Eugenius Flavius                           Römischer Kaiser (22.8.392-6.9.394)
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    6.9.394
 

Wohl mit dem Prätorianer-Präfekten um 350 gleichen Namens verwandt
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 83
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Eugenius, Flavius, Usurpator 392-394
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Lehrer der Rhetorik in Rom. Nach dem Tod Kaiser Valentinians II. (392) wurde er von dem fränkischen Heermeister Arbogast, einem Heiden, in Lyon zum Kaiser des Westens bestimmt, aber von Theodosius nicht anerkannt. Nach einem Vertrag mit Franken und Alamannen am Rhein marschierte Eugenius in Italien ein und nahm Residenz in Mailand. Obwohl selbst Christ, förderte er die heidnische Reaktion in Rom unter Führung des Praefectus Praetorio Italiae, Nicomachus Flavianus: Rückgabe der eingezogenen Tempelgüter, Wiederaufstellung des Victoriaaltares in der Kurie (Paulin. vit. Ambr. 26). Dies rief den Protest des Bischofs Ambrosius hervor, der Eugenius den Ausschluß vom Gottesdienst androhte (epist. 57,8). 394 wurde Eugenius von den aus dem Osten heranrückenden Truppen des Theodosius am Fluß Frigidus (in den Julischen Alpen) geschlagen, gefangengenommen und hingerichtet; Arbogast und Flavianus töteten sich selbst. Der durch einen plötzlich einsetzenden Nordoststurm, die Bora, beeinflußte Ausgang der Schlacht wurde von den Christen als Gottesgericht gegen die Heiden gedeutet, welche ihre Hoffnung auf mitgeführte Bilder von Jupiter und Herakles gesetzt hatten. Nach dem Ende der Eugenius-Herrschaft traten viele Anhänger der heidnisch-römischen Opposition zum Christentum über (Prud. contr. Symm. I 545ff.).

R. Klein



Lexikon Alte Kulturen: Band I Seite 659
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Eugenius (Flavius Eugenius)
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    am Frigidus (Wippach/Vipava) 6. September 394 n. Chr.

Römischer Gegen-Kaiser (seit 22. August 392)

Christ; Rhetoriklehrer, Freund des Quintus Aurelius Symmachus, wurde Eugenius nach dem Tod Valentinians II. vom Reichsfeldherrn Arbogast in Gallien zum Kaiser erhoben und blieb von diesem abhängig. Sein Bemühen um Anerkennung als Kaiser im Westen wurde von Theodosius I. wie der Kirche (Ambrosius) ignoriert. Sein Bündnis mit der heidnischen Aristokratie Roms rief ein letztes Aufleben heidnischer Reaktion hervor (Wiedererrichtung des Victoriaaltars im römischen Senat; Nicomedus Flavianus). In der Schlacht am Frigidus wurde Eugenius nach anfänglichem Sieg gefangen und getötet.

Literatur:
Hartke, W.: Römische Kinderkaiser, Berlin 1951, Seite 232. Nachdruck Darmstadt 1972. - RAC Band 6. 1966. Seite 860.



Veh Otto: Seite 51
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"Lexikon der römischen Kaiser. Von Augustus bis Iustinianus I. 27 v. Chr. bis 565 n. Chr."

Eugenius (Flavius E.)

Usurpator 392-394
Professor der Rhetorik in Rom und befreundet mit Symmachus, dem bedeutendsten Vertreter des traditionsbewußten, heidnischen Stadtaristokratie, wurde er nach Ermordung Valentinians II. am 22. August 392 in Gallien durch den (fränkischen!) Heermeister Arbogast zum Kaiser ausgerufen. Theodosius I. verweigerte "dem christlichen Exponenten heidnischer Reaktion" die Mitregentschaft und schlug am Frigidus (Wippach) den Gegner in einer von beiden Seiten als Gottesgericht angesehenen Schlacht. Eugenius wurde gefangen und von Soldaten ermordet (6. September 394).

RE II 417, KP II 413.



Thiele, Andreas: Tafel 485
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

FLAVIUS EUGENIUS
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    394 gefallen

Wohl verwandt mit dem Prätorianer-Präfekten um 350 gleichen Namens

Flavius Eugenius war Lehrer der Grammatik und subalterner Zivilbeamter. Er wurde durch den einflußreichen, allmächtigen weströmischen Heermeister Arbogast im Jahre 392 Kaiser und wurde auch von der heidnischen Reaktion getragen, die ihre Hauptstütze im alten stadtrömischen Adel und den Senatskreisen hatte. Arbogast, der als Magister militum 388 den Gegen-Kaiser Maximus schlug und jahrelang Kaiser Valentinianus II.völlig beherrschte, wählte bewußt einen Zivilisten, um die Armee auch weiterhin beherrschen zu können. Flavius Eugenius wurde 393 Konsul, was Ostrom nicht anerkannte. Daraufhin erkannte er die von Ostrom ernannten Konsuln nicht an, was einer Kriegserklärung gleichkam. Er fand Hilfe bei Franken, Alamannen und in Mauretanien, wurde in der Schlacht am Frigidus (Wippach) besiegt und ermordet.



Literatur:
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Gottschalk Gisela: Die großen Cäsaren. Ihr Leben, ihre Taten, ihre Zeit. Scherz Verlag Bern und München 1980 Seite 247 - Grant, Michael: Die römischen Kaiser. Von Augustus bis zum Ende des Imperiums. Eine Chronik. Bechtermünz Verlag Augsburg 1977 Seite 341,344,349 - Günther Rigobert: Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und Religion. Militzke Verlag Leipzig 2003 Seite 46,51 - Heuss Alfred: Römische Geschichte. Georg Westermann Verlag Braunschweig 1960 Seite 455,470 - Illustriertes LEXIKON DES ALTERTUMS. MECO Verlag GmbH Dreieich 1993 Seite 152 - Lexikon Alte Kulturen, Meyers Lexikonverlag Mannheim/Wien/Zürich 1990 Band I Seite 659 - Mann Golo: PROPYLÄEN WELTGESCHICHTE. Eine Universalgeschichte. Vierter Band. Rom Die römische Welt. Verlag Ullstein GmbH, Frankfurt am Main - Berlin, Propyläen Verlag 1986 Seite 532,666 -
Masckin N.A.: Römische Geschichte. Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin 1953 Seite 616, 625 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Seite 124 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 485 - Veh Otto: Lexikon der römischen Kaiser. Von Augustus bis Iustinianus I. 27 v. Chr. bis 565 n. Chr. Artemis & Winkler Verlag Düsseldorf/Zürich 1998 Seite 51 -