Ptolemaios X. Alexander I.            König von Ägypten (107-88 v.u.Z.)
---------------------------------           König von Zypern (116-107 v.u.Z.)
um 137 v.u.Z. 87 v.u.Z.
 

Jüngerer Sohn des Königs Ptolemaios VIII. Euergetes II. Physkon aus dem Hause der PTOLERMÄER und der Kleopatra III., Tochter von König Ptolemaios VI. Philometor
 

Thiele, Andreas: Tafel 248
**************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

PTOLEMAIOS X. ALEXANDROS I.
-------------------------------------------------
    88 v.u.Z.

Ptolemaios X. Alexander I. wurde von seiner Mutter sehr bevorzugt. Er sollte 116 v.u.Z. seinem Vater als König von Ägypten folgen, was die Alexandriner verhinderten. Er war seit 110 v.u.Z. König von Zypern und wurde 107 v.u.Z. nach rücksichtslosen Bruderkriegen durch einen Staatsstreich seiner Mutter König von Ägypten. Um endlich unabhängig zu sein, ermordete er 101 v.u.Z. seine Mutter und half Antiochos VIII. im seleukidischen Thronkrieg. Ptolemaios X. stützte sich besonders auf Juden und judenfreundliche Kreise, geriet dadurch gegen die traditionellen Kreise in Alexandria und wurde letztlich 89 v.u.Z. verbannt. Er fiel in der Schlacht bei Zypern gegen seinen Bruder Ptolemaios IX. Soter II.

  oo 101 v.u.Z.
       BERENIKE III., Nichte
            80 v.u.Z. ermmordet

Mitregentin, 80 regierende Königin



Ptolemaios X. Alexander I. wurde im Herbst 107 v.u.Z. in Alexandria zum Mitregenten und Alexanderpriester für die Jahre 107 v.u.Z.-105 v.u.Z. erhoben, bis seine Mutter dieses Amt selbst übernahm. Bis zu ihrem Tode 101 v.u.Z. griff er in die seleukischen Kämpfe ein und beherrschte zeitweilig ganz Judäa, das nur aus Rücksicht auf Rom nicht zur ptolemäischen Provinz gemacht wurde. Die Spannungen zwischen Kleopatra III. und Ptolemaios, der vor der Königin hatte fliehen müssen, eskalierten im Spätsommer 101 v.u.Z., als der König Kleopatra ermorden ließ und Kleopatra Berenike III. heiratete, die Tochter von Ptolemaios IX. und der Kleopatra IV. Das Ende seiner Regierung wurde von einem Aufstand in der Thebais überschattet. Er wurde im Jahre 88 v.u.Z. vertrieben, verlor eine Seeschlacht gegen Ptolemaios IX. und fand den Tod bei der Rückeroberung von Zypern.

Hölbl Günther: Seite 182-193
*************
"Geschichte des Ptolemäerreiches. Politik, Ideologie und religiöse Kultur von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung."

Kleopatra III. wollte ihren jüngeren Sohn Ptolemaios X. Alexander I. zum Mitregenten nehmen, jedoch konnte ihre Mutter und Rivalin Kleopatra II. dies vereiteln: Heer und Volk erhoben in Alexandria den älteren PTOLEMÄER zum König, so dass Kleopatra III. nun gezwungen war, ihn als Ko-Pharao zu akzeptieren.
Auf Zypern hatte nach dem Tode Euergetes' II. (116 v.u.Z.) ein Platztausch der ptolemäischen Brüder stattgefunden. In der Nachfolge Soters II. wurde sein jüngerer Bruder Ptolemaios X. Alexander I. Stratege von Zypern. Er proklamierte sich 114/13 v.u.Z. zum "König" in Zypern und zählte von da an seine Regierungsjahre.
In Alexandria sollten die dynastischen Machtkämpfe bald wieder ausbrechen. Kleopatra III. gelang es, das alexandrinische Volk gegen den König aufzuhetzen. Sie verbreitete das Gerücht, daß Soter einen Anschlag auf sie inszeniert hätte. Im Herbst 107 v.u.Z. mußte er aus Alexandria fliehen. Während dieser Vorgänge verließ Ptolemaios X. Alexander I., der seit 114/13 v.u.Z. auf Zypern als König regierte, die Insel und begab sich an die ägyptische Grenze. Von Pelusion holte Kleopatra III. ihren jüngeren Sohn nach Alexandria und erhob ihn in der Nachfolge Ptolemaios`IX. zu ihrem Mitregenten auf den Thron des PTOLEMÄER-Reiches. Es war in der Tat ein revolutionärer Schritt, daß die Frau an der Spitze des Staates den einen Sohn vertrieb und sich dafür den anderen in die Funktion eines marionettenhaften Mitregenten holte. Kleopatra III. ordnete nun eine offizielle Doppelzählung der Regierungsjahre an, indem ihr 11. Jahr mit dem 8. Alexanders gleichgesetzt wurde. Die Periode begann Anfang November 107 v.u.Z. und endete mit dem Tod der Königin gegen Anfang September 101 v.u.Z. Die Vorrangstellung der Königs-Mutter wird durch die auf sie zu beziehende, vorangestellte höhere Regierungszahl unterstrichen. Ein letztes Mal sollte der dynastische Kult seine propagandistische Wirkung entfalten; mit der Schaffung eines weiteren Priesters galten nun fünf Priesterämter im dynastischen Kult von Alexandria der lebenden Kleopatra III. Zunächst übernahm Ptolemaios X. das Amt des Alexanderpriesters von seinem vertriebenen, älteren Bruder. Danach kam es zu einem ungeheuerlichen Akt von seiten der herrrschsüchtigen Kleopatra III.: Sie übernahm für 105/04 v.u.Z. selbst als Frau dieses höchste hellenistische, männliche Priesteramt und verstieß damit gegen den innersten Bereich der staatlichen, ptolemäischen Tradition.
Das Vorrücken von Ptolemaios IX. Soter II. auf Judäa veranlaßte die Königin Kleopatra III. zum Eingreifen. Sie schickte nun ihren Sohn Alexander mit einer Flotte nach Phönikien (Spätsommer 103 v.u.Z.); dieser marschierte dort sogar nach Damaskus. Sie selbst kam mit ihrer Heeresmacht über Land nach Ptolemais, wurde ebenfalls nicht eingelassen und belagerte die Stadt. Als soviel Militär außer Landes war, sah Soter II. die Chance gekommen, seine Herrschaft in Ägypten wiederzugewinnen, und marschierte gegen Pelusion (Herbst 103 v.u.Z.). Aber Ptolemaios X. Alexander I. war schneller; es gelang ihm, Soter II. zu vertreiben, der daraufhin den Winter 103/02 v.u.Z. in Gaza verbrachte. Alexander stationierte sein Heer in Pelusion und bewachte die ägyptische Grenze. Soter II. blieb somit nur noch die Rückkehr nach Zypern, wo er fortan bis 88 v.u.Z. in Frieden lebte und regierte.
Noch vor Ende des 2. Jahrhunderts v.u.Z. kam es zu Konflikten zwischen Ptolemaios X. und Kleopatra III. Entweder vor oder nach dem Syrienkrieg flüchtete der König vor seiner Mutter, ließ sich aber bald zur Rückkehr bewegen. Im Spätsommer 101 v.u.Z. brachte er sie um. Mit Kleopatra III. fand eine der herrschsüchtigsten PTOLEMÄERINEN ihr Ende, die ihrer Mutter Kleopatra II. um nichts nachstand.
Ptolemaios X. Alexander I. heiratete nun Kleopatra Berenike III., die Tochter seines Bruders aus erster Ehe mit Kleopatra IV. Kleopatra Berenike III. wurde neue Mitherrscherin; in den Urkunden wird die Königin wieder hinter dem König genannt, das Paar trägt den gemeinsamen Kultnamen Theoi Philometores Soteres. Der Verbindung entsprang eine Tochter, deren Namen und Schicksal wir nicht kennen.
Im Jahre 96 v.u.Z. starb Ptolemaios Apion und hinterließ die Kyrenaika den Römern. Es gingen somit die ptolemäischen Rechte am Königsland auf die Römer über, vor allem die gesamten Einkünfte. Die Kyrenaika gehörte wegen ihrer Größe, wegen ihrer Handelsbeziehungen und nicht zuletzt, weil sie territorial direkt mit dem Kernland verbunden war, zu den wichtigsten außerägyptischen Teilen des PTOLEMÄER-Reiches. Von ihrer einstigen Vormachtstellung im Mittelmeerraum im 3. Jahrhundert v.u.Z. verblieb den PTOLEMÄERN am Beginn des 1. Jahrhunderts v.u.Z. nur noch Zypern. Rom ist unmittelbar an die Grenzen Ägyptens herangerückt.
Um den Beginn des Jahre 88 v.u.Z. wurde Ptolemaios X. Alexander I. durch einen Militäraufstand und eine Erhebung der Alexandriner vertrieben; die Alexandriner sollen wegen seiner judenfreundlichen Haltung auf ihn erbittert gewesen sein. Ptolemaios X. Alexander I. warb nach seiner Vertreibung aus Alexandria Söldner an, wurde aber in einer Seeschlacht geschlagen. Mit dem nackten Leben davongekommen, rettete er sich mit Frau und Tochter (der Sohn war ja auf Kos) nach Myra in Kleinasien. Dort bereitete er eine Expedition nach Zypern vor und mußte offenbar Geldanleihen bei den Römern nehmen, um Söldner zu bezahlen. Als eine Art Hypothek oder Garantie vermachte er wohl damals den Römern testamentarisch sein Königreich für den Fall seines Verschwindens. Vorbilder für eine solche Handlungsweise gab es genug, einschließlich seines Vaters Ptolemaios VIII. Die dynastischen Auseinandersetzungen der PTOLEMÄER nahmen damit wieder eine internationale Dimension an. Bei seinem Versuch, Zypern zu erobern, wurde Ptolemaios X. zum zweiten Mal geschlagen und verlor sein Leben.
 
 
 
 

 101 v.u.Z.
  oo Kleopatra Berenike III., Tochter des Königs Ptolemaios IX.
       um 116 v.u.Z. 80 v.u.Z.     seine Nichte
 
 
 
 

Kinder:

  Ptolemaios XI. Soter II.     unbekannte Mutter
       Juni 80 v.u.Z.

  Tochter
     
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Brambach Joachim: Kleopatra. Herrscherin und Geliebte. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 37,45 - Grant, Michael: Kleopatra. Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1988 Seite 24,29,37,47,345 - Grant, Michael: Von Alexander bis Kleopatra. Die hellenistische Welt. Gondrom Verlag GmbH & Co KG, Bindlach 1984 Seite 230 - Herm Gerhard: Die Welt der Diadochen. Alexanders Erben kämpfen um die Herrschaft. C. Bertelmann Verlages GmbH, München 1978 Seite 377 - Hölbl Günther: Geschichte des Ptolemäerreiches. Politik, Ideologie und religiöse Kultur von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung. Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1994 Seite 182-191,193,195,198,242,245,250-252,255,262-264,323 A 123,324 A 138,147,334 A 72, 93,335 A 106,336 A 125 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 248 -