Anna (Agnes) von Frankreich        Kaiserin von Byzanz
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1171 um 1240
 

Jüngste Tochter des Königs Ludwig VII. von Frankreich aus seiner 3. Ehe mit der Adele (Alix) von der Champagne, Tochter von Graf Theobald IV.
 

Brandenburg Erich: Tafel 9 Seite 19
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XIV. 106. AGNES
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* 1171, nach 1240

Gemahl:
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a) 1180 2.III.
Alexios II. Kaiser von Byzanz (siehe XIV 128)
       1183 24.IX.

b) 1183
Andronikos I. Kaiser von Byzanz
       1185 12.IX.

c) 1225
Theodor Branas
    



Thiele, Andreas: Tafel 46
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

AGNES
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* 1171, um 1240

 1180
  oo ALEXIOS II. Kaiser von Byzanz
           1183 ermordet

 1183
  oo ANDRONIKOS I. Kaiser von Byzanz
            1185 ermordet



Anna lebte in einem Kloster in Byzanz und wurde zur Ehe mit Andronikos I. gezwungen. Die Unglückliche gab sich mit äußerstem Widerwillen dem schon alt gewordenen Despoten hin und verfiel nahezu in Wahnsinn.

Norwich John Julius: Band III Seite 162,169,190
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches"

Im Frühjahr 1178 zog Philipp, Graf von Flandern, auf dem Heimweg vom Heiligen Land durch Konstantinopel. Manuel empfing ihn wie gewöhnlich sehr gastfreundlich, stellte ihm den kleinen Alexios vor und regte an, sich in Frankreich bei König Ludwig über die Möglichkeit einer Heirat zwischen dem jungen Prinzen und einer französischen Prinzessin umzuhören.Philipp sagte zu, und innerhalb angemessener Frist gab auch Ludwig seine Zustimmung. So brach an Ostern 1179 Prinzessin Agnes von Frankreich, die Tochter Alix' von der Champagne - Ludwigs dritter Frau - zu einem neuen Leben nach Konstantinopel auf. Am Sonntag, dem 2. März 1180, schloß Patriarch Theodosios im Triklinium des Großen Palastes den Ehebund zwischen Agnes und Alexios und krönte sie mit dem kaiserlichen Diadem. Agnes zählte neun Jahre, ihr Ehebub zehn.
Lediglich eine Formalität galt es noch zu erledigen. Die letzten dreieinhalb Jahre seines kurzen Lebens war Alexios mit Agnes von Frankreich verheiratet gewesen, die inzwischen den byzantinischen Namen Anna trug. Kaum war ihr dreizehnjähriger Gemahl beseitigt, nahm der neue, mitttlerweile vierundsechszigjährige Kaiser die zwölfjährige Kaiserin zur Frau [In: Diehl, Figures Byzantines, Teil 2, finden sich fundierte wie ausgesprochen gut lesbare Kurzbiographien über Andronikos und Agnes. Was aus Theodora wurde, ist offenbar nicht bekannt. Kann sein, daß auch sie ein unerfreuliches Ende fand; vielleicht kam sie aber auch in einem Kloster unter und verbrachteden Rest ihres Lebens dort.].
Von den anderen beiden Monarchen, die am Kreuzzug teilnahmen, Richard Löwenherz von England und Philipp II. August von Frankreich, konnte Byzanz - rief man sich die enge verwandtschaftliche Verbindung des einen und das schreckliche Ende von Agnes, einer Schwester des anderen, in Erinnerung, welches diese als Kaiserin Anna in Konstantinopel vor kurzem erlitten hatte - ebenfalls kein Wohlwollen erwarten.

Runciman Steven: Seite 206
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"Die Eroberung von Konstantinopel 1453"

Möglicherweise hatte er diese Einzelheiten von griechischen Bekannten, die ihm vom Fall der Stadt im Jahr 1204 erzählten, und die Prinzessin war in Wahrheit die Kaiserin Agnes, die Tochter Ludwigs VII. von Frankreich und Witwe Alexios' II. und Andronikos' I. In jedem Fall scheint er sich auf Klatsch und Hörensagen und nicht auf frühere schriftliche Quellen gestützt zu haben.

Runciman, Steven: Seite 723,728,813
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Wilhelm von Tyrus verweilte sieben Monate in Konstantinopel. Er wohnte den großen Feierlichkeiten einer kaiserlichen Doppelhochzeit bei als nämlich Manuels Tochter Maria, eine achtundzwanzigjährige Jungfer, Rainer von Montferrat, den Schwager Sibylles, heiratete und Manuels Sohn, der zehnjährige Alexios, der neunjährigenPrinzessin Agnes von Frankreich angetraut wurde.
Andronikos wurde Mit-Kaiser; aber zwei Monate später, im November 1182, wurde auch der Knabe Alexios selbst ermordet, und Andronikos, jetzt zweiundsechszig, heiratete seine Witwe, die zwölfjährige Agnes von Frankreich.
Philipp II. August war das Glück seiner Familie völlig gleichgültig. Er rührte nie auch nur einen Finger, um seiner armseligen Schwester Agnes, der Witwe Alexios' II. von Byzanz, zu helfen.

Weller Tobias: Seite 108,110,190
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"Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert."

Zugleichschlug der Papst den byzantinischen Kaiser-Sohn Alexios (1183) als geeigneten Bräutigam für die in Frage kommende KAPETINGER-Prinzessin vor und versprach, sisch in Konstantinopel nachdrücklich für eine solche Verbindung einzusetzen [546 Alexander III., Epist. et priv., Migne PL 200, No. 872, 783 (= JL 11.883).]. Die Namen der Heiratskandidaten verrät der Papstbrief nicht. Auf französischer Seite kann es sich nur um Agnes ( 1240), die jüngste und einzige damals noch ledige bzw. unvermählte Tochter Ludwigs VII., handeln.
Dennoch wollte sich Ludwig letztlich nicht mit Alexander überwerfen. Dessen prompte Reaktion in dem Brief an Heinrich von Reims zeigt, daß die Sondierung einer staufisch-kapetingischen Verbindung ihre Wirkung bei dem Papst nicht verfehlt hatte. Das Projekt wurde anscheinend bald fallengelassen [555 Prinzessin Agnes von Frankreich heiratete am 2. März 1180 den byzantinischen Thronfolger Alexios II. Komnenos, wie es die Väter der Brautleute  im Winter 1178/79 vereinbart hatten. Damit wurde die Verbindung vollzogen, die Papst Alexander III. schon neun Jahre zuvor angeregt hatte. Vgl. Dölger/Wirth, Regesten 2, No. 1531; Cartellieri, Philipp II. August 1, 29; Georgi, Friedrich Barbarossa 324.].
Auch bei den Heiratsprojekten, die nicht über das Stadium eines vorsichtigen Sondierens hinaus gediehen sind, nahm FRIEDRICH BARBAROSSA nur Angehörige von Herrscherhäusern in den Blick. Mit König Ludwig VII.verhandelte er Anfang 1171 über eine Verbindung seines Sohnes HEINRICH VI. mit der KAPETINGER-Prinzessin Agnes; gut zwei Jahre später kam es erneut zu Gesprächen, die auf eine Heirat des französischen Kronprinzen Philippmit einer Tochter BARBAROSSAS zielten.
 
 
 
 

   2.3.1180
  1. oo Alexios II. Komnenos Kaiser von Byzanz
          10.9.1167 24.9.1183 ermordet

    1183
  2. oo Andronikos I. Kaiser von Byzanz
          1111/20 12.9.1185
 
 
 
 

Literatur:
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Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 9 Seite 19 - Cardini, Franco: Friedrich I. Barbarossa. Kaiser des Abendlandes, Verlag Styria Graz 1990 Seite 227 - Die Staufer im Süden. Sizilien und das Reich, hg. von Theo Kölzer, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996, Seite 72,72A.75 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 139,155 - Heilig, Konrad Josef: Ostrom und das Deutsche Reich um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Die Erhebung Österreichs zum Herzogtum 1156 und das Bündnis zwischen Byzanz und dem Westreich, in Kaisertum und Herzogsgewalt im Zeitalter Friedrichs I. Studien zur politischen und Verfassungsgeschichte des hohen Mittelalters, Anton Hiersemann Stuttgart 1944 Seite 294 - Hiller, Helmut: Friedrich Barbarossa und seine Zeit. Eine Chronik Paul List Verlag KG München 1977 Seite 336 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 162,169,190, 253 - Runciman Steven: Die Eroberung von Konstantinopel 1453 C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München 1966 Seite 206 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978 Seite 723,728,813 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 46 - Weller Tobias: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. Rheinisches Archiv. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2004 Seite 108,110,190 -