Johannes V. Paläologos                Kaiser von Byzanz (1341-1391)
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1332 16.2.1391
 

Ältester Sohn des Kaisers Andronikos III. Palaiologos von Byzanz aus seiner 2. Ehe mit der Anna (Johanna von Savoyen), Tochter von Graf Amadeus V.
 

Lexikon des Mitteelalters: Band V Spalte 534
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Johannes V. Palaiologos, byzantinischer Kaiser
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* 18. Juni 1332, 16. Februar 1391
Didymoteichon

Nach dem Tod seines Vaters Andronikos III. (15. Juni 1341) übernahm er unter der Vormundschaft seiner Mutter Anna von Savoyen und des Patriarchen Kalekas die Regierung (Krönung 19. November 1341), zunächst neben dem Gegen-Kaiser Johannes VI. Kantakuzenos, bis er von diesem als Haupt-Kaiser verdrängt wurde (3. Februar 1347) und dessen Tochter Helena heiraten mußte (24. oder 28. Mai 1347). Nach 1350/51 weilte er als Statthalter in Thessalonike. Nach dem endgültigen Bruch zwischen den beiden Kaisern (1352) zog er sich 1353 nach Lemnos (oder Tenedos) zurück, bis ihm mit genuesischer Hilfe am 11. November 1354 der Einzug in Konstantinpel gelang, der zur Abdankung Johannes' VI. führte (4. Dezember). Auf der Suche nach einer Allianz gegen die Osmanen reiste er 1365 an den ungarischen Hof und 1369/70 nach Rom, wo er ein Glaubensbekenntnis zur römischen Kirche unterschrieb (18. Oktober 1369). 1376 (12. August) wurde er von seinem Sohn Andronikos IV. verdrängt und eingekerkert, gewann aber nach seiner Flucht zu Murad I. mit desen Hilfe den Thron wieder (1. Juli 1379). Trotz eines Friedensvertrages (Mai 1381) kam es 1385 zu erneuten Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn. 1390 wurde er wieder, nun durch Andronikos' Sohn Johannes VII. für einige Monate aus Konstantinopel vertrieben, kehrte aber mit Unterstützung seines Sohnes Manuel II. und rhodischer Ritter wieder zurück.
Aus der Ehe mit Helena entstammten fünf Kinder (Andronikos IV., Manuel II., Michael, Theodoros und Eirene). Ein außerehelicher Sohn (Manuel) ist in verschiedenen Quellen erwähnt. Seine Regierungszeit war geprägt von Bürgerkriegen, Religionsstreitigkeiten, bemühungen um die Kirchenunion, besonders anber vom Vordringen der Osmanen in den Balkanraum und nach Griechenland (Eroberung von Thessalonike 1387).



Thiele, Andreas: Tafel 212
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

JOHANNES V.
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* 1332, 1391

Johannes V. Paläologos folgte 1341 unter der Regentschaft seiner Mutter und wurde 1347 vom Schwiegervater als Junior-Kaiser zurückgedrängt, was bis 1354 zum Thronkrieg führte. Dieser Krieg, gekoppelt mit starken sozialen-religiösen Spannungen und Unruhen, begründete den endgültigen Niedergang des Reiches. Die ägäischen Inseln gingen endgültig verloren, ebenso die letzten kleinasiatischen Besitzungen und ganz Thessalien, Thrakien und Makedonien. Die Osmanen eroberten Gallipolis, faßten erstmals in Europa Fuß und besetzten 1361 auch Thrakien und Adrianopel, womit sie Konstantinopel total einkreisten. Das Byzantinische Reich bestand nur noch aus der Stadt Konstantinopel, dem unmittelbaren Umland und aus den Peloponnes-Fürstentümern Mistra-Morea, dazu Thessaloniki und Umland und den Schwarzmeerorten, Mesembria und Anchialos und formal noch etlichen ägäischen Inseln. 1366-1371 unternahm Johannes V. eine demütigende, ergebnislose Bittreise durch Europa und wurde dabei 1366/67 in Bulgarien gefangengehalten und durch seinen Cousin Graf Amadeus VI. von Savoyen befreit. Mit dem Papsttum führte er ergebnislose Unionsverhandlungen, wurde deshalb sogar vorübergehend katholisch. Wegen venezianischer Geldforderungen an Byzanz wurde er 1370/71 in Venedig wie ein Gefangener gehalten. Aus dem Zerfall des Großserbischen Reiches gewann er nach 1355 Teile von Thessalonich, stand seit 1372 de facto unter osmanischer Hoheit und mußte Heeresfolge leisten. Er wurde 1376-1379 im neuerlichen Thronkrieg von seinem Sohn inhaftiert, stritt bis zuletzt ständig mit Venedig und verlor an dieses die Insel Tenedos. Johannes V. trat 1390 zurück und wurde Mönch.

 1347
  oo HELENE KANTAKUZENA, Tochter des Kaisers Johannes VI.
       * 1333, 1396 als Nonne



Johannes V. Paläologos folgte seinem Vater am 15.6.1341 in der Regierung, doch führten während seiner Minderjährigkeit seine Mutter nebst Johannes Kantakuzenos die Regentschaft. Letzterer ließ sich am 26.10.1341 selbst zum Kaiser ausrufen, konnte aber erst 1347 seine Anerkennung durchsetzen. Johannes V. geriet mit seinem Schwiegervater KANTAKUZENOS bald in Konflikt. Als es zum offenen Krieg kam, siegte Johannes V. und nötigte seinen Schwiegervater 1354 zur Abdankung. Nach dessen Abdankung setzte dessen Sohn Matthäus den Kampf bis 1358 fort. 1360 fiel Adrianopel in die Hände der Türken, denen Johannes V. seit 1370 Tribute zahlen mußte. Am 12.8.1376 wurde Johannes von seinem Sohn Andronikos IV. gestürzt und gefangengenommen. Nach seiner Flucht gelang es ihm mit türkischer Hilfe, seine Herrschaft wiederherzustellen. 1387 ging Thessaloniki an die Türken verloren. 1390 wurde er noch einmal für wenige Monate von seinem Enkel Johannes VII. verdrängt.

Browning Robert: Seite 171-177
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"Byzanz. Roms goldene Töchter. Die Geschichte des Byzantinischen Weltreiches."

Andronikos III. starb 1341. Er hinterließ einen sechsjährigen Sohn Johannes V. unter der Regentschaft der Kaiserin-Witwe Anna von Savoyen. Noch vor Jahresende ließ sich Johannes Kantakuzenos, der gehofft hatte, offizieller Nachfolger zu werden, in Thrakien zum Gegen-Kaiser erheben. Es begann ein verheerender Bürgerkrieg, der bis 1347 ununterbrochen andauerte. Zeitgenossen berichten, daß die Reichen und die Mächtigen KANTAKUZENOS unterstützten, während das Volk auf seiten von Kaiser Johannes V. bzw. der regierenden Kaiserin stand.
Die Krise in Byzanz war der Vorteil seiner Feinde. Während des Machtkampfes zwischen Johannes Kantakuzenos und Johannes Paläologos untersützte der expansionsfreudige König Stefan Dusan von Serbien mal die eine, mal die andere Seite. Er kam zu beträchtlichem Landgewinn in Makedonien, 1345 nahm er die wichtige Stadt Derres nordöstlich  von Thessaloniki ein, 1346 ließ er sich zum König der Serben und Griechen krönen. So war er eine Zeitlang der dritte Thronaspirant KANTAKUZENOS zog 1347 praktisch ohne Widerstand in Konstantinopel ein und wurde ein zweites Mal zum Mit-Kaiser gekrönt.
Die Abdankung des Johannes Kantakuzenos bezeichnet das Ende einer Epoche - manche würden sagen, einer Epoche verpaßter Gelegenheiten. Von jetzt an hatte das Reich nur einen Feind, die ottomanischen Türken. Johannes V. setzte seine ganze Hoffnung auf die Unterstützung durch Genua in der Erwartung, es werde sein Monopol auf den Schwarzmeeerhandel verteidigen, doch er wurde bitter enttäuscht. 1359 lagerten türkische Scharen aus Gallipoli vor den Mauern Konstantinopels. 1363 nahmen sie Philippopolis ein und schnitten so die Hauptstadt von Serbien und dem Westen ab. 1369 fiel Adrianopel, der entscheidende Vorposten in Thrakien. In der Zwischenzeit hatte Johannes V. mit Papst Urban V. wegen eines Kreuzzuges verhandelt, der dem Vormarsch der Moslems Einhalt gebieten sollte, und war 1366 nach Ungarn gegangen, um dort um Hilfe zu bitten. Die Antwort des Westens war ermutigend, aber nicht angemessen. Mit dem Segen des Papstes segelte eine bunt gemischte Streitmacht unter Prinz Amadeo von Savoyen die Donau hinunter. Für kurze Zeit konnte sie die Türken aus Gallipoli vertreiben, war jedoch nicht stark genug, um weitere Unternehmungen zu wagen. 1369 ging der Kaiser nach Rom und konvertierte zum lateinischen Glauben, ein Verzweifungsschritt, der ihn seinen Untertanenen entfremdete, ohne daß er von Papst irgendwelche Konzessionen erreicht hätte. Die serbische Armee wurde 1371 in einer Schlacht an der Maritza aufgerieben. Serbien, Makedonien und Nord-Griechenland waren der türkischen Invasion preisgegeben. Der türkische Druck wurde nicht nur auf dem Schlachtfeld fühlbar. Johannes mußte sich in einem Vertrag als Vasall des Sultans bezeichnen. Als sein jüngerer Sohn Andronikos revoltierte und mit einem rebellischen Sohn des Sultans gemeinsame Sache machte, versuchte man den Kaiser zu zwingen, ihn ins Gefängnis zu werfen und zu blenden. Andronikos wurde zwar nicht geblendet, sondern nur mehrere Jahre lang gefangengehalten. Er entkam aber 1376 nach Galata, nahm mit türkischer und genueser Hilfe Konstantinopel ein und ließ daraufhin seinen Vater und seinen älteren Bruder, den Mit-Kaiser Manuel, ins Gefängnis werfen. So gab es in der Stadt zeitweise vier Kaiser, die gegeneinander arbeiteten und alle in einem gewissen Grad Werkzeuge der türkischen oder italiensichen Politk waren. 1379 entkamen Johannes und Manuel; sie flohen an den türkischen Hof und wurden von der türkischen Armee und der venezianischen Flotte in der Hauptstadt wieder als Kaiser eingesetzt. Während das kleine Mosaik von Inseln und Städten der kümmerliche Rest des Reiches, den Anschein erweckte, als sei es unabhängig - eine Zeitlang war dies auch der Fall -, entschied man über sein Schicksal schon anderswo.
Inzwischen setzten die Türken ihren Vormarsch erbarmungslos fort. 1377 wurde Adrianopel Hauptstadt. Sofia fiel 1385, Nis 1366, 1387 war Thessalonike an der Reihe; die Stadt ergab sich, um nicht geplündert zu werden. 1389 folgte die vernichtende Niederlage der Serben bei Kosovo Piolje (Amselfeld), die jeder Hoffnung auf einen erfolgreichen Widerstand der slawischen Balkan-Staaten ein Ende setzte. Der Rest Bulgarines wurde 1393 erobert und anch einem Aufstand annektiert: aus einem türkischen Vasallenstaat wurde eine Provinz des türkischen Reiches.
In Konstantinopel und Adrianopel kam es zum Thronwechsel. Manuel II., der Sohn Johannes' V., wurde 1392 gekrönt.
 
 
 
 

21.5.1347
  oo Helena Kantakuzena, Tochter des Kaisers Johannes VI.
       1333 1396 als Nonne
 
 
 
 

Kinder:

  Andronikos IV.
  1348 28.6.1385

  Manuel II.
  1350 21.7.1425

  Theodor I. Despot von Morea
  um 1351 1406

Illegitim

  Michael
      nach 1373

Michael erschien 1373 als Prätendent für Trapezunt und scheiterte. Er wurde byzantinischer Despot und ist sonst nicht weiter greifbar.

  oo N.N. von Dobrudscha, Tochter des Fürsten Dobrotic zu Varna
          

  Tochter
      

  oo Chalil, Osmanen-Prinz
           

  Manuel
        nach 1422 im Kerker

Er wurde Admiral und siegte 1405 über eine osmanische Flotte. Er wurde vom kaiserlichen Halbbruder inhaftiert.
 
 
 
 

Literatur:
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Browning Robert: Byzanz. Roms goldene Töchter. Die Geschichte des Byzantinischen Weltreiches. Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1982 Seite 171,173,177,188,195 - Majoros Ferenc/ Rill Bernd: Das Osmanische Reich 1000-1922. Die Geschichte einer Großmacht. Bechtermünz Verlag 1999 Seite 104 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 337,341,347,359,362,364-368,371-381,383,386, 393,396,409 - Runciman Steven: Die Eroberung von Konstantinopel 1453 C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München 1966 Seite 4,7,12,36,39-40,55 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 1232-1234 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 212  -