Johannes IV. Laskaris                    Kaiser von Nikäa (1258-1261)
---------------------------
24.12.1250 1305?
 

Einziger Sohn des Kaisers Theodor II. Laskaris von Nikäa und der Helena von Bulgarien, Tochter von Zar Ivan II. Asen
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 534
********************
Johannes IV. Laskaris, byzantinischer Kaiser 1258-1261
---------------------------
* 1250, nach 1290

Einziger Sohn und präsumptiver Erbe von Kaiser Theodor II. Laskaris von Nikaia

Nach dem Tode des Vaters (August 1258) unterstand der junge Kaiser - gemäß väterlicher Verfügung - der Vormundschaft des Patriarchen Arsenios und des bei der nizaenischen Aristokratie unbeliebten Georgios Muzalon. Nach dessen Ermordung übernahm Michael Palaiologos im September 1258 die Regentschaft, ließ sich bald zum Mit-Kaiser proklamieren und nach der byzantinischen Rückeroberung Konstantinopels (1261) zum alleinigen Kaiser krönen; Johannes IV. Laskaris war zuvor seiner Recht beraubt, geblendet und in einer Festung am Marmarameer eingekerkert worden. Der Patriarch Arsenios, der dieses Verbrechen verurteilte, wurde 1264 abgesetzt. Die politischen und kirchlichen Folgen waren noch mehrere Jahre lang spürbar. Johannes IV. Laskaris, der 1290 von Kaiser Andronikos privat im Gefängnis aufgesucht wurde, ist offenbar als Mönch gestorben, wurde wohl in Konstantinopel begraben und genoß eine gewisse Verehrung als Heiliger.



Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 1720
********************
Laskaris
----------

Theodors II. minderjähriger Sohn JohannesIV. Laskaris wurde am 25. Dezember 1261 auf Befehl des Usurpators Michael Palaiologos geblendet und in der Festung Dakibyze eingekerkert. Johannes' IV. Schwestern, Eirene und Maria, waren zu dieser Zeit bereits mit dem bulgarischen Zar Konstantin Tich (1257-1277) und dem epirotischen Despoten Nikephoros I. (1271-1296) verheiratet.



Thiele, Andreas: Tafel 207
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

JOHANNES IV. DUKAS-LASKARIS
------------------------------------------------
* 1250, wohl 1305

Johannes IV. Dukas-Laskaris folgte 1258 unter der Vormundschaft von Michael VIII., der ihn 1261 absetzte, blendete und einkerkerte. Er starb als Mönch.



Johannes IV. Laskaris wurde am 24.12.1258 auf den Thron gehoben und unter Vormundschaft von Michael Paläologos gestellt, der ihn am 25.12.1261 blenden ließ und die Herrschaft selbst übernahm. Erst Michaels Sohn Andronikos versöhnte sich mit ihm. Johannes IV. starb als Mönch.

Norwich John Julius: Band III Seite 218-248
*****************
"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Theodors und Helenas Sohn Johannes war beim Tode seines Vaters noch ein Kind. Daher hatte Theodor mit dem für ihn typischen mangelnden Fingerspitzengefühl für die öffentliche Meinung den verhaßten Georgios Muzalon zum Regenten bestimmt und auf dem Totenbett die führenden Mitglieder des Adels sowohl diesem wie Johannes gegenüber Treue schwören lassen. Doch sie achteten den ihnen im Weg stehenden Protovestiarios und seinen Anhang als zu gering. Im Verlauf der Bestattungsfeierlichkeiten für den verstorbenen Kaiser im Sosandrakloster neun Tage nach seinem Tod fielen sie über ihn und einen seiner Brüder am Hochaltar her, ermordeten sie und zerstückelten die Leichen. Es kam zu einer Palastrevolution, in deren Verlauf der eilig befreite Michael Palaiologos, höchstwahrscheinlich der Kopf dieser Verschwörung, an die Stelle des Ermordeten trat. Er erhielt sogleich den Titel Megas Dux (Großherzog) und wurde kurz darauf auf Drängen des Klerus zum Despoten ernannt. Im November 1258 hob man ihn schließlich auf den Schild und rief ihn zum Mit-Kaiser aus; die Krönung fand Weihnachten in Nikäa statt. Als erstes erhielten er und Theodora die von Edelsteinen schweren Reichsdiademe aufgesetzt, und dann erst legte man dem jungen Johannes IV. eine dünne Perlenkette auf den Kopf.
Im Morgengrauen des 25. Juli 1261 ergoß sich dann das übrige Heer nach Konstantinopel. Es traf auf keinen nennenswerten Widerstand.
Kaiser Michael traf sofort Vorbereitungen, und schon drei Wochen später, am 15. August 1261, zog er als der "neue Konstantin" (wie er sich selbst als zweiten "Gründer" Konstantinopels nannte) offiziell in die Hauptstadt ein. Der Einzug glich jedoch in keiner Weise einem Triumph. Da er sich der ungeheuren historischen und symbolischen Bedeutung des Ereignisses bewußt war, wollte er die Rückkehr als einen Akt der Danksagung begehen. Nachdem er die Stadt durch das Goldene Tor betreten hatte, hielt er inne, um die eigens zu diesem Anlaß von seinem Großlogotheten, dem Chronisten Georgios Akropolites, verfaßten Gebete zu hören. Dann schritt er hinter der großen Ikone der Hodegetria (der Wegweiserin) her - von der es allgemein hieß, der Evangelist Lukas habe sie eigenhändig gemalt - den traditionellen Weg die Mese entlang durch die ganze Stadt bis zur Hagia Sophia, wo Patriarch Arsenios eine zweite Krönungszeremonie vornahm. Diesmal wurden Michael und Theodora jedoch alleine gekrönt und ihr kleiner Sohn als ihr Erbe ausgerufen.
Was aber, so ist man zu fragen geneigt, geschah mit Johannes Laskaris, Michaels zehnjährigem Mit-Kaiser? Michael hatte ihn, vernachlässigt und verdrängt, einfach in Nikäa zurückgelassen. Gut vier Monate später blendete man ihn - an Weihnachten; an eben diesem Tag wurde er elf Jahre alt.
Sechs Jahre später machte Andronikos eine noch denkwürdigere Geste, indem er den geblendeten Johannes Laskaris persönlich in seinem Kerker in Dakibyze am Marmarameer aufsuchte, wo dieser seit 29 Jahren schmachtete. Georgios Pachymeres' Bericht über ihre Unterredung ist leider sehr kurz hält nur fest, dass Andronikos Johannes für die Mißhandlungen, die ihm Kaiser Michael Palaiologos zugefügt hatte, um Vergebung bat und ihn fragte, ob er irgend etwas tun könne, um sein Leben angenehmer zu gestalten, sowie abschließend bat, ihn, Andronikos als rechtmäßigen Kaiser des Byzantinischen Reichs anzuerkennen. Vermutlich tat Georgios Pachymeres gut daran, die Antwort des Gefangenen nicht aufzuzeichnen.
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Browning Robert: Byzanz. Roms goldene Töchter. Die Geschichte des Byzantinischen Weltreiches. Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1982 Seite 166 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 242,247,253,293,297,316 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 -