Xenia-Maria von Antiochia           Kaiserin von Byzanz
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1145 27.8.1182 ermordet
 

Älteste Tochter des Fürsten Raimund I. von Antiochia und der Konstanze von Antiochia, Tochter von Fürst Bohemund II.
 

Thiele, Andreas: Tafel 173
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

MARIA DE POITOU
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* um 1145, 1182 ermordet

1180 Regentin von Byzanz und ermordet

 1161
  oo MANUEL I. KOMNENOS, Kaiser von Byzanz
             1180



Im Jahre 1180 war Manuel gestorben, ohne eine Vormundschaft für seinen noch minderjährigen Sohn Alexios II. einzusetzen. Die Kaiserin Maria hatte schon den Haß des Volkes auf sich geladen. Von dieser leichtfertigen und ehrgeizigen Frau war das Gelübde abgelegt worden, nach dem Tode ihres Gemahls in ein Klosters zu gehen; aber die Verlockung, im Namen ihres Sohnes zu herrschen, war zu groß für sie, als dass sie ihr hätte widerstehen können. Während sie die Vormundschaft übte, lebte sie mit dem Protosebastus Alexios, einem Neffen des verstorbenen Kaisers, wie mit ihrem Gemahl, und beide gemeinsam zogen, besonders weil sie die Fremden begünstigten, den Abscheu der Byzantiner auf sich. Man verbreitete das Gerücht, der Protosebastus wolle den jungen Kaiser beseitigen und sich selbst auf den Thron schwingen. Da weder Maria noch ihr Günstling sich Ansehen zu verschaffen wußten, riß eine allgemeine Verwirrung im Reiche ein. Nach einem am 2. Mai 1182 erfolgten blutigen Massaker hielt Andronikos Komnenos seinen Einzug in der Hauptstadt.
Den Geliebten Marias, Alexios, ließ er des Augenlichts berauben. Andronikos berief dann ein Gericht, um die verwitwete Kaiserin Maria zu verurteilen. Die Richter waren gefügig und verdammten Maria zur Gefängnishaft, dann zum Tode und Andronikos zwang den jungen Kaiser Alexios II., diesen Spruch durch seine Unterschrift zu bestätigen. Durch einen Eunuchen ließ er hierauf die Unglückliche erdrosseln und am Meeresufer einscharren.

Mayer, Hans Eberhard: Seite 107,116
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Auf Manuel Komnenos' Tod (1180) war in Byzanz eine Regentschaft seiner Witwe Maria von Antiochia gefolgt. Diese steuerte Manuels latinophilen Kurs noch schärfer, und die in der Hauptstadt wachsenden Gegensätze zwischen Lateinern und Griechen entluden sich 1182 in einem blutigen Massaker über die westlichen Kaufleute.

Runciman, Steven: Seite 664-665,727-728
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Im Jahr 1160 traf eine Gesandtschaft, geführt von Johannes Kontostephanos und begleitete vom Hauptdolmetscher des Hofes, dem Italiener Theophylaktos, in Jerusalem ein, um den König zu bitten, dem Kaiser eine der heiratsfähigen Prinzessinnen von Outremer als neue Gemahlin namhaft zu machen. Es kamen ihrer zwei in Betracht: Maria, die Tochter der Konstanze von Antiochia, und Melisende, die Tochter Raimunds II. von Tripolis, beide Balduins Kusinen und beide wegen ihrer Schönheit berühmt. Balduin mißtraute einem engen Familienbündnis zwischen dem Kaiser und Antiochia und schlug daher Melisende vor. Die Botschafter reisten nach Tripolis weiter, um über die Prinzessin, die der gesamte fränkische Osten als künftige Kaiserin grüßte, Bericht zu erstatten. Der Kaiser lehnte die Verlobung mit Melisende ab und schickte eine Gesandtschaft nach Antiochia, die einen Ehevertrag zwischen ihrem Gebieter und der Prinzessin Maria aushandelte. Maria, die noch liebreizender war als ihre Base Melisende, ging im September in St. Symeon in See, voller Stolz, eine Kaiserin zu sein, und glücklich in der Unkenntnis ihres endlichen Geschicks. Sie wurde dem Kaiser im Dezember in der Heiligen Sophienkirche zu Konstantinopel von drei Patriarchen angetraut.
Der neue Kaiser war 11 Jahre alt. Nach althergebrachter Gepflogenheit übernahm die Kaiserin-Mutter die Regentschaft. Aber die Kaiserin Maria war eine Lateinerin aus Antiochia; sie war die erste lateinische Herrscherin des Kaiserreichs und als Lateinerin beim Volk von Konstantinopel unbeliebt. Die Kaiserin wählte sich zu ihrem Ratgeber und, wie man glaubte, ihrem Geliebten, einen Neffen ihres Gatten, den Protosebastos Alexios Komnenos, den Onkel der Königin Maria von Jerusalem. Er war unbeliebt und uneinsichtig. Gemeinsam stützten sie sich auf die lateinischen Kreise und im besonderen auf die italienische Kaufmannschaft. Die Opposition zur Kaiserin stand unter Führung ihrer Stief-Tochter, der Porphyrogennete Maria, und ihres Gatten Rainer von Montferrat. Ihre Verschwörung zur Ermordung des Günstlings schlug fehl; aber als sie in der St. Sophienkirche Zuflucht suchten, stieß er die Öffentlich neuerlich vor den Kopf, indem er versuchte, den Hochaltar zu entweihen. Die Kaiserin war genötigt, die Verschwörer zu begnadigen; aber in ihrer ungesicherten Lage bat sie ihren Schwager Bela III. von Ungarn, ihr zu Hilfe zu kommen. Der Vetter ihres Gatten, Andronikos Komnenos, der nach seiner Verführerlaufbahn im Osten Verzeihung erlangt hatte, lebte jetzt zurückgezogen im Pontos-Gebirge. Seine Landsleute erinnerten sich seiner kühnen und glanzvollen Persönlichkeit und als seine Freunde ihn als Führer der Nation herausstellten, fanden sie sofort willigen Widerhall. Im August 1182 marschierte Andronikos durch Antolien. Die wenigen Truppen, die sich ihm nicht unterwegs anschlossen, wurden mit Leichtigkeit geschlagen. Der Kaiserin in Konstantinopel blieben bald nur noch die Lateiner als Stütze. Indes Andronikos sich dem Bosporus näherte, fiel das Volk von Konstantinopel plötzlich über sämtliche Lateiner in der Stadt her. Lateinische Anmaßung hatte das Massaker herausgefordert; aber sein grauenvoller Verlauf empörte und entsetzte viele der patriotischsten Byzantiner. Nur einige wenige italienische Kaufleute kamen mit dem Leben davon. Sie eilten zu ihren Schiffen und segelten westwärts davon, nicht ohne im Vorbeifahren die Küste zu überfallen und zu plündern. Die Straße nach Konstantinopel stand Andronikos offen. Seine ersten Maßnahmen galten der Beseitigung seiner Nebenbuhler. Der Protosebastos wurde ins Gefängnis geworfen und auf grausame Weise geblendet. Die Porphyrogennete Maria und ihr Gemahl erlitten auf geheimnisvolle Weise den Tod. Sodann wurde die Kaiserin zum Tod durch Erdrosseln verurteilt und ihr junger Sohn gezwungen selbst den Vollstreckungsbefehl zu unterzeichnen.

Pernoud Regine: Seite 109-111
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"Frauen zur Zeit der Kreuzzüge"

Da Kaiser Manuel Komnenos im Laufe des Sommers 1160 seine Frau Bertha von Sulzbach, eine deutsche Prinzessin, verloren hatte, schickte er seinen Neffen zum König von Jerusalem, um ihn um die Hand einer fränkischen Prinzessin bitten zu lassen. Balduin antwortete prompt auf dieses ehrenvolle Ansuchen, indem er seine Kusine, die junge Melisende, Tochter der Gräfin Hodierna von Tripolis, vorschlug. Es wurde schleunigst eine prächtige Aussteuer für sie zusammengestellt. "Die junge Frau wurde mit kostbarem Geschmeide und erlesenen Kleidern ausstaffiert. Der König höchstpersönlich und alle Mitglieder seiner Familie trugen bereitwillig das Ihre dazu bei. Sie erhielt Mengen an Kleidern, wertvolle seidene Stoffe und vieles mehr; sie suchten viele scharlachrote und blau-grüne Kleider für sie aus, grüne und braune; sie ließen goldene Diademe mit Edelsteinen anfertigen, Gürtel, Halsketten, Spangen und Ringe und auch eine Art von Schmuck, den die Damen um den Hals und an den Ohren tragen, alles sehr üppig und teuer. Sie schafften viele goldene und silberne Gefäße heran, Geschirr, Kessel, Pfannen und Küchengerät in allen Größen, und aus feinstem Silber, ganz zu schweigen von den Sätteln aus Leder, der Bettwäsche und den prächtigen Decken; es war viel zuviel und viel zu teuer." Ihr Bruder, Graf Raimund III. von Tripolis, ließ 12 Galeeren bauen und "prächtig schmücken, denn er beabsichtigte, seine Schwester mit einer dieser Galeeren nach Konstantinopel zu begleiten".
Allgemeine Bestürzung machte sich breit, als Manuel Komnenos, nachdem er zunächst den Hochzeitstermin verschoben hatte, mitteilen ließ, er habe eine andere Wahl getroffen: Er hatte sich für Maria von Antiochia entschieden, die Tochter Konstanzes und Raimunds von Poitiers und Schwester Bohemunds III. Sie war damals ungefähr 14 oder 15 Jahre alt. "Sie war schön", schreibt ein byzantinischer Chronist, "mehr als schön; in dem Maße schön und von so außerordentlicher Anmut, dass im Vergleich zu ihr alles pure Legende ist, was man sich von Aphrodite mit dem lieblichen Lächeln erzählt, von Juno mit den weißen Armen, von Helena mit dem zarten Hals und den reizenden Füßen und von allen schönen Frauen, die in der Antike wegen ihrer Schönheit als Göttinnen verehrt wurden."
Es hatte sich in der Tat herausgestellt, dass Manuel zur gleichen Zeit, als er Unterhändler an den Hof in Jerusalem schickte, einen weiteren Boten nach Antiochia entsandt hatte, um die Fürstin Konstanze um die Hand ihrer Tochter Maria zu bitten; diese Art von Verhandlungsstrategie scheint in der byzantinischen Diplomatie üblich gewesen zu sein.
Was tun? Raimund III. von Tripolis war sehr erbost über die Absage des Kaisers, besonders aber über die Demütigung seiner jüngeren Schwester, doch der vernünftigere Balduin gab wohl oder übel seine Zustimmung. "Er war nicht glücklich über das Verhalten des Kaisers in dieser Angelegenheit, aber weil die Prinzessin [Maria von Antiochia] auch seine Kusine war und keinen Vater mehr hatte, wollte er dieser glänzenden Vermählung mit dem Kaiser nicht im Wege stehen."
In aller Eile wurde für Maria eine Mitgift bereitgestellt und eine Aussteuer beschafft, so dass sie in St. Simeon, dem Hafen von Antiochia, ein Schiff besteigen und kurz danach, am 25. Dezember 1161, Manuel Komnenos heiraten konnte.
Noch im selben Jahr, am 24. September 1180, starb der Kaiser. Das byzantinische Kaiser-Reich geriet nach Manuels Tod in immer größere Gefahr. Seine Gemahlin Maria von Antiochia übernahm die Regentschaft, da ihr Sohn Alexios II. erst 11 Jahre alt war. Manuel hatte seinen Sohn zum Nachfolger bestimmt, seiner Frau jedoch ausdrücklich die Regentschaft anvertraut, unter der Bedingung, dass sie den Schleier nahm - um sie daran zu hindern, einen fränkischen oder byzantinischen Fürsten zu heiraten.
Maria von Antiochia legte zwar die Ordenstracht an, blieb jedoch im Palast von Konstantinopel, gestützt von einem Neffen ihres Mannes, der auch Alexios hieß. Doch Maria war eine Fremde, der die übrigen Mitglieder der Familie KOMNENOS ihre Machtposition verübelten. Es kam zu einer Kette von Verschwörungen und Aufständen, bei denen vor allem eine weitere Maria, Tochter aus Manuel Komnenos' 1. Ehe, und ihr Mann Rainer von Montferrat die Anstifter waren, im Einvernehmen mit dem Patriarchen Theodosius.

Norwich John Julius:  Band III Seite 164-185
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Alexios Komnenos II. war ein unscheinbares Kind. Der Chronist Niketas Choniates berichtet. "Der junge Herrscher, unreif und unfähig, für das Staatswohl zu sorgen, kümmerte sich um keine einzige seiner Pflichten. Ohne ernsthafte Erziehung aufwachsend, ohne schon wahre Freude und wahren Schmerz kennengelernt zu haben, hatte er nur für Jagd und Pferderennen Sinn. Sein ganzer Umgang waren seine gleichaltrigen Spielgefährten, und das prägte seinem Wesen die übelsten Züge ein." In der Zwischenzeit herrschte seine Mutter, Kaiserin Maria von Antiochia, an seiner Statt als Regentin. Nie zuvor hatte jemand lateinischer Abstammung in Konstantinopel regiert, und so trat sie ihr Amt mit einem schwerwiegenden Nachteil belastet an. Dem byzantinischen Volk war, wie wir gesehen haben, schon die Vorliebe Manuels für alles Westliche ein Dorn im Auge gewesen; nun befürchtete man - und mit gutem Grund - eine weitere Ausdehnung der Handelsrechte und Privilegien für die italienischen und fränkischen Kaufleute. Die Besorgnis wuchs zusehends, als Maria eine weitere äußerst prowestlich eingestellte Persönlichkeit zu ihrem obersten Ratgeber ernannte, nämlich den Protosebastos Alexios, Manuels Neffen und Onkel Königin Theodoras von Jerusalem. Es dauerte nicht lange, bis allgemein gemunkelt wurde, sie habe ihren Berater auch zu ihrem Geliebten gemacht, obwohl aus der Beschreibung von Niketas nicht recht zu ersehen ist, was sie, die Kaiserin - deren Schönheit in der ganzen christlichen Welt gerühmt wurde -, an ihm hätte finden können, denn er schreibt:
Er war sehr verweichlicht und vergeudete nicht bloß den Morgen mit tiefem Schlaf, sondern opferte sogar einen großen Teil des Tages seinem Schlummer. Damit ihm nun nicht die Sonne, wenn sie, von allen freudig begrüßt, ihre Augen aufschlägt, seine eigenen Augen öffne, verdunkelte er sein Schlafgemach mit dichteren Vorhängen [...] Oder wahrer gesagt: Die Nacht durchschwelgte er und brach das nächtliche Dunkel durch künstliches Licht; wenn aber die Sonne am östlichen Horizont heraufstieg, verkroch er sich wie ein wildes Tier in seinem Schlafgemach und sperrte das Licht durch Decken und Vorhänge aus. Er putzte sich aber auch seine faulenden Zähne und ersetzte jene, die ihm mit der Zeit ausfielen, durch künstliche.
Nun, die Unzufriedenheit wuchs also, und es begannen sich verschiedene Verschwörungsnester zu bilden, insbesondere jenes, in dem die gleichnamige Stief-Tochter Kaiserin Marias als Drahtzieherin wirkte. Das Komplott wurde indes aufgedeckt, und diese Maria, ihr Ehemann Rainier von Montferrat und die übrigen Verbündeten schafften gerade noch die Flucht in die Hagia Sophia und verbarrikadierten sich dort. Aber Kaiserin Maria von Antiochia scherte sich nicht um die Anerkennung kirchlichen Asylrechts. Sie sandte umgehend die kaiserliche Wache mit der Order aus, sich der Verschwörerin und ihres Gefolges zu bemächtigen, und einzig die persönliche Vermittlung des Patriarchen bewahrte die Hagia Sophia vor der Entweihung. Dieser Vorfall erschütterte die byzantinische Bevölkerung zutieftst, und die ihm folgende Exilierung und Verfügung seiner Heiligkeit in ein Kloster zur Strafe für seine Einmischung machte die Regierung so unbeliebt wie nie zuvor. Das Ausmaß öffentlichen Unwillens, der Kaiserin Maria entgegenschlug, war derart groß, dass sie nie wagte, ihre Stief-Tochter Maria zu bestrafen. Auch rührte sie sich nicht, als das Volk später geschlossen zum Kloster des Patriarchen marschierte und ihn zurück nach Konstantinopel trug. Die ganze Angelegenheit hätte nicht undiplomatischer gehandhabt werden können.
Der erste Staatsstreich war also fehlgeschlagen. Doch drohte bald darauf von einem anderen Mitglied der kaiserlichen Verwandtschaft Gefahr, diesmal von einem Mann, und zwar einem solchen ganz anderer Größenordnung. Andronikos Komnenos, der leibliche Vetter Kaiser Manuels, Sohn des Sebastocrator Isaak, muß ein wahres Wunderwesen gewesen sein. Er hatte immer schon nach der kaiserlichen Krone geschielt, und als ihm nach Manuels Tod Berichte über den wachsenden Aufruhr gegen die Regentschaft Kaiserin Marias zu Ohren kamen, bedurfte es nur wenig, um ihn davon zu überzeugen, dass seine Chance endlich gekommen war. Anders als Maria von Antiochia, "die Fremde", wie ihre Untertanen sie verächtlich nannten, war er ein echter KOMNENOS. Auch verfügte er über Tatkraft, Geschick und Entschlußkraft. Und was sich in solchen Situationen oft als noch entscheidender erweist. Seine romantische Vergangenheit verlieh ihm eine allgemeine Anziehungskraft, die im ganzen Reich ihresgleichen suchte. Im August 1182 zog er gegen die Hauptstadt Konstantinopel. Sein altes Zaubermittel wirkte so stark wie eh und je. Die gegen ihn ausgesandten Truppen verweigerten den Kampf; deren Befehlshaber Andronikos Angelos ergab sich und schloß sich ihm an, ein Beispiel, dem bald darauf der befehlshabende Admiral der kaiserlichen Flotte auf dem Bosporus folgte. Andronikos Komnenos zog weiter, und das Volk strömte aus den Häusern, um ihm zuzujubeln; bald war die Straße von seinen Gefolgsleuten gesäumt. Noch bevor er die Meerenge überquert hatte, brach in Konstantinopel der Aufstand los, und mit ihm explodierte die aufgestaute Fremdenfeindlichkeit, die die Ereignisse der vorangegangenen zwei Jahre so sehr begünstigt hatten. In der Folge wurde praktisch die gesamte lateinischstämmige Bevölkerung der Stadt niedergemetzelt - Frauen und Kinder, Alte und Gebrechliche, selbst die Kranken - und das ganze von ihr bewohnte Viertel bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Im Palast fand man den vor Furcht sich windenden Protosebastos Alexios, zu verängstigt, um die Flucht auch nur zu erwägen; er wurde in ein Verlies geworfen und später, auf Andronikos' Geheiß hin, geblendet. Der junge Kaiser Alexios II. Komnenos und seine Mutter, Kaiserin Maria, wurden in die kaiserliche Villa des Philopation überführt, wo sie ausharren mußten, bis Andronikos nach Belieben über sie verfügen würde. Ihr Schicksal muß ihre sämtlichen Befürchtungen übertroffen haben. Der Triumph förderte die andere Seite von Andronikos' Charakter zutage: eine Grausamkeit und Brutalität, die wenige in ihm vermutet hätten und die weder durch einen Funken Mitleid noch durch Skrupel oder Moral gemildert wurden. Obwohl inzwischen allmächtig, war er noch nicht Kaiser; und so begann er methodisch und kaltblütig alle zu eliminieren, die zwischen ihm und dem Thron standen. Prinzessin Maria und ihr Ehemann mußten als erste über die Klinge springen; sie starben rasch und unter mysteriösen Umständen, doch niemand zweifelte daran, dass sie vergiftet worden waren. Dann war die Reihe an Kaiserin Maria von Antiochia. Ihr 13-jähriger Sohn Alexios wurde gezwungen, das Todesurteil eigenhändig zu unterschreiben, und sie wurde in ihrer Zelle erdrosselt. Im September des Jahres 1183 ließ sich Andronikos zum Mit-Kaiser krönen, und zwei Monate später fand auch der junge Kaiser Alexios II. Komnenos durch eine Bogensehne den Tod; seinen Leichnam warf man in den Bosporus. Damit waren, wie Niketas sich ausdrückte, alle Bäume im kaiserlichen Garten gefällt.
 
 
 
 

25.9.1161
  oo 2. Manuel I. Kaiser von Byzanz
          1122 24.9.1180
 
 
 
 

Kinder:

  Alexios II. Komnenos
  10.9.1167 24.9.1183 ermordet
 
 
 
 

Literatur:
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Browning Robert: Byzanz. Roms goldene Töchter. Die Geschichte des Byzantinischen Weltreiches. Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1982 Seite 130,132 - DIE KRONE DER KOMNENEN. Die Regierungszeit der Kaiser Joannes und Manuel Komnenos (1118-1180) aus dem Geschichtswerk des Niketas Choniates. Verlag Styria Graz Wien Köln 1958 - Heilig, Konrad Josef: Ostrom und das Deutsche Reich um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Die Erhebung Österreichs zum Herzogtum 1156 und das Bündnis zwischen Byzanz und dem Westreich, in Kaisertum und Herzogsgewalt im Zeitalter Friedrichs I. Studien zur politischen und Verfassungsgeschichte des hohen Mittelalters, Anton Hiersemann Stuttgart 1944 Seite 119,231,267 - Lehmann Johannes: Die Kreuzfahrer. Abenteurer Gottes. Gondrom Verlag Bindlach 1991 Seite 242,267,379 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 107,116 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 160,164-185 - Pernoud Regine: Frauen zur Zeit der Kreuzzüge Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 Seite 109-111 - Prutz Hans: Die Ritterorden. Mönche als Kämpfer, Helden, Abenteurer Bechtermünz Verlag Berlin 1908 Seite 430 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 664-665,674,727-728 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 173 - Zöllner Walter: Geschichte der Kreuzzüge. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1977 Seite 112 -