Simonis Palaiologina von Byzanz       Königin von Serbien
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1294 nach 1336
 

Tochter des Kaisers Andronikos II. von Byzanz aus seiner 2. Ehe mit der Irene von Montferrat, Tochter von Markgraf Wilhelm IX.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 1922
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Simonida (Simonis), serbische Königin
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     nach 1336

Byzantinische Prinzessin, Tochter Andronikos‘ II. Palaiologos und Irenes von Montferrat

5. Gattin Stefan Uros‘ II. Milutin

Die politisch begründete Ehe wurde zu Beginn des Frühjahrs 1299 entgegen dem kanonischen Recht geschlossen, als Simonida knapp sechsjährig war; die Mitgift bestand in der Abtretung von Gebieten, die die Serben bereits erobert hatten. Sie blieb kinderlos; SimonidasVersuche in Absprache mit ihrer Mutter, einem ihrer Brüder den serbischen Thron zu sichern, blieben erfolglos. Nach dem Tode Uros‘ II. im Oktober 1321 kehrte Simonida nach Konstantinopel zurück, wo sie in ein Kloster eintrat (wirkte unter anderem als Abschreiberin von Handschriften).



Thiele, Andreas: Tafel 211
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

SIMONIS
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    als Nonne

  oo STEPHAN UROSCH II., König von Serbien
           



Norwich John Julius: Seite 295-314
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."
 

In Serbien hatte unterdessen Stephan Milutin unter dem Namen Stephan Urosch II. als neuer Herrscher im Jahre 1282 den Thron bestiegen. Und noch bevor das Jahr zu Ende ging, hatte er Karl von Anjou Unterstützung zugesagt, sich mit Epiros verbündet, Byzanz den Krieg erklärt und dann Skopje mit seiner Streitmacht erobert und zur serbischen Hauptstadt erhoben. Damit gab es für Andronikos einen weiteren Grund zur Sorge. Skopje war ein strategischer Stützpunkt und beherrschte die Straße Richtung Süden nach Thessalonike und Nord-Griechenland. Überdies war bekannt, dass zwischen Milutin und einer Tochter Johannes Dukas' von Thessalien eine Art ehelicher Beziehung bestand. Ein serbisch-thessalisches Bündnis aber stellte nicht nur für Thessalonike eine ernsthafte Bedrohung dar, sondern für die ganze West-Route von der Balkanhalbinsel bis hin zur Adria.
Schließlich entschloß sich Andronikos, der die militärische Schwäche auf byzantinischer Seite klar erkannte, im Jahre 1297 für eine diplomatische Lösung. Als er vernahm, dass Milutins einzige rechtmäßige Frau vor kurzem gestorben war, schlug er als deren Nachfolgerin seine Schwester Eudokia vor, die Witwe Johannes' II. von Trapezunt. Für einen serbischen Herrscher war die Aussicht, Schwager des byzantinischen Kaisers zu werden, unwiderstehlich, und Milutin nahm das Angebot mit Freuden an. Schwierigkeiten gab es erst, als Andronikos in der Angelegenheit bei Eudokia vorsprach; sie wollte von der Sache nämlich absolut nichts wissen. Falls, so wandte sie ein, ihr Bruder glaube, sie sei bereit, mit einem lüsternen Barbaren zu leben, der schon mindestens eine Frau hatte, dann irre er sich gründlich; im übrigen sei allgemein bekannt, dass der ihr zugedachte Ehemann gerade in eine glühende Affäre mit seiner eigenen Schwägerin verstrickt sei, und diese sei, nebenbei bemerkt, auch noch Nonne. Eudokia wußte, was sie wollte, und ihr Bruder kannte sie gut genug, um zu wissen, dass keine Hoffnung bestand, sie zu überreden; gleichzeitig konnte er es sich nicht leisten, vor Milutin das Gesicht zu verlieren. Es gab nur eine Lösung: Simonis, seine und Kaiserin Jolante-Irenes Tochter, mußte geopfert werden, obwohl sie erst fünf Jahre alt war und ihr zukünftiger Gatte um die vierzig. An Ostern 1299 brachte Andronikos sein Kind persönlich nach Thessalonike, wo der Bräutigam sie erwartete, und noch in seiner Gegenwart nahm der Erzbischof von Ochrid die Trauung vor. Milutins Entzücken an Simonis, so wird berichtet, beruhte vor allen Dingen auf der Tatsache, dass sie als Mitgift das gesamte makedonische Hoheitsgebiet einbrachte, das seine Verbände bereits erobert hatten; er erklärte sich einverstanden, dass Simonis noch ein paar Jahre in der königlich-serbischen Kinderstube verblieb, bis sie alt genug war, um mit ihm zusammen zusammenzuleben.
Wie vorherzusehen, lehnte Andronikos dieses Ansinnen rundweg ab. Daraufhin bezichtigte ihn die Kaiserin, seinen Erstgeborenen vorzuziehen, und zog mit ihren drei Knaben von Konstantinopel nach Thessalonike, wo sie nicht nur ihre Kindheit verbracht hatte, sondern auch ihrer nunmehr 16-jährigen Tochter Simonis - die Andronikos 1299 als Fünfjährige an den serbischen Herrscher Stephan Urosch II. verschachert hatte - viel näher war. Dort blieb sie sieben Jahre lang bis zu ihrem Tod und wiegelte unablässig jeden, der ihr ein Ohr lieh, gegen ihren Ehemann auf.
Nach der Abdankung blieb der alte Kaiser noch zwei Jahre in Konstantinopel. Dann wurde auch er in ein Kloster abgeschoben, wo er den Namen Antonios erhielt. Am 13. Februar 1332 speiste er noch einmal mit seiner Tochter Simonis, die er als fünfjährige mehr als 30 Jahre zuvor mit dem inzwischen verstorbenen Stephan Milutin von Serbien hatte trauen lassen. Wenige Stunden nach dem Essen verschied er, im Alter von 73 Jahren; er hatte beinahe ein halbes Jahrhundert lang regiert.
 
 
 
 

 1300
  oo 4. Stephan Urosch II. Milutin König von Serbien
  x       1254 1321
 
 
 
 

Literatur:
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Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 302,317,323 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 211 -