Johannes Komnenos                     Prinz von Byzanz
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vor 1127 17.9.1176 gefallen
                 bei Myriokaphalon
 

Ältester Sohn des Prinzen Andronikos Komnenos ( um 1142) und der Irene Aineiadissa; Neffe von Kaiser Manuel I.
 

Thiele, Andreas: Tafel 202
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

JOHANNES DUKAS-KOMNENOS
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     1176 gefallen

Johannes Komnenos wurde Protobestarios, Protosebastos, Sebastoktrateronthes und Stratege von Sardika und Herzog von Zypern. Er war ein fähiger Feldherr und fiel bei Myriokephalon.

  oo N.N. TARONITISSA, Tochter des Michael II. Taronites
           



Norwich John Julius: Band III Seite 144
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Im Frühjahr 1156 griffen Rainald und sein Verbündeter Thoros Zypern an. Zwar wehrte die Besatzung unter Johannes Komnenos, einem Neffen Manuels, und dem namhaften Feldherrn Michael Branas sich tapfer, zahlenmäßig war sie jedoch hoffnungslos unterlegen. Beide Anführer gerieten in Gefangenschaft, während die fränkischen und armenischen Invasoren gemeinsam eine Orgie der Verwüstung und Entweihung, des Mordens, der Vergewaltigung und des Raubes veranstalteten, wie sie bis dahin auf der Insel noch nie vorgekommen war. Erst nach drei Wochen gab Rainald den Befehl zur Wiedereinschiffung. Die Beutestücke, welche die Schiffe nicht fassen konnten, wurde an jene, denen man sie geraubt hatte, zurückverkauft. Auch die Gefangenen mußten sich freikaufen. Da jedoch bis dahin nicht mehr genügend Geld auf der Insel zur Verfügung stand, wurden die meisten Angehörigen der ersten Familien und auch Johannes Komnenos und Michael Branas nach Antiochia verschleppt und dort eingekerkert, bis das Lösegeld aufgetrieben war. Etlichen gefangenen griechischen Priestern schnitt man die Nase ab und schickte sie zum Hohn nach Konstantinopel. Die Insel soll sich von dem Schlag nicht erholt haben.

Heilig, Konrad Josef: Seite 112,166,255,260-267
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"Ostrom und das Deutsche Reich um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Die Erhebung Österreichs zum Herzogtum 1156 und das Bündnis zwischen Byzanz und dem Westreich."

Ihr Vater Andronikos, der in den bekannten Quellen wenig hervortritt, war der zweite Sohn des Kaisers Johannes II. (1118-1143). Theodoras Brüder Johannes Protosebastos ( 1176) und Alexios Protostrator, später Protosebastos ( 1182) waren während Manuels Regierung die nächsten Verwandten des Kaisers und von entscheidendem Einfluß auf die Staatsführung.
Im Falle der österreichischen Theodora mag man das genau so gemacht haben; die fortuna der Herzogin, die der Klosterneuburger Annalist erwähnt - femina primae nobilitatis et fortunae -, ist in Österreich aufgefallen; und ihr Bruder Johannes, der als Protobestiarios über den kaiserlichen Schatz verfügte, mag gerne und reichlich im Auftrag des Onkels gespendet haben.
Der Vater der Theodora von Österreich, der Kaiser-Sohn Andronikos, ist uns nur wenig bekannt. Er mag um 1110 oder 1112 geboren sein, sicher nicht später [3 Seine älteren Zwillingsgeschwister Alexios und Maria sind 1106 oder 110 geboren; siehe oben Seite 240 Anmerkung 2; sein ältester Sohn Johannes rettete 1146 in der Schlacht Manuel das Leben, ist also doch mindestens schon achtzehnjährig, demnach kaum nach 1127 geboren. Frühestes Heiratsalter für Männer in Byzanz war damals das vollendete 14. Lebensjahr, so daß wir auf spätestens 1112 kommen.], damit ist er wahrscheinlich noch um einige Jahre jünger als sein späterer österreichischer Schwiegersohn Heinrich.
Ihr ältester Sohn, der beim Kaiser in große Gunst gekommen war und als Doux das Thema Bulgarien erhalten hatte, legte sich beim Kaiser ins Mittel, bekam die Mutter frei und nahm sie mit sich nach Sofia.
Von ihren Kindern ist Johannes die markanteste Persönlichkeit. Etwa um 1128 geboren [9 Siehe Seite 255 Anmerkung 3.], setzte er sich schon im jugendlichen Alter bei seinem Onkel in Gunst, da er ihm unter Einsatz des eigenen Lebens bei einem kühnen Husarenstück aus den nachdrängenden Türken heraushieb. Der Kaiser traf den schönen und tapferen Jüngling bei einem Turnier in Pelagonia mit einer langen italienischen Lanze so unglücklich, daß er ein Auge verlor. Er hatte ihn mit einer Angehörigen des aus Mesopotamien stammenden Geschlechts der TARONITEN vermählt; und wohl durch diese Heirat erhielt Johannes die zuletzt von einem Georgios Taronites, vielleicht seinem Schwiegervater, bekleidete Würde des Protobestiarios, nachdem er zuvor den Rang eines Protosebastos erhalten hatte [1 Die Würde des Protosebastos wurde gleichfalls von Alexios I. geschaffen für Michael Taronites, seinen Schwager, der später Panhypersebastos wurde und in des Kaisers Bruder Adrianos einen Nachfolger erhielt. Unter Manuel blieb Johannes jedenfalls der zweite Mann im Staate, bis der Thronfolger Alexios-Bela und des Kaisers Sohn Alexios einrückten, aber wegen ihrer Jugend geringen Einfluß hatten.]. So rückte Johannes, da der verwitwete Kaisar Johann Roger, eine unbedeutende, betagte Persönlichkeit, sich in ein Kloster zurückzog, an die erste Stelle nach dem Basileus im Reiche auf, wurde Doux des Themas Bulgarien, von wo er um 1150 einen Feldzug gegen die Ungarnn und Serben unternahm. Um 1154 war er Gouverneur von Kilikien und Zypern; hier geriet er vor der Übermacht der Antiochener unter ihrem Fürsten Rainald 1155 in Gefangenschaft. Bald wurde er wieder frei und erscheint nunmehr in hervorargender politischer Stellung. Im Winter 1156 und im Frühling 1157, ebenso später 1166 und 1170 finden wir seinen Namen in Protokollen von Synoden zu Konstantinopel unmittelbar hinter den Kaiser. 1166 dürfte er bei den Verhandlungen mit seinem Schwager Heinrich von Österreich, der zusamemn mit seiner Frau nach Sofia als Gesandter BARBAROSSAS gekommen war, eine Rolle gespielt haben. 1173 führte er den ungarischen Thronfolger Bela III.-Alexios in sein Reich ein. Aber auch in der Ostpolitik des Byzantinischen Reiches wurde er eingesetzt. 1158 war er an den Verhandlungen mit König Balduin III. von Jerusalem beteiligt, der die Tochter Theodora des Sebastokrators Isaak zur Frau erhielt; dessen Bruder und Nachfolger Amalrich wurde am 29. August 1167 durch die Heirat mit Maria sein Schwiegersohn. So kam Johannes auch in die Ahnentafel der letzten STAUFER und anderer deutscher Geschlechter. Als Amalrich, der Bundesgenosse Manuels gegen Nur-ed-din von Syrien und Salahdin von Ägypten, März bis Juli 1177, in Konstantinopel weilte, um Hilfe für sein bedrängtes Reich zu erbitten, empfing der Protosebastos den König im Auftrage des Kaisers und gewann durch sein Wesen und seine Freigebigkeit die Herzen der Lateiner. In unwandelbarer Treue zum Kaiser, gerade und aufrecht, war Johannes der erbittertste Gegner von Manuels Vetter Andronikos, der ihn glühend haßte, da der Protosebastos nicht nur ihm vorgezogen wurde, sondern auch stets hinter die Schlingen kam, die der politische Abenteurer dem Kaiser legte; die Feindschaft der beiden Männer wurde auch genährt durch das ehebrecherische Verhältnis des Andronikos zu der jüngsten Schwester des Protosebastos Eudokia. Damit beschwor aber auch Johannes unbewußt das Unglück über seine Familie herauf; denn Andronikos gelang es wenige Jahre nach Manuels Tod, sich auf den Thron zu setzen; doch hat die mörderische Schlacht von Myriokephalon 1176, in der die Wehrkraft Ostroms gegen die Türken zusammenbrach, den Protosebastos davor bewahrt, der Rache des kommenden Herrschers ausgeliefert zu werden; er fand in ihr einen ehrlichen Soldatentod als Krönung seiner militärischen und politischen Wirksamkeit.
 
 
 
 

  oo N.N. Taronitissa, Tochter des Michael II.
           
 
 
 
 

Kinder:

  Maria zu Nauplia
  um 1150/55 um 1217

 29.8.1156
 1. oo Amalrich I. König von Jerusalwm
         1137 11.7.1174

    1177
  2. oo Balian II. Ibelin Graf von Nablus
                1193

  Alexios Komnenos
       1187

  Theodora
        nach 1182

    1175
  1. oo Bohemund III. Fürst von Antiochia
           1144 20.3./1.4.1201

  2. oo Gauthier de Bethune, Herr von Besan
                 um 1210
 
 
 
 

Literatur:
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Heilig, Konrad Josef: Ostrom und das Deutsche Reich um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Die Erhebung Österreichs zum Herzogtum 1156 und das Bündnis zwischen Byzanz und dem Westreich, in Kaisertum und Herzogsgewalt im Zeitalter Friedrichs I. Studien zur politischen und Verfassungsgeschichte des hohen Mittelalters, Anton Hiersemann Stuttgart 1944 Seite 112,162,166, 175,233,241,243,255,260-267,270 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 144 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 202 -