Ptolemaios VIII. Euergetes II. Physkon    König von Ägypten (164 v.u.Z.) (145-116 v.u.Z.)
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um 180 † 28.6.116 v.u.Z.
 

Jüngerer Sohn des Königs Ptolemaios V. Epiphanes von Ägypten aus dem Hause der PTOLEMÄER und der Kleopatra I. Syra, Tochter von König Antiochos III. dem Großen
 

Illustriertes Lexikon des Altertums: Seite 350
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Ptolemaios VIII. Euergetes II.
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Bruder Ptolemaios‘ VI., mit dem er zwischen 170 und 164 v. Chr. Mitregent war. 163-145 war Ptolemaios VIII. Euergetes II. König von Kyrene und vermachte als erster hellenistischer König sein Reich testamentarisch an Rom (wenn auch ohne Erfolg). Nach dem Tod des Bruders wurde er 145 v. Chr. König von Ägypten. Er heiratete seine Schwester Kleopatra II. und tötete 144 Ptolemaios VII., der der Sohn seines Bruders und seiner Schwester/Frau war. 142 heiratete er Kleopatra III., die Tochter seiner Frau. Kleopatra II. revoltierte aber, und 132 verlor Ptolemaios VIII. seine Herrschaft an sie. 127 konnte nur Alexandria zurückerobern. 124 wurde Friede geschlossen, und Ptolemaios VIII. Euergetes II. regierte gemeinsam mit beiden Frauen, Schwester und Nichte (Kleopatra II. und III.). Ptolemaios VIII. starb 116 v. Chr.



Lexikon Alte Kulturen: Band III Seite 214
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Ptolemaios VIII. Euergetes [= der Wohltäter], genannt Physkon (= Dickbauch)
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* um 180 v. Chr. † 116 v. Chr.

König von Ägypten (Alleinherrschaft 164/163 und seit 145), König von Kyrene (163-145)

Bruder Ptolemaios‘ VI.

Entzündete durch seine Doppelehe mit seiner Schwester Kleopatra II. († 115 v. Chr.; vorher Gattin von Ptolemaios VI.), deren Sohn Ptolemaios VII. er sofort ermorden ließ, und seiner Stieftochter Kleopatra III. einen auch unter den Nachfolgern nicht zur Ruhe kommenden Dynastie- und Bürgerkrieg; setzte als Herrscher von Kyrene als erster hellenistischer König testamentarisch Rom als Erben ein: 162/161 wollte er auf diese Weise mit Roms Unterstützung Zypern und Ägypten gewinnen. Er griff wie sein Vorgänger in die seleukidischen Thronstreitigkeiten ein. Verfasser einer Autobiographie (24 Bücher, verloren).



Thiele, Andreas: Tafel 247
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

PTOLEMÄUS VIII. "EUERGETES II."
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* 181 v.u.Z. † 116 v.u.Z.

Ptolemaios VIII. Euergetes II. wurde 169 v.u.Z. durch die Alexandriner Gegen-König gegen seinen Bruder Ptolemaios VI. und seinen SELEUKIDEN-Onkel Antiochos IV. Er versöhnte sich 168 v.u.Z. mit seinem Bruder, geriet wieder gegen ihn und verjagte ihn 164-163 v.u.Z. Er wurde danach als Mit-König zu Kyrene bestätigt und vermachte dieses Teilreich 155 v.u.Z. testamentarisch Rom (= erstes romfreundliches Testament eines hellenistischen Herrschers). Er tat dies auch, um seine Ansprüche auf Zypern abzusichern, das der Bruder besaß. Er ermordete 144 v.u.Z. seinen Neffen und Stiefsohn Ptolemaios VII. Neos Philopator und wurde damit alleiniger König. Er zwang seine Schwester Kleopatra II. zur Heirat, verstieß sie 142 v.u.Z. zugunsten von deren Tochter Kleopatra III., seiner Nichte und provozierte damit bis zuletzt verheerende Kriege mit der Schwester. Er verfolgte zuerst griechische Gelehrte und Juden, geriet später unter den Einfluß der Alexandriner und war daher juden- und griechenfreundlich eingestellt. Er wurde 131 v.u.Z.-129 v.u.Z. von der Schwester verjagt und unterstützte in den seleukidischen Bürgerkriegen Antiochos VIII.

  1. oo 144-142 v.u.Z.
           KLEOPATRA II., Schwester
                 † 116/15 v.u.Z.

  2. oo 142 v.u.Z.
           KLEOPATRA III.
                 † 101 v.u.Z. ermordet



Während des 6. Syrischen Krieges wurde Ptolemaios VIII. Euergetes II. Physkon 170 v.u.Z. von den Alexandrinern zum König ausgerufen. Beim Angriff von Antiochos IV. auf Ägypten versöhnte er sich mit seinem Bruder und ersuchte im Sommer 169 v.u.Z. Rom um Hilfe. Ptolemaios VIII. errichtete in Ägypten eine despotische Herrschaft und vertrieb seinen Bruder. Nach dessen Rückkehr wurde unter römischer Beteiligung das Reich geteilt und Ptolemaios VIII. erhielt die Kyrenaika. Nach dem Tode seines Bruders 145 v.u.Z. wurde er zwangsläufig König. Er war einer der brutalsten und gleichzeitig intelligentesten Politiker der hellenistischen Zeit. Er ließ den potentiellen Thronprätendenten Ptolemaios VII. und dessen Anhänger ermorden und ging mit äußerster Härte gegen die Juden Ägyptens und die griechische Intelligenz vor. Der Konsens mit Kleopatra II., die er, als Mörder ihres Sohnes, heiratete, blieb nur Fassade. 141/40 v.u.Z. heiratete er ihre Tochter Kleopatra III. und erließ 145/44 v.u.Z. und 139 v.u.Z. eine Amnestie und bestätigte den Tempeln und Priestern ihre Rechte und Einkünfte. Zu Beginn seiner Regierung zog er die ägyptischen Truppen aus den letzten verbliebenen Stützpunkten in der Ägäis ab, zum PTOLEMÄER-Reich gehörten nun nur noch Unternubien, Zypern, die Kyrenaika und die Posten am Roten Meer. 132 v.u.Z. brach der Bügerkrieg mit Kleopatra II. aus und Ptolemaios VIII. und Kleopatra III. mußten fliehen. Er begann 130 v.u.Z. mit der Rückeroberung Ägyptens und konnte 127/26 v.u.Z. in Alexandria einziehen, wo er sich an den Bewohnern blutig rächte. Im Jahre 124 v.u.Z. wurde die Dreierregierung Ptolemaios VIII., Kleopatra II. und Kleopatra III. wiederhergestellt. Unter seiner Regierung ging die Produktion zurück und durch den Verlust von Koilesyrien gingen auch die Karawanenstraßen nach Innerasien verloren.
 
 
 
 

    145 v.u.Z.
  1. oo 2. Kleopatra II., seine Schwester
               um 185 v.u.Z. † 116/15 v.u.Z.

    142 v.u.Z.
  2. oo Kleopatra III., seine Nichte
           um 160 v.u.Z. † 101 v.u.Z.
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Ptolemaios Memphites
  144 v.u.Z. † 131 v.u.Z. ermordet

2. Ehe

  Ptolemaios IX. Soter
  143 v.u.Z. † 80 v.u.Z.

  Ptolemaios X. Alexander I.
  um 137 v.u.Z. † 88 v.u.Z. ermordet

  Kleopatra IV.
  um 141 v.u.Z. † 112 v.u.Z. ermordet

  Kleopatra V. Selene
  um 135 v.u.Z. † 69 v.u.Z.

  Kleopatra Tryphaina
  um 137 v.u.Z. † 111 v.u.Z. hingerichtet

Illegitim

  Ptolemaios Apion König von Kyrene
  um 154 v.u.Z. † 96 v.u.Z.
 
 
 
 

Literatur:       www.bautz.de          http://lexikon.freenet.de
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Bengtson Hermann: Die Diadochen. Die Nachfolger Alexanders des Großen. C.  H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München 1987 Seite 98 - Brambach Joachim: Kleopatra. Herrscherin und Geliebte. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 35 - Grant, Michael: Kleopatra. Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1988 Seite 23,35,55,362 - Herm Gerhard: Die Welt der Diadochen. Alexanders Erben kämpfen um die Herrschaft. C. Bertelmann Verlages GmbH, München 1978 Seite 375 - Hölbl Günther: Geschichte des Ptolemäerreiches. Politik, Ideologie und religiöse Kultur von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung. Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1994 Seite 128-134,157-166,171-186 - KLEINES LEXIKON DES HELLENISMUS. Otto Harrossowitz Verlag Wiesbanden 1993 Seite 114,117,211,406,412,498,534,576,624,683,718,760 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 247 -