Johannes VI. Kantakuzenos          Kaiser von Byzanz (1347-1354)
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um 1295-15.6.1383
               Mistra
 

Einziger Sohn des Mattäos Kantakuzenos und der Theodora Palaiologina-Tarchaneiotissa, Tochter von Michael
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 534
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Johannes VI. Kantakuzenos, byzantinischer Kaiser 1341-1354
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* ca. 1295, + 1383

Großdomestikos nach 1325, enger Freund und Ratgeber von Andronikos III. Palaiologos (1328-1341), der ihm faktisch die Leitung der Staatsgeschäfte anvertraute. Nach dessen Tod begegnete er den Intrigen der Regentin Anna von Savoyen und des Patriarchen Johannes Kalekas durch die Ausrufung zum Gegen-Kaiser gegen Johannes V. Palaiologos, den Erben seines Freundes. In dem folgenden zweiten byzantinischen Bürgerkrieg verheerten die als Verbündete des Thronprätendenten ins Land gerufenen Serben, Bulgaren und Türken das Territorium des byzantinischen Kaiserreichs. Die mit Johannes VI. Kantakuzenos verbündeten Türken besetzen Gallipoli. 1347 konnte Johannes VI. Kantakuzenos in Konstantinopel einziehen und schloß eine dynastische Allianz mit Johannes V. Palaiologos, dem er seine Tochter Helena zur Frau gab. Gleichzeitig ließ er seinen Sohn Matthaios zum Kaiser krönen. Auf der Synode von 1351setzte er die Anerkennung der Rechtgläubigkeit des Hesychasmus durch. 1354 zwangen ihn die andauernden Thronstreitigkeiten zur Abdankung. Er zog sich unter dem Namen Josasaph als Mönch in das Manganenkloster (Konstantinopel) zurück und lebte später vorwiegend im Kloster Charsianiton, da Johannes V. ihm einen Aufenthalt auf dem Athos untersagte. 1381 begab er sich gemeinsam mit Matthaios zu seinem Sohn Manuel, Despot von Mistra (Peloponnes), wo er zwei Jahre später starb.
Unter dem literarischen Namen Christodulos verfaßte Johannes VI. Kantakuzenos in Konstantinopel ein vierbändiges Geschichtswerk, in dem er eine apologetische Darstellung seiner Politik in der Zeit vom ersten bis zum zweiten byzantinischen Bürgerkrieg (1320-1356) gibt, einer von politischen, gesellschaftlichen und religiösen Krisen erschütterten Epoche. Er ist ferner Autor von theologischen Abhandlungen, unter denen den polemischen Schriften zur Verteidigung des Palamismus und der Apologie des Christentums gegenüber dem Islam besondere Bedeutung zukommen. Es wurde ihm auch eine Paraphrase der Nikomachischen Ethik zugeschrieben.



BERTELSMANN Lexikon Geschichte: Seite 394
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JOHANNES VI. KANTAKUZENOS, Kaiser 1341-1354
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* um 1293, + 15.6.1383
                    Mistra

Zunächst Feldherr und Staatsmann im Dienst der byzantinischen Kaiser, verdrängte den Thronfolger und ließ sich selbst zum Kaiser proklamieren. Den darauf ausbrechenden Bürgerkrieg gewann Johannes VI. Kantakuzenos mit türkischer Unterstützung. Nach erzwungener Abdankung wurde er Mönch.



Thiele, Andreas: Tafel 212,214
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

JOHANNES VI. KANTAKUZENOS
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* um 1295,  + 1383

Sohn des Mattäos und der Theodora Palaiologina-Tarchaneiotissa

Johannes VI. Kantakuzenos wurde Megas Domestikos und Panhypersebastos, 1341 Regent für Kaiser Johannes V. Er hatte schon davor die Position eines Hausmeiers, begann mit dem Schwiegersohn einen Thronkrieg und verbündete sich dabei mit Serbien, dem alten Gegner von Byzanz und später mit den Osmanen, womit er erst richtig die Osmanen auf den Balkan und in die byzantinische Geschichte brachte. Er wurde 1347 Kaiser und verdrängte den Schwiegersohn, machte den Hesychasmus zur offiziellen Lehre (stark antipäpstliche und streng mystische Richtung) und beendete die Zelotenregierung in Thessaloniki. Das Prinzip der Erbteilungen verfestigte sich, was zur völligen Zersplitterung des Restreiches und zum Niedergang führte. Johannes VI. verlor die letzten byzantinischen Flottenverbände an Venedig, geriet schroff gegen Genua, das den Schwiegersohn stützte und etwa 85 % der Bosporus-Zolleinnahmen kontrollierte und wurde nach verheerenden Thronkriegen 1354 endgültig verjagt. Er verlor 1352 die Seeschlacht gegen Genua, wurde Mönch und verfaßte eine wichtige autobiographische Schrift und Schriften gegen den Islam. Johannes wurde 1346 Patriarch von Jerusalem und 1347 von Konstantinopel.

  oo IRENE ASEN VON BULGARIEN
           um 1379



Johannes VI. Kantakuzena übernahm am 15.6.1341 gemeinsam mit der Kaiserin-Mutter die Vormundschaft für den unmündigen Johannes V. Durch Intrigen der verwitweten Kaiserin Johanna und des Finanzministers Apakankos, die ihn zu verdrängen suchten, wurde Johannes dahingetrieben, die ihm von seinen Anhängern angebotene Krone am 26.10.1341 anzunehmen. Aber erst am 8.2.1347 wurde er auf zehn Jahre als Alleinherrscher anerkannt; dann sollte er Johannes V. Anteil an der Regierung gewähren. 1350 hatte er die Zelotenherschaft in Thessaloniki niedergeworfen. Sein seit 1351 mit ihm verbündeter Schwiegersohn überrumpelte ihn 1354 mit genuesischer Hilfe und nötigte ihn zur Abdankung. Johannes warb zur Verwirklichung seiner kriegerischen Ziele auf der Balkanhalbinsel türkische Hilfstruppen an und beschleunigte damit ihr Eindringen in Europa.
 
 
 
 

  oo Irene Asen von Bulgarien, Tochter des Prinzen Andronikos
           um 1379
 
 
 
 

Kinder:

  Helena
  1333 1396

 1347
  oo Johannes V. Kaiser von Byzanz
       1332 16.2.1391

  Theodora
      

 1349
  oo Orchan Türkenkhan
            1359

  Matthäus
  um 1325 1383 gefallen

  Manuel
  um 1326 1380

  Andronikos
  um 1334 1347 an der Pest

  Er war 1341-1342 inhaftiert.

  Maria
      

  oo Nikephoros II. Despot von Epiros
            1359 ermordet
 
 
 
 

Literatur:
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BERTELSMANN Lexikon Geschichte 1991 Seite 394 - Browning Robert: Byzanz. Roms goldene Töchter. Die Geschichte des Byzantinischen Weltreiches. Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1982 Seite 170,172,187,191,197,204 - Majoros Ferenc/Rill Bernd: Das Osmanische Reich 1000-1922. Die Geschichte einer Großmacht. Bechtermünz Verlag 1999 Seite 101,104 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 348,351-362,364,366-371,373,379,386,388,395,398,402,421,441,475 - Runciman Steven: Die Eroberung von Konstantinopel 1453 C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München 1966 Seite 5-6,36-37,91,92 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978 Seite 1232 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 212,214 -



Norwich John Julius: Band III Seite 319,324,326,330,333-344,346
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches"

Die rechte Hand des jungen Kaisers war Johannes Kantakuzenos, ein führendes Mitglied der Militäraristokratie. Sein Vater war Statthalter der Morea gewesen, er selbst ein bedeutender Landbesitzer im Reich, der große Güter in Makedonien, Thrakien und Thessalien besaß. Er war ein oder zwei Jahre älter als Andronikos und von Kind an eng mit ihm befreundet. Johannes sollte die politische Szene von Byzanz über weite Strecken des Jahrhunderts beherrschen: als graue Eminenz, Großdomestikos, aufständischer Rebell und Kaiser. Dass er außerdem eine umfangreiche, detaillierte Reichsgeschichte der Jahre zwischen 1320 und 1356 schrieb, die zum großen Teil auf persönlichen Erinnerungen an Menschen und Ereignisse beruht und in der er häufig Originaldokumente zitiert, ist für die Nachwelt mindestens ebenso wichtig. Natürlich hat er sie bis zu einem bestimmten Grad zu seinen Gunsten geschönt; dennoch darf man sie nicht übergehen; denn Kantakuzenos war der überragende Feldherr und Staatsmann seiner Zeit.
Unter solchen Umständen erfolgte die Einnahme der Stadt durch seinen Enkel ohne nennenswerten Widerstand. Am Abend des 23. Mai 1328 schlichen Andronikos III. und Johannes Kantakuzenos an der Spitze eines 24 Mann starken Trupps mit Sturmleitern zu einer bestimmten Stelle der Großen Bastion gegenüber dem Romanostor. Komplizen in der Stadt ließen Taue herab, die Leitern wurden hochgezogen, und nach ein paar Minuten standen die ersten Leute des jungen Kaisers innerhalb der Mauern und öffneten ihren Kameraden das Tor. Es kam weder jemand um, noch gab es Plünderungen, nicht einmal Verletzte. Der alte Andronikos, aus dem Schlaf gerissen, geriet anfangs in Panik. Seine Befürchtungen bewahrheiteten sich indes nicht. Von ihm wurde einzig die Abdankung verlangt. Er durfte seine kaiserlichen Titel und Insignien behalten und, falls er dies wünsche, weiterhin im Blachernenpalast wohnen. Dann wurde eine Abordnung zur Befreiung des Patriarchen Esajas losgeschickt, der sich im Jahr zuvor Andronikos' Weisung, seinen Enkel aus der Kirche auszuschließen, widersetzt hatte und daraufhin im Manganenkloster festgesetzt worden war. Die Rückkehr in seinen Palast habe er, so berichtet Gregoras, nicht etwa, wie zu erwarten war, in Begleitung von bedeutenden Kirchenleuten angetreten, sondern mit einer Musikantentruppe, Komödianten und Tänzerinnen, von denen ihn eine bald so sehr zum Lachen gebracht habe, dass er  beinahe vom Pferd gefallen sei.
Johannes Kantakuzenos war nicht nur Freund und Berater des Kaisers, sondern im wahrsten Sinne des Wortes sein guter Geist. So wie er als treibende Kraft hinter der jüngsten Rebellion stand, lenkte er auch nach deren Gelingen die Geschicke des Reichs. Kantakuzenos schlug alle Titel aus - selbst den des Regenten und Mit-Kaisers, die ihm Andronikos zum Dank angeboten hatte - und bekleidete offiziell kein Staatsamt außer dem des Großdomestikos, also des Oberbefehlshabers. Dennoch gab es in Konstantinopel keine Zweifel, wer die Macht wirklich in Händen hielt.
Und doch ging die Initiative für eine der ersten und zugleich bedeutendsten Entscheidungen seiner Regierung vermutlich von Andronikos und nicht von Johannes Kantakuzenos aus. Er war sich völlig im klaren darüber - wie übrigens auch das Volk und damit die Leidtragenden -, dass die Rechtsordnung im Reich völlig korrumpiert war. Wie schon erwähnt, konnten Johannes Kantakuzenos und Syrgiannes Palaiologos ihre Statthalterschaft in Thrakien mit Leichtigkeit kaufen. Sogar der Großlogothet Theodor Metochites, dessen Integrität unbestritten und der moralphilosophisch sehr versiert war, hatte ohne Skrupel hohe Staatsämter gekauft und verkauft. Etwa 30 Jahre zuvor hatte Andronikos II. einen Anlauf genommen, um das Problem anzugehen, sich jedoch wie meist nicht durchsetzen können. Nun stellte sich ein knappes Jahr, nachdem er als einziger Kaiser auf dem Thron saß, sein Enkel der Herausforderung. 1329 ließ er einen Gerichtsstand schaffen, den "obersten römischen Gerichtshof". Dieser bestand aus vier Richtern, zwei Klerikern und zwei Laien, die im Prinzip die oberste Appellationsinstanz bildeten, als solche die Oberaufsicht über das Rechtswesen im ganzen Reich ausüben und ihr Augenmerk besonders auf Fälle von Korruption und Steuerhinterziehung hoher Ämter richten sollte. In abgelegenen Gebieten wurden Gerichte mit vergleichbarer Machtfülle eingesetzt. Leider erwies sich das System nicht durchweg als erfolgreich. Die Korruption, hat sie einmal Fuß gefaßt, ist bekanntlich nur schwer auszurotten; schon 1337 wurden anläßlich eines Gerichtstags in der Hagia Sophia unter dem Voritz des Kaisers und des Patriarchen  drei von den vier obersten Richtern der Bestechung überführt, abgesetzt und ins Exil geschickt. Doch die Ernennung der Nachfolger erfolgte auf dem Fuße. Die Institution blieb bis zum Untergang von Byzanz bestehen.
Syrgiannes ist schwer einzuschätzen. Wie erwähnt, Aristokrat von der Mutter her und väterlicherseits Kumane, war er ein enger, intimer Freund des Kaisers und seines Großdomestikos gewesen, dazu hochintelligent und anscheinend ungewöhnlich charmant. Doch schien er weder Treue noch Loyalität zu kennen. Schon einmal hatte er Andronikos verraten - als er während des Bürgerkriegs zu dessen Großvater übergelaufen war. Schon bald danach beteiligte er sich an einer Verschwörung zur Ermordung des alten Kaisers und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, nachdem Andronikos III. die Macht ergriffen hatte, jedoch wieder freigelassen und offiziell begnadigt, dies auf nachdrücklichen Wunsch von Johannes Kantakuzenos, und sodann verblüffenderweise zum Statthalter von Thessalonike ernannt. Dort gab es gleich wieder Probleme; er intrigierte gegen Kantakuzenos und schmeichelte sich bei Kaiserin Rita-Maria ein - die sich nach dem Tod ihres Mannes, Michael IX., in Thessalonike niedergelassen hatte -, bis sie ihn an Sohnes Statt annahm. Nach ihrem Tod 1333 stellte sich bald heraus, dass Syrgiannes erneut eine Verschwörung anzettelte, diesmal gegen den Kaiser und vermutlich mit dem Ziel, sich selbst auf den Thron zu setzen. Ob er damals schon mit Stephan Duschan in Kontakt stand, ist nicht bekannt. Doch da Thessalonike zu nah an der serbischen Grenze lag, um dort im Notfall Zuflucht zu suchen, wollte Andronikos nichts dem Zufall überlassen. Syrgiannes wurde unter strengem Arrest zur Aburteilung nach Konstantinopel gebracht. Bevor es jedoch dazu kam, entfloh er über das Goldene Horn nach Galata und von dort über Euböa und Thessalien nach Serbien. Stephan Duschan empfing ihn herzlich und übertrug ihm den Oberbefehl über ein Heer, das  im Frühjahr 1334 Kastoria und dazu mehrere benachbarte Festungen einnahm. Andronikos und Johannes Kantakuzenos eilten nach Makedonien, fest entschlossen, Syrgiannes ein für allemal zu vernichten. Da sie jedoch unsicher waren, ob ihr eilig zusammengerafftes Heer der Aufgabe gewachsen wäre, griffen sie zu einem Trick. Sie trugen einem ranghohen Offizier namens Sphrantzes Palaiologos einen Plan vor, nach dem er zum örtlichen Stathalter ernannt werden sollte, um einen wohlschmeckenden Köder für Syrgiannes abzugeben; dieser würde gewiß sogleich versuchen, Sphrantzes auf seine Seite zu ziehen. Darauf sollte Sphrantzes zum Schein eingehen, um sein Vertrauen zu gewinnen und ihn dann um sie leichter festnehmen und einer Bestrafung zuführen zu können. Alles lief ab wie geplant, außer dass im kritischen Augenblick Sphrantzes seinen Auftrag übertrieb und, anstatt Syrgiannes gefangenzusetzen, ihn sofort umbrachte. Für diesen Ungehorsam wurde er zwar verwarnt, bald darauf jedoch in den Rang eines Großstratopedarchen erhoben, womit eine beträchtliche Erhöhung seiner Bezüge einherging. Diese Ausgabe bezahlte der Kaiser gern; denn nur einen oder zwei Monate später, im August 1334, traf er Stephan Duschan unweit von Thessalonike an der Grenze. Dabei kamen sie überein, dass als Gegenleistung byzantinischer Hilfe gegen Ungarn, die von Syrgiannes eingenommenen Festungen an das Reich zurückfallen sollten.
Und Andronikos benötigte sie dringend, denn Stephan ließ keine Zweifel daran, dass alle anderen Eroberungen der letzten beiden Jahre - dazu gehörten auch Ochrid, Prilap, Strumika und sogar Wodena (Edessa) - serbischer Hand verblieben. Es war dies der Anfang vom Ende.
In Kleinasien ging es noch schneller auf den Untergang zu. Als Ende Mai 1329 Berichte in Konstantinopel eintrafen, die türkischen Osmanen unter Orhan hätten eine Blockade über Nikäa verhängt, setzten Andronikos III. und Johannes Kantakuzenos mit einem etwa 4.000 Mann starken Heer über die Meerenge nach Chalkedon über und marschierten südostwärts entlang der Küste des Marmarameeres. Am Morgen des dritten Marschtages erspähten sie das türkische Heerlager in den Hügeln oberhalb des kleinen Ortes Pelekanos (Manyas). Das Heer war nicht nur strategisch viel günstiger postiert, sondern erschien ihnen auch doppelt so groß wie das eigene. Doch nach einem kurzen Kriegsrat beschloß man, sich zu stellen und zu kämpfen, falls Orhan von oben angreifen würde. Und dies tat er. Am 10. Juni kam es zur Schlacht. Der Kampf tobte den ganzen Tag über bei glühender Sonne; gegen Abend sah es so aus, als sollten die byzantinischen Truppen, die zwei große Angriffe der Türken abgewehrt hatten, die Oberhand behalten. Sie hatten allerdings schon schwere Verluste erlitten. Außerdem wußten sie, dass Orhan, der bewußt einen Teil seines Heers aus dem Kampf herausgehalten hatte, am nächsten Tag wieder angreifen würde. Aus diesem Grund riet Kantakuzenos zu einem unauffälligen ehrenvollen Rückzug im ersten Morgengrauen.
Und so geschah es. Leider scherten wie so oft einige jüngere, wenig erfahrene Soldaten, von den ständigen Belästigungen der türkischen Bogenschützen zur Raserei gebracht, aus den Reihen aus, um sie zu vertreiben. Sich der großen Gefahr einer solchen Aktion voll bewußt, wandte Kantakuzenos sein Pferd und galoppierte ihnen nach. Einen Moment später tat Andronikos, der ihn nicht bemerkt hatte, es ihm nach. Was sie befürchtet hatten, war eingetreten. Sie fanden die Heißsporne umzingelt. Im nun folgenden erbitterten Kampf traf Andronikos ein Pfeil am Oberschenkel. Mit knapper Not erreichte er die Hauptmasse des Heers - sein blutüberströmtes Pferd brach bei Ankunft tot zusammen - und kehrte am folgenden Tag auf einer Bahre nach Konstantinopel zurück. Da es sich nicht um eine schwere Wunde handelte, wäre alles gut gewesen, hätten nicht einige Soldaten Anblick der Bahre angenommen, er sei gefallen. Sie gerieten in Panik, und mit äußerster Mühe konnte Johannes Kantakuzenos, der selbst nur um Haaresbreite entkommen war, die Ordnung halbwegs wiederherstellen, bevor die nachstürmenden Türken sie vor den Mauern von Philokrene erneut zum Kampf zwangen.
Der einzige größere Geländegewinn, den Andronikos und Johannes Kantakuzenos erzielten, gab es in Thessalien und Epiros zu verzeichnen - und auch dieser Erfolg sollte wieder zerrinnen. Schon 1318 waren die letzten herrschenden Vertreter der in diesen beiden griechischen Gebieten mächtigsten Dynastien innerhalb weniger Monate gestorben: Johannes II. von Thessalien auf unspektakuläre Weise und Thomas von Epiros ermordet, wie schon berichtet, von seinem Neffen Nikolaus Orsini, mit dem sich Anna, die Ehefrau seines Opfers und Schwester Andronikos' III., verehelichte, womit er Thomas nicht nur auf dem Thron nachfolgte. Nach Johannes' Tod zerfiel Thessalien. Das Gebiet erbeuteten zum größten Teil katalanische und venezianische sowie verschiedene einheimische Adelsfamilien, die sich dort holten, was es noch zu holen gab. Lediglich die Ecke zwischen Trikkala und Kastoria im Nordwesten wurde von ihrem Oberhaupt, einem gewissen Stephan Gabrielopulos Melissenos, in Frieden regiert; er führte den Titel Sebastokrator und war daher vermutlich vom Kaiser dazu ermächtigt. Als er 1333 ebenfalls starb, sah auch dieses Gebiet anarchische Zustände auf sich zukommen. Andronikos, der sich damals gerade in Makedonien aufhielt, und Michael Monomachos, der Statthalter von Thessaionike, retteten jedoch die Situation. Beide eilten mit ihren Truppen in die bedrohte Region, vertrieben Johannes Orsini, den Despoten von Epiros, der seinen Bruder Nikolaus ermordet hatte, und stellten in Windeseile die byzantinische Herrschaft im Süden bis an die Grenze des katalanisch beherrschten Territoriums wieder her. Der Wiedergewinnung Thessaliens für Byzanz mußte früher oder später jene von Epiros nach sich ziehen. Die ORSINI waren nie als legitime Herrscherfamilie allgemein anerkannt worden. Das nachfolgende Gerangel und die unablässigen Angriffe von außen hatten das einst blühende Despotat an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Zu den führenden Personen in der bereits mächtigen probyzantinischen Parta in Arta gehörte auch Anna Palaiologina, die Ehefrau des vertriebenen Johannes Orsini. Ermuntert durch die jüngsten Ereignisse in Thessalien, vergiftete sie 1335 ihren Ehemann - der dritte Mord an einem ORSINI innerhalb von 17 Jahren - und übernahm selbst die Regierung anstelle ihres 7-jährigen Sohnes Nikephoros. Als Andronikos zwei Jahre darauf in diese Gegend kam, um einen albanischen Aufstand niederzuschlagen, sandte Anna Boten zu ihm nach Berat mit dem Vorschlag, ihn auch im Namen ihres Sohnes Nikephoros als Oberherrn anzuerkennen und dafür weiter in Epiros zu regieren. Andronikos paßte beides nicht. Epiros hielt sich nun schon seit mehr als 130 Jahren als unabhängiges Despotat. Künftig, darauf bestand er, müsse es von einem ihm direkt unterstellten byzantinischen Statthalter verwaltet werden. An Ort und Stelle ernannte er für diesen neuen Posten einen engen Freund und Waffengefährten, Protostrator Theodor Synadenos, einen Anführer des Staatsstreichs gegen seinen Großvater neun Jahre zuvor. Anna, ihr Sohn und ihre zwei kleinen Töchter erhielten ein Gut in Thessalonike, um künftig im - wenigstens bequemen - Exil zu leben.
Wie so oft nicht nur in der byzantinischen Geschichte nicht alles nach Plan. Unvermutet verschwand der junge Nikephoros, entführt durch epirotische Adlige. Dabei hatten höchstwahrscheinlich jene westlichen Mächte die Hand im Spiel, bei denen ein Fortbestand des unabhängigen Despotats bestand. Der Junge gelangte zunächst nach Italien und kam schließlich an den Hof Katharinas von Valois, der Fürstin von Tarent und lateinischen Titular-Kaiserin Konstantinopel. Dort blieb er bis zum Herbst 1338. In diesem Jahr begab sich Katharina mit ihm zu ihrem Landsitz in Achäa - Achäa gehörte zum Gebiet, über welches ihr Ehemann Philipp gebot - und benutzte ihn als Gallionsfigur, um eine antibyzantinische Erhebung in Epiros anzuzetteln. Schon nach kurzer Zeit hatte sie damit Erfolg. Der Statthalter Theodor Synadenos wurde verhaftet und eingekerkert. Zu Beginn des Jahres 1339 kehrte der junge Nikephoros in aller Form nach Epiros zurück; in der Küstenfestung Thomokastron fand seine Einsetzung statt. Doch dieser Revolte war nur kurzzeitig Erfolg beschieden, denn sie fand außerhalb von Arta, Janina und ein oder zwei anderen Städten keine Unterstützung. Andronikos erschien 1340 erneut, an seiner Seite wie gewöhnlich Johannes Kantakuzenos. Arta wurde erfolgreich belagert, und noch lange vor Jahresende eine Generalamnestie verkündet und Statthalter Synadenos wieder auf freien Fuß gesetzt. Anschließend ritt Johannes Kantakuzenos nach Thomokastron. Dort ließ sich, trotz Anwesenheit einer angevinischen Flotte, Nikephoros rasch dazu bringen, seine Ansprüche aufzugeben und nach Thessalonike zurückzukehren. Als eine Art Entschädigung wurde ihm der wohlklingede Titel Panhypersebastos verliehen und die Hand von Johannes' Tochter Maria Kantakuzena angetragen. Für einen noch nicht 13-jährigen Knaben ging ein ereignisreiches Jahr zu Ende.
Zu Beginn des Frühjahrs von 1341 feierte Andronikos, der sich immer noch in Thessalonike aufhielt, die Vermählung seiner Kusine Irene Palaiologina mit Johannes Kantakuzenos' ältestem Sohn Matthäus, wodurch die beiden Familien sich noch enger miteinander verbanden. Kurz danach kehrte er mit Johannes nach Konstantinopel zurück, mitten in das Dickicht einer neuen Krise.
Zwar erwies sich die Stadt für sie als zu stark und widerstand, doch mit Unterstützung der sechstausend Leute von Umur gelang der Durchbruch nach Didymoteichos, wo Johannes Kantakuzenos und Irene Asen einander nach fast einjähriger Trennung wieder in die Arme schließen konnten.
Mit Orhan wurde er rasch ebenso gut Freund wie mit Umur, und sie kanmen sich vielleicht noch näher, denn Orhan und Theodora, die zweite der drei Töchter von Johannes Kantakuzenos und Irene Asen, verliebten sich leidenschaftlich ineinander.
Als bewußte Antwort auf die Krönung Stephan Duschans zum König von Serbien und Griechenland
ließen sich nur fünf Wochen später, am 21. Mai 1346, am Fest der Heiligen Konstantin und Helena, Johannes Kantakuzenos und Irene Asen in Adrianopel vom Jerusalemer Patriarchen Lazaros die in aller Hast von einem einheimischen Goldschmied hergestellten Kaiserkronen aufs Haupt setzen.
Im August 1348 segelten die Genuesen mit einigen ihrer Schiffe über das Goldene Horn, spürten die neuen byzantinischen Schiffe aus und steckten sie in Brand. Johannes Kantakuzenos hielt sich gerade in Thrakien auf, doch Kaiserin Irene stachelte zusammen mit ihrem jüngeren Sohn Manuel und Nikephoros, dem Ehemann ihrer Tochter Maria, die gesamte Bevölkerung in Konstantinopel zum lebhaften Widerstand an.
Am 4. Dezember 1354 setzte sich Johannes VI. im Blachernenpalast feierlich das Diadem ab, zog die mit goldenen Adlern bestickten Purpurstiefel und kaiserlichen Gewänder aus und hüllte sich statt dessen in eine Mönchskutte. Kaiserin Irene tat es ihm gleich. Sie trat als Nonne in das Kyra-Martha-Kloster ein, das nach 1270 von Maria Palaiologina gegründet worden und wo ihre Schwiegermutter Theodora Kantakuzena bestattet war.
Fünfunddreißig Jahre Dienst am Reich sind ihm übel vergolten worden. Man kann sich nur schwer vorstellen, daß Johannes Kantakuzenos und Irene Asen nicht erleichtert aufgeatmet haben, als sei die Staatsgewänder gegen das rauhe Klostergewand eintauschten.