Anna Dalassena                             Kaiserin-Mutter von Byzanz
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um 1030 um 1101
                 Kloster Pantepoptes
 

Tochter des Präfekten von Italien Alexios Charon
 

Thiele, Andreas: Tafel 201
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

JOHANNES KOMNENOS
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* um 1015, 1067
 

  oo ANNA DALASSENE, Tochter des Präfekten von Italien Alexios Charon
              um 1101

Stifterin des Klosters Pantepepte und starb dort um 1101 als Nonne. Sie war 1081 und 1094/95 Reichsregentin.



Norwich John Julius: Band II Seite 448
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Die eine Hälfte stürmte unter dem Befehl seines kurz zuvor zurückgekehrten Sohnes Andronikos den Palast und rief Michael zum Kaiser aus; die andere marschierte direkt zu den Gemächern von Kaiserin Eudokia und nahm sie fest. All das lief in Windeseile ab. Die überrumpelte Eudokia wurde in eine von ihr gegründete Kirche an der Mündung des Hellespont verbannt; dort scherte man ihr kurz darauf das Haar und zwang sie, den Nonnenschleier zu nehmen. Ein ähnliches Urteil wurde über Anna Dalassena verhängt, die Schwägerin des verstorbenen Kaisers Isaak Komnenos, als Warnung an die einzige andere Familie in der Hauptstadt, von der möglicherweise Schwierigkeiten zu erwarten waren.

Norwich John Julius: Band III Seite 17,22,35,66,70,75,79
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Alexios' Onkel Isaak Komnenos hatte rund 20 Jahre zuvor kurze Zeit den Thron innegehabt; und seine Mutter, die außerordentlich zielstrebige Anna Dalassena, hatte all ihre fünf Söhne, von denen Alexios der dritte war, im Glauben erzogen, dass sie eines Tages in den Besitz der Kaiserkrone gelangen könnten.
Allerdings war Maria auch Alexios' Adoptiv-Mutter; aber selbst dieser Umstand rechtfertigte noch lange nicht, dass Alexios seine 15-jährige Ehefrau Irene Dukas in einem anderen, kleineren und tiefer gelegenen Palast gemeinsam mit ihrer Mutter, ihren Schwestern und ihrem Großvater väterlicherseits unterbrachte, mit der hinreißenden Maria dagegen im Bukoleon residierte.
Die Reaktion der DUKAS auf diese Maßnahme läßt sich leicht ausmalen. Sie hatten die KOMNENEN schließlich nicht aus besonderer Zuneigung unterstützt, sondern nur weil Alexios mit einer DUKAS verheiratet war. Darauf hatte Irenes Schwager Georgios Palaiologos schon aufmerksam gemacht, als sich ein Trupp von KOMNENEN-Anhängern weigerte, in ihren Hochrufen Irenes Namen mit dem ihres Mannes in einem Atemzug zu nennen. - Nicht um ihretwillen habe er einen so großen Sieg erfechten, sondern für eben jene Irene, von der sie sprächen. Und als er die Flotte auf seine Seite gebracht, hatte er dann auch darauf bestanden, dass die Matrosen ein Hoch auf Irene und Alexios ausriefen - in dieser Reihenfolge. Alexios brüskierte jedoch nicht nur Georgios und die Familie der DUKAS. In der Stadt verbreiteten sich in Windeseile Gerüchte: der Kaiser wolle sich von seiner Kindfrau scheiden lassen und dritter Ehemann der Kaiserin werden; aber auch, dass als treibende Kraft hinter dieser undurchsichtigen Entwicklung seine Mutter stehe, die gefürchtete Anna Dalassena, welche die DUKAS schon immer gehaßt habe und nun, da ihr Sohn des Thrones sicher sei, diese Familie ein für allemal um Macht und Einfluß zu bringen gewillt sei. Mochte das erste dieser Gerüchte der Wahrheit nahekommen, so traf das zweite mit Sicherheit zu. Schon wenige Tage später, am Ostersonntag, wurde noch mehr Öl ins Feuer gegossen, denn Alexios wollte seine Frau nicht zu den Krönungsfeierlichkeiten zulassen.
Als Anna Dalassena ihm ein paar Tage später durch einige Abgesandte den deutlichen Wink gab, dass es besser wäre, im eigenen Interesse zugunsten des Kandidaten ihrer Wahl, des Eunuchen Eustratios Garidas, zurückzutreten, geriet er außer sich vor Wut. "Bei Kosmas", soll er geschrien haben - beim eigenen Namen zu schwören galt in Byzanz als besonders nachhaltig -, "bei Kosmas, bevor Irene die Krone nicht aus meinen Händen erhalten hat, werde ich niemals freiwillig von diesem Patriarchenthron herabsteigen." Ob er sich zu diesem Eid öffentlich bekannt hat, ist nicht überliefert. Fest steht jedoch, dass am siebenten Tag nach der öffentlichen Proklamation der Thronbesteigung ihres Ehemannes die junge Kaiserin Irene ordnungsgemäß in der Hagia Sophia gekrönt wurde und dass am 8. Mai desselben Jahres Patriarch Kosmas sich ins Kallias-Kloster zurückzog. Wie es vorherzusehen war, folgte ihm Eustratios Garidas auf dem Patriarchenthron.
Das bedeutete für Alexios allerdings keine neue Erfahrung, denn die Familie war bereits seit seiner Thronbesteigung entzweit. Von Anfang an hatte die Schuld daran hauptsächlich bei ihm gelegen. Wir haben gesehen, welche Machtstellung seine Mutter Anna Dalassena innehatte und wie er seine 15-jährige Ehefrau Irene Dukas in den Hintergrund schob und sogar ihre Krönung zu verhindern versuchte, um mit seiner Adoptiv-Mutter Maria von Alania zu regieren. Maria verschwand dann bald von der Bildfläche, und Irene kehrte an seine Seite zurück, doch Anna Dalassena wirkte für einige weitere Jahre als treibende Kraft hinter dem Thron, mächtiger und einflußreicher als ihr zweiter Sohn, der Sebastokrator Isaak, mit dem sie die Herrschaft theoretisch teilte, wenn sich Alexios auf einem seiner zahlreichen Feldzüge befand. In Konstantinopel sah man ihre Macht je länger, desto weniger gern, bis es soweit kam, dass Alexios in ihr eine ernsthafte Belastung zu sehen begann. Deshalb zog sie sich um 1090, angeblich freiwillig, in das Kloster Pantepoptes zurück, wo sie einige Jahre später, nicht in völliger Ungnade, das Zeitliche segnete.

Bünemann, Richard: Seite 129
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"Robert Guiskard 1015-1085. Ein Normanne erobert Süditalien."

Nur mit Söldnern konnte das Heer des geschlagenen Kaisers aufgefüllt werden, doch dazu fehlten die Mittel. In dieser verzweifelten Situation forderte Alexios von seiner Mutter und seinem Bruder, die in Konstantinopel für ihn regierten, Geld zu beschaffen, und zwar "ganz gleich wo". Darauf beschlossen Anna Dalassena und ihr Sohn Isaak, kirchliches Eigentum, darunter sakrale Gegenstände aus Gold und Silber, zu beschlagnahmen. Diese Maßnahme stieß bei einem Teil der griechsichen Geistlichkeit auf heftige Opposition, hat aber die Aufstellung neuer Streitkräfte ermöglicht.

Runciman, Steven: Seite 54,70
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Gleich vielen anderen byzantinischen Edlen gehörte Isaak erst in zweiter Generation dem Adel an. Sein Vater war ein thrazischer Krieger, wahrscheinlich ein Walache, an dem Basileios II. Gefallen gefunden hatte. Er hatte vom Kaiser Ländereien in Paphlagonien erhalten, wo er ein großes Schloß, Castra Comnenon, erbaute, das noch heute Kastamuni heißt. Isaak und sein Bruder Johannes erbten ihres Vaters Länderein und militärische Fähigkeiten, und beide heirateten in die byzantinische Aristokratie ein. Isaaks Gattin war eine Prinzessin aus dem vormaligen bulgarischen Königshaus, die Gattin Johannes', eine Erbin der großen Familie der DALASSENI. Isaak hatte keinen Sohn; folglich ernannte er Konstantin Dukas zu seinem Nachfolger. Seine Schwägerin Anna Dalassena verzieh ihm dies nie.
Alexios' Familie, deren Verbindungen sich durch die gesamte byzantinische Aristokratie verzweigten, hatten ihn unzweifelhaft an die Macht geholfen; und er hatte seine Stellung durch eine Heirat mit einer Dame aus dem Hause DUKAS gefestigt. Aber die Ränke und Eifersüchteleien seiner Verwandten, insbesondere der Haß, den seine herrschsüchtige Mutter gegen seine Gattin und ihre Sippe nährte, schufen ihm nur noch zusätzliche Schwierigkeiten. Der Hof war voll von Angehörigen früherer kaiserlichen Familien oder der Familien von Usurpatoren und Gegen-Kaisern, die Alexios durch Heiratsbündnisse an sich zu fesseln suchte. Da waren die Kaiserin Maria, von grimmiger Eifersucht auf die neue Kaiserin Irene verzehrt, und Marias Sohn, Konstantin Dukas, den Alexios zu seinem jüngeren Mitregenten machte und bald seinem ältesten Kind Anna anverlobte; da waren die Söhne des Romanos Diogenes, deren einen er mit seiner Schwester Theodora verheiratete; da war der Sohn des Nikephoros Bryennios, der nach dem frühen Hinscheiden des Konstantin Dukas wahrhaftig die Anna Komnene heiratete; da war Nikephoros Melissenos, bereits mit Alexios' Schwester Eudokia verheiratet, der seine Ansprüche auf das Reich gegen den Titel Cäsar an seinen Schwager abtrat.

Kashdan A.P.: Seite 36
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"Byzanz und seine Kultur."

Die Frauen fühlten sich auch zur Politik hingezogen: Die hochmütige Anna Dalassena, Mutter Alexios' I., regierte de facto das Reich und vergab Verleihungsurkunden. Alexios' Tochter spann Intrigen, um zu erreichen, daß nicht ihr Bruder, sondern ihr Mann, der Historiker und Heerführer Nikephoros Bryennios, auf den Thron erhoben würde. Irene Komnene, Schwägerin Manuels I., rühmte sich öffentlich ihrer oppositionellen Einstellung. Die von Prodromos beschriebene Gestalt der herrschsüchtigen Matrone scheint in dieser Zeit aktuell gewesen zu sein.
 
 
 
 

  oo Johannes Komnenos
       um 1015 1067
 
 
 
 

Kinder:

  Alexios I. Komnenos
  1048/57 15.8.1118

  Eudokia
      

 1067
  oo Nikephoros Melissenos
            

  Theodora
       als Nonne

  Manuel
       1071

  Nikephoros
      1136/43

  Adrianos
      1105

  Maria
       als Nonne

  Isaak
     um 1107
 
 
 
 

Literatur:
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Bünemann, Richard: Robert Guiskard 1015-1085. Ein Normanne erobert Süditalien. Böhlau Verlag GmbH & Cie, Köln 1997 Seite 129 - Heilig, Konrad Josef: Ostrom und das Deutsche Reich um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Die Erhebung Österreichs zum Herzogtum 1156 und das Bündnis zwischen Byzanz und dem Westreich, in Kaisertum und Herzogsgewalt im Zeitalter Friedrichs I. Studien zur politischen und Verfassungsgeschichte des hohen Mittelalters, Anton Hiersemann Stuttgart 1944 Seite 256 - Kashdan A.P.: Byzanz und seine Kultur. Akademie-Verlag Berlin Seite 36 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band II Seite 448; Band III Seite 17,22,35,66,70,75,79 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978 Seite 54,70 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 201 -