Johannes I. Dukas Komnenos     Archon von Neopatras (1266/68-1289)
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um 1230/35 1289 als Mönch
 

Illegitimer Sohn des Despoten Michael II. Angelos von Epiros
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 537
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Johannes I. Angelos, Herrscher von Thessalien 1267/68-vor März 1289
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Außerehelicher Sohn Michaels II. von Epiros, verließ vor der Schlacht von Pelagonia (1259) die Lateiner und trug amit zu ihrer Niederlage bei; nach des Vaters Tod Herrscher über das Gebiet zwischen dem Olymp, dem Parnassos- und dem Pindosgebirge. Unternehmungslustig und geschickt, wurde er zum Hauptfeind Kaiser Michaels VIII. und seiner unionistischen Politik. 1267/68 erhielt er den Sebastokrator-Titel; 1273 besiegte er die byzantinischen Kräfte vor Neopatras, schloß ein Bündnis mit dem lateinischen Herzogtum Athen und knüpfte Beziehungen zu Karl I. von Anjou an. Von der Patriarchalsynode in Konstantinopel exkommuniziert, ließ er 1276/77 auf einer Synode in Neopatras den Papst, den Patriarchen und Michael VIII. bannen. Neue Feldzüge der Byzantiner gegen Thessalien (1277/78;1283) blieben erfolglos. Der in den folgenden Jahren mit Epirus entstehende Konflikt wurde bald beigelegt. Kontakte bestanden zum serbischen König Milutin.



Thiele, Andreas: Tafel 205
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

JOHANNES I. DUKAS KOMNENOS
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    1289 (als Mönch)

Johannes I. Dukas Komnenos wurde 1266/67 Archon von Neopatras, teilte und stritt mit dem Halbbruder Nikephoros und wurde 1271 byzantinischer Sebastokrator.

  oo N.N. VON WALACHEI, Tochter des Woiwoden Taronas
          



Norwich John Julius: Band III Seite 274,280,291
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Zum Zeitpunkt seiner Thronbesteigung schien also praktisch das ganze griechische Festland gegen Michael angetreten zu sein. Noch vor Ablauf des Jahres 1258 hatte er Gesandte an die drei Bundesgenossen in der Hoffnung geschickt, sie von ihrem feindseligen Vorhaben abzubringen. Außerdem war eine Delegation nach Rom, das den HOHENSTAUFEN stets unversöhnlich feindlich gesonnen war, mit dem bekannten Lockruf nach einer Vereinigung von Ost- und West-Kirche unterwegs. Allein, es war zu spät für diplomatische Lösungen; die Gesandten kamen mit leeren Händen zurück, was Michael schon befürchtet hatte. Zum Glück hatte er als Alternativmaßnahme im selben Herbst eine Großstreitmacht mit beträchtlichen ungarischen und serbischen Kontingenten sowie den üblichen Regimentern aus kumanischen und türkischen Söldnern zum Balkan entsandt. Sie stand unter dem Oberbefehl seines Bruders, Sebastokrator Johannes Palaiologos', sowie des Großdomestikos Alexios Strategopulos. Zu Beginn des Jahres 1259 befahl er ihnen, gegen den Feind vorzurücken.
Michael von Epiros weilte mit seinen Truppen immer noch im Winterquartier bei Kastoria. Völlig unvorbereitet flohen sie in die Hafenstadt Awlona, die sich noch in der Hand Manfreds befand. Dort bat Michael seine Verbündeten dringend um Hilfe; nicht vergeblich, denn Manfred sandte sogleich eine weitere Reiterabteilung, und Fürst Wilhelm eilte persönlich an der Spitze eines großen Heeres von Achäa herbei. Den Zahlen kann man bekanntlich nicht trauen. Wenn man jedoch die Truppen der westlichen Verbündeten insgesamt  auf 45.000 Mann schätzt, dürfte man der Wahrheit wohl recht nahe kommen. Sie waren der Streitmacht, die Johannes Palaiologos zur Verfügung stand, der ihnen nach Norden bis Pelagonia (Bitolj oder Monastir) entgegenzog, mit ziemlicher Sicherheit zahlenmäßig überlegen. Dort prallten dann einige Wochen später - das genaue Datum ist unbekannt, vermutlich jedoch im Frühsommer - die beiden Heere aufeinander.
Die Koalition brach beinahe sofort auseinander. Johannes hatte Befehl von seinem Bruder erhalten, die Uneinigkeit zwischen den drei Heeren auszunutzen, was er auch mit bemerkenswertem Erfolg tat. Eine glänzende Guerillataktik besorgte den Rest. Der Despot Michael und sein SohnNikephoros ließen sich ohne den geringsten Anhaltspunkt weismachen, ihre Verbündeten wollten sie an den Feind verraten; sie entwichen im Schutz der Dunkelheit aus dem Lager, flohen beinahe mit Mann und Maus und suchten schließlich auf Kephallonia Zuflucht. Ein anderer Sohn Michaels von Epiros, der sogenannte Bastard Johannes, den Villehardouin wegen seiner unehelichen Geburt verhöhnt hatte, lief aus gekränktem Stolz zur Streitmacht Nikäas über. Als es zur Schlacht kam, sah sich Johannes Palaiologos als Anführer eines einigen disziplinierten Heers nur noch der französischen und deutschen Reiterei Villehardouins und Manfreds gegenüber. Sie war den kumanischen Bogenschützen schutzlos ausgeliefert. Manfreds Ritter ergaben sich und gerieten in Gefangenschaft; dasselbe widerfuhr dann auch Villehardouin, den man in der Nähe von Kastoria in einem Heuhafen aufgestöbert und nur an seinen vorstehenden Schneidezähnen erkannt haben soll. Johannes marschierte anschließend mit seinen Leuten weiter durch Thessalien, während Alexios Strategopulos direkt nach Epiros zog und mit seinen Truppen die Hauptstadt Arta einnahm. Damit war der Sieg vollständig.
Lange bevor die kaiserlichen Gesandten eintrafen, um an den Unionsfeierlichkeiten teilzunehmen, war Michaels jüngster Balkanfeldzug bereits in vollem Gang; seine Truppen hatten den strategischen Hafen Butrinto in Albanien und die Festung Berat im Landesinnern besetzt und die Truppen Karls von Anjou nach Durazzo und Awlona an der Adriaküste zurückgedrängt. In seinem Schrecken entsandte König Karl soviel Verstärkung wie möglich, doch die Abwehr genuesischer Truppen und ihrer ghibellinischen Verbündeten, die unablässig sizilianische wie auch apulische und kalabrische Küstenstädte angriffen, hielt ihn zu sehr auf Trab, als dass er selbst einen echten Angriff hätte unternehmen können, und er mußte schwere Verluste hinnehmen, sowohl an Menschen als auch an Territorium. Auch im folgenden Jahr hieltMichael den Druck aufrecht. Unter dem Befehl seines Bruders, des Despoten Johannes Palaiologos, griff eine Streitmacht Johannes den Bastard von Thessalien an, und gleichzeitig wurde eine Flotte von 73 Schiffen ausgesandt, um die lateinischen Truppen aufzureiben und jede mögliche Hilfe für sie abzufangen. Johannes der Bastard war vollkommen überrumpelt und fand sich unversehens in seiner Burg Neopatrai im Belagerungszustand. Es war indes nicht das erste Mal, dass er in der Klemme saß. In dunkler Nacht seilte er sich über die Mauer ab und gelangte, als Stallknecht verkleidet, der nach einem entlaufenen Pferd sucht, ohne Verdacht zu erregen durch das griechische Lager. Drei Tage später erreichte er Theben, wo das lokale Oberhaupt, Herzog Jean I. de la Roche, ihm 300 Reiter lieh. Mit ihnen eilte er nach Neopatrai zurück und fiel dem griechischen Heer in den Rücken. Der Despot Johannes Palaiologos tat alles, um seine Leute zu sammeln, doch Panik bemächtigte sich ihrer, und sie flohen. Dieser Sieg - durch Kühnheit und Einfallsreichtum Johannes' des Bastards noch gesteigert, der mit der geliehenen Reiterei das kaiserliche Heer nicht nur geschlagen, sondern auch der Lächerlichkeit preisgegeben hatte - bewirkte, dass die lateinischen Herzöge neuen Mut faßten. Rasch zogen sie einige venezianische Schiffe von Euböa und Kreta ab, ergänzten sie durch sämtliche weiteren, deren sie habhaft werden konnten, und griffen die griechische Flotte bei Demetrias am Golf von Volos an. Zuerst schien das Glück den Angreifern hold; viele griechische Seeleute wurden verwundet, andere stürzten ins Meer. Doch da traf gerade noch rechtzeitig Johannes der Despot aus Thessalonike mit einem vor Ort zusammengezogenen Landheer ein, und das Blatt begann sich zu wenden. Am Abend befanden sich fast alle fränkischen Anführer in Gefangenschaft, und alle, bis auf zwei, lateinischen Schiffe waren gekapert worden. Michael Palaiologos machte, als er die Nachricht von den zwei Schlachten erhielt, kein Geheimnis daraus, dass der Sieg in seinen Augen die Niederlage bei weitem überwog. Sein Bruder Johannes der Despot allerdings vertrat die gegenteilige Ansicht. Für ihn wog selbst der jüngste Triumph das Verhalten seiner Soldaten bei Neopatrai nicht auf. Kaum befand er sich wieder in Konstantinopel, legte er seine Befehlsgewalt nieder und kehrte als gebrochener Mann ins Zivilleben zurück.
Ein paar Monate später versuchte eine in der Synode Hagia Sophia ihre Aufrichtigkeit zu belegen, indem sie Nikephoros I. von Epiros und Johannes den Bastard von Thessalien für deren Festhalten an der Orthodoxie mit dem Kirchenbann belegte, worauf, wie erwähnt, Johannes seinerseits ein entsprechendes Urteil über Michael Palaiologos, Johannes Bekkos und Papst Nikolaus III. sprechen ließ; doch für die Kurie in Rom blieb die Aufrichtigkeit der griechischen Kirche in Konstantinopel nach wie vor höchst fragwürdig.
Doch selbst damit waren Michaels VIII. Sorgen noch nicht zu Ende. Kaum hatte er erkannt, dass Byzanz nicht mehr unmittelbar von Karls Truppen bedroht war, zog er zu einem Feldzug gegen die Türken aus, die seine Inanspruchnahme durch den Westen gründlich dazu genutzt hatten, den Druck an den Ost-Grenzen zu verstärken; und sobald er aus Anatolien zurückgekehrt war, galt es zu einer weiteren Kampagne gegen Johannes den Bastard von Thessalien aufzubrechen, die er zudem persönlich befehligen mußte, weil sein Bruder, der Sebastokrator, sowie mehrere andere führende Feldherren nicht mehr lebten. Entschlossen, Johannes ein für alle Male zu beseitigen, wandte er sich ohne Zögern an seinen mongolischen Schwiegersohn Nogay, Khan der Goldenen Horde, und dieser sandte ihm unverzüglich 4.000 Tataren zu Hilfe. Aber Kaiser Michael stand inzwischen im 59. Lebensjahr, und die Anstrengungen forderten ihren Tribut.

Jäschke Kurt-Ulrich: Seite 33
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"Europa und das römisch-deutsche Reich um 1300."

Die Aktivitäten des Dragutin-BrudersStefan II. Uros Milutin (* um 1254, regierte 1282-1321) lassen sich am ehesten an der väterlichen und seiner eigenen ausgreifenden Ehepolitik ablesen: Zwar nach Verlobung von 1268/69 mit der PALAIOLOGIN Anna in Wirklichkeit zuerst mit einer wohl einheimischen Adligen verheiratet, war seine zweite Ehefrau eine Tochter Johanns I. Angelos von Thessalien, gefolgt von der ARPADIN Elisabeth, 1284 von der bulgarischen Zaren-Tochter Anna und 1299 von Simonis, Tochter des Kaisers Andronikos II. Palaiologos.
 
 
 
 

  oo N.N. von Walachei, Tochter des Woiwoden Taronas
          
 
 
 
 

Kinder:

  Johannes II.
       1318

  Konstantin
       1303

  Helene Erbin von Lamia und Larissa
       1294/95

  Sie war 1289-1294 Regentin des Herzogtums Athen.

  1. oo Wilhelm de la Roche-sur-Yon, Herzog von Athen
                1287

  2. oo Hugo von Brienne Graf von Lecce
          1236 1296 gefallen

  Theodor
      

  Michael
       1307 ermordet
 
 
 

Literatur:
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Jäschke Kurt-Ulrich: Europa und das römisch-deutsche Reich um 1300. Verlag W. Kohlhammmer Stuttgart Berlin Köln 1999 Seite 33 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 274,280,291 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 205 -