Ptolemaios I. Soter ("Retter")         König von Ägypten (305-283 v.u.Z.)
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367/66 v.u.Z. Ende 283/282 v.u.Z.
 

Sohn des Makedonischen Edelmannes Lagos und der Arsinoe, einer Verwandten des makedonischen Königshauses
 

Illustriertes Lexikon des Altertums: Seite 349
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PTOLEMAIOS I. Soter
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* um 367/366, 283/282 v. Chr.

Sohn des Makedoniers Lagos und Arsinoes, Freund Alexanders des Großen und Gründer der ptolemäischen (oder lagidischen) Herrscherdynastie Agyptens. Er wurde um 367/366 v. Chr. geboren und starb 283/282. Philipp II. hatte ihn verbannt, doch nach Alexanders Thronbesteigung kehrte er heim. Ptolemaios war Alexanders Gefährte und Leibwächter und nahm an dessen Perserfeldzug teil. Er nahm Bessos gefangen, den persischen Satrapen, der Dareios III. getötet hatte. 323 wurde Ptolemaios Satrap von Ägypten. Er ließ Kleomenes (3) hinrichten und bemächtigte sich des Leichnams Alexanders, den er erst in Memphis und dann in Alexandria beisetzte. Geschickt wehrte er den Angriff von Perdikkas ab und verteidigte sich dannach gegen Antigonos I. Ptolemaios gewährte Seleukos I. Schutz und  half ihm, Babylonien zurückzugewinnen. 312 siegte er bei Gaza entscheidend gegen Demetrios I.; 306 mußte er allerdings  vor Salamos gegen Demetrios eine Seenniederlage einstecken. Im Jahr danach folgte er dem Beispiel Antigonos' und nahm den Königstitel an. An der letzten Schlacht bei Ipsos (301) nahm er nicht teil, doch konnte er Palästina und Phönizien besetzen - Gebiete, die im folgenden Jahrhundert zum ständigen Zankapfel mit den SELEUKIDEN wurden. Ptolemaios I. annektierte auch Cypern, viele ägäische Inseln, Teil Kleinasiens und Kyrene. Er legte den Grundstein zu allen Institutionnen des PTOLEMÄER-Reiches. Ptolemaios begründetet den Sarapiskult, organisierte die Armee und die ägyptische Wirtschaft (mit königlichen Monopolen und staatllicher Kontrolle) und baute Alexandria aus. Unter Ptolemaios wurden das Museion und die Bibliothek gegründet, womit eine Blütezeit für Wissenschaft und Kunst begann. Unter Alexander hatte er eine persische Fürstin geheiratet; nun ließ er sich scheiden und heiratete erst Euridike und dann Berenike (1). Ptolemaios' Töchter heirateten Lysimachos und Pyrrhos. 285 ernannte er seinen Sohn Ptolemaiios Philadelphoszum Mitregenten. In seinem lettztenn Lebensjahr schrieb er eine Alexander-Biographie, die zur Hauptquelle Arrians wurde.

H. Strasburger, P. und Alexander, 1934; E. Kornemann, Die Alexandergeschichte des Königs Ptolemaios I., 1935.



Lexikon Alte Kulturen: Band III Seite 213
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Ptolemaios I. Soter [= der Retter]
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* um 366 v. Chr. 283 v. Chr.
in Makedonien

Freund und Leibwächter Alexanders des Großen, Satrap (seit 323) von Ägypten, dann König (seit 305 v. Chr.)

Ptolemaios I. Soter, Begründer der Dynastie der PTOLEMÄER, baute seit Übernahme der Satrapie Ägypten zielbewußt zum selbständigen Territorialstaat aus. Verheiratet mit Eurydike (zwischen 322 und 319), der Tochter Antipaters, und mit Berenike I. (ab 317). Verfasser einer Alexander-Geschichte (um 310). 323 wesentlich an der Aufteilung des Alexander-Reichs beteiligt, vermehrte Ptolemaios I. durch kluge Außenpolitik in den Kriegen der Diadochen seine Macht (301 Gewinn Kyrenes und Palästinas, um 294 Zyperns, zeitweise Vorsitz im Nesiotenbund) und stabilisierte die Position seiner Dynastie nach außen (Heiratspolitik) und im Innern (Grundlegung der inneren Struktur des PTOLEMÄER-Reiches); Einführung des Kultes des Sarapis, Ausbau Alexandreias, Gründung von Museion und Bibliothek in Alexandreia. 285 erhob er Ptolemaios II. Philadelphos zum Mitregenten. Ptolemaios I. erhielt kultische Ehren als Soter 305/04, als er die Rhodier aus der Belagerung des Demetrios I. Poliorketes befreite. Der Reichskult Alexanders des Großen, dessen Leiche er in Memphis beisetzen ließ, wurde von ihm begründet.

Literatur: Seibert, J.: Untersuchungen zur Geschichte Ptolemaios' I. München 1969.



Thiele, Andreas: Tafel 245
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

PTOLEMÄUS I. "SOTER"
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* um 367 v.u.Z. 283 v.u.Z.

Ptolemaios I. Soter wurde 337/36 v.u.Z. mit seinem Jugendfreund Alexander III. dem Großen verbannt, war ab 336 v.u.Z. dessen oberster Leibwächter und machte alle Feldzüge in hervorragenden Positionen mit. 329 v.u.Z. nahm er den Satrapen Bessos fest, der 330 v.u.Z. König Dareios III. ermordet hatte. Ptolemaios wurde 323 v. u.Z. durch die Konferenz von Babylon Satrap-Statthalter von Ägypten, das er sofort für eine eigene Königsherrschaft auf- und auszubauen begann. Er hatte den wirtschaftlich und kulturell geschlossensten Teilstaat des Perser-Reiches, was wohl auch mit erklärt, dass sich seine Dynastie am längsten hielt. Er verbündete sich mit den anderen Diadochen gegen den Reichsverweser Perdikkas, der auf einem Feldzug gegen Ptolemaios 321 v.u.Z. ermordet wurde. Er stand danach gegen den Reichsverweser Antigonos I. und stützte gegen ihn den Seleukos I. von Babylon-Syrien und gab ihm zeitweise Asyl. Er führte ihn 312 v.u.Z. nach seinem Sieg bei Gaza zurück, trat 311 v.u.Z. dem allgemeinen Frieden der Diadochen bei und bekam seinen Besitz bestätigt: Ägypten, Zypern, Koilesyrien (Raum Libanon-Damaskus), Palästina, Teile von Kilikien und Karien. Ptolemaios I. unterlag 306 v.u.Z. Demetrios I. in der Seeschlacht bei Salamis und verlor dadurch Zypern, Kleinasien und den Vorderen Orient an die ANTIGONIDEN. Er rettete 305/04 v.u.Z. Rhodos vor ihnen (daher sein Beiname) und nahm den Titel König an. Er gewann 301 v.u.Z. durch die Schlacht bei Ipsos, an der er nicht persönlich teilnahm, Koilesyrien und Palästina zurück und bis 294 v.u.Z. auch Kilikien, Karien und Zypern. Er eroberte auch Kyrene dazu. Ptolemaios I. unterstützte König Lysimachos von Thrakien und König Agathokles von Syrakus, stand bis zuletzt erbittert gegen die ANTIGONIDEN, half sie 288 v.u.Z. aus Makedonien zu verjagen und förderte dort den in Ägypten enterbten Sohn Ptolemaios Keraunos. Er war ein bedeutender Historiker, schrieb eine Geschichte über Alexander den Großen, begründete Museion und Bibliothek in Alexandria, ebenso den Reichskult Alexanders des Großen, den er in Memphis beisetzte. Ptolemaios I. baute Alexandria zur strahlenden Residenz aus, war politisch der weitsichtigste Diadoche seiner Generation, ein fähiger Offizier und Verwalter.

  1. oo 324-321 v.u.Z.
           APAME VON PERSIEN
                 
Tochter des Edelmannes Artabazos

  2. oo EURIDIKE I. VON MAKEDONIEN
                    nach 287 v.u.Z.

Tochter  des Reichsveerwesers Antipatros I.

  3. oo BERENIKE I.
                   nach 279 v.u.Z.

Tochter eines Magas, geschieden von einem nichtadligen makedonischen Offizier Philipp; einflußrreiche Mitregentin des Mannes



Ptolemaios I. Soter war Feldherr und Jugendfreund von Alexander III. dem Großen und wuchs am makedonischen Königshof auf. Er nahm am 2.8.338 v.u.Z. an der Schlacht bei Chaironeia teil und wurde nach dem Tod des Philotas (Herbst 330) Somatophylax(Leibwächter) und gelangte in des Königs Nähe. Im gleichen Jahr nahm er den Bessos, der sich unter dem Namen Artaxerxesals Nachfolger von Dareios III. fühlte, gefangen und ließ ihn in Ekbatana hinrichten. Nach dem Tode Alexanders des Großen erhielt er 323 v.u.Z. Ägypten als Satrapie. Er trat entschieden für eine Reichsteilung ein. Nach der Ermordung des Perdikkas beim Feldzug nach Ägypten (Versuch der Wiederherstellung des Gesamtreiches) lehnte Ptolemaios 321 v.u.Z. die ihm angebotene Reichsverweserschaft ab und ließ die Leiche Alexanders in Memphis bestatten. 312 v.u.Z. besiegte er den Demetrios I. Poliorketes bei Gaza und versuchte 309 v.u.Z. Kleopatra, die Schwester Alexanders, zu heiraten. In der Seeschlacht bei Salamis (Cypern) 306 v.u. Z. verlor er gegen Demetrios I. Poliorketes seine gesamte Flotte und den größten Teil seines Heeres. 305 v.u.Z. nahm er, dem Beispiel des Antigonos I. und Demetrios I. folgend, den Königstitel an. Nach der Schlacht bei Ipsos konnte er Süd-Syrien und Palästina seinem Reich eingliedern. An der Peripherie der Auseinandersetzungen gelang es ihm durch Diplomatie und zielbewußte Politik seine Herrschaft zu sichern und 322 v.u.Z. Kyrene seinem Reich anzugliedern. Ägypten baute er zu einem straff organisierten und zentral von Alexandria aus regierten Staat aus. Seine Residenz Alexandria wurde zum wirtschaftlichen, geistigen und religiösen Mittelpunkt Ägyptens. Als Schriftsteller trat Ptolemaios durch ein nur in Fragmenten in Arrians "Anabasis" erhaltenes Geschichtswerk über Alexander dem Großen hervor, das sich durch große Objektivität ausgezeichnet zu haben scheint und wahrscheinlich auf offiziellen Material basierte. Ptolemaios starb als einziger Diadoche eines natürlichen Todes. Den Beinamen Soter erhielt er von Rhodos für seine Unterstützung gegen Demetrios I. Poliorketes.
Ptolemaios besaß Energie und Willen, gepaart mit Klugheit und hoher Intelligenz und er hat auf den Gebieten des Militärs und der Verwaltung überdurchschnittliches geleistet. Als nüchterner Realpolitiker hat er nie die Hände nach der Herrschaft über das ehemalige Alexander-Reich ausgestreckt.
 
 
 
 

    324 v.u.Z. Susa
  1. oo Artakama (auch Apame), Tochter des Persers Artabazos
               

    322 v.u.Z.
  2. oo Eurydike, Tochter des Reichsverwesers Antipatros
           um 345 v.u.Z. nach 280 v.u.Z.

    317 v.u.Z.
  3. oo 2. Berenike I., Tochter des Lagos und der Antigone
               um 340 nach 279 v.u.Z.
 
 
 
 

Kinder:
2. Ehe

  Ptolemaios Keraunos König von Makedonien
  320/15 v.u.Z. 279 v.u.Z.

  Meleagros König von Makedonien
  umm 315 v.u.Z.  279 v.u.Z. ermordet

  Amyntas
       

  Sohn
      

  Lysandra
      

    300 v.u.Z.
  1. oo Alexander V. König von Makedonien
           um 312 v.u.Z. 294 v.u.Z.

  2. oo Agathokles Kronprinz von Thrakien
           um 312 v.u.Z. 283 v.u.Z.

  Ptolemais
  um 310 v.u.Z. nach 287 v.u.Z.

 287 v.u.Z.
  oo 3. Demetrios I. Poliorketes
          337 v.u.Z. 283 v.u.Z.

  Theoxene (oder Stieftochter)
      

  oo Agathokles Tyrann von Syrakus
       um 361 v.u.Z. 289 v.u.Z.

3. Ehe

  Ptolemaios II. Philadelphos
  308 v.u.Z. 246 v.u.Z.

  Arsinoe II.
  316 v.u.Z. 9.7.270 v.u.Z.

  Philotera
     

  Magas
      

  Argaios
      283 v.u.Z.

Illegitim        von der Hetäre Thais, die seit 323 v.u.Z. die Geliebte von Ptolemaios war

  Leontiskos
      

  Lagos
      

  Eirene
     

  oo Eunostos von Soloi, Stadtkönig auf Zypern
          
 
 
 
 

Literatur:
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Bamm Peter: Alexander der Große. Ein königliches Leben. Droemersche Verlagsanstalt AG Zürich 1968 Seite 20,173,174,175,245,248,295,303 - Bengtson Hermann: Die Diadochen. Die Nachfolger Alexanders des Großen. C.  H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München 1987 Seite 12-203 - Bengtson Hermann: Herrschergestalten des Hellenismus. Verlag C.H. Beck München 1975 Seite 9-37 - Bengtson Hermann: Philipp und Alexander der Große. Die Begründer der hellenistischen Welt. Eugen Diederichs Verlag München 1997 Seite 130,137,144,151,158,166,171,184,195,204,212, 252,258,266 - Benoist-Mechin Jacques: Kleopatra oder der entschwundene Traum. Societäts-Verlag Frankfurt 1980 Seite 93,99,262, 267 - Brambach Joachim: Kleopatra. Herrscherin und Geliebte. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 9,11,15,17-20,23,27 - Droysen Johann Gustav: Geschichte Alexanders des Großen. Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion Kettwig 1990 - Droysen Johann Gustav: Geschichte des Hellenismus. Primus Verlag 1998 Band I Seite 68-451/Band II Seite 5-447/Band III Seite 27,32,35,37,39,169,170,172,483,485 - Errington Malcolm: Geschichte Makedoniens. C.H. Beck Verlag München 1986 Seite 102,108,111,113,116,122,128,129,130,133,135,137,141,144,198,202, 228 - FISCHER WELTGESCHICHTE. Band 6 Der Hellenismus und der Aufstieg Roms. Die Mittelmeerwelt im Altertum II. Fischer Bücherei KG, Frankfurt am Main 1965 Seite 33,35,42,53,62, 64, 70,75,78,138,142,146,152,158,162,176,179,189,207, 214,239,245,254,275,292 - Fox Robin Lane: Die Suche nach Alexander. Georg Westermann Verlag GmbH Braunschweig 1990 Seite 25,26,27,155, 157,163,183,185,212,222,240,257, 260,280,286,297,307,308,309,325 - Geyer, Fritz: Alexander der Große und die Diadochen. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig 1925 Seite26,37,45,47,49,54,58,70, 76,90,107,116,118,,122-140,145,147 - Grant, Michael: Kleopatra. Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1988 Seite 20,40,43,52,56,67,71,93,110,131,191,346,355,372 - Grant, Michael: Von Alexander bis Kleopatra. Die hellenistische Welt. Gondrom Verlag GmbH & Co KG, Bindlach 1984 Seite 16-288 - Herm Gerhard: Die Welt der Diadochen. Alexanders Erben kämpfen um die Herrschaft. C. Bertelmann Verlages GmbH, München 1978 Seite 9-296 - Hölbl Günther: Geschichte des Ptolemäerreiches. Politik, Ideologie und religiöse Kultur von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung. Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1994 Seite 11-337 - KLEINES LEXIKON DES HELLENISMUS. Otto Harrossowitz Verlag Wiesbanden 1993 Seite 52,55,57,88,113, 187,210,221,225,247,250,273,275,290,297,341,382,409,411,443,459,461,478, 486,502,509,565,609, 620,629,646,711,724,802,806,808,814 - Kornemann Ernst: Große Frauen des Altertums. Verlag Schibli-Doppler Birsfeld-Basel Seite 79,99,115,400 - Kreißig Heinz: Geschichte des Hellenismus. Akademie-Verlag Berlin 1982 Seite 49,79,80,82,84,86,90-92,133,156,188 - Lauffer Siegfried: Alexander der Große. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München 1993 Seite 44,58, 62,83,90,105,120,123,129,43,155,166,169,173,178,190,195,219 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 245 -