs haßten einander. Agnes von Courtenay, die Schwester des Grafen Joscelin, hatte seit ihrer Scheidung zweimal wiedergeheiratet. Ihr zweiter Gatte Hugo von Ibelin war bereits nach einigen Jahren gestorben; sein Nachfolger Reinhold von Sidon entdeckte zu seiner Freude, dass er gleich Amalrich, ein zu naher Blutsverwandter seiner Gattin war, und verschaffte sich die Annullierung der Ehe. Während Agnes sich auf die Seite ihres Bruders und der Tempelritter schlug, schloß er sich der anderen Partei an. Im Jahr 1176 ernannte König Balduin IV. seinen Onkel Joscelin zum Seneschall und seine Mutter Agnes kehrte an den Hof zurück. Ihr Einfluß war verhängnisvoll. Sie war verderbt, bösartig und habgierig und unersättlich auf Männer und Geld erpicht. Man hatte ihr nicht gestattet, ihre Kinder aufzuziehen. Aber jetzt begann sie sich in das Leben ihrer Kinder einzumischen. Balduin schenkte ihr gegen sein besseres Wissen Gehör; und Sibylle wurde völlig von ihr beherrscht.
Die Dame Agnes hatte die Verwandten ihrer verschiedenen Gatten nie leiden mögen, und die IBELINS mißbilligte sie. Amalrich von Lusignan, Agnes' Geliebter, brachte seinen Bruder Guido bei Agnes und Sibylle ins Gespräch und die beiden Frauen setzten dem kranken König solange zu, bis er Ostern 1180 seine Einwilligung zur Ehe Sibylles mit Guido gab.

Mayer Hans Eberhard: Seite 107,108,117-121
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Die Nachfolge Amalrichs war im Adel umstritten, denn er hatte 1157 gegen heftige Opposition der Kirche Agnes, die Tochter Joscelins II. von Edessa, trotz deren bereits bestehender Ehe mit Hugo von Ibelin geheiratet. Das war ein Affront gegenüber dem Adel, und es drohte erneut ein bigamer König. Die Opposition erzwang die Scheidung, wobei als Vorwand eine unzulässige Blutsverwandtschaft der Ehegatten diente, für sie man indessen leicht Dispens hätte erhalten können. Das erleichterte Kirche und Kandidat den Kompromiß: Die Ehe wurde getrennt, aber die beiden Kinder Sybille und Balduin galten als legitim, blieben also thronfolgefähig. Agnes kehrte zu Hugo zurück. Aber ihr Ruf war angeschlagen. Spätere Quellen machten sie zur "femme fatale" des lateinischen Ostens und dichteten ihr mehrere skandalöse Liebhaber an.
Agnes von Courtenay übte als Mutter Balduins IV. und Großmutter Balduins V. einen besonders schlechten Einfluß auf den König aus. Ein Chronist sagte von ihr: "Sie war geldgierig und liebte die Macht allzusehr." Bis 1169 war sie in dritter Ehe mit Hugo von Ibelin verheiratet und dadurch in die andere Partei eingebunden. Nach seinem Tod heiratete sie vor 1171 Rainald von Sidon, was die alten Familien so schockierte, dass Rainalds eigener Vater, anscheinend erfolglos, die Annullierung der Ehe betrieb. Während Raimunds von Tripolis Regentschaft war die Stellung von Agnes noch relativ bedeutungslos, obwohl sie schon 1175 die Wahl ihres Günstlings Eraclius zum Erzbischof von Caesarea durchsetzte; böse Zungen sprachen von einem Liebesverhältnis. Nach Raimunds Abtritt sorgte sie dafür, dass ihr eigener Einfluß und der ihrer Kamarilla, die in der Literatur als "Hofpartei" bekannt ist, rasch anwuchsen. Sie stand 1176 hinter der Ernennung ihre gerade aus der Gefangenschaft freigekauften Bruders Joscelin III. zum Seneschalk von Jerusalem. Durch eine Ehe zwischen Maria Komnena, der Witwe des Königs Amalrich, mit Barisan, dem jüngsten der IBELIN-Brüder, wuchs ihr Einfluß bei Hof (1177), weil die Ehe das Ende von Marias Stellung als ehemalige Königin bedeutete. Der mächtige Konstabler Humfried II. von Toron wurde, ähnlich wie 1176/77 Wilhelm von Tyrus, kaltgestellt, ohne abgesetzt zu werden. Agnes sorgte dafür, dass Amalrich von Lusignan die Nachfolge Humfrieds antrat, und wieder munkelte man von einer Liebesaffäre. Bei einer Kampfwahl des Jahres 1180 gelang es Agnes, Eraclius von Caesarea (etwa 1190) gegen die Kandidatur Wilhelms von Tyrus zum Patriarchen zu machen, womit der Aufmarsch der Parteien beendet war.
Agnes hatte bei der 1180 erfolgten Verlobung von Humfried IV. von Toron mit Isabella von Jerusalem, Tochter von König Amalrich I., die Hand im Spiel, da Humfried das väterliche Erbgut Toron aufgeben mußte und Agnes schon 1184 in dessen Besitz erscheint. Als Balduin IV. Guido von Lusignan als Regenten absetzte und Raimund III. zum Regenten berufen wollte, regierte der König auf Empfehlung seiner Mutter Agnes ohne Regent weiter. Das Scheitern der Pläne der Hofpartei dürfte Agnes nicht mehr erlebt haben, jedenfalls war sie am 1. Februar 1185 bereits tot.

Jones Terry/Ereira Alan: Seite 149
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"Die Kreuzzüge"

Die beiden großen Parteien scharten sich in gewissem Maße um die beiden Frauen, die der Vater Balduins IV., König Amalric, geheiratet hatte. Er hatte sich gezwungen gesehen, seine Ehe mit seiner ersten Frau, der ausschweifenden Agnes de Courtenay, zu annullieren, doch war es unter der Bedingung geschehen, daß ihre beiden Kinder in der Thronfolge ganz oben rangierten. Dies wurde natürlich von Amalrics zweiter Frau, der wunderschönen Griechin Maria Comnena, abgelehnt, die selbst ein Kind mit ihm hatte - Isabella. Selbstverständlich haßten sich die beiden Frauen.
Agnes Partei, zu der der Kommandant der Templerritter gehörte, bestand vor allem aus Männern, die sie attraktiv fand, wie Eraclius, der Patriarch von Jerusalem, und Guy de Lusignan, den sie mit ihrer Tochter Sibylla verheiratete, sowie ihrem Bruder Joscelin, den mächtigen Seneschall von Jerusalem.
 
 
 
 

  1. oo Reinhold Herr von Marasch
               28.6.1149 gefallen

  2. oo Hugo von Ibelin, Herr von Ramleh
                1169

    1158-1161
  3. oo Amalrich I. König von Jerusalem
           113711.7.1174

    1171
  4. oo Reinhold Graf von Sidon
               
 
 
 
 

Kinder:
3. Ehe

  Sibylle
  11591.10.1190

  Balduin IV. König von Jerusalem
  116016.3.1185
 
 
 
 

Literatur:
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Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 7 Seite 15 - Jones Terry/Ereira Alan: Die Kreuzzüge. Bechtermünz Verlag 2000 Seite 149,158 - Kugler Bernd: Geschichte der Kreuzzüge. Reprint-Verlag-Leipzig 1880 - Lehmann Johannes: Die Kreuzfahrer. Abenteurer Gottes. Gondrom Verlag Bindlach 1991 Seite 259 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 107,108,117-121 - Pernoud Regine: Frauen zur Zeit der Kreuzzüge. Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 602,635,667, 678-709,724-726,737,744 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 175 -