Theodor II. Laskaris                       Kaiser von Nikäa (1254-1258)
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1222 24.12.1258
 

Einziger Sohn des Kaisers Johannes III. Dukas Vatatzes von Nikäa aus seiner 1. Ehe mit der Irene Laskarina, Erb-Tochter von Kaiser Theodor I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 628
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Theodor II. Laskaris, byzantinischer Kaiser von Nikaia seit November 1254
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     16. August 1258

Sohn von Kaiser Johannes III. Vatatzes

Theodor II. stand den von seinem Vater begünstigten Aristokraten argwöhnisch gegenüber und zog stattdessen Männer von geringerer Herkunft ins Vertrauen. Er wahrte den Frieden mit den Selguqen und dem bulgarischen Zaren Ivan II. Asen, seinem Schwiegervater, stand dagegen in scharfem Gegensatz zum rivalisierenden Fürsten von Epiros, Michael II. Nach Theodors II. Tod brachen um die Vormundschaft für seinen erst achtjährigen Erben, Johannes IV. Laskaris, blutige Konflikte aus, die dem Usurpator Michael (VIII.) Palaiologos die Erringung der Macht ermöglichten. -
Der gesundheitlich geschwächte Theodor II. Laskaris, der mehr Gelehrter als Staatsmann und Soldat war, erwarb sich bleibende Verdienst durch die Förderung unter anderen von Nikephoros Blemmydes und Georgios Akropolites sowie als Verfasser eigener theologischer, philosophischer und rhetorischer Werke. Eine Briefsammlung ist erhalten.



Thiele, Andreas: Tafel 207
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

THEODOR II.
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* 1221, 1258

Theodor II. Laskaris war seit 1241 Mit-Kaiser und Regent in Kleinasien. Er folgte 1254 als schwerer Epileptiker seinem Vater auf dem Thron und war ein bedeutender Philosoph und Schriftsteller.

 1235
  oo HELENE VON BULGARIEN, Tochter des Zaren Iwan II.
             



Norwich John Julius: Band III Seite 218-248
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Aber Johannes Vatatzes starb am 3. November 1254 in Nymphaion im Alter von etwas über 60 Jahren, und mit seinem Sohn Theodor II. Laskaris als Nachfolger ging viel vom Schwung, den Johannes in Gang gebracht und gehalten hatte, verloren.
Als das Reich dann 32 Jahre später an seinen Sohn Theodor II. überging, erstreckte sich seine Oberhoheit fast über die gesamte Balkanhalbinsel und große Teile der Ägäis, und seine Rivalen waren entweder geschwächt oder vernichtet. Es sah ganz danach aus, als könnte das Reich von Nikäa das Ziel, um dessentwillen es gegründet worden war, endlich erreichen.
Obwohl Johannes Vatatzes die Rückeroberung Konstantinopels nicht mehr erlebt hat, wußte er auf dem Totenbett, dass der Tag, auf den er hingearbeitet hatte, nicht mehr fern sein konnte, wenn er auch Zweifel am Durchhaltevermögen seines einzigen Sohnes und Nachfolgers verspürt haben dürfte. Nicht, dass der junge Theodor II. Laskaris - der seinen kaiserlichen Namen von seiner Mutter Irene übernahm - sich des Thrones als unwürdig erwiesen hätte. Erzogen von Nikephoros Blemmydes, dem wohl überragendsten Gelehrten dieser Zeit, war er zu einem Intellektuellen herangereift, der im Verlauf seines kurzen Lebens ein ganzes Korpus literarischer, theologischer und wissenschaftlicher Werke verfaßte, ohne sich durch diese Interessen je von den Regierungsgeschäften ablenken zu lassen. Für seine größte Schwäche konnte er nichts: Er hatte nämlich seines Vaters Epilepsie, in weit schwererer Form, geerbt. Was für Vatatzes - abgesehen von den letzten Jahren - kaum mehr als eine gelegentliche Unpäßlichkeit gewesen war, erwies sich für den Sohn als erhebliche Behinderung, die mit zunehmendem Alter sein Urteil trübte, ihm die Energie raubte und ihn oft körperlich niederwarf. War dies schon zu Hause gefährlich genug, so konnte es sich im Feld geradezu katastrophal auswirken. Trotzdem führte er mehrere Kriegszüge erfolgreich gegen das Bulgarische Reich, das nach den Verlusten vor acht Jahren seine frühere Macht wiederzuerringen versuchte, und bewies dabei großen persönlichen Mut und verblüffend viel militärisches Geschick.
Theodor II. war ein starker und unerbittlicher Herrscher. Da er dem Adel instinktiv mißtraute, überging er ihn wenn immer möglich und stützte sich statt dessen auf eine kleine Gruppe Zivilbeamter niederer Herkunft unter der Leitung seines Protovestiarios Georgios Muzaion und dessen Brüder Theodor und Andronikos. Den Klerus verärgerte er, indem er einen weltfremden bigotten Asketen namens Arsenios zum Patriarchen ernannte und auf diese Weise mit einem Schlag den alten Traum seines Vaters von der Wiedervereinigung mit Rom vernichtete. In der Außenpolitik scheint er sich abwartend verhalten zu haben. Schon bald kündigten sich Schwierigkeiten an, doch der zum Angriff bereite Seldschuken-Sultan wurde durch einen neuen Mongoleneinfall dazu gezwungen, statt anzugreifen, bei Kaiser Theodor um Unterstützung gegen die Eindringlinge zu ersuchen.
Bulgarien mußte, nach einem zweiten Feldzug 1255/56, einen Friedensvertrag unterzeichnen. Die Beziehungen besserten sich weiter, als Zar Michael Asen 1256 ermordet wurde und im Jahr darauf der Bojare Konstantin Tich seine Nachfolge antrat; denn dieser löste sogleich seine Ehe auf, um Theodors Tochter Irene zu heiraten. Eine weitere dynastische Heirat, vorgesehen schon für das Jahr 1249, aber erst sieben Jahre später feierlich begangen, fand zwischen Irene Laskaris' und Johannes Vatatzes' Enkelin Maria und Nikephoros, dem Sohn Michaels II. von Epiros statt.
Diese Ehe sollte das Band zwischen Epiros und Nikäa festigen. Leider hatte sie jedoch den gegenteiligen Effekt, da Theodor unklugerweise im letzten Augenblick als Bedingung Durazzo und die makedonische Stadt Serwia gefordert hatte. Die Mutter des Bräutigams, die ihren Sohn ins Lager der Kaiserlichen an der Maritza begleitet hatte, mußte zustimmen, da sie sonst in Gefangenschaft geraten wäre. Als sie mit der Kunde zurückkam, dass man sie gezwungen habe, zwei höchst bedeutende Städte des Despotats preiszugeben, wurde in verständlicher Wut sogleich ein Feldzug gegen Thessalonike eingeleitet, wobei das Despotat Epiros zusätzlich um serbische und albanische Unterstützung nachsuchte. Innerhalb weniger Tage stand Makedonien unter den Waffen.
Zweifellos war Michael Palaiologos der geeignete Feldherr für eine solche Situation. Der Kaiser war ihm jedoch alles andere als gewogen. Er und Michael kannten einander von Kindesbeinen an. Sie hätten verschiedener nicht sein können. Theodor, der intellektuelle und durch seine Krankheit eher introvertierte Thronfolger, erkannte in dem glänzenden und gutaussehenden Aristokraten, der viele Fähigkeiten zu besitzen schien, die ihm fehlten, den Konkurrenten. Außerdem hatte er von seinem Vater das instinktive Mißtrauen gegenüber Michael übernommen, das ans Pathologische grenzte, wenn er aufgebracht war. Etwas früher in diesem Jahr hatte er ihn, ohne offensichtlichen Grund, des Hochverrats angeklagt, so dass Michael, der um sein Leben fürchtete, im Seldschuken-Sultanat Zuflucht suchte, wo er das christliche Söldnerheer des Sultans gegen die mongolischen Eindringlige befehligte. Michael hatte Theodor daraufhin Treue geschworen und dieser ihm seinerseits mit einem feierlichen Eid für die Zukunft Sicherheit gelobt. Doch erst nach einigem Zaudern übertrug er ihm nun den Oberbefehl, und selbst danach konnte er seinen Argwohn nicht völlig überwinden. Da er wohl fürchtete, Michael könnte sich gegen ihn wenden, überließ er ihm so wenig Truppen, dass damit nichts auszurichten war. Zwar kämpften sie tapfer und gelangten sogar bis Durazzo, allein sie vermochten die Flut aus Epiros nicht aufzuhalten. Im Frühsommer stand Nikephoros' Heer vor den Toren Thessalonikes, und Michael Palaiologos, der erneut in Ungnade fiel und bald darauf mit dem Kirchenbann belegt wurde, mußte fortan in einem nikäischen Gefängnis schmachten.
Warum hatte sich Michael kampflos ergeben? Wahrscheinlich weil er - wie sich herausstellen sollte, zu Recht - Theodor von seiner Unschuld zu überzeugen hoffte. Vielleicht ahnte er auch, dass Theodor nur noch kurze Zeit zu leben vergönnt war; sollte es aber zu Streitigkeiten um die Nachfolge kommen, war es für ihn besser, in Nikäa als auf dem Balkan zu sein. Wie dem auch sei, die führenden Familien Nikäas betrachteten die Behandlung eines herausragenden Feldherrn des Reichs zu einer Zeit, da seine Anwesenheit in Thessalonike unbedingt erforderlich gewesen wäre, als durch nichts gerechtfertigt und fühlten sich in der Überzeugung bestärkt, dass der Basileus die Regierungsgeschäfte nicht mehr verantwortungsvoll führen könne. Dieser hatte seine Feindseligkeit ihnen gegenüber von Beginn seiner Regierung an nicht verhehlt, und die Behandlung Michael Palaiologos' kam ihnen als Beispiel seiner Impulsivität und Unzuverlässigkeit gelegen. Obwohl von der Verwaltung weitgehend ausgeschlossen, waren sie immer noch in den höheren  Rängen des Heeres und der Flotte stark vertreten. Sie hätten es daher wohl auf einen Militärputsch ankommen lassen, wäre Theodor II. Laskaris nicht plötzlich und ihnen höchst erwünscht im August 1258 im Alter von 36 Jahren seiner Krankheit erlegen.
 
 
 
 

 1235
  oo Helena von Bulgarien, Tochter des Zaren Ivan II. Asen
       1226
 
 
 
 

Kinder:

  Johannes IV.
  24.12.1250 1305?

  Theodora
       

  oo Jakob Swjatoslaw Zar von Bulgarien
            1273 ermordet

  Irene
      1270

  oo Konstantin Tich Zar von Bulgarien
             1277

  Maria
        1258

 1256
  oo Nikephoros I. Despot von Epiros
       um 1240 1296

  Eudokia
       

  1. oo Pietro Graf di Ventimiglia
                 um 1278

  2. oo Arnaud Roger de Comminges Graf von Pallars
                 1288

Illegitim

  Johannes Drymis Laskaris
      

Johannes war Prätendent und rebellierte 1305/06 mit Hilfe der Katalanen und anderen Söldnern gegen die PALAIOLOGEN.
 
 
 
 

Literatur:
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Browning Robert: Byzanz. Roms goldene Töchter. Die Geschichte des Byzantinischen Weltreiches. Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1982 Seite 166,185 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 230,234,236,238,256 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 207 -