David Komnenos                            Kaiser von Trapezunt (1458-1461)
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um 1405 1.11.1463 ermordet
                 Konstantinopel
 

Jüngerer Sohn des Kaisers Alexios IV. von Trapezunt und der Theodora Kantacuzena, Tochter von Protostrator Theodoros
 

Thiele, Andreas: Tafel 216
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

DAVID
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    1463 ermordet

David war ab 1424 Mitregent-Despotes, wurde später Gesandter seines Bruders Johannes IV. bei Sultan Mohammed II. in Konstantinopel. Er folgte um 1459 seinem Bruder als letzter Kaiser von Trapezunt, scheiterte mit anti-osmanischen Bündnissen, wurde 1462 inhaftiert und 1463 mit seinen Söhnen in Konstantinopel ermordet.

  oo HELENE KANTAKUZENA, Tochter des Theodoros
              1463/64



David bemächtigte sich 1458 nach dem Tode seines Bruders Johannes IV. des Thrones von Trapezunt, der seinem unmündigen Neffen Alexios V. zustand. 1462 mußte er vor Mohammed II. kapitulieren und wurde 1465 mit seiner Gemahlin und sieben oder acht Söhnen in Konstantinopel hingerichtet.

Runciman Steven: Seite 181-183,193
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"Die Eroberung von Konstantinopel 1453"

Als nächstes kam das Kaiserreich Trapezunt an die Reihe. Johannes IV., der Groß-KOMNENE, den Phrantzes wegen seines Frohlockens über den Tod Murads II. zurechtgewiesen hatte und der sich 1453 mit dem Versprechen eines ansehnlichen Tributs vom Sultan seine Immunität erkauft hatte, war 1458 gestorben. Er ließ zwei verheiratete Töchter und einen Sohn, den erst vierjährigen Alexios zurück. Eine lange Regentschaft konnte offensichtlich nur Unheil bringen, folglich bestellten die Trapezunter Johannes' jüngeren Bruder David zum Kaiser. David rechnete, der Sultan habe zuviel in Europa zu tun, als daß er sich um Ost-Anatolien kümmern werde. Er stand mit den Republiken Venedig und Genua und mit dem Papst in Verbindung, die ihm sämtlich Hilfe versprachen, und verließ sich ganz besonders auf die Freundschaft seiner Familie mit dem größten der örtlichen turkmenischen Stammeshäupter, Uzun Hasan, dem Herrn der Horde der Weißen Hammel. Mit Uzun Hasan als Freund glaubte der Kaiser von Trapezunt sich gesichert.
Sultan Mehmed hätte es sich nicht gestatten können, ein solches Bündnis unbeachtet zu lassen; doch war es David, der den Krieg heraufbeschwor. Er verlangte von Mehmed eine Ermäßigung des Tributs, den sein Bruder entrichtet hatte, und ließ seine Forderung durch Uzun Hasans Botschafter überbringen, die sich in Konstantinopel befanden, wo sie namens ihres Herrn noch anmaßendere Forderungen stellten. Im Sommer 1461 rüstete Mehmed eine Heer und eine Flotte zu, um diese Unverschämtheiten zu ahnden. Nachdem die Flotte unter dem Admiral Kasim Pascha entlang der anatolischen Küste des Schwarzen Meeres ausgelaufen war, stieß der Sultan in Brusa zu seinem Heer. Beim Anblick einer solchen Streitmacht begann die große Allianz zu zerbröckeln. Indes das Heer im Juni gegen Sinope marschierte, hielt die Flotte unterwegs inne, um den genuesischen Hafen zu überrumpeln und einzunehmen. Gegen Ende des Monats trafen sich Heer und Flotte vor Sinope. Sinope wurde ohne Widerstand besetzt und das Heer drang weiter vor auf Uzun Hasans Gebiet und erstürmte die Grenzfestung Koylu Hissar. Die Karamanier hatten keinerlei Anstalten gemacht, ihrem Verbündeten zu Hilfe zu kommen. Uzun Hasan zog sich ostwärts zurück und entsandte seine Mutter Sara Khatun mit kostbaren Geschenken ins Lager des Sultans. Mehmed empfing die Fürstin huldvoll. Unter der Bedingung, daß er Koylu Hissar behalten könne, willigte er ein, Frieden zu schließen. Saras Bemühungen, das Heimatland ihrer Schwiegertochter zu retten, schlug hingegen fehl. "Warum dich erschöpfen, mein Sohn" fragte sie ihren Gastgeber, "für etwas so Geringes wie Trapezunt?" Er erwiderte, er halte das Schwert des Islam in seinen Händen und müßte sich schämen, wollte er sich nicht für den Glauben erschöpfen.
Anfang Juli erreichte die türkische Flotte Trapezunt, und die Seeleute gingen an Land, um die Vorstädte zu verwüsten. Doch gegen die großen Umfassungsmauern der Stadt vermochten sie nichts auszurichten. Zu Beginn des August traf die Vorhut des Heeres unter dem Großwesir Mahmud vor den Mauern ein. Mahmud war gleich den meisten neuen Ministern des Sultans ein Renegat, Sohn eines serbischen Fürsten und einer Dame aus Trapezunt. Er hatte einen Vetter, der in der Stadt lebte, den Gelehrten Georg Amirutzes, der gebürtige Trapezunter war. Amirutzes war in Florenz einer der Befürworter der Kirchenunion gewesen und Kaiser David schätzte ihn hoch. Mahmud entsandte seinen griechischen Sekretär Thomas Katabolenou in die Stadt mit dem offiziellen Auftrag, den Kaiser zur Übergabe aufzufordern, insgeheim jedoch, um die Verbindung mit Amirutzes aufzunehmen. David zeigte sich anfänglich halsstarrig. Seine Gemahlin, Kaiserin Helena, die der großen Familie der KANTAKUZENOS entstammte, hatte sich soeben nach Georgien begeben, um von ihrem Schwiegersohn Hilfe zu erbitten. Doch als Amirutzes, von Mahmud wohl informiert und ausreichend bestochen, ihm mitteilte, Hasan habe Frieden geschlossen und Briefe von Sara Khatun die Nachricht bestätigten, und als Amirutzes des weiteren berichtete, Mahmud verbürge sich dafür, daß der Sultan die kaiserliche Familie anderwärts mit Besitzungen ausstatten werde, begann der Kaiser zu schwanken. Er schickte Abgesandte zu Mehmed, der jetzt mit seinem Hauptheer herannahte, und erbot sich, die Stadt zu übergeben, wenn er dafür, wo immer es dem Sultan beliebe, Länder gleicher Größe und gleichem Wert erhalte; ferner wolle er dem Sultan seine jüngere Tochter Anna als Gemahlin zusenden. Mehmed, den die Flucht der Kaiserin erzürnt hatte, erwiderte mit der Forderung nach bedingungsloser Übergabe. Da Amirutzes ihm unablässig vor Augen hielt, daß Widerstand nutzlos sei, und Sara ihm schrieb, sie stehe mit ihrem persönlichen Wort dafür ein, daß er und seine Familie ehrenvoll behandelt werden würden, gab David schließlich nach. Mann kann ihm schwerlich einen Vorwurf machen. Uzun Hasan und seine türkischen Verbündeten hatten ihn im Stich gelassen. Keine westliche Macht konnte mit Hilfeleistung zu ihm gelangen, und die Georgier gedachten allein nicht einzugreifen. Trapezunt mit seinem starken Verteidigungswerken hätte möglicherweise mehrere Wochen lang standhalten können. Am 15. August 1461 zog der türkische Sultan in die letzte Hauptstadt der Griechen ein. Sara Khatuns Versprechen wurden eingehalten. Der Kaiser, seine Kinder und sein junger Neffe Alexios wurden vom Sultan huldvoll empfangen und auf einem besonderen Schiff nach Konstantinopel gebracht, mitsamt den Hofbeamten und ihrem gesamten persönlichen Besitz, mit Ausnahme einer Menge Schmucksachen, welche Sara als Belohnung für ihre Vermittlung erhielt. Nicht allen Angehörigen der Kaiserfamilie wurde die Freiheit gewährt. Davids Schwägerin Maria Gattilusi wurde in den Harem des Sultans gebracht.
Das Schicksal des Kaiserhauses von Trapezunt war von unmittelbarer Tragik. Kaiser David erfreute sich zwei Jahre lang einer behaglichen Pension. Doch im Jahr 1463 meldete sein falscher Freund Georg Amirutzes den türkischen Behörden, der vormalige Kaiser habe von seiner Nichte, der Gattin Uzun Hasans, einen Brief erhalten, in welchem sie vorschlug, ihr Bruder Alexios oder einer seiner eigenen Söhne solle sie besuchen kommen. Der Sultan beliebte darin Verrat zu erblicken. David wurde am 26. März 1463 in Adrianopel ind en Kerker geworfen und am 1. November wurden er selbst, sechs seiner sieben Söhne und sein Neffe Alexios in Konstantinopel hingerichtet. Ihren Leichen wurden die Bestattung verweigert, und als Kaiserin Helena mit eigenen Händen Gräber für sie grub und sie in ihnen beerdigte, wurde sie zu einer Geldstrafe von 15.000 Dukaten verurteilt, die binnen dreier Tage zu zahlen waren, andern falls auch sie umgebracht werden würde. Treue Freunde und Gefolgsleute brachten das Geld auf; sie jedoch zog sich aus der Öffentlichkeit zurück und verbrachte den kurzen Rest ihrer Tage in Sackleinen gekleidet in einer Elendshütte aus Stroh. Ihr jüngster Sohn Georg, ein dreijähriges Kind, wurde als Mohammaedaner erzogen. Später wurde ihm gestatter, Uzun Hasan zu besuchen, von dessen Hof er zu seiner Schwester in Georgien floh. Er kehrte zum christlichen Glauben zurück und heiratete eine georgische Prinzessin, von der er anscheinend Nachkommen hatte; aber die weitere Geschichte der Familie ist unbekannt. Seine andere Schwester Anna wurde in den Harem des Sultans geschickt und später, jedoch nur für eine gewisse Zeit, an Zaganos Pascha, den Statthalter von Mazedonien, weitergegeben. Auch sie war zwangsweise zum Islam bekehrt worden; doch in ihren späteren Lebensjahren gelang es ihr, sich aufs Land in die Nähe ihrer Geburtsstadt Trapezunt zurückzuziehen. Sie gründete ein Dorf, das nach ihr Kyranna genannt wurde, und stiftete dort eine Kirche.
 
 
 
 

  1. oo Maria Theodosi
               

  2. oo Helena Kantakuzena, Tochter des Theodoros
           um 1420 1465
 
 
 
 

Kinder:

  Georg
      1463 ermordet

  Basileios
      1463 ermordet

  Manuel
       1463 ermordet

  Anna
      

  oo 2. Saganos Pascha Gouverneur von Thessalien
              
 
 
 
 

Literatur:
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Babinger Franz: Mehmed der Eroberer. Weltenstürmer einer Zeitenwende. R. Piper GmbH&Co. KG, München 1987 Seite 196,197,198,201,202,206,209,227,231,232,246 - Runciman Steven: Die Eroberung von Konstantinopel 1453 C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München 1966  Seite 181-183,193 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 216 -