Alexios II. Komnenos                    Kaiser von Byzanz (1180-1183)
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10.9.1167 24.9.1183 ermordet
 

Einziger Sohn des Kaisers Manuel I. Komnenos von Byzanz aus seiner 2. Ehe mit der Xenia-Maria von Antiochia, Tochter von Fürst Raimund I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 386
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Alexios II. Komnenos, byzantinischer Kaiser September 1180-1183
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* 14. September 1169 September 1183

Sohn von Manuel Komnenos

  oo Agnes von Frankreich (Agnes - Anna)

Die Regentschaft, die für den minderjährigen Alexios die Staatsgeschäfte übernahm, stärkte in der Innenpolitik die lateinerfreundliche Richtung, was Erbitterung im Volk und eine Verschwörung des Adels zur Folge hatte. Ein von einem antilateinischen Aufstand in Konstantinopel begleiteter Staatsstreich brachte im Mai 1182 Andronikos Komnenos an die Macht, der sich zum Mit-Kaiser Alexios' aufschwang und Mitglieder und Anhänger der Regentschaft hinrichten ließ. Bald darauf wurde auch Alexios erdrosselt; seine kurze, unselbständige Herrschaft besaß nur Übergangscharakter.



Thiele, Andreas: Tafel 203
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

ALEXIOS II.
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* 1169, 1183 ermordet

1180 Kaiser, von Andronikos I. ermordet.

 1180
  oo AGNES VON FRANKREICH, Tochter des Königs Ludwig VII.
       * 1171, um 1240



Alexios II. stand unter der Vormundschaft seiner Mutter, die 1182 ein Pogrom gegen die italienischen Kaufleute inszenierte. 1183 wurde Alexios von Andronikos I. gestürzt und kurz darauf erdrosselt.

Norwich John Julius: Band III Seite 165-184
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"Byzanz"

Alexios Komnenos II. war ein unscheinbares Kind. Der Chronist Niketas Choniates berichtet. "Der junge Herrscher, unreif und unfähig, für das Staatswohl zu sorgen, kümmerte sich um keine einzige seiner Pflichten. Ohne ernsthafte Erziehung aufwachsend, ohne schon wahre Freude und wahren Schmerz kennengelernt zu haben, hatte er nur für Jagd und Pferderennen Sinn. Sein ganzer Umgang waren seine gleichaltrigen Spielgefährten, und das prägte seinem Wesen die übelsten Züge ein." In der Zwischenzeit herrschte seine Mutter, Kaiserin Maria von Antiochia, an seiner Statt als Regentin. Nie zuvor hatte jemand lateinischer Abstammung in Konstantinopel regiert, und so trat sie ihr Amt mit einem schwerwiegenden Nachteil belastet an. Dem byzantinischen Volk war, wie wir gesehen haben, schon die Vorliebe Manuels für alles Westliche ein Dorn im Auge gewesen; nun befürchtete man - und mit gutem Grund - eine weitere Ausdehnung der Handelsrechte und Privilegien für die italienischen und fränkischen Kaufleute. Die Besorgnis wuchs zusehends, als Maria eine weitere äußerst prowestlich eingestellte Persönlichkeit zu ihrem obersten Ratgeber ernannte, nämlich den Protosebastos Alexios, Manuels Neffen und Onkel Königin Theodoras von Jerusalem. Es dauerte nicht lange, bis allgemein gemunkelt wurde, sie habe ihren Berater auch zu ihrem Geliebten gemacht, obwohl aus der Beschreibung von Niketas nicht recht zu ersehen ist, was sie, die Kaiserin - deren Schönheit in der ganzen christlichen Welt gerühmt wurde -, an ihm hätte finden können, denn er schreibt:
Er war sehr verweichlicht und vergeudete nicht bloß den Morgen mit tiefem Schlaf, sondern opferte sogar einen großen Teil des Tages seinem Schlummer. Damit ihm nun nicht die Sonne, wenn sie, von allen freudig begrüßt, ihre Augen aufschlägt, seine eigenen Augen öffne, verdunkelte er sein Schlafgemach mit dichteren Vorhängen       [...] Oder wahrer gesagt: Die Nacht durchschwelgte er und brach das nächtliche Dunkel durch künstliches Licht; wenn aber die Sonne am östlichen Horizont heraufstieg, verkroch er sich wie ein wildes Tier in seinem Schlafgemach und sperrte das Licht durch Decken und Vorhänge aus. Er putzte sich aber auch seine faulenden Zähne und ersetzte jene, die ihm mit der Zeit ausfielen, durch künstliche.
Nun, die Unzufriedenheit wuchs also, und es begannen sich verschiedene Verschwörungsnester zu bilden, insbesondere jenes, in dem die gleichnamige Stieftochter Kaiserin Marias als Drahtzieherin wirkte. Das Komplott wurde indes aufgedeckt, und diese Maria, ihr EhemannRainier von Montferrat und die übrigen Verbündeten schafften gerade noch die Flucht in die Hagia Sophia und verbarrikadierten sich dort. Aber Kaiserin Maria von Antiochia scherte sich nicht um die Anerkennung kirchlichen Asylrechts. Sie sandte umgehend die kaiserliche Wache mit der Order aus, sich der Verschwörerin und ihres Gefolges zu bemächtigen, und einzig die persönliche Vermittlung des Patriarchen bewahrte die Hagia Sophia vor der Entweihung. Dieser Vorfall erschütterte die byzantinische Bevölkerung zutieftst, und die ihm folgende Exilierung und Verfügung seiner Heiligkeit in ein Kloster zur Strafe für seine Einmischung machte die Regierung so unbeliebt wie nie zuvor. Das Ausmaß öffentlichen Unwillens, der Kaiserin Maria entgegenschlug, war derart groß, dass sie nie wagte, ihre Stieftochter Maria zu bestrafen. Auch rührte sie sich nicht, als das Volk später geschlossen zum Kloster des Patriarchen marschierte und ihn zurück nach Konstantinopel trug. Die ganze Angelegenheit hätte nicht undiplomatischer gehandhabt werden können.
Der erste Staatsstreich war also fehlgeschlagen. Doch drohte bald darauf von einem anderen Mitglied der kaiserlichen Verwandtschaft Gefahr, diesmal von einem Mann, und zwar einem solchen ganz anderer Größenordnung. Andronikos Komnenos, der leibliche Vetter Kaiser Manuels, Sohn des Sebastocrator Isaak, muß ein wahres Wunderwesen gewesen sein.
Andronikos hatte immer schon nach der kaiserlichen Krone geschielt, und als ihm nach Manuels Tod Berichte über den wachsenden Aufruhr gegen die RegentschaftKaiserin Marias zu Ohren kamen, bedurfte es nur wenig, um ihn davon zu überzeugen, dass seine Chance endlich gekommen war. Im August 1182 zog er gegen die Hauptstadt Konstantinopel. Sein altes Zaubermittel wirkte so stark wie eh und je. Die gegen ihn ausgesandten Truppen verweigerten den Kampf; deren Befehlshaber Andronikos Angelos ergab sich und schloß sich ihm an, ein Beispiel, dem bald darauf der befehlshabende Admiral der kaiserlichen Flotte auf dem Bosporus folgte. Andronikos Komnenos zog weiter, und das Volk strömte aus den Häusern, um ihm zuzujubeln; bald war die Straße von seinen Gefolgsleuten gesäumt. Noch bevor er die Meerenge überquert hatte, brach in Konstantinopel der Aufstand los, und mit ihm explodierte die aufgestaute Fremdenfeindlichkeit, die die Ereignisse der vorangegangenen zwei Jahre so sehr begünstigt hatten. In der Folge wurde praktisch die gesamte lateinischstämmige Bevölkerung der Stadt niedergemetzelt - Frauen und Kinder, Alte und Gebrechliche, selbst die Kranken - und das ganze von ihr bewohnte Viertel bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Im Palast fand man den vor Furcht sich windendenProtosebastos Alexios, zu verängstigt, um die Flucht auch nur zu erwägen; er wurde in ein Verlies geworfen und später, auf Andronikos' Geheiß hin, geblendet. Der junge Kaiser Alexios II. Komnenos und seine Mutter, Kaiserin Maria, wurden in die kaiserliche Villa des Philopation überführt, wo sie ausharren mußten, bis Andronikos nach Belieben über sie verfügen würde. Ihr Schicksal muß ihre sämtlichen Befürchtungen übertroffen haben. Der Triumph förderte die andere Seite von Andronikos'Charakter zutage: eine Grausamkeit und Brutalität, die wenige in ihm vermutet hätten und die weder durch einen Funken Mitleid noch durch Skrupel oder Moral gemildert wurden. Obwohl inzwischen allmächtig, war er noch nicht Kaiser; und so begann er methodisch und kaltblütig alle zu eliminieren, die zwischen ihm und dem Thron standen. Prinzessin Maria und ihr Ehemann mußten als erste über die Klinge springen; sie starben rasch und unter mysteriösen Umständen, doch niemand zweifelte daran, dass sie vergiftet worden waren. Dann war die Reihe an Kaiserin Maria von Antiochia. Ihr 13-jähriger Sohn Alexios wurde gezwungen, das Todesurteil eigenhändig zu unterschreiben, und sie wurde in ihrer Zelle erdrosselt. Im September des Jahres 1183 ließ sich Andronikos zum Mit-Kaiser krönen, und zwei Monate später fand auch der jungeKaiser Alexios II. Komnenos durch eine Bogensehne den Tod; seinen Leichnam warf man in den Bosporus. Damit waren, wie Niketas sich ausdrückte, alle Bäume im kaiserlichen Garten gefällt. Lediglich eine Formalität galt es noch zu erledigen. Die letzten dreieinhalb Jahre seines kurzen Lebens war Alexios mit Agnes von Frankreich verheiratet gewesen, die inzwischzen den byzantinischen Namen Anna trug. Kaum war ihr 13-jähriger Gemahl beseitigt, nahm der neue, mittlerweile 64-jährige Kaiser die 12-jährige Kaiserin zur Frau.
 
 
 
 

2.3.1180
  oo 1. Agnes von Frankreich, Tochter des Königs Ludwig VII.
           1171 um 1240
 
 
 
 

Literatur:
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Browning Robert: Byzanz. Roms goldene Töchter. Die Geschichte des Byzantinischen Weltreiches. Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1982 Seite 132,134 - Frischler Kurt: Das Abenteuer der Kreuzzüge. Heilige, Sünder und Narren. F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung München-Berlin 1973 Seite 225 - Heilig, Konrad Josef: Ostrom und das Deutsche Reich um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Die Erhebung Österreichs zum Herzogtum 1156 und das Bündnis zwischen Byzanz und dem Westreich, in Kaisertum und Herzogsgewalt im Zeitalter Friedrichs I. Studien zur politischen und Verfassungsgeschichte des hohen Mittelalters, Anton Hiersemann Stuttgart 1944 Seite 112,118,231, 250,262,267,294 - Kashdan A.P.: Byzanz und seine Kultur. Akademie-Verlag Berlin Seite 84,173 - Lehmann Johannes: Die Kreuzfahrer. Abenteurer Gottes. Gondrom Verlag Bindlach 1991 Seite 267 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993  Band III Seite 165-184 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 723,727-728,813 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 203 - Weller Tobias: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. Rheinisches Archiv. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2004 Seite 108,110 -