Irene (Piriska) von Ungarn            Kaiserin von Byzanz
--------------------------------
1085/90 Frühjahr 1134
                in Bithynien

Begraben: Kloster Pantokrator
 

Einzige Tochter des Königs Ladislaus I. von Ungarn aus dem Hause der ARPADEN und der Adelheid von Rheinfelden, Tochter von Gegen-König RUDOLF
 

Thiele, Andreas: Tafel 354
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

PRISCA (= PIROSCHKA)-IRENE
---------------------------------------------
    1134

 1104
  oo JOHANNES II. KOMNENOS, Kaiser von Byzanz
             1143



Runciman, Steven: Seite 513,514
***************
"Geschichte der Kreuzzüge"

Johannes stand im dreißigsten Lebensjahr, ein kleiner, schmaler Mann, dunkelhaarig, dunkeläugig und von bemerkenswert dunkler Gesichtsfarbe. Er war vor allem Soldat und glücklicher im Feld als in seinem Palast. Seiner Familie war er herzlich zugetan und behandelte sie mit Geduld und Nachsicht, und seiner Gemahlin, der in Irene umgetauften ungarischen Prinzessin Piriska, war er ein getreuer Gatte; aber obgleich sie seinen Hang zu nüchterner Lebensweise und zu mildtätigen Werken teilte, hatte sie nur wenig Einfluß auf ihn.
Im Jahre 1134 rief ihn der plötzliche Tod der Kaiserin aus dem Krieg zurück.

Lazar Istvan: Seite 67
***********
"Kleine Geschichte Ungarns"

Aber nicht nur der Heiligenmacher Ladislaus erwarb den Glorienschein, den er für andere erwirkt hatte. Seine Tochter, die Kaiserin von Byzanz, ungarisch Piroschka, griechisch Irene geheißen, wurde zur Heiligen der orthodoxen Kirche.

Balazs György/Szelenyi Karoly: Seite 37
**************************
"Die Magyaren. Geburt einer Nation."

Die letzten Jahre König Ladislaus' wurden von der Sorge um die Thronfolge getrübt. Er hatte keinen Sohn; seine einzige Tochter Piroska wurde später die Gemahlin des byzantinischen Kaisers.

Heilig, Konrad Josef: Seite 119,152,165,238,239
*****************
"Ostrom und das Deutsche Reich um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Die Erhebung Österreichs zum Herzogtum 1156 und das Bündnis zwischen Byzanz und dem Westreich."

Ja sogar auf Kriegszügen begleiteten die hohen Frauen ihre Männer. Irene, die Gemahlin Alexios I., zog, wenn gelegentlich auch nur auf ausdrücklichen Befehl des Kaisers und widerwillig, auf kriegerische Unternehmungen mit; und die Frau seines Sohnes Johannes, die ungarische Königs-Tochter Irene, gebar ihre zwei ersten Kinder auf einem Feldzug und starb wiederum auf einem Feldzug in Bithynien.
Alexios I. konnte kaum daran denken, seine Einflußsphäre über Ungarn mit dem Schwerte auszudehnen; doch band er durch eine Ehe zwischen seinem Sohn und Nachfolger Johannes und einer ungarischen Königs-Tochter, in Byzanz Irene genannt, das Stephans-Reich an Byzanz. Kaiser Johannes hätte wohl nicht zum Schwert gegen die Ungarn gegriffen, wäre nicht unter dem ungarischen König Stefan II. um 1128 ein Angriff gegen Byzanz bis in die Gegend von Philippopol vorgetragen worden. Daß Johannes ungarische Prätendenten, die ihm über seine Frau verschwägert waren, bei sich aufnahm, darf nicht als Eroberungspolitik angesehen werden.
Wahrscheinlich wurde damals auch eine neue Heirat abgemacht zwischen dem jungen HEINRICH, dem Sohne KONRDAS, und einer weiteren Nichte Manuels, die die Kaiserin Irene bestimmen sollte [Bernhardi Seite 682f.]
Zur Frau hatte Kaiser Johannes eine ungarische Königs-Tochter, die in Byzanz den Namen Irene führte; sie ist nicht, wie man gewöhnlich liest, die Tochter des heiligen Ladislaus, sondern die seines Neffen Kalman (1095-1114) [4 Über sie und ihre Beziehungen zu Byzanz zusammenfassend Gy. Moravcsik, Szent Laszlo leanya es a bizanci Pantokrator-monostor (Tochter Ladislaus des Heiligen und das Pantokratorkloster in Konstantinopel) in A Konstantinapolyi Magyar Tudomanyos Intezet kozlemenyei, Mitt. d.. Ung. Wissenschaftl. Inst. in Konstantinopel 7/8, Budapest 1923). Moravcsik nennt Irene Tochter des heiligen Ladislaus. Doch ist die Sache keineswegs klar. Für Ladislaus als Vater entscheiden sich Du Cange in Anmerkung zur Alexias in MPG. 131 Sp. 1025 Nr. 403; derselbe Familiae Byzantinae (Paris 1680) Seite 179 (Venetiae 1729 Seite 149), die ungarischen Geschichtsschreiber, ebenso der Russe Grot, Iz istorij Ougrij i Slavianstva v XII viekec (Aus der Geschichte der Ungarn und er Slawen im 12. Jahrhundert, Warschau 1889) 26, auch die Genealogischen Tafeln von Isenburg 2 (1936) Seite 104 und 142; für Kalman entscheidet sich Chalandon, Alexis Seite 238 Anmerkung 5 und Jean et Manuel Seite 55 und neuerdings Marquis de la Force, Les conseillers latins de BasileusAlexis Comnen (Byzantion II, 1936) Seite 153-165, namentlich Seite 154f. Als Tochter Gezas I. bezeichnet sie Caratheodory in Revue 'histoire diplomatique 3 (1899) Seite 410. Ich selbst halte Kalman für den Vater und hoffe diese Behauptung demnächst in einer ungarischen Zeitung beweisen zu können. Sicher scheint mir die Abstammung der Mutter der Irene von den deutschen Königen zu sein - siehe oben Seite 38 Anmerkung 1 - Adelheid, die Tochter RUDOLFS VON RHEINFELDEN und Enkelin HEINRICHS III., war aber nicht an Ladislaus, sondern an Kalman verheiratet - siehe den liber constructionis s. Blasii bei M. Gerbert, Historia Nigrae Silvae I (1783) Seite 233; trotz Gerberts grundgelehrter Polemik wird man schwerlich in St. Blasien den Namen eines Kalman eingesetzt haben, wenn er nicht in der Vorlage, die aus dem 12. Jahrhundert stammt, gestanden hat. Wohl entscheidend ist der Umstand, daß die Verlobung zwischen der Tochter Manuels Maria und Bela-Alexios getrennt wird wegen zu naher Blutsverwandtschaft - Kinnamos 6, II Seite 287 Zeile 4.
Die Verwandtschaft sah so aus:

Kaiser HEINRICH III. - Adelheid oo König RUDOLF VON SCHWABEN - Adelheid oo Kalman König von Ungarn, Sohn Gezas I. - Irene oo Johannes II. Kaiser von Byzanz - Manuel Kaiser von Byzanz - Maria
Geza I. König von Ungarn - Prinz Almos - Bela II. König von Ungarn - Geza II. König von Ungarn - König Bela III.-Alexios

Dann waren die Brautleute im siebten Grade blutsverwandt; und gerade dieser Verwandtschaftgrad war damals in der Schwebe und wurde von Manuel für unfähig zur Eheschließung erklärt - Dölger Nr. 1468. Alle anderen Kombinationnen ergeben eine zu weite oder zu nahe Verwandtschaft.]. Gestorben ist sie vor ihrem Manne im Frühling des Jahres 1134 in Bithynien und wurde im Kloster Pantokrator, das sie und ihre Gemahl gestiftet hatte, in einem noch erhaltenen Grab beigesetzt. Ihr Geburtsjahr ist nicht genau bekannt; aber um 1105 muß sie bereits im gebährfähigen Alter gewesen sein; denn im Zusammenhang mit einem zum 5. April 1106/07 zu datierenden Ereignis wird sie als Mutter eines Zwillingspaares genannt, Alexios und Maria [2 Alexias 12, 4 Seite 155. Die Geburt erfolgte in Balabista in Mazedonien; der Ort wird auch von Georgios Akropolites genannt - Kap. 44 Seite 77 Zeile 20 und Seite 78 Zeile 9.]. In ihrer Grabinschrift ebenso wie in der ihres Gemahls wird erwähnt, daß sie vier Söhnen und vier Töchtern das Leben schenkte [3 Die Namen der Töchter sind nach A. Dmitrievskij, Opisanie liturgiceskich rukopisey chranjaschichsiy v bibliotekach pravoslavnago vostoka (Beschreibendes Verzeichnis der liturgischen Handschrigten in den Bibliotheken des rechtgläubigen Ostens) I (Kiew 1895) Seite 663 Maria, Anna, Theodora und Eudokia.]. Die vier Söhne sind in der Reihenfolge ihrer Geburt mehrfach voneinander unabhängigen Quellen genannt als Alexios, Andronikos, Isaak und Manuel. Geboren ist der letzte, der spätere Kaiser 1122, und zwar am 2. August. In diese Spanne zwischen 1106 und 1121 sind die beiden Söhne des Kaisers Andronikos und Isaak und wohl noch die eine oder andere Tochter, Anna, Eudokia und Theodora einzureihen, wobei offenbar Andronikos um 1110 oder 1112 sicher nicht später, anzusetzen sein wird.
 
 
 
 

 1104
  oo Johannes II. Komnenos Kaiser von Byzanz
       13.9.1087 8.4.1143
 
 
 
 

Kinder:

  Alexios (ältester)
  1106 1142

  Andronikos
  um 1107/08 1142

  Maria
       um 1151

  oo Johannes Dalassenos Rogerios
           als Mönch

  Isaak
  um 1115 1154 (?1174)

  Manuel I.
  1118/22 24.9.1180

  Theodora
       als Nonne

  oo Manuel Anemas
             

  Anna
        

  oo Stephan Kontostephanos
           1149 gefallen

  Eudokia
        

  oo Theodoros Batatzes Herzog von Kilikien
            1176
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Balazs György/Szelenyi Karoly: Die Magyaren. Geburt einer Nation. Corvina Kiado Budapest Seite 37 - Heilig, Konrad Josef: Ostrom und das Deutsche Reich um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Die Erhebung Österreichs zum Herzogtum 1156 und das Bündnis zwischen Byzanz und dem Westreich, in Kaisertum und Herzogsgewalt im Zeitalter Friedrichs I. Studien zur politischen und Verfassungsgeschichte des hohen Mittelalters, Anton Hiersemann Stuttgart 1944 Seite 38,119,152,165, 238,239 - Lazar Istvan: Kleine Geschichte Ungarns. Österreichischer Bundesverlag Wien 1990 Seite 67 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 513,515 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 354 -