Andronikos Dukas                         Byzantinischer Feldherr
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um 1035 1077 als Mönch Antonio
 

Jüngerer Sohn des CäsarsJohannes Dukas und der Irene, Tochter von General Nikolaos Pegonites; Neffe des KaisersKonstantin X. Dukas von Byzanz
 

Lexikon des Mittelalters: Band III Spalte 1443
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Dukas (pl. Dukai)
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Die byzantinische Niederlage bei Mantzikert (1071) wurde teilweise auch durch den Verrat von Andronikos, Sohn des Caesars Johannes, mitverschuldet.
Nachdem Michael VII. zum Thronverzicht gedrängt worden war, berief sich sein Nachfolger Nikephoros Botaneiates zur Legitimierung seiner Herrschaft nicht nur auf seine Verwandtschaft mit den PHOKAI, sondern er ehelichte auch, noch zu Lebzeiten Michaels VII., dessen Gattin Maria. Ähnlich verhielt sich auch Alexios I. Komnenos, der Irene heiratete, die Tochter des Verräters Andronikos und Enkelin von Johannes, der Alexios 1081 geholfen hatte, sich des Thrones zu bemächtigen. Alexios wurde zuerst nur zum Erben des jungen Konstantin bestimmt, des Sohnes von Michael VII.; er verlobte ihn mit seiner ältesten Tochter Anna. Als ihm aber ein Sohn geboren wurde und Konstantin (ca. 1095) starb, gingen die DUKAS endgültig des Thrones verlustig.



Thiele, Andreas: Tafel 200
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

ANDRONIKOS
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    1077 als Mönch Antinios

Andronikos Dukas wurde Protoproedros und Protobestiarios und 1073 Domestikos-Feldherr. Sein Verrat 1071 in der Schlacht bei Mantzikert gegen die Seldschuken führte zur großen Katastrophe für Byzanz. Er mußte Mönch werden und war 1073 zeitweise Mitregent seines Cousins Michael VII.

 vor 1066
  oo MARIA VON BULGARIEN, Tochter des Prinzen Trojan
             nach 1089 als Nonne



Norwich John Julius: Band II Seite 444,449
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Dahinter stand eine beträchtliche Nachhut, die, wie es heißt, aus dem "Aufgebot des Adels" bestand: es handelte sich um die persönlichen Einheiten von Großgrundbesitzern; sie stand, etwas überraschend, unter der Führung von Andronikos Dukas, dem Sohn des Cäsars Johannes Dukas und Neffen des verstorbenen Kaisers Konstantin X. Der junge Mann scheint keinen Hehl aus seiner Verachtung für Romanos gemacht zu haben. Es verwundert deshalb, dass ihm dieser überhaupt gestattete, am Feldzug teilzunehmen. Vermutlich hielt er es für sicherer, ihn als potentielle Geisel in unmittelbarer Nähe zu haben, als ihn in Konstantinopel zurückzulassen, wo er ihm Schwierigkeiten bereiten konnte. Wenn es sich so verhält, sollte es sich als der größte Fehler seines Lebens erweisen.
In diesem Augenblick hätte die Nachhut ihre Existenz rechtfertigen und vorrücken müssen, um den Feind zwischen sich und den regulären Einheiten einzuschließen und ihm die Flucht zu verunmöglichen. Statt dessen verbreitete Andronikos Dukas bewußt unter seinen Männern das Gerücht, der Kaiser sei geschlagen und die Schlacht verloren. Darauf flohen sie. Je mehr die Panik um sich griff, desto mehr Einheiten folgten ihnen. Lediglich die Reitertruppen am linken Flügel ritten dem Kaiser zu Hilfe, als sie erkannten, in was für Schwierigkeiten er steckte. Die Seldschuken stürzten sich jedoch von hinten auf sie, und so mußten auch sie bald ihr Heil in der Flucht suchen.
Die einzigen wirklichen Bösewichte waren jene aus dem "Aufgebot des Adels", welche die Nachhut bildeten, sowie ihr Befehlshaber Andronikos Dukas. Ihre schmähliche Flucht lag vermutlich eher in Verrat als in Feigheit begründet, und dies macht sie um kein Jota entschuldbarer.
Die eine Hälfte stürmte unter dem Befehl seines kurz zuvor zurückgekehrten Sohnes Andronikos den Palast und rief Michael zum Kaiser aus; die andere marschierte direkt zu den Gemächern von Kaiserin Eudokia und nahm sie fest. All das lief in Windeseile ab. Die überrumpelte Eudokia wurde in eine von ihr gegründete Kirche an der Mündung des Hellespont verbannt; dort scherte man ihr kurz darauf das Haar und zwang sie, den Nonnenschleier zu nehmen. Ein ähnliches Urteil wurde über Anna Dalassena verhängt, die Schwägerin des verstorbenen Kaisers Isaak Komnenos, als Warnung an die einzige andere Familie in der Hauptstadt, von der möglicherweise Schwierigkeiten zu erwarten waren. EudokiasSohn Michael VII. Dukas wurde in aller Feierlichkeit zum Basileus ausgerufen.
Was Romanos nach dem Verlassen des seldschukischen Lagers im einzelnen unternahm, läßt sich schwer rekonstruieren. Es gibt nur wenige Quellen, und die meisten widersprechen sich auch noch. Mit einiger Sicherheit läßt sich eruieren, dass es ihm gelungen sein muß, den Rest seines einst so großen Heeres zu sammeln, mit dem Ziel, gegen die Hauptstadt zu marschieren. Johannes Dukas hatte sich jedoch auf ihn vorbereitet. Es scheint zwei Schlachten gegeben zu haben: eine in der Nähe von Dokeia gegen eine Streitmacht unter dem Befehl Konstantins, des jüngsten Sohns des Cäsars, und eine zweite in der Nähe von Adana in Kilikien, in der Romanos einem Feldherrn gegenüberstand, der ihn bei Mantzikert verraten hatte: Andronikos Dukas. Romanos verlor beide. Nach der zweiten lieferte er sich Andronikos aus und erklärte sich bereit, auf seinen Thronanspruch zu verzichten und sich in ein Kloster zurückzuziehen. Im Gegenzug sicherte ihm der neue Kaiser - unter Bekräftigung seitens der Erzbischöfe von Chalkedon, Heraklea und Kolonea - zu, dass man ihn nicht antasten werde.
Man könnte argumentieren, Andronikos'Befehl, den Ex-Kaiser auf ein Maultier zu setzen und ihn auf diese Weise erniedrigt die gut 800 Kilometer von Adana nach Kotiaios (heute Kütahya) zurücklegen zu lassen, sei nicht direkt als Antasten zu werten; als eine eigenwillige Auslegung der Bedingungen seines Auftrags erscheint es aber schon. Angesichts der nachfolgenden Ereignisse ist diese Frage aber rein akademisch. Skylitzes schreibt, mit Bezug auf die Erzbischöfe:
Obwohl sie ihm helfen wollten, waren sie schwach und machtlos, als ihn grausame und harte Männer ergriffen und erbarmungslos, gnadenlos, sein Augenlicht auslöschten. Auf einem billigen Lasttier getragen wie ein verwesender Leichnam, die Augen ausgestochen, das Gesicht und den Kopf voller Würmer, lebte er noch ein paar Tage in Schmerzen und mit einem fauligen Gestank um sich, bis er den Geist aufgab und auf der Insel Proti, wo er ein Kloster hatte erbauen lassen, begraben wurde. Er erhielt eine aufwendige Beerdigung von seiner Frau, der Kaiserin Eudokia, und hinterließ Erinnerungen an Prüfungen und Mißgeschicke, die zu schrecklich sind, um erzählt zu werden. Trotz all seines Unglücks kam jedoch kein Fluch und keine Gotteslästerung über seine Lippen, er dankte Gott weiterhin und ertrug sein Schicksal tapfer.

Norwich John Julius: Band III Seite 17
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Außerdem sicherte ihm seine Ehefrau Irene Dukas, Enkelin des Cäsars Johannes Dukas und Tochter jenes Andronikos Dukas, der Romanos Diogenes bei Mantzikert so schändlich im Stich gelassen hatte, die Unterstützung nicht nur der reichsten und einflußreichsten Familie im Reich, sondern auch des Klerus (dem bis zu seinem Tod 1075 Johannes Xiphilinos, ein Günstling der DUKAS, als Patriarch vorstand) und des größten Teils der Aristokratie dazu.
 
 
 
 

 vor 1066
  oo Maria von Bulgarien, Tochter des Prinzen Trojan
       um 1045 nach 1089 als Nonne
 
 
 
 

Kinder:

  Johannes Dukas
  um 1064 vor 1136

  Irene Dukaina
  um 1065 1123 als Nonne

 1078
  oo Alexios I. Komnenos
      1048/57 16./17.8.1118

  Theodora Dukaina Nonne
      

  Michael Dukas
  1061 um 1118

  Anna Dukaina
      

  oo Georgios Palaiologos
            
 
 
 
 

Literatur:
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Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band II Seite 444,449/Band III Seite 17 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 200 -