Basileios II.                                    Kaiser von Byzanz (16.3.-16.8.963)(976-1025)
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957 15.12.1025
 

Ältester Sohn des Kaisers Romanos II. von Byzanz und der Theophano, Tochter vom Schankwirt Anastaso
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1522
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Basileios II., byzantinischer Kaiser 976-1025
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Nach den sogenannten Titular-Kaisern Nikephoros II. Phokas und Johannes Tzimiskes - beide Vertreter des kleinasiatischen Großgrundbesitzes - konnte Basileios, legitimer Sproß der Makedonischen Dynastie, sich nur schwer durchsetzen. Gleich nach dem Tod des Tzimiskes unternahm Bardas Skleros eine Usurpation, die der Parakoimomenos Basileios mit Hilfe des Bardas Phokas, des Vertreters einer anderen bedeutenden Magnatenfamilie, niederschlagen konnte. Nachdem Basileios mit erstarktem Selbstbewußtsein seinen Großonkel entmachtet hatte (985; Beginn der effektiven Regierungszeit des Basileios), revoltierte Phokas selbst (987-989); ihm schloß sich die gesamte Gruppe der Großgrundbesitzer an. Basileios fand seine Rettung in Verhandlungen mit der Kiewer Rus. Das führte zur Christianisierung der Russen; Basileios aber erhielt eine Söldnertruppe, die warägisch-russische Druzina, die ihm den Sieg über Phokas ermöglichte. - Dieser Bürgerkrieg, bei dem die Gegensätze zwischen einer zentralen Reichskonzeption und einer eher zentrifugal orientierten Politik der Großgrundbesitzer aufeinandergeprallt waren, bestimmte Basileios' weitere Politik. - Seine Gesetzgebung bestand im wesentlichen darin, die Privilegien des Großgrundbesitzes, auch des kirchlichen, einzuschränken. - Im Mittelpunkt aber von Basileios' Aktivität steht eine militärisch geprägte Außenpolitik, die ganz seiner Reichskonzeption entspricht. - Während der ersten Phase des Bürgerkrieges hatte ein Aufstand in West-Bulgarien erneut einen bulgarischen Staat hervorgebracht. Leiter wurde der jüngste der vier KOMETOPULOI, die den Aufstand angeführt hatten, Zar Samuel. Er konnte sein Reich mit dem Zentrum Ochrid über fast den ganzen byzantinischen Balkan ausdehnen. Nach einem fünfzehn Jahre dauernden, ungeheuer zäh geführten Krieg kam es 1014 zur Entscheidung: Nach einem Überraschungssieg im Strymontal ließ Basileios alle gefangenen Bulgaren blenden; nur jeder Hundertste behielt ein Auge, um die Geblendeten zu führen. Der Anblick des Zuges soll Samuel so entsetzt haben, dass er zwei Tage später starb. Basileios aber, der seitdem Bulgaroktonos (Bulgarentöter) heißt, konnte den Balkan dem Reich eingliedern. - Die Lage im Osten war relativ stabil. Angriffe der ägyptischen FATIMIDEN unter anderem auf Aleppo konnte Basileios abwehren. - Innere Streitigkeiten in Armenien nach 1020 gaben Basileios die Möglichkeit, den Vaspurakan zu annektieren und für das Königreich der BAGRATUNI vertraglich zu regeln, dass es nach dem Tode des Herrschers ebenfalls an Byzanz fiel. Dass dadurch die entscheidende Pufferzone nach Osten wegfiel und der Verlust Kleinasiens an die Türken nach Mantzikert (1071) leichter eintreten konnte, ist unbestreitbar, aber nicht Basileios anzulasten. Entscheidend aber ist, dass Basileios die Dynatoi zwar kleinhalten, aber nicht beseitigen konnte, so dass ihre Interessen nach ihm wieder die Politik bestimmten. - Die Erfahrungen des Bürgerkrieges haben Basileios auch persönlich geprägt. Er scheint ein eher verhärteter Mensch gewesen zu sein und soll ganz auf Effektivität ausgerichtet für Zeremoniell und Rhetorik nichts übrig gehabt haben. Auch bildungspolitisch ist er nicht hervorgetreten.



BERTELSMANN Lexikon Geschichte: Seite 84
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BASILEIOS II. BULGAROKTONOS ["BULGARENTÖTER"]
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* 957, 1025

Kaiser von Byzanz 976-1025

Vernichtete in einem grausamen Krieg 971-1018 das Bulgaren-Reich, das dem Byzantinischen Reich eingegliedert wurde, und führte Byzanz auf den Höhepunkt seiner Macht; verheiratete seine Schwester Anna mit Großfürst Wladimir von Kiew; damit wurde die Christianisierung Rußlands eingeleitet.



Thiele, Andreas: Tafel 197
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

BASILEIOS II. "DER BULGARENTÖTER"
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* 957,  1025

Basileios II. der Bulgarentöter wurde 963 von seinem Stiefvater Nikephoros II., dann von seinem Onkel Basileios zurückgedrängt. Er war mönchisch-asketisch und bei Volk und Adel wenig beliebt. Er wurde nach der Ermordung des Kaisers Johannes I. 976 Kaiser und hatte bis 989 etliche Thronkriege und Rebellionen zu bestehen. 976-979 kämpfte er gegen den Großdomesticus Bardas Skleros, den Schwager von Kaiser Johannes I., verlor an ihn Kleinasien und besiegte ihn mit Hilfe des Gegen-Kaisers Bardas Phokas. Er wurde in der ersten Zeit besonders von seinem Großonkel Basileios Lakapenos gestützt, den er nach einer Verschwörung 985 stürzte. Er begann danach den Krieg gegen das neue Bulgaren-Reich und war anfänglich erfolglos, was der Anlaß für eine neue Verschwörung unter Bardas Phokas, dem Exponenten der Großgrundbesitzer, war, der sich erneut zum Gegen-Kaiser ausrufen ließ, da er sich durch den Eigensinn des Kaisers zurückgesetzt fühlte. Basileios II. konnte Bardas nur mit russischer Hilfe durch die Siege bei Chrysopolis 988 und bei Abydos 989 bezwingen und gab, nachdem der Großfürst Wladimir Cherson besetzt hatte, wie versprochen die Schwester Anna dem Wladimir zur Frau, was eine enorme Aufwertung Wladimirs I. und den Beginn der russischen Christianisierung im großen Stil bedeutete. Kiew-Rußland wurde definitiv Glied der byzantinisch-orthodoxen Kirche. Basileios II. entsetzte 995 Aleppo, schloß 1001 Frieden mit den ägyptischen FATIMIDEN und trat den Raum Tripolis-Baalbek-Nazareth ab. Er nahm 1001 den Vernichtungskrieg gegen Bulgarien wieder auf, siegte 1004 in der Schlacht bei Skopje und ließ 1014 nach der Schlacht bei Klutsch 15.000 Bulgaren blenden und eroberte bis 1018 ganz Bulgarien. Er stellte damit die Donaugrenze wieder her und dehnte den byzantinischen Machtbereich bis zur Adria aus, im Osten bis über den Euphrat und markierte den Höhepunkt seines Reiches, auch wirtschaftlich und kulturell ("Makedonische Renaissance"). Er sicherte die italienischen Restgebiete, gestand Venedig weitreichende Privilegien im Levantehandel zu und war der letzte byzantinische Kaiser, der sich strikt gegen den Feudalisierungsprozeß stellte, Kleinbauern und Soldatenbauern schützte und den Adel durch Steuern stark belastete. Er reiste wie Kaiser Hadrian im ganzen Reich umher und ordnete die Finanzen neu. Mit seinem Tode kam bald die Wende und Feudalisierung, Schulden und Schludrian nahmen zu.



Basileios II. stürzte 985 seinen allmächtigen Großonkel, den Eunuchen Basileios. Er kämpfte um die Erhaltung der Bauern- und Soldatengüter, indem er durch strenge Erlasse das Wachstum des weltlichen und kirchlichen Grundbesitzes auf Kosten des Kleingrundbesitzes einschränkte und die Großgrundbesitzer zur Begleichung der von insolventen Bauern geschuldeten Steuern zwang, die zuvor die jeweiligen Nachbarn tragen mußten. Er unterwarf in einem grausamen Vernichtungsfeldzug 1014-1018 das Bulgaren-Reich (Beiname "der Bulgarentöter") und festigte die Verbindung mit der Kiewer Rus, die 988 das griechisch-orthodoxe Christentum von Byzanz annahm. Unter seiner Herrschaft hatte das späte Byzantinische Reich seine größte Ausdehnung.

Norwich John Julius: Band II Seite 232,289-331
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Beim Tod ihres Vaters waren Thronfolger und Mit-Kaiser Basileios und sein Bruder Konstantin sechs beziehungsweise drei Jahre alt. Die beiden Kind-Kaiser waren sowohl bei der Krönung von Kaiser Nikephoros Phokas als auch bei der von Johannes Tzimiskes anwesend, der sie ebenfalls zu Kaisern ausrufen ließ.
Mit dem Tod von Johannes Tzimiskes schien der Weg für die Machtübernahme der beiden jungen Söhne Romanos' II. endlich geebnet. Basileios war achtzehn und sein Bruder Konstantin sechszehn Jahre alt. Die beiden hätten kaum unähnlicher sein können. Während Konstantin damals wie später nie auch nur das geringste Interesse für Politik oder Staatsführung bekundete und am liebsten sich selbst und seinen leicht unappetitlichen Neigungen überlassen blieb, beeindruckte Basileios durch seine Aufgewecktheit, sein rasche Auffassungsgabe und seine offenbar unerschöpfliche Energie. Noch weniger aber glich er seinen verwandten Vorgängern: Trotz seiner unbestrittenen Intelligenz war er keineswegs ein Intellektueller wie Leon der Weise und Konstantin VII. Porphyrogennetos, er zeigte keinerlei Vorliebe für Bildung und Literatur, und die Grobschlächtigkeit seines Griechisch tat der so anspruchsvollen byzantinischen Bevölkerung in den Ohren weh. Während sich Leon und Konstantin immer bemüht hatten, ihre Macht und Herrlichkeit durch blendende Auftritte und prächtige Kleidung zu betonen und sich mit unbezahlbaren Schätzen und Kunstobjekten zu umgeben, gab Basileios praktisch nichts für sich aus, beschränkte die Staatsfeierlichkeiten auf ein Minimum und trug sowohl im Palast als auch in der Stadt Alltagskleidung, die sich nicht für einen Kaiser geziemte und die, wie bemerkt wurde, nicht allzu sauber war. Auch vom Aussehen her glich er weder seinem Vater noch seinem Großvater besonders. Beide waren groß und brünett gewesen, Basileios dagegen war klein und untersetzt, hatte ein rundes, von einem dichten Bart umkränztes Gesicht und helle blaue Augen, die mit ungewöhnlichen Glanz unter hohen, geschwungenen Augenbrauen hervorblickten. Der Chronist Michael Psellos schreibt, wenn Basileios nicht im Sattel gesessen habe, sei seine Erscheinung sehr durchschnittlich gewesen. Nur zu Pferd habe er sich voll zur Geltung gebracht, denn er war ein vorzüglicher Reiter. In einer weiteren Beziehung unterschied sich Basileios von seinem Vater und auch von seiner Mutter. Romanos und Theophano waren den sinnlichen Freuden immer sehr zugetan und liebten das Vergnügen. Basileios hatte in seiner Jugend ähnlicher Züge gezeigt, aber mit der Thronbesteigung fiel alle Lebensfreude von ihm ab, und er führte von da an ein außergewöhnlich nüchternes Leben. Er aß und trank mäßig bis frugal und näherte sich keiner Frau. Fast als einziger aller byzantinischen Kaiser und zeitgenössischen europäischen Fürsten heiratete er nie. Diese Unterlassung erscheint noch außergewöhnlicher, als er einen legitimen Nachfolger gebraucht hätte; als solcher galt nur ein Junge, und Helene Alypina, die als Frau seines Bruders auch einen Nachfolger hätte stellen können, brachte ausschließlich Töchter zur Welt. Man fragt sich unweigerlich, ob es nicht vielleicht doch eine Hochzeit gab, von der nichts überliefert ist. In allen Quellen wird Helene als einzige Kaiserin erwähnt, die sämtliche Pflichten ihres Ranges erfüllte. Es kann daher kein Zweifel daran bestehen, dass Basileios bis zu seinem Tod Junggeselle blieb. Über den Grund dafür darf spekuliert werden.
Von dem Augenblick an, da er ranghöchster Kaiser wurde, scheint Basileios entschlossen gewesen zu sein, sowohl zu herrschen als auch zu regieren. Da sich sein Bruder dankbar der Bürde der Verantwortung enthoben sah, hätte es keinerlei Schwierigkeiten geben  sollen.
Zwei Hindernisse standen ihm dennoch im Weg.
Das erste in der Person seines Großonkels und Namensvetters, des Parakoimomenos Basileios.
Das zweite Hindernis war viel gravierender, denn es betraf direkt seinen Thronanspruch. So kam es, dass die ersten neun Jahre von Basileios' theoretisch autokratischer Herrschaft zum überwiegenden Teil von seinem furchteinflößenden Haushofmeister überschattet wurden. Außerdem verbrachte er die ersten dreizehn Jahre einen Gutteil der Zeit damit, den Thron gegen Angriffe zweier aufständischer Feldherren zu verteidigen, die ihm diesen mit aller Entschlossenheit entreißen wollten. Den Aufstand des Bardas Skleros unterdrückte im Jahre 979 der Feldherr Bardas Phokas, der gleichfalls nach dem Thron strebte. Während der sechs Jahre nach Skleros' Niederlage hören wir nur wenig von Basileios. Wir können jedoch sicher sein, dass er sich aufs äußerste bemühte, sich mit den innersten Mechanismen der Armee, der Flotte, der Kirche, der Klöster und aller übrigen Staatszweige vertraut zu machen. Wenn er werden wollte, wozu er entschlossen war, nämlich ein Kaiser im wahrsten Sinne des Wortes, der seine Regierung leitete, für jeden außenpolitischen Aspekt verantwortlich und bereit war, wenn nötig seine Truppen persönlich ins Feld zu führen, konnte er nichts dem Zufall überlassen.
Im Jahre 985 war er bereit. Einzig sein Großonkel stand ihm noch im Weg, der Parakoimomenos Basileios. Eines schönen Morgens erfuhr die Hauptstadt, dass der meist gefürchtete Mann im Reich verhaftet und verbannt war. All seine Güter hatte man beschlagnahmt. Endlich war Basileios sein eigener Herr und Meister. Weniger als ein Jahr später stand das Reich einer neuen Bedrohung gegenüber; sie fügte ihm eine größere Demütigung zu als alles Vorhergehende. Samuel, der selbsternannte Zar des bulgarischen Reiches, fiel in Thessalien ein und eroberte Larissa, die bedeutendste Stadt in dieser Gegend. Die heiligste Reliquie der Stadt, der Leichnam ihres ehemaligen Bischofs, wurde mitgenommen, um den Dom in Prespa zu schmücken, wohin Samuel kurz zuvor seine Hauptstadt verlegt hatte. Als Basileios von dieser Anmaßung erfuhr, befahl er die sofortige Mobilmachung des Heeres, übernahm persönlich den Oberbefehl und marschierte auf Serdica. Nach knapp drei Wochen erfolgloser Belagerung beschloß Basileios, den Kampf aufzugeben und nach Hause zurückzukehren. Es kam jedoch anders und noch schlimmer. Als die byzantinischen Truppen am Dienstag, dem 17. August 986, zum zweiten Mal durch das Trjaner-Tor marschierten, liefen sie direkt in Samuels sorgfältig vorbereiteten Hinterhalt. Die bulgarische Reiterei strömte zu beiden Seiten von den Berghängen hinunter und überrumpelte die byzantinischen Einheiten vollkommen. Die große Mehrheit wurde auf der Stelle erschlagen, die ganze Ausrüstung, einschließlich der Heereskasse, war verloren. Ein, zwei Tage später folgte dem geschlagenen Kaiser nur noch ein armseliger Überrest des einst so stolzen Heeres mit schleppendem Gang nach Philippopel hinein.
Wie gedemütigt sich Basileios gefühlt haben muß, kann man sich denken. Es hatte ihm nie an Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gefehlt, und er hatte sich zu einem der effizientesten Herrscher ausgebildet, die in Byzanz regierten. Die Jahre im Schatten seines Großonkels waren ihm unerträglich erschienen, hegte er doch stets die Überzeugung, dass er das Reich besser regieren könne als alle anderen. Bis zum Alter von 29 Jahren - zu diesem Zeitpunkt trug er den Kaisertitel bereits über ein Vierteljahrhundert - hatte er warten müssen, bis sich ihm endlich Gelegenheit bot, auf eigene Initiative einen bedeutenden Feldzug zu unternehmen - und nun endete dieser in einer Katastrophe. Er schämte sich, war aber auch wütend. Sein Selbstbewußtsein kostete es ihm trotz allem nicht.
In den ersten Wochen des Jahres 987 ließ sich Bardas Skleros in Melitene zum zweitenmal zum Basileus ausrufen. Unterstützt vom anatolischen Adel beanspruchte Bardas Phokas am 15. August 987 das Reich für sich. Er war der wesentlich stärkere Prätendent und bot seinem Rivalen die Teilung des Reiches an. Dieser nahm an und fand sich wenig später in der Festung von Tyropoion in Haft wieder. Ohne die Bedrohung im Rücken marschierte Bardas Phokas mit seinen Truppen auf Konstantinopel. Basileios' Lage war verzweifelt, aber er behielt einen klaren Kopf. Weil keine Hoffnung bestand, dass er sein Reich ohne fremde Hilfe verteidigen konnte, mußte er außerhalb um Unterstützung ersuchen. Und Hilfe im benötigten Ausmaß konnte nur aus einer Richtung kommen: von Wladimir, dem Fürsten von Kiew. Die Meldung der byzantinischen Gesandtschaft, die nach Monaten eintraf, lautete dahingehend, dass sich Wladimir an die zwischen seinem Vater Swjatoslaw und Johannes Tzimiskes getroffene Übereinkunft gebunden fühle und die angeforderte Streitmacht übersenden werde. Eine Druzhina von 6.000 voll ausgerüsteten Warägern werde so bald wie möglich in Konstantinopel eintreffen. Seine Unterstützung knüpfte er allerdings an eine Bedingung: dass er die Hand der Schwester des Kaisers erhielt, der Porphyrogennita Anna. Gegen den Übertritt Wladimirs zum orthodoxen Glauben gab Basileios der Verbindung seinen Segen.
Basileios wartete fast ein ganzes Jahr. Diese Zeit überlebte er nur dank der kaiserlichen Flotte, die mit ihren andauernden Patrouillen auf dem Hellespont, dem Marmarameer und dem Bosporus Bardas Phokas daran hindern konnte, auf europäischen Boden überzusetzen. Dann erschien eine große wikingische Flotte mit den 6.000 Warägern an Bord. Ende Februar 989 schlug das von Basileios geführte Heer die Aufständischen an der Küste von Chrysopolis vernichtend und am 13. April 989 erlag Bardas Phokas einem Schlaganfall, während die auseinandergelaufenen Truppen eine leichte Beute für die warägischen Riesen wurden, die sie verfolgten und kurzerhand in Stücke hackten. Wenig später unterwarf sich Bardas Skleros gegen die Zusage des Kuropalates-Titel Kaiser Basileios II.
Angesichts der sich überschlagenden Ereignisse der vergangenen zwei Jahre blieb Basileios verständlicherweise kaum Zeit, sich mit der Frage der versprochenen Eheschließung seiner Schwester mit dem Kiewer Fürsten zu befassen. Wladimir machte jedoch bald klar, dass er nicht mit sich spaßen ließ. Er hatte dem Hilfsappell des Kaisers entsprochen und dadurch Byzanz gerettet. Nun erwartete er mit Ungeduld seine Belohnung. Um Basileios an seine Pflicht zu erinnern, nahm er im Sommer 989, völlig unerwartet, kurzerhand Cherson ein, die kaiserliche Kolonie auf der Krim und zugleich den letzten byzantinischen Vorposten an der nördlichen Schwarzmeerküste. Gleichzeitig ließ er Basileios eine Botschaft des ominösen Inhalts zukommen, wenn seine Vergeßlichkeit anhalte, werde Konstantinopel wohl oder übel bald ein ähnliches Schicksal ereilen. Für Basileios reichte der Fall Chersons vollkommen aus, um die Angelegenheit voranzutreiben. Nicht nur war diese Krimkolonie finanziell und strategisch wichtig für ihn, ihre Eroberung kam zudem der Aufhebung der russischen Unterstützung gleich, und dies zu einer Zeit, da sich Bardas Skleros noch immer auf freiem Fuß befand. Und noch weit schlimmer als all dies: es bestand nun tatsächlich die Möglichkeit einer Annäherung zwischen Wladimir und Zar Samuel von Bulgarien. Die 6.000 Waräger hielten sich noch immer in Konstantinopel auf. Auf ein Wort ihres Gebieters hin konnte ihre gegenwärtige Freundschaft in offene Feindschaft umschlagen - mit unabsehbarem möglichen Schaden. Kurz gesagt, es gab keine andere Möglichkeit: Das Abkommen mußte anerkannt werden. Als die 25-jährige Prinzessin Anna von ihren Brüdern von ihrem Schicksal erfuhr, soll sie ihnen in Tränen aufgelöst vorgeworfen haben, man verkaufe sie blindlings in die Sklaverei - was in Anbetracht der Gerüchte, die über Wladimir kursierten, der Wahrheit sehr nahe kam. Schließlich machte man ihr jedoch klar, was sie zum Wohl des Reichs zu tun habe, nämlich sich in das Unvermeidliche zu schicken. Wohl kaum freudig erregt, bestieg sie das Schiff, das sie nach Cherson brachte, wo ihr Verlobter sie bereits erwartete. Die beiden wurden ordnungsgemäß vermählt, und Basileios erhielt Cherson umgehend als Brautgeschenk für das Reich zurück.
Das Jahr 989 steht für eine Wende in den 65 Jahren der Regierungszeit Basileios' II. Obwohl er zu diesem Zeitpunkt erst 31 Jahre alt war, trug er den Kaisertitel bereits seit 29 Jahren. Von diesen hatte er die ersten 16 noch minderjährig im Schatten zweier militärischer Draufgänger gestanden, denen es gelungen war, die Macht an sich zu reißen, nämlich Nikephoros Phokas und Johannes Tzimiskes. Die folgenden neun verbrachte er als - wenn auch höchst widerwillige - Marionette seines Großonkels, während die letzten vier im Zeichen der demütigenden Niederlage gegen Zar Samuel am Trajaner-Tor standen, jener großangelegten Revolte, die er nur mit Hilfe von außen niederzuschlagen vermochte und die ihn womöglich weiterhin bedroht hätte, wäre ihr Anführer nicht plötzlich gestorben - sowie zuletzt der schamlosen Erpressung dieses Kiewer Fürsten, auf den er hatte eingehen müssen. Es sind dies nicht gerade bemerkenswerte Errungenschaften.
Ende 989 aber hatte sich das Blatt gewendet. Dabei waren dieses Jahr über mehrere Katastrophem zu überstehen gewesen. Nach einem härtesten Winter seit Menschengedenken, in dem sogar das Meer gefror, hatte der Kampf gegen Bardas Phokas stattgefunden und ein weiterer gegen Bardas Sklaros. Wenige Tage nach der Eroberung von Cherson durch russische Einheiten traf die Nachricht ein, dass Berrhoia (heute Werija), eine strategisch wichtige Festungsstadt für den Zugang zu Thessalonike, sich in bulgarischer Hand befand, und gleichzeitig brachen ernst zu nehmende Unruhen in Antiochia aus. Das Erscheinen des Polarlichts am 7. April und der hellen Kometen, der im Juli und August drei Wochen lang den Himmel erleuchtete, wurde noch unterschiedlich gedeutet, doch zu dem verheerenden Erdbeben, das in der Nacht des 25. Oktober in Konstantinopel über 40 Kirchen zerstörte oder beschädigte, gab es nur eine Meinung, und die bezweifelte niemand; selbst die Hagia Sophia blieb nicht verschont: die Zentralkuppel war quer durch gespalten und mußte völlig neu konstruiert werden, und beim Einsturz eines Teil der Ostapsis bleib lediglich ein Schutthaufen zurück. Ein unmißverständlicheres Zeichen für den göttlichen Zorn ließ sich kaum vorstellen. Und doch kam das Reich Ende des Jahres zum ersten Mal seit Johannes Tzimiskes' Tod 976 innenpolitisch zur Ruhe, und der Kaiser stand nach all den vielen Niederlagen und Enttäuschungen endlich an der Schwelle zum Ruhm.
Da Basileios nichts mehr von den anatolischen Baronen zu fürchten brauchte, konnte er sich ganz auf jene Aufgabe konzentrieren, die ihn die folgenden 30 Jahre in Anspruch nehmen sollte: die Vernichtung des bulgarischen Reiches.
Nach seinem erfolgreichen Syrienfeldzug erließ der Kaiser am 1. Januar 996 ein Edikt, dessen Folgen für die anatolische Aristokratie verheerende Folgen hatte. Er verlangte, dass jeder Gebietsanspruch mindestens auf ein Dekret seines Urgroßvaters Romanos 60 Jahre zuvor zurückreichen mußte, um gültig zu sein. Aller Besitz, der seitdem erworben worden war, mußte unverzüglich dem früheren Eigentümer oder dessen Familie zurückerstattet werden, ohne Entschädigung oder Zahlungen für jegliche Verbesserungen, die daran vorgenommen worden waren. Selbst eine kaiserliche Chrysoboula - auch eine mit Basileios' Namen unterzeichnete - galt hierbei nicht als Ausflucht. Alle von Basileios dem Eunuchen unterzeichneten Urkunden waren automatisch null und nichtig, falls der Kaiser sie nicht handschriftlich als gültig bestätigt hatte. Die Folgen waren dramatisch und für die anatolische Aristokratie geradezu verheerend. Maleinos wurde nicht nur enteignet, sondern lebenslänglich inhaftiert. Die PHOKAS verloren außer einem winzigen Bruchteil ihren gesamten Besitz. Manche adligen Familien wurden buchstäblich zu Bettlern, andere sanken auf das bäuerliche Niveau ihrer Umgebung. Für die Bauernfamilien dagegen und für das lokale Kleinbauerntum, die seit Hunderten von Jahren das Rückgrat der byzantinischen Armee bildeten, war der Weg geebnet, um wieder zu den Ländereien ihrer Vorfahren zu gelangen. Gleichzeitig gelangten große Gebiete, die ehemals in kaiserlichem Besitz gewesen waren, an das Reich zurück. Die Stellung des Kaisers gewann außerordentlich an Stärke. Dreizehn Jahre lang hatte Basileios den ihm nach geltendem Recht zustehenden Thron gegen "die Mächtigen" verteidigen müssen; nun war ihre Macht gebrochen.
Kaiser OTTO III. hatte die Idee einer byzantinischen Heirat keineswegs aufgegeben und eine zweite Gesandtschaft dorthin geschickt, mit der Anweisung, nicht nur sämtliche ausstehden Formalitäten zu erledigen, sondern ihm auch gleich die Braut mitzubringen. Dem wichtigeren Auftrag entsprechend handelte es sich um eine viel größere und eindrucksvollere Delegation als die vorausgegangene, angeführt von Erzbischof Arnulf von Mailand, dem reichsten und entsprechend prunkvoll auftretenden Geistlichen des Westens. Kaiser Basileios II. machte Arnulf keine Schwierigkeiten: je schneller die Hochzeit stattfand, desto schneller konnte er wieder in Bulgarien sein, wo er hingehörte. Es heißt, Eudokia, die älteste seiner drei Nichten, sei von Pockennarben entstellt und ohnehin der Absicht gewesen, das Leben im Kloster zu verbringen; auch die jüngste, Theodora, soll ihrer Erscheinung und ihres Auftretens wegen nicht in Frage gekommen sein. Sie hat - wie wir später sehen werden - nie geheiratet. Zoe aber, die mittlere, eignete sich offenbar in jeder Beziehung für die Verbindung. Der Erzbischof war höchlich angetan von ihr und zweifelte nicht daran, dass sein Gebieter sie mit ebenso großer Begeisterung aufnehmen würde. Zoe scheint sich über ihre Wünsche im klaren gewesen zu sein und nichts von dem Widerwillen empfunden zu haben, der die Abreise ihrer Tante Anna nach Kiew rund zwölf Jahre zuvor gekennzeichnet hatte. Als die Braut in Bari eintraf, erhielt sie die Nachricht, dass OTTO III. am 24. Januar 1002 in der Burg von Paterno gestorben war.
Am 29. Juli 1014 kam es in der Schlacht von Klidion zum entscheidenden Sieg des Kaisers über die Bulgaren. Wenn man den Quellen glauben darf, wurden 14.000 bis 15.000 Bulgaren gefangengenommen. Die Gefangenen wurden des Augenlichts beraubt, und nur einem von je hundert ein Auge gelassen, damit er seine blinden Zanturien ihrem Könige vorführen könne. Der König, wird gemeldet, erlitt einen Schlaganfall und starb zwei Tage später vor Schmerz und Entsetzen. Die meisten, die seinen Tod betrauerten, wußten sehr wohl, dass sie auch den Untergang des bulgarischen Reichs beweinten. Und doch kämpften sie mit dem Mut der Verzweiflung weiter. Zunächst unter der Führung seines Sohnes Gabriel Radomir und nach dessen Ermordung im Jahre 1016 seines Mörders (und Vetters) Johannes Wladislaw. Erst als Johannes bei der Belagerung von Dyrrhachion im Februar 1018 ebenfalls ums Leben kam, kapitulierten sie. Bald darauf marschierte Basileios in die bulgarische Hauptstadt Ochrid ein. Er wurde an den Toren von Johannes' Witwe Maria und so vielen ihrer Familie, wie sie hatte zusammenbringen können, empfangen: drei Söhnen und sechs Töchtern, außerdem zwei Töchtern von Gabriel Radomir und fünfen seiner Söhne, von denen einer geblendet worden war. Auch ein unehelicher Sohn Samuels soll dabeigewesen sein. Basileios begrüßte sie zuvorkommend und freundlich und unterstellte alle 18 seinem persönlichen Schutz.
Basileios' Problem Bulgarien war gelöst, doch all seine Arbeit damit noch nicht getan. Der Kuropalares des Ostens, König Bagrat von Abasgien, war 1014 gestorben, und sein Sohn Georg hatte sich daraufhin strikt geweigert, das vierzehn Jahre zuvor geschlossene Abkommen anzuerkennen, und war in Tao und Phasian einmarschiert, worauf Basileios sofort eine Flotte an die ferne Küste des Schwarzen Meeres entsandte, die versuchen sollte, den Schaden in Grenzen zu halten. Nun bot sich jedoch die einmalige Chance, ein für allemal mit dem Rebellenfürsten fertig zu werden. Im Jahre 1021 machte sich Basileios deshlab auf seinen dritten und letzten Asienfeldzug. Im folgenden Jahr kapitulierte Georg und überließ dem Kaiser seinen 3-jährigen Sohn als Geisel und Bürgen für sein Wohlverhalten. Zu dem Zeitpunkt hätte Basileios gut heimkehren können. Statt dessen benützte er die Gelegenheit, um seine Position an der stets unruhigen Ostgrenze zu festigen. Mit Diplomatie und ohne Drohung oder auch nur einen Hinweis auf mögliche militärische Aggression annektierte er die Gegend von Waspurkan. Ebenso ohne Gewalt überredete er Johannes Smbat, den armenischen König von Ani, sein Königreich nach seinem Tod Byzanz zu vermachen. Als er im Jahre 1023 nach Konstantinopel zurückkehrte, hatte er acht neue Themen errichtet. Dazu gehörten Antiochia ganz im Süden, Teluch, die "Euphrat-Städte" (später als Thema Edessa bezeichnet), Melitene, Taron, Waspurkan, Iberien und Theodosiopolis. Er herrschte nun als Souverän von der Adria bis nach Aserbaidschan.
Er war mittlerweile 65 Jahre alt, ein stolzes Alter für mittelalterliche Maßstäbe. Fast die Hälfte davon hatte er auf Kriegsschauplätzen zugebracht, und die meisten anderen hätten nach einer ähnlichen Vergangenheit in diesem Alter wohl nur zu gern die Waffen niedergelegt und ihr Lebensende in Ruhe und Frieden beschlossen. Basileios war aber nicht wie andere. Sein Drang nach kriegerischer Aktivität war unvermindert, und die Nachrichten, die ihn in Konstantinopel erwarteten, ließen ihn sogleich eine neue Richtung erkennen, in die er sie lenken konnte. Die Neuigkeiten kamen von Basileios Boioannes, dem kaiserlichen Katepan in Unteritalien. Um den für Byzanz unbefriedigenden Zustand in Unteritalien und Sizilien endlich ins reine zu bringen, wurde ein großes neues Heer ausgehoben, und Boioannes erhielt den Befehl, einen umfassenden Plan für die Invasion der Insel im Jahre 1026 auszuarbeiten. Es dauerte dann allerdings noch zwölf Jahre, bevor diese Invasion zustande kam. Und als sie endlich stattfand, waren weder der Kaiser noch sein stolzer Katepan am Leben, um sie anzuführen. Denn zehn Tage vor Weihnachten des Jahres 1025 starb Basileios II. um 9 Uhr morgens im Großen Palast von Konstantinopel im Alter von 67 Jahren.
Er muß als ein Phänomen betrachtet werden, und zwar als eines der erstaunlichsten in der gesamten byzantinischen Geschichte. Aus Gründen, die aus dem vorhergehenden Kapitel hervorgehen, entfaltete er erst spät seine volle Kraft. Als er jedoch die Zügel in den Griff bekommen hatte, entglitten sie ihm nicht mehr. Obwohl er alles äußerliche Brimborium verachtete, das zu seiner Machtstellung gehörte - und auf das praktisch alle vor und nach ihm solchen Wert legten -, dominierte er offenbar mühelos alle kirchlichen und staatlichen Verwaltungszweige. Er berief Patriarchen und setzte sie ab, formulierte Gesetze, die die gesellschaftliche Struktur Anatoliens grundlegend veränderten, ausländische Fürsten waren ihm zu Willen, und dank der einmaligen Art, in der er die strategische Vorstellung des Oberbefehlshabers mit der peinlichen Genauigkeit des Ausbildungsoffiziers verband, erwies er sich als einer der erfolgreichsten Feldherren, die das Reich je sah.
Die letzte Eigenschaft verblüfft vielleicht am meisten. Abgesehen von dem, was der Titel eines Kaisers unweigerlich mit sich bringt, fehlte es ihm völlig an Glanz. In der gesamten Geschichte hatte praktisch jeder erfolgreiche militärische Führer stets etwas Verführerisches an sich, einen undefinierbaren Funken, der auf die Männer überspringt und ihren Kampfeswillen entzündet, sie dazu führt, ihm nicht nur willig, sondern mit Begeisterung und Schwung in den Krieg zu folgen. Soweit sich das beurteilen läßt, besaß Basileios nicht die Spur davon. Seine Feldzüge erzeugten weder Blitz noch Donner. Unter seiner Führung präsentierte sich das kaiserliche Heer eher wie ein Lavastrom, der sich langsam, aber unerbittlich vorwärtswälzte, so unempfindlich gegen direkten Widerstand von vorne wie gegen Angriffe von der Seite oder von hinten. Nach der Demütigung am Trajaner-Tor in seiner Jugend - die er niemals vergessen konnte und für die die ganze bulgarische Schlächterei wohl gewissermaßen ein Entschädigung war - ging er kaum mehr Risiken ein und erlitt auch kaum Verluste. Seine Männer vertrauten ihm zwar, sie liebten ihn jedoch nie.
Und dies hat wohl - seine Mutter vielleicht ausgenommen - auch sonst niemand getan. Mit der Liebe scheint er in der Tat nie in Berührung gekommen zu sein, weder als Liebender noch als Geliebter. Es gibt keinen einzigen Hinweis darauf, dass ihn irgendjemand besonders gemocht hätte. Die Chroniken erwähnen niemanden, die oder der ihn nahestand. Kein einsamerer Mensch saß je auf dem Thron von Byzanz - oder sonstwo. Aber dies überrascht eigentlich nicht, erscheint er doch nicht gerade als liebenswert. Vielmehr war er häßlich, schmutzig, ungehobelt, bäurisch, ein vollkommener Banause und fast von krankhafter Bösartigkeit, kurz gesagt, ein völlig untypischer Byzantiner. Und all das, hat man den Verdacht, würde er auch bereitwillig zugegeben haben. Kultur und feine Lebensart lagen ihm fern, und so interessierten ihn wohl auch persönliches Glück, Lachen oder Freundschaft und Liebe wenig. Sein ganzes Streben verlegte er auf die Größe und das Wohlergehen des Reiches. Kein Wunder also, dass es diesen Gipfel unter seiner Hand erreichte.
Nur einen Dienst vermochte er dem Reich nicht zu erweisen. Dieses Versagen war jedoch so verheerend, dass es einen Großteil seines Erfolgs überschattete und viele Leistungen zunichte machte. Er hinterließ keine Kinder, keine einzige Person, die nach seinem Tod sein Werk hätte fortsetzen können. Besser als alle anderen wußte er um die hoffnungslose Unfähigkeit seines Bruders Konstantin, der mit über 60 Jahren noch so leichtsinnig und vergnügungssüchtig war wie 50 Jahre zuvor. Basileios' Einstellung gegenüber Frauen - ob er sie haßte, verachtete oder (was am allerwahrscheinlichsten ist) fürchtete - bleibt uns ein Rätsel. Man fragt sich unweigerlich, warum er sich bei der ihm eigenen eisernen Disziplin bloß nicht dazu durchringen konnte, sich dem Reich zuliebe mit einer Frau zusammenzutun und gemeinsam mit ihr ein, zwei Söhne zu erzeugen. Dann hätte die Blüte von Byzanz möglicherweise angehalten, das Reich sich noch weiter nach Europa und Asien hinein ausgedehnt und zu noch größeren Höhen von Einfluß und Macht aufsteigen können. Indem Basileios ohne Erben starb, sicherte er gewissermaßen dessen Untergang. Sein Tod trat am 15. Dezember 1025 ein. Schon am 16. Dezember begann der Niedergang.
 
 
 
 

Literatur:
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