Bertha von Sulzbach                    Kaiserin von Byzanz
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um 1115 † 1158/60 (Ende 1159 Norwich)
 

Tochter des Grafen Berengar II. von Sulzbach aus seiner 2. Ehe mit der Adelheid von Diessen, Tochter von Graf Otto II. von Ambras; Schwester Gertruds, der Gattin König KONRADS III.
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Seite 2023
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Bertha von Sulzbach, Kaiserin von Byzanz
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     † 115/60

  oo Kaiser Manuel I. Komnenos

Tochter Graf Berengars II. und Schwester Gertruds, der Gattin König KONRADS III.

Anlässlich der Verhandlungen KONRADS III. mit dem byzantinischen Kaiser Johannes II., die 1145/46 zu einem Freundschaftsbündnis KONRADS mit dem Nachfolger Johannes' II., Kaiser Manuel, führte, wurde Bertha 1142 mit Manuel verlobt und im Januar 1146 verheiratet. KONRAD erklärte sie dem byzantinischen Kaiserhof gegenüber zu seiner Adoptiv-Tochter und sagte anlässlich der Bündnisbekräftigung 1148 in Thessalonike mündlich zu, ihr (Unter-)Italien als Mitgift zu geben, das gemeinsam den Normannen entrissen werden sollte. Auf Drängen Papst Eugens III. hin sollte Bertha für HEINRICH, den Sohn KONRADS III., eine byzantinische Prinzessin als Braut aussuchen, damit dieser (Unter-)Italien als Mitgift mitgeben und damit gleichsam zurückgegeben werden konnte; der Plan zerschlug sich durch den frühzeitigen Tod HEINRICHS.

Literatur:
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W. Bernhardi, JDG K. III. - NDB II, 151 - P. Lamm, Comneni e Staufer I, 1955, 56ff. - H. Vollrath, Konrad III. und Byzanz, AKG 59, 1977, 321-365.


Bosl’s Bayerische Biographie: Seite 66
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BERTHA VON SULZBACH (IRENER, EIRENE), Kaiserin von Byzanz
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     † 1160 (1158?)
      Konstantinopel

Vater: Berengar II, Graf von Sulzbach

Mutter: Adelheid von Wolfratshausen (DIESSEN-ANDECHS) († 1126)

  oo 1146 Manuel I. Komnenos Kaiser von Byzanz (1122-1180)

Kam 1142 nach Konstantinopel.
1146 von ihrem Schwager König KONRAD III. adoptiert.
Ihre Mitgift waren Apulien und Kalabrien, das erst zu erobern war.
Zweck dieser politischen Heirat war, die durch die Kreuzzüge bedingten Spannungen zwischen den beiden Kaisern abzuschwächen und eine gemeinsame Politik gegen die Normannen einzuleiten.
Als Exponentin des päpstlichen Rom, als „lateinischer Barbarin“ wurde sie vor allem von der Priesterschaft abgelehnt.
Von ihrem persönlichen Leben zeugen unter anderem Gedichte und eine erhaltene Grabrede.

Literatur:
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NDB 2; C. O. Renner, B. v. S., Kaiserin von Byzanz, in: Gehört-gelesen, 14, 1967.


GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
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Wegener Dr. Wilhelm: Seite 202
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27. BERTHA (IRENE)
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Gattin seit 1146 des Kaisers Emanuel Komnenos († 1180)
† 1158 Moritz I, 255
vgl. die Kastler Reimchronik Vers 557 ff bei Moritz 2, 148, Bernhardi, Jahrb. Konrad III. 266 u.a.m.



Bernhardi, Wilhelm: Seite 266-272
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"Jahrbücher der Deutschen Geschichte Konrad III."

Vermutlich im Jahre 1140 schickte Johannes einige Gesandte nach Deutschland, mit dem Auftrage, dem König KONRAD eine Erneuerung der Einigung beider Reiche anzutragen. Um das allgemeine Interesse durch das persönliche anzuspannen, warb der Kaiser zugleich um eine Prinzessin ais der Familie des deutschen Königs als Gemahlin für seinen jüngsten Sohn Manuel. Nicht minder war KONRAD bereit, eine deutsche Fürsten-Tochter als Braut des Kaiser-Sohnes nach Konstantinopel zu schicken. Er schlug dem Kaiser hierzu eine Schwester seiner Gemahlin, Bertha von Sulzbach, vor. Endgültige Abmachungen in Betreff Rogers kamen indes damals nicht zu Stande; wohl aber erklärte sich Johannes bereit, die Tochter des Grafen von Sulzbach als Gemahlin für seinen Sohn anzunehmen. Zur Abholung der Braut ordnete er eine dritte Gesandtschaft vornehmer Männer ab. Die Verlobung Berthasmit Manuel war gerade in jenen Tagen von größerer Tragweite geworden, als in der Zeit ihrer Festsetzung. Seine beiden ältesten Söhne hatte Johannes kurz nacheiander, wahrscheinlich während des Sommers 1142, durch den Tod verloren; den dritten hielt er für den Thron nicht geeiegnet, so daß sich für die Tochter Berengars von Sulzbach die Aussicht eröffnete, einst als Kaiserin des oströmischen Reiches eine erhabene Stellung einzunehmen, die vor allem für die Politik des deutschen Königs bedeutungsvoll werden konnte.

Runciman Steven: Seite 526,664
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Wie schon 1136 verschaffte sich Kaiser Johannes Rückendeckung durch ein Bündnis mit dem deutschen König gegen Roger von Sizilien. Seine Botschafter begaben sich an den Hof KONRADS III., um die nötigen Vereinbarungen zu treffen und die Freundschaft mit einer Eheschließung zu besiegeln. Bei ihrer Rückkehr im Jahre 1142 brachten sie KONRADS SchwägerinBertha von Sulzbach mit, die unter dem Namen Irenedie GemahlinManuels, des jüngsten Kaiser-Sohnes, werden sollte.
Gegen Ende des Jahres 1159 starb die Kaiserin Irene, die gebürtige Bertha von Sulzbach, und ließ als einziges Kind eine Tochter zurück.

Norwich John Julius: Band III Seite 109-110,149
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Manuel wäre so oder so ein untreuer Gatte gewesen; aber diese Neigung erhielt zweifellos zusätzlichen Auftrieb durch die Erscheinung und die Wesensart seiner ersten Frau, die sich nicht mit törichten Umgarnungsversuchen aufhielt, sondern andere Werte pflegte. Bereits 1142 hatte Johannes Komnenos eine dynastisch begründete Vermählung mit Manuel als Bräutigam eingefädelt, um seinen Bund mit KONRAD III., dem designierten Kaiser von Westrom, gegen König Roger II. von Sizilien zu besiegeln. Von der Idee entzückt, hatte KONRAD zu diesem Zweck seine Schwägerin, die deutsche Prinzessin Bertha von Sulzbach, als Braut vorgeschlagen und nach Konstantinopel gesandt. Manuel, dessen drei ältere Brüder zu diesem Zeitpunkt alle noch am Leben waren, so dass er nicht viel Aussicht auf den Thron hatte, konnte sich für die Idee nicht erwärmen, und eine erste Begegnung zwischen ihm und der für ihn vorgesehenen Braut trug wenig dazu bei, allseits Begeisterung für den Plan zu entfachen. Doch gegen Ende des Jahres 1144 überlegte man sich die Vor- und Nachteile noch einmal, und nach weiteren Verhandlungen mit KONRAD, die in einem Bündnis gipfelten, wurden die entsprechenden Vorkehrungen getroffen. Bertha hatte die Zeit bis dahin in der Abgeschiedenheit der kaiserlichen Frauengemächer verbracht. Nun trat sie wieder in das Licht der Öffentlichkeit, tauschte ihren fremden fränkischen gegen den wohlklingenderen, wenn auch betrüblich unoriginellen griechischen Namen Ireneund nahm im Januar 1146 pflichtgetreu Kaiser Manuel zum Mann.
Laut Basil von Ochrid, Erzbischof von Thessalonike, der 1160 für sie die Totenmesse las, soll Kaiserin Bertha-Irene durch ihre schöne Gestalt, den Rhythmus ihrer Bewegungen und ihren blütenzarten Teint selbst unbeseelte Dinge entzückt haben, aber bei einer Totenrede unterliegt niemand einem Eid, und so sei darauf hingewiesen, dass andere, sachlichere Zeugnisse uns ein abweichendes Bild ihrer wirklichen Tugenden vermitteln. So heißt es bei Niketas Choniates:
Sie war indes nicht so sehr auf äußere Schönheit bedacht als auf innere Vorzüge und Seelenschönheit. Deshalb lehnte sie Puder, Untermalung der Augen, Mieder und Schminke, den Ersatz für die natürliche Wangenröte, ab. Das alles überließ sie den törichten unter den Frauen, sie selbst baute auf ihre Tugend, diese war ihr Schmuck. Sie hatte aber auch die Unbeugsamkeit und Starrsinnigkeit ihres Volkes, weshalb die Beziehungen des Kaisers zu ihr kühl blieben. Manuel gewährte ihr jede Ehre, einen prächtigen Thron und herrliche Gewänder, ein Gefolge und alles übrige, was nur einer Kaiserin zusteht, aber die Ehre des Ehebettes verletzte er oft.
Sie starb, ohne sich viel Respekt oder Verehrung verschafft zu haben. Ob sie sich darum bemühte oder nicht - und es ist zu vermuten, dass sie es nicht allzu heftig betrieb -, es gelang Bertha nie, die Zuneigung der byzantinischen Bevölkerung zu gewinnen, der sie zu steif und zu unelegant, kurz, zu deutsch erschien. Dies leistete wohl auch dem Gerücht über ihre legendäre Niedertracht Vorschub. Doch auf dem diplomatischen Parkett bewies sie auf überzeugende Weise ihren Wert, sprang sie doch mehrmals mit Erfolg ein, wenn es darum ging, bei gespannten Beziehungen zwischen ihrem Mann und ihrem Schwager zu vermitteln. Sie spielte zudem eine entscheidende Rolle beim Zustandekommen des politischen Bündnisses zwischen Manuel und KONRAD, das 1148 anlässlich KONRADS Besuchs in Konstantinopel geschlossen wurde. Im allgemeinen aber lebte sie zurückgezogen im Palast und widmete sich gottesfürchtigen Werken und der Erziehung und Ausbildung ihrer beiden Töchter, von denen die eine noch im Kindesalter starb. Berthas Tod rief nur wenig Echo hervor - am wenigsten von Seiten ihres Ehemannes.
Ende 1159 war Kaiserin Irene, geborene Bertha von Sulzbach, in Konstantinopel gestorben; sie hinterließ zwei Töchter. Manuel befand sich gerade auf einem Feldzug in Anatolien. Er richtete ihr ein glanzvolles Begräbnis aus und ließ sie im väterlichen Pantokratorkloster beisetzen.

Cardini, Franco: Seite 31,54,58,60,86,123
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"Friedrich I. Barbarossa. Kaiser des Abendlandes."

KONRAD III. seinerseits spielte den Trumpf seiner Familienpolitk bis zum Äußersten aus, indem er sich ebenso auf die STAUFER wie auf die BABENBERGER und die SULZBACHER (aus welcher Familie seine Frau kam) stützte. Deshalb adoptierte er seine Schwägerin, Bertha von Sulzbach, als Tochter, um sie in den Königsstand zu erheben und ihr so zu ermöglichen, auch mit dem Kronprinzen von Konstantinopel, dem "Porphyrogenetos" (das heißt während der Regierunsgzeit seines Vaters geborenen) Manuel I. Komnenos, zu vermählen. Diese Vermählung fand 1146 statt, als Manuel bereits basileus, Kaiser, war.
Möglicherweise hätte er auch nichts dagegen gehabt, über Konstantinopel zu ziehen, wo seine Schwägerin Bertha von Sulzbach als Gemahlin desbasileus Manuel I. Komnenos seit Januar unter dem griechischen Namen Irene Kaiserin war.
Wahrscheinlich verhinderte nur die Tatsache, daß die Kaiserin Irene eigentlich Frau Bertha von Sulzbach war, und vor allem das allgemeine Schreckgespenst der Normannen Siziliens einen deutschen Eroberungsversuch Konstantinopel bzw. einen Vernichtungsschlag gegen KONRADS Heer von seiten der Byzantiner.
Der große Herr von Byzanz umhegten und umsorgte seinen kranken Schwager und handelte mit ihm die Heirat seines Stiefbruders Heinrich Jasomirgott mit der Prinzessin Theodora, der Tochter seines eigenen Bruders Andronikos Komnenos, aus. Auch KONRADS Gefolge - dem Friedrich von Schwaben, Wilhelm V. von Montferrat und Amadeus III. von Savoyen angehörten - wurde mit derselben Zuvorkommenheit behandet: Kaiserin Irene hatte zweifellos die Regie der Sache in den Händen, deren unmittelbarer politischer Zweck wohl darin bestand, KONRAD möglichen antibyzantinischen Einflüssen zu entziehen.
Zusammen mit dem Bündnisangebot gegen die Normannen von Sizilien und die Ungarn hatte ein außerordentlicher Gesandter im Setember 1153 Manuel einen Vorschlag zur Vermählung zwischen FRIEDRICH und der sebastocratorissa (hochverehrten) Maria, einer Nichte des basileus, überbracht.
Sicher hegte Kaiserin Irene, geborene Bertha von Sulzbach, besondere Zuneigung für ihren Neffen Friedrich von Rothenburg und der griechische Kaiser liebte die abendländischen Ritterzeremonien sehr.
 
 
 
 

  oo 1. Manuel I. Komnenos Kaiser von Byzanz
          1116/22 † 24.9.1180
 
 
 
 

Kinder:

  Maria
  1151 † 1183 ermordet

    1165
  1. oo Bela III. König von Ungarn
- 1169  um 1148 † 23.4.1196

 1179
  2. oo Rainer Markgraf von Montferrat
          1162 † 1183 ermordet
 
 
 
 

Literatur:        Michael Borgolte
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Bernhardi, Wilhelm: Jahrbücher der Deutschen Geschichte Konrad III., Verlag von Duncker & Humbolt Leipzig 1883 Seite 266,271,409,412,416,495,649,683,815 - Bosl, Karl: Bosls Bayerische Biographie, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1983 Seite 66 - Cardini, Franco: Friedrich I. Barbarossa. Kaiser des Abendlandes, Verlag Styria Graz 1990, Seite 31,54,58,60,86,123 - Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993, Seite 15 - Engels, Odilo: Die Staufer. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1972, Seite 37,38,40,41,58 - Heilig, Konrad Josef: Ostrom und das Deutsche Reich um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Die Erhebung Österreichs zum Herzogtum 1156 und das Bündnis zwischen Byzanz und dem Westreich, in Kaisertum und Herzogsgewalt im Zeitalter Friedrichs I. Studien zur politischen und Verfassungsgeschichte des hohen Mittelalters, Anton Hiersemann Stuttgart 1944 Seite 39,16,119,156-158,160,164,248,249,253,255,270 - Houben, Hubert: Roger II. von Sizilien. Herrscher zwischen Orient und Okzident, Primus Verlag Darmstadt 1997, Seite 94-96 - Jordan, Karl: Heinrich der Löwe, Deutscher Taschenbuch Verlag München, Seite 28 - Lechner Karl: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246, Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar 1992, Seite 193-195 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 109-110,149 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 526,569-570,664 - Weller Tobias: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. Rheinisches Archiv. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2004 Seite 33-34,38,47,52,53,60-67,69,70-71,72,124,188-189,313,357,607,798,808 - Wies, Ernst W.: Kaiser Friedrich Barbarossa. Mythos und Wirklichkeit, Bechtle Esslingen 1999, Seite 61 -